Pressespiegel 15.06.2026
Erinnerungskultur
Der bayerische Märchenkönig Ludwig II. wird 140 Jahre nach seinem Tod mit großer Hingabe verehrt – während andernorts Künstler unter Druck geraten, sich von politischen Zuschreibungen zu distanzieren. Zwei unterschiedliche Formen von Gedenkkultur und gesellschaftlicher Erinnerung.
Bayern gedenkt König Ludwig II. 140 Jahre nach seinem Tod mit einem neuen Denkmal in München, enthüllt von Ministerpräsident Söder, sowie einem Gedenkgottesdienst in Berg am Starnberger See mit rund 1.000 Königstreuen.
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Der russische Duma-Abgeordnete Andrej Makarov bezeichnete die sowjetische Trickfilmfigur Tscheburaschka 2025 als jüdisch und behauptete, sie sei aus Israel importiert worden – ein Beispiel für antisemitische Projektionen auf vermeintlich neutrale Kulturfiguren.
Bildende Kunst
Zwei Künstler setzen sich mit Endlichkeit auseinander: David Hockney in abstrakten Farbräumen und Maura Morales in ihrer Kasseler Ausstellung zur japanischen Ästhetik des Vergänglichen. Beide Positionen reflektieren menschliche Grenzen und ihre künstlerische Bewältigung.
Der britische Maler David Hockney ist gestorben; Kritiker würdigen sein Werk, das malerische Abstraktion und figürliche Darstellung verband und nie ein trostloses Bild hervorbrachte.
Maura Morales' Tanzstück „物の哀れ | Mono no aware" in Kassel thematisiert menschliche Endlichkeit mit Kintsugi-Symbolik, setzt aber auf exzessiven Drive statt kontemplativer Stille – und verfehlt damit die angekündigte Empfindsamkeit, überzeugt das Publikum dennoch.
Musik
Neue Kompositionen für Orchester, eine Barockfestival-Bilanz und ein Nachruf auf einen Künstler prägten gestern die Musikberichterstattung.
Das BR-Symphonieorchester spielte unter Matthias Pintscher bei der musica viva im Herkulessaal Werke von Lisa Streich, Jüri Reinvere und Hans Werner Henze – darunter Streichs Klavierkonzert „Black Swan" mit Solistin Tamara Stefanovich.
Die Händel-Festspiele in Halle präsentierten zehn Opernproduktionen, darunter Konzertaufführungen und Marionettenversionen in Bad Lauchstädt, und vergaben den Händelpreis an Dirigent und Countertenor René Jacobs.
Tanz
Choreographische Arbeiten zeitgenössischer Künstler prägen diese Sektion: von den Werkschauen an der Deutschen Oper am Rhein bis zur Tanztriennale 2026 in Hamburg.
Das Ballett am Rhein zeigt im Tanzabend „Signaturen" am Theater Duisburg drei Choreografien von Hans van Manen, David Dawson und Bridget Breiner in ungleichen Qualitäten – van Manens „Four Schumann Pieces" ragt als Meisterstück heraus.
Die Tanztriennale 2026 in Hamburg hat mit einer Parade von rund 550 Teilnehmenden aus 28 Gruppen begonnen, die vom Elbtunnel durch Barmbek bis in den Stadtpark tanzten.
Beim 40. Internationalen Choreografie-Wettbewerb Hannover gewannen überwiegend handwerklich perfekte, aber wenig experimentelle Arbeiten die Hauptpreise; Kritiker bemängeln, dass innovative Produktionen wie das südafrikanische Rollstuhl-Duett „Limitless" leer ausgingen.
Sascha Paar erkundet in seinem Choreografie-Debüt „Heimatkörper" im HochX München gemeinsam mit seinem ehemaligen Ballettlehrer Karl Reinisch den Körper als Erinnerungsarchiv und setzt dabei zwei Tänzergenerationen mit einem Altersunterschied von 50 Jahren in Beziehung.
Theater & Darstellende Kunst
Aktuelle Uraufführungen und Neuinszenierungen zeigen deutschsprachige Theater in der Auseinandersetzung mit provokativen Stoffen: Von Fäkaliendramen über poetische Sommernachtsfantasien bis hin zu schwierigen literarischen Vorlagen entstehen vielfältige szenische Interpretationen.
Claudia Bauers Inszenierung von Werner Schwabs „Die Präsidentinnen" am Residenztheater macht das einstige Skandalstück zugänglich, wirft dabei aber die Frage auf, ob es seinen Provokationsanspruch verloren hat.
Roland Schimmelpfennigs neues Stück „Sommersonnenwende" wurde am Schauspiel Stuttgart von Daniela Löffner uraufgeführt; die Inszenierung überzeugt zunächst mit einem starken Quartett, verliert aber in der zweiten Hälfte die Balance zwischen Familiendrama und Gesellschaftsporträt.
Leonie Böhm bringt Lucas Rijnevelds Roman „Mein kleines Prachttier" über einen pädophilen Tierarzt an den Münchner Kammerspielen auf die Bühne – als einstündige, verdichtete Fassung mit Annette Paulmann und Maren Solty, die den Täter verkörpern.
Stephan Kimmig inszeniert am Staatstheater Nürnberg Robert Ickes Neubearbeitung der „Orestie" von Aischylos als kammerspielartiges Familiendrama, das die Gewaltspirale des Atriden-Mythos in eine psychologisch verdichtete Gerichtsgeschichte überführt.
Sonstiges
Der Landesverein für Heimatpflege München startet ein dreijähriges Projekt, um KI-Systeme in verschiedenen regionalen Bairisch-Varianten zu trainieren und so die dialektale Vielfalt Bayerns im digitalen Zeitalter zu erhalten.
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Jakub Hruša dirigiert die Münchner Philharmoniker in der Isarphilharmonie mit Werken von Mahler, Strauss, Martinu und Borodin – das Programm setzt dabei einen subtil kritischen Akzent gegenüber Richard Strauss.
Carolin Fröhlich und Nina Fischer entwickeln im evangelischen Dekanat Weilheim mit dem Projekt „Wirkwerk" niedrigschwellige Formate wie einen Kneipenchor, um kirchenferne Menschen ohne Gottesdienst oder Gebet anzusprechen.
GMD Killian Farrell und Regisseur Hinrich Horstkotte präsentieren am Meininger Theater nach fast 60 Jahren eine Neuinszenierung von Verdis „Otello", in der Owen Metsileng die Titelrolle und Shin Taniguchi den Jago überzeugend verkörpern.
Vor zehn Jahren zog der Masterstudiengang ZukunftsDesign der Hochschule Coburg in die ehemaligen Loewe-Büroräume in Kronach ein und begründete damit den Lucas-Cranach-Campus, der sich seitdem zum regionalen Innovationsmotor entwickelt hat.
Der Bayerische Rundfunk zeichnete sein „Wirtshausquiz" erstmals in Oberfranken auf – im Landgasthof Rose in Grub am Forst.
Angela Schanelecs neuer Film „Meine Frau weint" begleitet eine Handvoll Menschen, darunter das Paar Thomas und Laura, über einige Tage in Berlin und kreist dabei um Fragen von Beziehung, Sprache und Einsamkeit.
Bob Dylan äußert sich in einem Gastbeitrag der „New York Times" zu Trumps 80. Geburtstag über die Vor- und Nachteile des Älterwerdens, verzichtet jedoch – anders als Mitbeiträger Robert De Niro – darauf, dem Präsidenten persönliche Ratschläge zu geben.
Die Toten Hosen eröffnen vor 65.000 Zuschauern in Stuttgart ihre voraussichtlich letzte große Deutschlandtournee mit einem emotionalen Konzert, bei dem sie 32 Songs spielen und sich von ihren Fans verabschieden.
Der US-amerikanische Musiker Oliver Tree Nickell ist mit 32 Jahren gestorben, nachdem zwei Hubschrauber über Rio de Janeiro kollidierten. Er war eines von sechs Todesopfern des Unglücks.