Pressespiegel 17.06.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Die Bayreuther Festspiele geraten anlässlich ihres 150-jährigen Jubiläums in Turbulenzen: Ein geplantes Gedenkkonzert fällt aus, was prominente Kritiker auf den Plan ruft. Hinter den Kulissen offenbaren sich tiefere Probleme bei der Umsetzung der Festivalpläne.
Michel Friedman kritisiert die Absage eines Gedenkkonzerts bei den Bayreuther Festspielen zum 150-jährigen Jubiläum scharf. Die Festspielleitung begründet die Absage mit Sicherheitsproblemen, Friedman nennt dies demokratiefeindlich.
Zum 150. Jubiläum der Bayreuther Festspiele scheitern ambitionierte Pläne an Finanzierungsproblemen: Das vollständige Wagner-Repertoire entfällt, die städtische Festmeile wurde abgesagt, und die Absage eines Gedenkkonzerts zur NS-Geschichte der Festspiele löst scharfe Kritik aus.
Erinnerungskultur
Kulturelle Stätten sind Zeugnisse von Geschichte und Identität – doch sie sind verletzlich. Die folgenden Beiträge zeigen, wie Kulturerbe zerstört, geschändet oder bewahrt wird.
Unbekannte haben an der KZ-Dokumentationsstätte Hersbruck NS-Graffiti gesprüht und versucht, ein Feuer zu legen. Der Staatsschutz ermittelt wegen versuchter Brandstiftung und Verwendung verfassungswidriger Symbole.
Die Zerstörung des Höhlenklosters in Kiew im Ukraine-Krieg steht symbolisch für Angriffe auf kulturelle Identität; UNESCO-Schutz für Kulturerbe bleibt oft wirkungslos, wie historische Beispiele aus Dresden und Coventry zeigen.
Ein russischer Drohnenangriff hat die Mariä-Entschlafens-Kathedrale im Kiewer Höhlenkloster, einem Unesco-Weltkulturerbe, in Brand gesetzt und erheblich beschädigt; Präsident Selenskyj besuchte anschließend die Klosteranlage.
Bildende Kunst
Porzellan und zeitgenössische Kunst stehen im Fokus dieser Sektion: Ein Journalist berichtet vom Alltag rund um eine ungewöhnliche Sonderausstellung, während eine neue Ausstellung im Schloss Bellevue ihre Pforten öffnet.
SPIEGEL-Journalist Thomas Heise berichtet in einem Vortrag zur Sonderausstellung „Tatort Porzellan(ikon)" in Selb aus seinem journalistischen Arbeitsalltag.
Im Schloss Bellevue zeigen mehr als 20 Mitglieder der Akademie der Künste unter dem Titel „Freiraum Kunst" zeitgenössische Werke, bevor das Gebäude Anfang Juli für mehrjährige Sanierungsarbeiten schließt. Der Eintritt ist kostenlos, eine Zeitfensterreservierung erforderlich.
Film & Fotografie
Filmische Neustarts und Festival-Highlights treffen auf Fotografie in der Natur. Die Sektion vereint aktuelle Kinostarts, Fotografenporträts und Festivalnews aus Deutschland und Österreich.
Das 43. Filmfest München findet vom 26. Juni bis 5. Juli unter der Doppelspitze Julia Weigl und Christoph Gröner statt; Eröffnungsfilm ist Paweł Pawlikowskis „Vaterland", den CineMerit-Award erhält Toni Servillo.
Der in Zürich lebende Fotograf Zak van Biljon setzt Schweizer Berglandschaften und Megastädte mit einer Infrarot-Faltenkamera in ungewöhnliche Rot- und Pinktöne und schafft so einen neuen Blick auf vertraute Motive.
Der Freyunger Naturfotograf Georg Knaus bietet in seiner Galerie neben Leinwandbildern und FineArt-Drucken auch Mietbilder sowie Fotoseminare in seiner Fotoakademie an.
Der Film „Mein Leben, Mein Ding" zeigt die 55-jährige Barberie, die nach früherem Erfolg in eine Lebenskrise gerät und ihre Identität sowie Zukunft neu befragt. Ab Sommer 2026 in deutschen und österreichischen Kinos.
Literatur
Literarische Welten im Wandel: vom prekären Betrieb des Buchhandels über die Geschichte der Literaturkritik bis zur Neubewertung einer Autorin-Legende. Drei Perspektiven auf das, was Lesen und Schreiben heute bedeuten.
Sebastian Guggolz ist mit 43 Jahren der jüngste Vorsitzende des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Er betreibt parallel einen Ein-Mann-Verlag, arbeitet als Lektor bei S. Fischer und setzt sich für den Erhalt der Lesekultur ein.
Wolfgang Behrens reflektiert am Bloomsday über die Fähigkeit von Kritikern, epochale Werke wie James Joyces „Ulysses" zu erkennen, und zeigt anhand historischer Rezensionen, dass das Verpassen kunsthistorischer Momente eher die Regel als die Ausnahme ist.
Biograf Nicola Bardola hat in Archiven, darunter dem Bayerischen Rundfunk, bislang unveröffentlichte Dokumente zu Ingeborg Bachmann entdeckt, die ein neues Bild der Schriftstellerin zeichnen: heiter, humorvoll und selbstbewusst statt nur leidend.
Musik
Die Musikszene prägt sich in vielfältigen Formen aus: von klassischen Opern über zeitgenössische Pop-Konzerte bis hin zu experimentellen Musik-Theaterformaten und familiengerechten Kinderkonzerten.
Der südafrikanische Jazzpianist Abdullah Ibrahim ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Er lebte zuletzt in Aschau im Chiemgau und war bekannt als Komponist und Aktivist gegen Apartheid und Rassismus.
Beim Jugend-Wertungsspiel-Event der Nordbayerischen Bläserjugend in Knetzgau belegte die Bläserklasse der Weisachtaler Blasmusik aus Maroldsweisach den 2. Platz; rund 300 junge Musikerinnen und Musiker nahmen teil.
Das Noisehausen-Festival findet am 24. und 25. Juli 2026 zum neunten Mal in Schrobenhausen statt, mit Headlinern wie Kaffkiez, Das Lumpenpack und Cari Cari. Das 2024 als „Festival des Jahres" ausgezeichnete Event kombiniert Livemusik mit nachhaltigem Konzept in der Kleinstadt.
Das Mini-Musical „Die Nixen: Oceankids" erzählt die Geschichte einer Nixe und eines Wals, die gegen eine Müllinsel im Meer kämpfen und Verbündete suchen. Ein Workshop für Kinder ab 6 Jahren findet vor dem Konzert statt.
Beim internationalen Festival «montalbâne» in Freyburg präsentieren Musiker aus Europa und den USA vom 19. bis 21. Juni auf Schloss Neuenburg mittelalterliche Musik auf rekonstruierten historischen Instrumenten – zum 36. Mal unter wissenschaftlichem Anspruch.
Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen" ist bis 29. Juni in Wien zu erleben: Ein Dichter verliert sich zwischen Fantasie und Erinnerung an unglückliche Lieben, begleitet von seiner Muse.
Die Tokioter Newcomer-Band Musbime, gegründet 2024, verbindet Math-Rock und Shoegaze mit melancholischen Melodien und hat ihre neue EP „Kirameki wo Shinoide" veröffentlicht. Gitarrist Taisei gibt im Interview Einblicke in die Tokioter Underground-Szene.
Tanz
Von rhythmischer Intensität bis zu innovativen Choreografien – hier treffen körperliche Virtuosität und künstlerisches Wagnis aufeinander.
Jan Martens' Choreografie „The dog days are over 2.0" feierte bei der Sommerszene Salzburg Österreichpremiere: Acht Tänzer*innen verausgabten sich eine Stunde lang in hypnotisch-repetitiven Bewegungsformationen und rissen das Publikum rhythmisch mit. Am Ende verlas ein Tänzer eine antiisraelische Solidaritätsadresse.
Theater & Darstellende Kunst
Vier Produktionen, die in verschiedenen Tonlagen mit dem Publikum in Kontakt treten: vom verstörenden Drama über humorvolle Komödie bis zur frechen Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen.
Leonie Böhm inszeniert an den Münchner Kammerspielen die Romanadaption „Mein kleines Prachttier" und navigiert dabei zwischen Täterperspektive, Empathie und dem Schutz des Publikums.
Sebastian Reich und sein Nilpferd Amanda präsentieren mit „Purer Zufall" eine neue Comedyshow mit skurrilen Geschichten, interaktiven Einlagen und humoristischen Überraschungen.
Die Theatergruppe des TSV Firnhaberau führt die Komödie „Don Camillo und Peppone" an vier Abenden als Open-Air-Spektakel auf – als Teil der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Vereinsjubiläum im Augsburger Hubertushof.
Daniel Ernesto Müllers Kinderstück „Alles anders" am FFT Düsseldorf nähert sich dem Thema Tod mit absurdem Humor und tänzerischer Leichtigkeit, ohne pädagogischen Kitsch, und bricht bewusst mit der Erwartung, Endlichkeit nur ernst begegnen zu dürfen.
Sonstiges
Die Ausstellung „Phänomen Bachfest" im Bachhaus Eisenach zeigt die Geschichte der Bachfeste von ihren Anfängen bis zur weltweiten Verbreitung und ist bis 1. November zu sehen.
Das Landestheater Detmold zeigt Händels „Alcina" in einer Inszenierung von Felix Schrödinger, die musikalisch durch die Sopranistin Emily Dorn und die Altistin Lotte Kortenhaus überzeugt, szenisch jedoch einige Fragen offenlässt.
Sheryl Crow kritisiert auf Instagram Trumps UFC-Geburtstagsfeier im Weißen Haus scharf und wirft der Regierung Korruption und Gleichgültigkeit gegenüber der Bevölkerung vor.
Die siebenköpfige US-Band DOOM GONG aus Louisville spielt am 23. Juni 2025 ihr erstes Konzert in München im Import Export, bei gutem Wetter auf der Open Air Stage.
Die Museen der Stadt Bamberg zeigen in der Ausstellung „Mauern der Macht" die Geschichte der Alten Hofhaltung auf dem Domberg, die seit über tausend Jahren als Kaiser- und Bischofspfalz diente.
Beim Lichtenfelser Korbmarkt (18.–20. September 2026) präsentieren Flechter aus aller Welt ihr Handwerk. Das internationale Flecht-Kultur-Festival bietet zudem Musik, Ausstellungen, Mitmachaktionen und ein Familienprogramm.
Bad Bunny bringt seine „DeBÍ TiRAR MáS FOToS World Tour" mit dem symbolträchtigen Bühnenbild „La Casita" am 20. und 21. Juni nach Düsseldorf; die exklusive Auswahl von Influencerinnen für das rosafarbene Haus löst Debatten über Inklusion und Widersprüche zur antikolonialen Botschaft aus.
Merle Haggard, Country-Legende mit 38 Nummer-eins-Hits und Klassikern wie „Okie From Muskogee", verband autobiografisches Songwriting mit Honkytonk-Einflüssen und prägte damit nachhaltig den Americana bis heute.
Das Musikprojekt «Musaik - Grenzenlos musizieren» bringt im Dresdner Plattenbau-Viertel Prohlis eine Stadtteiloper auf die Bühne: 350 Laien, darunter Kinder aus Flüchtlingsfamilien, erarbeiten gemeinsam mit Profis das Musiktheaterstück «Plattenspieler:innen».
Der 28. Deutsche Multimediapreis mb21 ruft Kinder und Jugendliche bis 25 Jahre auf, Multimediaprojekte zum Thema „Glow" einzureichen; Einsendeschluss ist der 20. Juli 2026, das Festivalwochenende findet im November 2026 in Dresden statt.
Ein Überblick stellt die wichtigsten Festivals und Open Airs der Sommersaison 2026 in Franken und Würzburg vor, darunter Rock im Park in Nürnberg, das kostenlose Umsonst & Draussen, das Summer Breeze in Dinkelsbühl und das Straßenmusikfestival Stramu in Würzburg.