Pressespiegel 19.06.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Finanzielle Engpässe und umstrittene Absagen prägen derzeit die Kulturinstitutionen Bayerns. Die Bayreuther Festspiele geraten über geplante Gedenkveranstaltungen in die Kritik, während München das Deutsche Theater auf den Prüfstand stellt.
Die Bayreuther Festspiele haben eine geplante Gedenkveranstaltung für NS-verfolgte jüdische Musikerinnen und Musiker mit Redner Michel Friedman abgesagt, was scharfe Kritik von Charlotte Knobloch, Kunstminister Markus Blume und Friedman selbst ausgelöst hat.
Kehrtwende in Bayreuth: Festspielleiterin Katharina Wagner entschuldigt sich bei Michel Friedman und lädt ihn ein, zu den Festspielen zu kommen. Das abgesagte Gedenkkonzert soll wie geplant stattfinden – ein paar Details sind aber noch zu klären.
Charlotte Knobloch bezeichnet die Absage des geplanten Auftritts von Michel Friedman zur Eröffnung der 150. Bayreuther Festspiele als „Bankrotterklärung" und wirft der Festspielleitung vor, eine Chance zur Aufarbeitung ihrer NS-Vergangenheit verspielt zu haben.
Gutachter empfehlen, den städtischen Zuschuss für das Deutsche Theater München in der Schwanthalerstraße zu streichen, während zwei Stadträte die ohnehin geringe Förderung verteidigen.
Institutionelle Kulturorte
Museen und historische Gebäude durchleben derzeit umfassende Transformationen: Baustellen prägen das Bild, Sanierungen bringen neue Pläne voran, und Ausbauten erweitern Dauerausstellungen und Veranstaltungsangebote.
Das Münchner Stadtmuseum hat nach jahrelanger Planung seine Sanierung begonnen: Der historische Gebäudekomplex ist nun eine Großbaustelle, das Gesamtprojekt ist auf 270 Millionen Euro veranschlagt.
Die Wallfahrtskirche Käppele in Würzburg wird ab September für zweieinhalb Jahre innen saniert, um mithilfe eines digitalen 3D-Modells den hellen Rokoko-Originalzustand aus dem 18. Jahrhundert wiederherzustellen. Die Kosten betragen rund 5,8 Millionen Euro.
Das Radio- und Telefonmuseum Wertingen in der Alten Berufsschule zeigt rund 400 Exponate, darunter Röhrenradios, Gramophone und Musikboxen, und geht auf Schenkungen von Heinz Hippele und der Familie Wald zurück.
Das New York Historical Museum eröffnet einen Anbau zur Geschichte der US-Demokratie, der Kunstwerke und historische Artefakte zeigt. Ab 2028 soll das Gebäude zudem das American LGBTQ+ Museum beherbergen.
Erinnerungskultur
Die Artikel dokumentieren Debatten über Restitution und die Aufklärung von Verbrechen der Vergangenheit.
Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen restituieren das Gemälde „Bildnis eines jungen Mannes" von Friedrich von Amerling an die Erben des jüdischen Kunsthändlers Jacques Rosenthal, dem die Nationalsozialisten das Werk 1935 unter Zwang entzogen hatten.
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Im Rahmen des temporären Denkmals „Gedächtnislücken #revisited" findet am 21. Juni 2026 im Geschichtsort Stadthaus Hamburg ein Podiumsgespräch zum Stand der Aufklärung im NSU-Komplex statt, mit Fokus auf behördliches Versagen und die Hamburger Situation.
KI & Kultur
Während Politikerinnen und Publizisten KI-generierte Texte nutzen und Redaktionen diese teilweise wieder depublizieren, wird heftig über die Grenzen debattiert: Wo hat künstliche Intelligenz in Kultur und Journalismus etwas zu suchen, wo nicht?
Die KI-Debatte um Mario Voigt und Stephan-Andreas Casdorff offenbart laut Leeor Engländer vor allem Naivität: Da politische Texte und Journalismus schon immer durch Redenschreiber und Ghostwriter entstanden, rechtfertigt KI-Nutzung allein keine Empörung – entscheidend bleibe die inhaltliche Verantwortung des Absenders.
Dem Schreiben und Nachdenken über Kunst, also über das Menschsein an sich, hat eine künstliche Intelligenz nichts hinzuzufügen. Ein Plädoyer fürs eigenhändige Weiterschreiben.
Bildende Kunst
Von historischen Schauräumen bis zu ortsspezifischen Installationen: fünf Positionen zeigen unterschiedliche Zugänge zum Kunstschaffen.
In der ehemaligen Kantine der Spinnerei Neuhof zeigt das Künstler:innen-Kollektiv „Agentur für materielle Veränderung" ab 27. Juni eine Ausstellung über Moorrenaturierung bei Rehau, die Klimawandel, Naturschutz und Industriewandel künstlerisch verbindet.
Am 19. Juni 2026 eröffnet im Museum für Druckkunst Leipzig die Ausstellung "Gespiegelt - Perspektiven zeitgenössischer Radierung" mit aktuellen Arbeiten von Stud…
Die Ausstellung „Produktive Unruhe" in der Robotron-Kantine Dresden zeigt Kunst, Fotografie und Alternativkultur der DDR in den 1980er-Jahren und ist bis 26. Juli 2026 zu sehen.
Die berühmte Pariser Brücke Pont Neuf ist jetzt ein Gebirge: Die Kunstinstallation des französischen Künstlers JR soll an die Werke Christos und Jeanne-Claudes erinnern. Leider fehlt ihr die nötige Luftigkeit.
Der französische Künstler Fabrice Hyber zeigt in den Kunstmuseen Thun und Thurgau großformatige Gemälde, die Natur, Landwirtschaft und ökologische Zusammenhänge mit Ölfarbe, Kohle und handschriftlichen Notizen verbinden.
Film & Fotografie
Die Presse berichtet von ambitionierten Förderungsprogrammen bis hin zu Festivals.
WDR und Film- und Medienstiftung NRW haben im Rahmen der Initiative „Made in NRW" fünf Projekte für die ARD-Mediathek ausgewählt, die jeweils 50.000 Euro Entwicklungsförderung erhalten – darunter vier Fiktionsstoffe und eine Dokumentarserie.
Das Fotofestival La Gacilly-Baden Photo 2026 wurde in Baden bei Wien eröffnet, mit Großbritannien als Schwerpunktland und Auftritten von Fotolegende Sir Don McCullin sowie einer Videobotschaft von Brian May, der auch als Stereofotograf vertreten ist.
Musik
Diese Woche vereint musikalische Entdeckungen aus unterschiedlichsten Genres und Formaten. Konzerte, Opern und innovative Künstler zeigen die ganze Vielfalt zeitgenössischer Musikkultur.
Die Bayerische Landesausstellung „Musik in Bayern 2026" in Freyung präsentiert in Woche 9 ein vielfältiges Liveprogramm mit Polkabilly, Volksmusik, Tango, Blues und Country – von Freitag, 19., bis Donnerstag, 25. Juni 2026.
Am Hessischen Staatstheater Wiesbaden verlegt Regisseurin Marie-Ève Signeyrole Mozarts „Così fan tutte" in einen Hochschul-Hörsaal, wo Don Alfonso ein Liebesexperiment mit echten Publikumspaaren als Statisten inszeniert.
Die polnische Experimentalmusikerin Hania Rani thematisiert auf ihrem Album „Non Fiction" Gewalt und Menschlichkeit – vom Warschauer Ghetto bis zu aktuellen Konflikten – und macht diese durch Klang erfahrbar.
Eine SWR-Dokumentation porträtiert Beatboxer Robeat, Bauchrednerin Murzarella und Metal-Sänger Alexander Krull, um die Grenzen und Vielfalt der menschlichen Stimme zu erkunden.
Tanz
Choreografische Neuproduktionen und Tanzschauplätze prägen das aktuelle Geschehen: Christian Spucks visuelle Umsetzung von Adams' Komposition in Berlin, das europäische Probenzentrum Orsolina28 im italienischen Piemont und Vorbereitungen zur Hamburger Tanztriennale 2026.
Die Tanztriennale 2026 eröffnet in Hamburg mit einer Parade von 550 Teilnehmenden aus 28 Gruppen durch die Stadt sowie einem kulturpolitischen Panel auf Kampnagel, das institutionelle Tanzförderung und gesellschaftliche Dimensionen des Tanzes diskutierte.
In den Hügeln des Monferrato östlich von Turin befindet sich Europas wohl schönstes Probenzentrum für Tanz. Das Stuttgarter Ensemble von Gauthier Dance arbeitet dort an seinem neuen Stück. Ein Besuch.
Christian Spucks Choreografie „Fearful Symmetries" setzt John Adams' Komposition tänzerisch um und ist bis 6. Juli in Berlin zu sehen.
Theater & Darstellende Kunst
Große Festivals wie „Theater der Welt" in Chemnitz werden von Neuinszenierungen begleitet, von Musiktheater-Experimenten bis zu freien Klassiker-Adaptionen. Gleichzeitig bringen Nachwuchs-Ensembles Märchenstoffe zeitgemäß auf die Bühne.
Zehn Jugendliche des Spielclubs 12+ am Landestheater Schwaben bringen vom 26. bis 28. Juni frei nach Hans Christian Andersens Märchen „Eine kleine Meerjungfrau" auf die Bühne – der Eintritt ist frei.
Das Festival „Theater der Welt" läuft bis 5. Juli in Chemnitz und zeigt über 30 internationale Produktionen – von Pop-Oper über Figurentheater bis zu VR-Performances, zusammengestellt von neun Kuratoren aus aller Welt.
Die Kammeroper „Laterna Magica" von Oxana Omelchuk feiert an der Oper Bonn Uraufführung und verbindet historische Projektionskunst mit zeitgenössischer Musik zu einem entschleunigten Musiktheater-Erlebnis über Erkenntnis und Wissenschaft.
Bei den Sommerspielen Melk eröffnet Alexander Hauer die Saison mit Jérôme Junods freier Orwell-Adaption „Das Ministerium der Wahrheit", die anhand einer Diktaturgeschichte mit österreichischem Neusprech Gegenwartsbezüge zu Sprache und Machtmissbrauch herstellt.
Volkskultur & Brauchtum
Traditionelle Feste und Bräuche prägen das kulturelle Leben in Bayern. Von Münchens ikonischem Schäfflertanz bis zu Würzburgs Kiliani-Volksfest zeigen sich regionale Besonderheiten in neuer Form.
Beim Brauertag am 20. Juni auf dem Münchner Marienplatz tritt der Schäfflertanz ausnahmsweise außerhalb seines Sieben-Jahres-Rhythmus auf, anlässlich der Freisprechung von 32 Jungbrauerinnen und Jungbrauern.
Das Kiliani-Volksfest 2026 in Würzburg bringt mehrere Neuerungen: mehr Blaskapellen, Public Viewing zur Fußball-WM, eine neue Kiliani-Box für Touristen sowie einen leicht gestiegenen Bierpreis von 13,20 Euro pro Maß.
Sonstiges
Eine junge Deutsch-Iranerin reist zum ersten Mal in das Land ihres Vaters: Die Graphic Novel „Wind in meinem Kopftuch“ von Roya Soraya ist eine nur scheinbar naive Begegnung mit Iran.
Der Bildband „JR – La Caverne du Pont Neuf" dokumentiert die Entstehung von JRs monumentaler Kunstinstallation auf der ältesten Brücke von Paris mit Skizzen, Fotos, Collagen und einem Interview.
Das Musikfest ION in Nürnberg feiert 2026 sein 75-jähriges Bestehen mit rund 30 Konzerten in Kirchenräumen; Intendant Moritz Puschke setzt dabei auf Nähe zum Publikum, ein breites spirituelles Musikverständnis und finanzielle Unabhängigkeit durch über 50 Prozent Ticketeinnahmen.
Das Festival Blaues Rauschen bespielt mit 22 Konzerten und Klanginstallationen zwischen elektronischer Avantgarde und freier Improvisation acht Städte im Ruhrgebiet und präsentiert dabei internationale Künstler wie Navid Navab, Georg Graewe und Robert Lippok.
Das Obama Presidential Center and Library eröffnete in Chicago mit einem Staraufgebot: Bruce Springsteen, U2, The Roots, Stevie Wonder, Jennifer Hudson, Christina Aguilera, Eddie Vedder und John Legend traten bei der Eröffnungsfeier auf.
Jon Batiste dekonstruiert auf seinem Solo-Klavier-Album BLACK MOZART Mozarts Melodien, indem er sie spielerisch auseinandernimmt, in Jazz- und Pop-Kontexte überführt und dabei ihre unsterbliche Beständigkeit herausarbeitet.
Graham Coxons 2011 aufgenommenes Album CASTLE PARK erscheint nach 15 Jahren im Archiv endlich: Das countryeske Folk-Rock-Album entstand parallel zu A+E, wurde damals jedoch wegen ausbleibendem Erfolg zurückgehalten.
1910 galt das »Grand Hotel Laurin« in Bozen als eines der modernsten Häuser Europas. Bis heute findet man dort Spuren dieser glorreichen Vergangenheit, der Zeit voraus ist man jedoch im Hotelrestaurant, wo die italienische Küche von morgen gekostet werden kann.
Christian Ulmen klagt vor dem Arbeitsgericht Berlin gegen Pyjama Pictures, nachdem die Produktionsfirma ihm im April 2026 alle Verträge für die Streaming-Serie „The Au Pair" fristlos gekündigt hat. Ulmen beruft sich auf seinen Arbeitnehmerstatus, um Kündigungsschutz zu erlangen.
Wolf Biermann feiert seinen 90. Geburtstag und den 50. Jahrestag seiner DDR-Ausbürgerung mit drei Festkonzerten in Köln, Hamburg und Leipzig, begleitet von Prominenten wie Campino, Otto und Joachim Gauck.
Das Hurricane-Festival in Scheeßel feiert 2025 sein 30-jähriges Bestehen und findet zum 28. Mal statt, mit über 70.000 Besuchern, mehr als 90 Auftritten und besonderen Jubiläumsüberraschungen.
Das Kulturjahr „Tacheles 2026" zu jüdischer Kultur in Sachsen verzeichnet mit bereits 620 Veranstaltungen in 85 Städten weit mehr Beteiligung als erwartet – ursprünglich waren 365 geplant, nun gelten 1.000 als realistisches Jahresziel.
Ein iranisches Gericht verurteilt die Sängerin Parastoo Ahmadi zu 74 Peitschenhieben sowie einem zweijährigen Berufs- und Ausreiseverbot, weil sie ohne Kopftuch und Ärmel aufgetreten war.
Film- und Medienstiftung NRW und DWDL.de feierten erstmals gemeinsam ihr Sommerfest in Köln mit rund 800 Gästen aus Medien, Politik und Kultur – Anlass waren das 35-jährige Bestehen der Filmstiftung und das 25-jährige Jubiläum von DWDL.de.
Jasna Fritzi Bauer erzählt in einem sechsteiligen Dolby-Atmos-Podcast die Geschichte des NFT-Projekts „Bored Ape Yacht Club" – vom kometenhaften Aufstieg mit Milliardeninvestitionen bis zum Marktabsturz, Rassismus-Vorwürfen und Sammelklagen gegen Yuga Labs.
Der MDR-KLASSIK-Podcast „Grit & Gäste" führt ausführliche Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern der Klassikszene, darunter Dorothee Oberlinger, Sunnyi Melles, Heinz Holliger und Aigul Akhmetshina.
Der rbb-Podcast „Orte und Worte" begleitet Autorinnen und Autoren an persönlich bedeutsame Orte, wo sie über ihre aktuellen Bücher und das Schreiben sprechen. Aktuell ist Muri Darida mit seinem Debütroman „King Cobra" im Volkspark Rehberge in Berlin zu Gast.
Anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens zeigt die cie. toula limnaios beim gleichnamigen Festival frühe Werke neu aufgeführt, darunter die Choreografie „les possédés" von 2009 in der HALLE Tanzbühne Berlin.
Die französische Choreografin Leïla Ka zeigt in „Maldonne" bei der Sommerszene Salzburg mit fünf Tänzerinnen, wie gesellschaftliche Erwartungen an Weiblichkeit und patriarchale Unterdrückung durch Kostüme und Bewegungswiederholungen sichtbar gemacht werden.
Eine dreiteilige NDR/SWR-Doku-Serie erzählt zum 20. YouTube-Jubiläum die Geschichte der ersten deutschen YouTuber wie Y-Titty, Coldmirror und Ischtar Isik – vom anarchischen Beginn über den Ruhm bis zu Burnout und Identitätskrisen.