Pressespiegel 20.06.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Die Bayreuther Festspiele kämpfen zu ihrem 150. Jubiläum mit Finanzproblemen und Kontroversen um ihre Gedenkpolitik. Die Stadt kürzt das Begleitprogramm, während eine geplante Gedenkveranstaltung für heftige Debatten sorgt.
Die Bayreuther Festspiele haben die Absage eines Gedenkkonzerts für NS-verfolgte jüdische Musikerinnen und Musiker zurückgenommen: Das Konzert „Verstummte Stimmen" mit Festredner Michel Friedman findet nun doch am 26. Juli statt.
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Die Stadt Bayreuth kürzt das Begleitprogramm zum 150. Jubiläum der Bayreuther Festspiele aus finanziellen Gründen weiter zusammen.
Der kulturpolitische Wochenreport des Deutschen Kulturrates thematisiert den vielschichtigen Heimatbegriff zwischen Sehnsucht und politischem Missbrauch und bündelt weitere Themen wie Geschlechtergerechtigkeit, Erinnerungskultur, Sexismusprävention und Gameskultur.
Institutionelle Kulturorte
Bedeutende Kulturgebäude in Deutschland unterziehen sich grundlegenden Renovierungen. Vom Konzerthaus bis zur Wallfahrtskirche werden historische Orte für zukünftige Generationen instandgesetzt.
Die Sanierung des Bremer Konzerthauses „Die Glocke" kostet mit 110,5 Millionen Euro deutlich mehr als die ursprünglich geplanten 80 Millionen Euro. Baubeginn ist 2028, die Wiedereröffnung für Ende 2030 oder Anfang 2031 geplant.
Die Wallfahrtskirche Käppele in Würzburg wird ab September 2026 für rund 5,8 Millionen Euro innen renoviert und bleibt dafür zweieinhalb Jahre geschlossen. Im Konventgebäude entsteht zudem eine Gastronomie mit Panoramaterrasse.
Erinnerungskultur
Vergangenheitsbewältigung und Gedenken: Missbrauchsopfer kämpfen um Anerkennung, die Bayreuther Festspiele setzen sich mit ihrer NS-Verstrickung auseinander, und ein Berliner Gedenkmuseum dokumentiert zeitgenössische Gräuel.
Die Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin zeigt eine Ausstellung über das syrische Foltergefängnis Sednaya. Sie ist klein, bedrückend, dank klug eingesetzter 3D-Technik sehr fesselnd. Und befreiend.
Der Spiegel und Zeit Online haben kostenpflichtige Suchtools zur durchsuchbaren NSDAP-Mitgliederkartei eingeführt, die jedoch fehlerhafte Ergebnisse liefern – der Autor kommentiert das Phänomen kritisch-ironisch als lukratives Mediengeschäft.
Bildende Kunst
Das Kunstmärchen „Das kalte Herz" und die Kunstmesse Art Basel: zwei unterschiedliche Perspektiven auf Kunst und ihre Wertigkeit. Der eine Text erkundet Hauffs literarische Auseinandersetzung mit Wohlstand und menschlichen Gefühlen, der andere wirft einen Blick auf den gegenwärtigen Kunstmarkt und seine Strategien.
Das Kunstmuseum Stuttgart zeigt im Kunstgebäude eine Gruppenausstellung, die Wilhelm Hauffs Märchen „Das kalte Herz" (1827) als Ausgangspunkt nutzt, um Themen wie Identität, Gewalt, Heilung und ökologische Ausbeutung im Medium der Kunst zu reflektieren.
Die Art Basel startet mit starken Verkäufen, darunter ein Picasso-Gemälde für 35 Millionen Dollar. Die neue Initiative „Basel Exclusive" setzt auf mehr Exklusivität, während amerikanische und asiatische Sammler diesmal weitgehend fehlen.
Film & Fotografie
Showformate für Streaming-Plattformen, Spielfilme und ihre Produktionsgeschichten prägen derzeit die Branche. Die vier Beiträge zeigen, wie schnell sich Projekte verschieben, neue Partnerschaften entstehen und welche Filme gerade Aufmerksamkeit erregen.
UFA Show & Factual produziert für Prime Video die deutsche Adaption der Minigolf-Competitionshow „Holey Moley – Minigolf Extreme", bei der 24 Kandidaten auf einem überdimensionalen Parcours um 25.000 Euro Preisgeld antreten.
Der Wochennewsletter von M94.5 fasst die Themen der Woche zusammen, darunter den Kinostart von Backrooms, das neue Album von Bella Bazz sowie Wochenendtipps wie die Ausstellung Queere Comics, das Münchner Buchfest und einen Bollywood-Tanzworkshop.
Amazon MGM Studios hat den fast fertiggestellten Film „Artificial" von Regisseur Luca Guadagnino über OpenAI-Gründer Sam Altman fallen gelassen – offenbar wegen eines Interessenkonflikts mit der milliardenschweren strategischen Partnerschaft zwischen Amazon und OpenAI.
Kann man eine andere Person zwingen, sich zu verlieben? Was in „Obsession“ passiert, hat schreckliche Konsequenzen. Es ist einer der besten Horrorfilme des Jahres.
Literatur
Ein Krimibuchtipp über eine Weltklasse-Köchin und eine Silvestervergiftung in Davos sowie eine Würdigung von Ingeborg Bachmann zu ihrem 100. Geburtstag zeigen unterschiedliche Facetten literarischer Erzählung zwischen Spannung und zeitloser Tiefe.
Im Krimi „Noch fünf Tage" wird Weltklasse-Köchin Lis Castrop bei einem Silvesterdinner in Davos zusammen mit ihrem Auftraggeber und dessen Familie vergiftet und muss den Anschlag in fünf Tagen aufklären.
Ingeborg Bachmann war die Vorreiterin der Heterofatalistinnen von heute. Zu ihrem 100. Geburtstag kann man wieder viel über ihre Leiden lesen. Oder man fängt mit ihren unsterblichen Werken von vorne an.
Musik
Dirigenten und Musiker prägen auch im hohen Alter noch ihre künstlerische Leidenschaft aus: Zubin Mehta führt die Münchner Philharmoniker, die Richard-Strauss-Tage überraschen mit seltenen Werken, und Morgan Freeman wagt sich ins Blues-Album.
Der 90-jährige Ehrendirigent Zubin Mehta leitet die Münchner Philharmoniker und begleitet Solistin Alexandra Gruber in Mozarts Klarinettenkonzert sowie anschließend Tschaikowsky.
Die Richard-Strauss-Tage 2026 in Garmisch-Partenkirchen boten unter Dirigent Rémy Ballot mit den Stuttgarter Philharmonikern neben Werken von Strauss, Brahms und Mozart auch Hans von Bülows selten gespielte Orchesterfantasie „Nirwana" sowie die Uraufführung einer Kammerorchesterfassung der „Salome".
Morgan Freeman veröffentlicht am 7. August sein Blues-Album „Morgan Freemans Symphonic Blues Experience", das 100 Jahre Bluesgeschichte umspannt und Gastauftritte von Taj Mahal, Keb' Mo' und Shemekia Copeland vereint.
Simon Rattles Aufführung von Edward Elgars Oratorium „The Dream of Gerontius" mit dem Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im Herkulessaal enttäuschte laut Kritik.
Theater & Darstellende Kunst
Das Staatstheater Mainz setzt sich mit historischen und gegenwärtigen Fluchtbewegungen auseinander. Die Uraufführung "Refuge" verbindet deutsch-irische Geschichte mit aktuellen Fragen von Vertreibung und Fremdenhass.
Am Staatstheater Mainz feiert Deidre Kinahans Stück „Refuge" unter der Regie von Jim Culleton Uraufführung und verknüpft die Geschichte pfälzischer Auswanderer im 18. Jahrhundert in Irland mit dem Schicksal eines heutigen Geflüchteten aus dem Nahen Osten.
Die irische Dramatikerin Deirdre Kinahan verbindet in „Refuge" am Staatstheater Mainz die historische Flucht pfälzischer Protestanten ins irische Limerick mit der Gegenwartsgeschichte eines afghanischen Flüchtlings zu einer deutsch-irisch-afghanischen Reflexion über Fremdenhass und gescheiterte Zuflucht.
Regisseur Tobias Kratzer spricht im Interview über seine Neuinszenierung von Wagners „Walküre" am Münchner Nationaltheater, die als Teil des „Ring des Nibelungen" 2026 auch bei der „Oper für alle" gezeigt wird.
Sonstiges
Das Southside Festival in Neuhausen ob Eck wurde nach einer unwetterbedingten Unterbrechung am Freitagabend fortgesetzt, musste das Abendprogramm jedoch kürzen – Auftritte von A Day To Remember und Clueso entfielen ersatzlos.
Die EU hat den deutschen Journalisten Hüseyin Doğru wegen mutmaßlicher pro-russischer Informationsmanipulation sanktioniert, was sein Konto einfriert und Einreiseverbote verhängt – obwohl er in Berlin lebt und Meinungsfreiheit beansprucht.
Über die Fantasie als unsere einzige sichere Währung – und warum das Erzählen manchmal wichtiger ist als das Erleben. Folge 13 von Heidenreichs Fundstücken.
Die Nürnberger Sebalduskirche verzeichnet seit Einführung eines fünf-Euro-Eintritts einen Besucherrückgang von rund 50 Prozent, erzielt aber laut Pfarrer Martin Brons dennoch höhere Einnahmen als zuvor, um jährliche Erhaltungskosten von 350.000 Euro zu decken.
Der Grafiker Anton Stankowski prägte mit Logos und geometrischen Formen das visuelle Erscheinungsbild der Bundesrepublik – sein bekanntestes Werk ist das Deutsche-Bank-Logo mit dem Schrägstrich im Quadrat.
Das ZDF kündigt nach Kritik an Sanktionsklauseln in Mitwirkendenverträgen eine Überprüfung der Regelung an, die auch US-Sanktionslisten einbezieht; Intendant Norbert Himmler betont, die journalistische Unabhängigkeit des Senders sei davon nicht betroffen.