Pressespiegel 12.06.2026
Institutionelle Kulturorte
Kulturelle und öffentliche Institutionen prägen das Stadtbild — ob Bühnen, Messegelände oder historische Badeanlagen. Aktuelle Entwicklungen zeigen Umbruch und Beständigkeit zugleich.
Die Münchner Kammerspiele verzeichnen mit rund 170.000 Besuchern eine Rekordspielzeit, müssen jedoch trotz Erfolgs ein Sparpaket von 2,6 Millionen Euro umsetzen. Die Jubiläumsspielzeit 2026/27 zum 100-jährigen Umzug in die Maximilianstraße setzt Schwerpunkte auf verdrängte Geschichte, männliche Gewalt und Künstliche Intelligenz.
Die Koelnmesse übernimmt zum 1. Januar 2027 die Design Post Köln und integriert sie als Eventlocation in ihr Portfolio; das bisherige Showroom-Konzept endet, Interior-Design-Formate bleiben jedoch möglich.
Das Müller'sche Volksbad, Münchens erstes Hallenbad von 1901, verbindet originalgetreu erhaltene Jugendstil-Architektur mit modernem Schwimm- und Saunabetrieb, darunter ein römisch-irisches Schwitzbad.
Erinnerungskultur
Geschichtsträchtige Orte und Denkmäler sind oft Anlass für Diskussionen über ihre Wahrung und Würdigung. In dieser Sektion geht es um aktuelle Fragen zur Erhaltung von Erinnerungsorten – von der Anerkennung historischer Landschaften bis zu Angriffen auf kulturelle Bauwerke.
Die SED-Landesbeauftragten fordern alle 16 Bundesländer auf, die UNESCO-Welterbe-Nominierung des Grünen Bandes zu unterstützen, das als 1.400 km langer Erinnerungs- und Naturraum entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze seit 2024 auf der deutschen Nominierungsliste steht.
Unbekannte haben die Goldwand der Augustinerkirche in Würzburg zum zweiten Mal beschmiert; der Sachschaden beträgt rund 2.000 Euro. Die Polizei Würzburg-Stadt ermittelt und bittet Zeugen um Hinweise unter 0931/457-2230.
Bildende Kunst
Ausstellungen und Markt prägen das Kunstgeschehen: Von der umfangreichen Richard-Prince-Schau bis zur Erfolgsgeschichte des Auktionshauses Ketterer. Daneben Positionen zu gegenwärtigen Fragen der künstlerischen Praxis und Vermittlung.
Das Münchner Auktionshaus Ketterer Kunst feiert sein 80-jähriges Bestehen und blickt auf wiederholt erzielte Rekordergebnisse zurück. Geschäftsführer Robert Ketterer spricht über Spitzenlose, Mittelklasse-Angebote und die wirtschaftliche Entwicklung des Hauses.
Der New Yorker Maler Jay Payton (*1992) thematisiert in materialdichten, abstrakt-assoziativen Gemälden die ökologischen und existenziellen Krisen der Menschheit und verbindet dabei Alltagsobjekte mit Fragen zur Abstraktion als künstlerischem Konzept.
Der Autor analysiert am Beispiel der Performancekünstlerin Florentina Holzinger, wie der Kunstbetrieb scheinbar rebellische Kunst ins kommerzielle Spektakel integriert, und sieht ihre Aufnahme durch die Galerie Thaddäus Ropac als Beleg für eine Refeudalisierung der Kunst.
Der Hamburger Bahnhof in Berlin eröffnet die neue Sammlungsausstellung „Tausendmal Berlin" mit über 70 Werken von mehr als 50 Künstlerinnen und Künstlern zur Berliner Kunstszene im globalen Dialog von 1989 bis heute.
Eine Ausstellung mit rund 150 Werken von Richard Prince zeigt bis 16. August in Wien, wie der Künstler Fotos der Konsumgesellschaft neu verwendet, um die Macht von Bildern zu hinterfragen.
Film & Fotografie
Zwischen Klassikerinnerungen und Gegenwartskino: aktuelle Entwicklungen, neue Produktionen und filmische Reflexionen prägen den Wochenüberblick. Dazu kommen Geschichten aus Fotografie und Dokumentation, die unterschiedliche Wirklichkeiten erkunden.
Jörg Winger, ehemaliger UFA-Produzent und Showrunner von „Deutschland 83", übernimmt als Geschäftsführer die deutschen Produktionsaktivitäten von Dynamic Television und hat bereits drei Serienentwicklungen gestartet, darunter einen ZDF-Thriller.
Die Kulturwissenschaftlerin und Sexualpädagogin Madita Oeming spricht über den Film "Truly Naked", der Coming-of-Age, Familiendrama und eine Reflexion über Pornografie verbindet.
Der Kultfilm „Ferris macht blau" von Regisseur John Hughes feiert am 11. Juni 2026 sein 40-jähriges Jubiläum und gilt bis heute als eine der einflussreichsten Komödien der 1980er Jahre.
Angela Schanelecs neuer Film „Meine Frau weint" begleitet eine Handvoll Menschen rund um Berlin, darunter das Paar Thomas und Laura, und kreist um Fragen des Zusammenlebens, Einsamkeit und Beziehung.
Literatur
Junge Schriftstellerinnen dominieren den literarischen Debütmarkt und prägen mit ihren Themen das aktuelle Leseverhalten. Wie eine neue Generation von Autorinnen und Leserinnen die Buchlandschaft neu gestaltet.
Junge Frauen der Gen Z entdecken Lesen als neuen Lebensstil und treiben über aufwendig gestaltete New-Adult-Bücher und Buchbloggerinnen einen Aufschwung im Buchmarkt an.
Laut einer Auswertung für die Zeit stammen 80 Prozent aller Debütromane großer deutscher Verlage von Frauen; gleichzeitig beobachtet die SZ, dass junge Schriftstellerinnen auffallend häufig weibliche Gewalt gegen Männer als Racheakt thematisieren.
Musik
Von klassischer Oper über Abschiedstourneen bis zu Blasmusik und Indie-Pop: Die Musikszene zeigt sich vielfältig. Dazu kommen kuriose Geschichten wie die Wiederentdeckung einer gestohlenen Oboe.
Ivan Repušić verabschiedet sich mit seinem letzten Konzert als Chefdirigent des Rundfunkorchesters im Prinzregententheater München und präsentiert dabei noch einmal seine „Artists in residence".
UNISONO und die Hochschule Osnabrück erforschen im Projekt PA.H|LIFETIME.ai neue physiotherapeutische Ansätze zur Prävention von Muskel- und Skeletterkrankungen bei Musiker:innen; Ergebnisse werden auf dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft präsentiert.
Eine 2022 in einer Münchner S-Bahn gestohlene Oboe im Wert von 10.200 Euro wurde nach dreieinhalb Jahren sichergestellt, nachdem ein Musikhändler die Bundespolizei alarmierte, als ihm das Instrument zum Kauf angeboten wurde.
Monteverdis Oper „L'Orfeo" über den Sänger Orfeo, der Euridice aus der Unterwelt zurückholen will, ist bis zum 24. Juni in Schwetzingen zu erleben.
In Freyung findet vom 12. bis 18. Juni 2026 eine Konzertreihe mit acht Auftritten statt, die von Oberkrainer-Musik und Indie-Pop über lateinamerikanische Klänge bis zu Jazz und Blasmusik reicht.
Der NDR-Dokumentarfilm „maffay!" begleitet Peter Maffay exklusiv auf seiner „We Love Rock 'n' Roll Farewell-Tour" 2024 und zeigt neben Bühnenaufnahmen persönliche Einblicke in sein Leben, darunter Aussagen zu Alkohol und familiären Beziehungen.
Die Sportfreunde Stiller feiern ihr 30-jähriges Bestehen mit dem neuen Album „Happy Birthday!", einer Dokumentation im Ersten und einer Jubiläumstournee. Sänger Peter Brugger empfindet das Älterwerden als befreiend, da der Vergleich mit jüngeren Künstlern für ihn keine Rolle mehr spielt.
Theater & Darstellende Kunst
Zwei aktuelle Inszenierungen zeigen, wie unterschiedlich Theater heute mit Provokation und gesellschaftlichen Themen umgehen kann. Während die eine das Verstörende lustvoll ausreitet, offenbart die andere grundsätzliche Probleme im konzeptuellen Umgang mit politischen Inhalten.
Regisseurin Claudia Bauer inszeniert Werner Schwabs Stück „Die Präsidentinnen" am Residenztheater München und spricht über ihre Herangehensweise an das als Fäkaliendrama bekannte Werk.
Kritiker Janis El-Bira verriss Nicoleta Esinencus Inszenierung „Memory Distortion. M I X T A P E" am HAU Berlin als gedanklich fahrlässig und ästhetisch gescheitert, unter anderem wegen der Gleichsetzung des Madagaskarplans der Nazis mit israelischer Politik gegenüber Palästinensern.
Sonstiges
Gidon Carmel verarbeitet auf dem Album JOKA gemeinsam mit Kyle Morton die Geschichte seiner Großmutter, die Auschwitz überlebt hat, zu Folk-Rock-Songs – gestützt auf Briefe, ihre Biografie und Dokumente aus dem Familiennachlass.
Das Trio Yelka veröffentlicht mit JEANS ein drittes Album, das Jazz, Pop und Postpunk verbindet und mit einer Steely-Dan-Coverversion eröffnet, ergänzt durch Gastmusiker wie Daniel Nentwig von The Whitest Boy Alive.
Kelsey Lu veröffentlicht mit SO HELP ME GOD ihr zweites Album, das Ambient-Art-Pop mit dystopischer Düsternis verbindet und Cellospiel mit Gastbeiträgen von Kim Gordon und Sampha kombiniert.
Tujiko Noriko widmet ihr Album PON ihrer verstorbenen tauben Katze und verbindet auf über 14 Stücken Dream Pop mit komplexer Elektronik, geprägt von Melancholie und einer zurückgenommenen Gesangsstimme.
Die japanische Postrock-Band Mono veröffentlicht mit SNOWDROP ein elegisches, orchestral angelegtes Album, dessen Wirkung stark von der Kitschtoleranz der Hörenden abhängt.
Die M94.5-Radiobühne widmet ihre aktuelle Folge dem Thema Garten: Moderator Tom Ate nimmt Hörer mit in Schattenwelten rund um Biergarten, Schrebergarten und das Thema Verwelken.
Der Fotoband „Torhüter" von Hans van der Meer zeigt einsame Torhüter auf europäischen Amateurfußballplätzen und verbindet dabei Spiel und Landschaft abseits des Profisports.
Nick Cave ehrte seinen 2023 verstorbenen Freund Shane MacGowan bei einem Konzert in Malahide Castle, Irland, mit einer emotionalen Darbietung des Pogues-Songs „A Rainy Night in Soho" und spielte zudem mehrere Raritäten.
Das Münchner Jugendzentrum Neschama nahm an der Jewrovision 2026 in Stuttgart teil und gewann mit einer Coverversion des Rapsongs REDE den Videopreis; 13 jüdische Jugendzentren aus ganz Deutschland traten unter dem Motto „Voices of Hope" an.
Das Hellenikon Idyllion am Golf von Korinth bietet Orchestern und Chören Konzerte an antiken Stätten in Verbindung mit Natur und Kultur.
Bob Dylan spielt auf seiner aktuellen Tour wiederholt seltene Basement-Tapes-Songs live, darunter erstmals seit 2008 „I Shall Be Released" – binnen einer Woche hat er bereits drei solcher Raritäten ausgegraben.
Nina Hagen löste 1979 in der österreichischen Talkshow „Club 2" einen Skandal aus, als sie weibliche Selbstbefriedigung demonstrierte. Die Boulevardpresse und Leser reagierten mit Hasswellen; Moderator Dieter Seefranz wurde für sechs Monate suspendiert.
Augsburger Kirchen veranstalten ab 13. Juni unter dem Motto „Unübersehbar – Facetten der Sichtbarkeit" eine Reihe mit Ausstellungen, Lesungen und Gottesdiensten zu queeren Lebenswirklichkeiten, um Glauben und queere Identität als vereinbar darzustellen.
Beim 18. Fest der Chöre in Dortmund treten rund 180 Chöre mit fast 5.000 Sängerinnen und Sängern auf Plätzen, in Kirchen und Sälen der Innenstadt auf – alle Konzerte sind kostenlos.
Die Art Basel führt ab der kommenden Ausgabe eine neue Strategie ein: Galerien sollen bedeutende Werke aus Vorverkauf und Online-Viewing-Rooms zurückhalten, um Sammler wieder zur persönlichen Anreise nach Basel zu bewegen.
Die Musikschule des Landkreises Cloppenburg sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Lehrkraft für elementare Musikpädagogik als Elternzeitvertretung (50 %, befristet bis Juli 2027, Entfristung angestrebt).
Die Bücherschau des Tages bündelt Buchkritiken vom 11. Juni 2026: Die SZ lobt Clara Leinemanns Roman „Gelbe Monster" über eine aggressive junge Frau, der Deutschlandfunk hebt Nathan Devers' Essay über seine Abkehr vom orthodoxen Judentum hervor.
Die ersten Dresden Design Days finden vom 21. bis 23. August 2026 dezentral in der Dresdner Neustadt statt und bringen in neun kuratierten Ausstellungen etablierte Designer:innen und junge Kreative in Dialog.
Die Munich Design Days finden vom 11. bis 14. März 2027 zum dritten Mal statt und erweitern sich um die Westgalerie im Haus der Kunst als zusätzlichen Veranstaltungsort neben der Praterinsel.
Auf der Seriencamp Conference präsentierten Macher fünf kommende Serien im Format „Work in Progress", darunter den Netflix-Thriller „Die Falle" vom „Liebes Kind"-Team, die Prime-Video-Fortsetzung „Perfekt zusammen" sowie drei ZDF-Produktionen.
MDR-Intendant Ralf Ludwig weist im Spiegel-Interview Vorwürfe zurück, der Sender habe über seine Verhältnisse gelebt, und macht die ausgebliebene Erhöhung des Rundfunkbeitrags für die massiven Programmeinsparungen verantwortlich.
Die vierteilige NDR-Dokuserie „Hiphop – Made in Germany" zeichnet die Entwicklung des Deutschrap von den 80ern bis heute nach und beleuchtet, wie die Musikrichtung gesellschaftliche Themen wie Rassismus, Sexismus und politische Ereignisse reflektiert.
Rosa von Praunheim, Regisseur und Queer-Aktivist, provozierte mit rund 150 Filmen die Mehrheitsgesellschaft und outete prominente Homosexuelle gegen deren Willen. Er starb am 17. Dezember 2025 im Alter von 83 Jahren.
Eine dreiteilige ARD-Doku rekonstruiert den Juwelendiebstahl vom 25. November 2019 im Dresdner Grünen Gewölbe und die Ermittlungen der SOKO „Epaulette", die zum Prozess gegen Mitglieder des Remmo-Clans führten.