Pressespiegel
Tägliche Kulturberichterstattung aus Bayern und darüber hinaus
Pressespiegel 09.09.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Zwischen Entlastung, Programmauftrag und Transparenz: Aktuelle Beiträge beleuchten geplante Erleichterungen für Vereine sowie Kontroversen um regionale Identität im Rundfunk und den Umgang öffentlich-rechtlicher Sender mit kritischen Anfragen.
Die Bayerische Staatsregierung plant eine Bundesratsinitiative zur steuerlichen Entlastung von Vereinen: Freibeträge und Besteuerungsgrenzen sollen verdoppelt, Bürokratiepflichten wie Satzungsmeldungen und umfangreiche Steuererklärungen reduziert werden.
Der Rundfunkrat des BR hat Programmdirektor Kultur Björn Wilhelm die Vertragsverlängerung verweigert; vor einer erneuten Abstimmung kritisieren auch Traditionsverbände sein Programm als zu wenig bayerisch.
BackstageClassical kritisiert die Doppelmoral von SWR und arte: Beide Sender fordern Transparenz von anderen, beantworten aber selbst kritische Presseanfragen – etwa zur Zusammenarbeit mit Teodor Currentzis – nur zögerlich oder gar nicht.
Stiftungen & private Förderung
Anerkannte Kulturschaffende erhalten internationale Auszeichnungen und Preise, während neue Stipendienprogramme Nachwuchs in journalistischen und künstlerischen Bereichen fördern. Verschiedene Institutionen und Unternehmen unterstützen damit sowohl etablierte Talente als auch aufstrebende Fachleute.
Die Japan Art Association verleiht den Praemium Imperiale 2025 an Dirigent Herbert Blomstedt, Schauspielerin Cate Blanchett, Architekt Daniel Libeskind, Künstlerin Jenny Holzer und Bildhauer Andy Goldsworthy; der Preis ist mit je rund 80.000 Euro dotiert.
EPA Images und Canon vergeben zwei Vollstipendien für das zwölfmonatige „Advanced Programme in International News Photography" der EPA Academy in Frankfurt an angehende Fotojournalistinnen. Bewerbungen sind bis zum 20. September 2026 möglich.
Institutionelle Kulturorte
Kulturinstitutionen zwischen finanzieller Zukunft, Sammlungspflege und digitalem Wandel: Aktuelle Beiträge reichen von Existenzsorgen kleiner Bühnen über die Erweiterung musealer Bestände bis zu Fragen nach der Zukunft der Nationalbibliothek.
Das Spagat Theater im Domagkpark erhält mit 68.550 Euro jährlich die geringste städtische Förderung unter acht geförderten Münchner Bühnen. Intendantin Stephanie Tschunko warnt, das Theater könnte in zwei Jahren schließen, falls keine zusätzlichen Mittel fließen.
Hans Maurer, Nachfahre des Firmengründers Ludwig Maurer, hat einen Oldtimer der Nürnberger Motorfahrzeugfabrik Maurer-Union dem Museum Industriekultur geschenkt. Das Fahrzeug mit Reibradantrieb, das Treppen hochfahren konnte, wird Teil der künftigen Dauerausstellung.
Der Deutsche Kulturrat und die Deutsche Nationalbibliothek präsentieren am 15. September 2026 in Frankfurt am Main ein neues Dossier über die Nationalbibliothek und diskutieren deren digitale Zukunft und politische Rahmenbedingungen.
Erinnerungskultur
Lokale Geschichtsvermittlung, Teilhabe an jüdischen Traditionen und justizielle Auseinandersetzung mit antisemitischen Aussagen bilden die Schwerpunkte dieser Sektion. Sie zeigen verschiedene Dimensionen, wie Gesellschaft mit historischer Erinnerung und gegenwärtigen Fragen von Verantwortung umgeht.
Der Heimat- und Geschichtsverein Aschau kündigt zwei Veranstaltungen an: eine Führung zu ortsbildprägenden Bauwerken in Hohenaschau am 13. September sowie das Römerforum 2026 am 13. November in der Priental-Halle Aschau.
Die IKG München lädt am 13. September zum öffentlichen Schofarblasen auf dem Jakobsplatz ein, um das jüdische Neujahrsfest Rosch Haschana zu begehen, das vom 11. bis 13. September dauert.
Das Landgericht Mannheim eröffnet ein Strafverfahren gegen Sänger Xavier Naidoo wegen Volksverhetzung und Beleidigung, nachdem er antisemitische Texte veröffentlicht haben soll; fünf weitere Anklagepunkte wurden mangels Tatverdachts nicht zugelassen.
Bildende Kunst
Ausstellungsempfehlungen, aufstrebende Künstler aus München, ein Kunstraub und die Gelegenheit, Ateliers zu besuchen: Ein Überblick über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen in der Bildenden Kunst.
MUCBOOK stellt zehn aufstrebende Münchner Künstlerinnen und Künstler vor, darunter Carmen Arias, Luisa Baldhuber und Younsik Kim, die mit Skulptur, Malerei, Performance und Installation arbeiten und überwiegend an der Akademie der Bildenden Künste ausgebildet wurden.
Am 19. und 20. September 2026 öffnen rund 40 Künstlerinnen und Künstler des BBK Oberfranken im Rahmen von ARTUR29 ihre Ateliers in Oberfranken und Unterfranken für Besucher, ergänzt durch Werkstattdemonstrationen und ein Rahmenprogramm.
Unbekannte Täter brachen in das Renoir-Museum in Cagnes-sur-Mer ein und entwendeten vier Gemälde im geschätzten Gesamtwert von neun Millionen Euro, wobei sie zwei Werke auf der Flucht zurückließen.
Frank Hauptvogels Ausstellung „In den Gärten II" zeigt in Bad Frankenhausen bis Januar 2027 realistische Gemälde, die Natur, Harmonie und Symbolik verbinden.
Zur Berlin Art Week präsentiert WELTKUNST eine Auswahl empfehlenswerter Ausstellungen und Events, darunter Schauen zu Migration in Kreuzberg, Performancekunst in der Neuen Nationalgalerie und Fotografien von Carrie Mae Weems im C/O Berlin.
Film & Fotografie
Venezianische Filmfestspiele mit brisanten Enthüllungen und politischen Dramen, bayerische Drehorte und neue Fotoausstellungen: Das aktuelle Geschehen vereint Weltfestival-Highlights, regionale Kreativität und großformatige Serien- sowie Fotokunst.
Beim Filmfestival von Venedig begegnen sich ukrainische und russische Filmemacher und ihre neuen Werke. Ein Gläschen Champagner auf die ideologische Unzuverlässigkeit.
Erstmals ist eine seit Jahren erwartete Enthüllungsdoku über den womöglich gefährlichsten Mann der Welt zu sehen. „Musk“ ist knapp vier Stunden lang. Was hat Filmemacher Alex Gibney herausgefunden?
Der Historienfilm «The Uprising» mit Andrew Garfield und Regisseur Paul Greengrass wurde trotz englischer Handlung vollständig in Bayern gedreht, hauptsächlich in Nürnbergs Altstadt rund um die Sebalduskirche sowie in Bad Windsheim und den Penzing Studios.
Die Website „Movie Scene Map" zeigt interaktiv über 16.850 reale Drehorte aus mehr als 10.000 Filmen und Serien in 167 Ländern, darunter rund 480 Standorte in Deutschland.
Bei der „Nacht der Kreativen" gewannen ARD-Produktionen sieben von elf Kategorien, darunter eine Doppelauszeichnung für „Die Nichte des Polizisten". Im Serienbereich gingen die Favoriten „Hundertdreizehn" und „Chabos" zunächst leer aus.
Die Fotogruppe 3.1.2 zeigt ab dem 12. September 2026 in der Coburger Stadtbücherei den zweiten Teil ihrer Ausstellung mit 33 Fotografien des historischen „Tischfernsprechers W48"; die Vernissage beginnt um 12:30 Uhr, der Eintritt ist frei.
Die Thousandfold Photobook Fair findet am 12. und 13. September in der Berliner Staatsbibliothek am Kulturforum statt und vereint über 40 Verlage und Fotografen mit Talks, Ausstellungen und Filmvorführungen rund um das Fotobuch als künstlerisches Medium.
Literatur
Zwei deutsche Romane blicken zurück auf die Bundesrepublik der 1980er Jahre: Oskar Roehler erzählt von einer Kindheit in Westdeutschland, während Sven Regener mit "Frankie und Freddie" eine Berliner Weihnachts-Odyssee aus seiner Herrn-Lehmann-Reihe schildert.
Oskar Roehlers kleiner, gemeiner Roman „Das weiße Blatt Papier“ ist eine Abrechnung mit den Irrungen und Wirrungen einer Kindheit in einem Themenpark namens Westdeutschland.
In Sven Regeners siebtem Roman aus dem Herrn-Lehmann-Kosmos erleben die Brüder Frank und Manfred Lehmann aus Bremen am 23. Dezember 1980 eine Odyssee durch West-Berlin.
Ist die Protagonistin in Rachel Cusks neuem Roman nun Natalie Portman oder nicht? Auch ohne klare Antwort ist „Das Leben der M“ über eine Schauspielerin ein Experiment von ermüdender Klischeehaftigkeit.
Musik
Konzertankündigungen und aktuelle Meldungen aus der Musikszene: im Fokus sind neue Orchester-Gründungen, Uraufführungen und Gastspiele deutscher Künstler.
Robert Schlegl kuratiert im September 2026 zwei Konzerte an historischen Barockorgeln in St. Marien auf Herrenchiemsee und St. Leonhard in Nussdorf am Inn, bei denen Werke von Monteverdi und Frescobaldi mit Barockposaune und Bass erklingen.
Das Musikfest Erzgebirge eröffnete in Schneeberg mit der Uraufführung des „Erzgebirgsoratoriums" von Wilfried Krätzschmar, aufgeführt von rund 300 Chorsängerinnen und -sängern sowie der Erzgebirgischen Philharmonie Aue unter Leitung von Hans-Christoph Rademann.
116 Musiker des Orchesters der Pariser Oper haben das selbstverwaltete Symphonieorchester Philopéra gegründet, um symphonisches Repertoire abseits des Opernbetriebs zu spielen. Das Gründungskonzert dirigierte Daniel Harding im ausverkauften Palais Garnier.
OK KID kehren nach zwei Jahren Pause mit ihrem in Eigenregie produzierten Album „Komm wir bleiben stehen" auf die Bühne zurück und spielen am 28. September 2026 in der Münchner Muffathalle.
Theater & Darstellende Kunst
Neue Inszenierungen und frische Ensembles prägen die aktuelle Theaterszene. Häuser zeigen, wie unterschiedlich die Wege sind, um Publikum und Bühne zusammenzubringen.
Petra Schneider übernimmt den Vorsitz des Theaterkreises Coburg und löst damit den langjährigen Vorsitzenden Gerhard Amend ab. Die frühere SPD-Stadträtin wurde am Wochenende zur neuen Vorsitzenden des Förderkreises des Coburger Landestheaters gewählt.
Das Junge Landestheater Schwaben zeigt am 20. September in Memmingen die Premiere von „Morgen Alaska", einem Stück über einen jungen Mann, der dem Vorbild des Aussteigers Chris McCandless folgt, und die Freundin, die er zurücklässt.
Tim Plegge startet als neuer Tanzdirektor beim Theater & Orchester Heidelberg unter Intendantin Bernadette Sonnenbichler in die erste gemeinsame Spielzeit; am 3. Oktober feiert seine Kreation „Orlando" nach Virginia Woolfs Roman Premiere.
Erich Sidler inszeniert am Deutschen Theater Göttingen Rebekka Kricheldorfs Komödie „Welcome to Schöny – please get the fuck out!", die Übertourismus als Globalisierungsphänomen mit trockenem Wortwitz beleuchtet, ohne befriedigende Lösungen anzubieten.
Choreografin Katja Erdmann-Rajski verbindet im Stuttgarter Rotebühlzentrum Schlager von Udo Jürgens mit Tanztheater und klassischer Musik zu einem Abend über Einsamkeit, der trotz melancholischem Thema heiter endet.
Sonstiges
Die Sing- und Musikschule Neumarkt i.d.OPf. sucht zum 1. Januar 2027 eine Lehrkraft für Klassische Gitarre mit Zusatzfach E-Gitarre/E-Bass in Teilzeit (ca. 7 Wochenstunden), zunächst befristet bis Ende des Schuljahres 2026/2027.
Die Sing- und Musikschule Neumarkt i.d.OPf. sucht zum 1. Januar 2027 eine Lehrkraft für Blockflöte mit Zusatzfach EMP/Chor in Teilzeit (ca. 7 Wochenstunden), befristet bis Ende des Schuljahres 2026/2027, mit Option auf Übernahme.
Das neue Berliner Design-Festival Currents feiert vom 10. bis 12. September parallel zur Art Week seine Premiere und bespielt rund 60 Orte im gesamten Stadtgebiet, darunter Showrooms, Ateliers und bisher unzugängliche Locations.
Die Kerwa in Brücklein verwandelt sich in ein Western-Fest: Statt Tracht tragen hunderte Besucher aus ganz Bayern Cowboyhüte und Stiefel, was dem Fest bereits Kultstatus eingebracht hat.