Pressespiegel 25.06.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Kulturförderung und Kulturfreiheit stehen unter politischem Druck: Von Haushaltskonflikten und wahlpolitischen Rücksichtnahmen über die Verteidigung internationaler Kulturarbeit bis hin zu Debatten über Sprache an Hochschulen.
Gendern oder nicht? Das Thema beschäftigt auch die bayerische Staatsregierung noch immer. Dieses Mal allerdings auf höchst kuriose Weise.
Sachsen-Anhalts Staatsminister Rainer Robra räumte vor dem Bundesverfassungsgericht offen ein, dass die Länder die KEF-Empfehlung zur Rundfunkbeitragserhöhung aus Angst vor Wahlerfolgen der AfD nicht umsetzen werden.
Bundespräsident Steinmeier appelliert beim Festakt zum 75-jährigen Bestehen des Goethe-Instituts an den Bundestag, dessen weltweite Kulturarbeit finanziell und politisch zu stärken und gegen Angriffe auf Vielfalt und Offenheit zu verteidigen.
Der Fall der palästinensischen Filmemacherin Basma al-Sharif, die von der Kunstakademie Düsseldorf und dem Goethe-Institut eingeladen wurde, wirft verfassungsrechtliche Fragen zur Reichweite der Kunstfreiheit gegenüber staatlichen Antisemitismusklauseln in der Kulturförderung auf.
Die Ausgabe 7-8/26 von Politik & Kultur widmet ihren Schwerpunkt dem Thema Live-Veranstaltungen und behandelt zudem Kunstfreiheit, das Berliner-Mauer-Weltkulturerbe, Sachsen-Anhalts Kulturfördergesetz sowie die RTL-Übernahme von Sky.
Erinnerungskultur
Die Artikel dieser Sektion befassen sich mit verschiedenen Aspekten der Erinnerungskultur: vom Schutz und der Würdigung historischer Orte und Überreste bis hin zur Aufarbeitung dunkler Kapitel der Vergangenheit. Sie zeigen, wie Gesellschaften ihre Geschichte bewahren, dokumentieren und öffentlich machen.
Die Allianz gegen Rechtsextremismus verurteilt die versuchte Brandstiftung an der KZ-Gedenkstätte Hersbruck. Als Tatverdächtiger gilt ein 27-jähriger Deutscher, der laut Polizei in einem psychischen Ausnahmezustand handelte und sich freiwillig in einer Fachklinik befindet.
Die Ausstellung „Erinnerns_Wert. Jüdische Spuren in Zwickau" dokumentiert ab Freitag in den Zwickauer Priesterhäusern anhand von Dokumenten, Fotos und persönlichen Objekten jüdische Lebensgeschichten, die durch Ausgrenzung, Flucht und Ermordung in der NS-Zeit zerstört wurden.
Hopfen aus Bayern wird in die ganze Welt verkauft. Doch die Felder mit den markanten Dolden sind weit mehr als als nur Rohstofflieferant.
Der Deutsche Kulturrat und der BUND fordern, die Berliner Mauer und die innerdeutsche Grenze als gemischte UNESCO-Welterbestätte anzumelden, und appellieren an Berlin, sich aktiv in den laufenden Nominierungsprozess einzubringen.
In Berlin wurde ein fünf Meter hohes Mahnmal aus Bronze für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas eingeweiht, das am historisch bedeutsamen Goldfischteich im Tiergarten steht.
Bildende Kunst
Von zeitgenössischen Ritualen über kinetische Installationen bis zu historischen Meistern der Grafik und Malerei: Die aktuelle Kunstbetrachtung spannt einen Bogen über Epochen und Techniken. Sie erkundet, wie Künstler mit Farbe, Form und Bewegung Bedeutung schaffen.
Die Ausstellung „Neue Rituale (für das Ende der Welt)" im Basler Haus der Elektronischen Künste vereint Werke von Skawennati, Christiane Peschek und Etsuko Ichihara, die Widerstandsstrategien gegen Apokalypse, Überwachung und gesellschaftlichen Leistungsdruck erkunden.
Der Louvre widmet Martin Schongauer, dem elsässischen Maler und Kupferstecher des 15. Jahrhunderts, eine umfassende Retrospektive, die seinen Einfluss auf Zeitgenossen und nachfolgende Generationen bis ins 17. Jahrhundert nachzeichnet.
Der israelische Pionier der kinetischen Kunst und Op-Art, Yaacov Agam, ist im Alter von 98 Jahren gestorben. Er prägte mit farbigen, bewegten Installationen den öffentlichen Raum weltweit und erhielt kurz vor seinem Tod den Israel-Preis.
Film & Fotografie
Diese Woche im Kino und auf dem Bildschirm: Von modernem Horror bis zur Filmgeschichte, von Streaming-Erfolgen bis zur literarischen Adaption. Ein buntes Programm aus aktuellen Kinostarts, Klassikern und digitalen Serien.
Das Dokudrama „Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war" mit Sandra Hüller nähert sich der Schriftstellerin zu ihrem 100. Geburtstag, stilisiert sie dabei jedoch zum leidenden Opfer und blendet Stärke und Charme aus.
Curry Barkers Low-Budget-Horrorfilm „Obsession" hat weltweit über 334 Millionen Dollar eingespielt und thematisiert anhand einer magisch erzwungenen Beziehung toxische Dynamiken, Konsens und männliche Verunsicherung beim Dating.
Der ehemalige Filmvorführer Ekkehard Gutmann teilt seine Archivschätze zur Coburger Kinogeschichte der 1960er- und 70er-Jahre, darunter Erinnerungen an Begegnungen mit Stars wie Uschi Glas und Gert Fröbe sowie die Landung eines Original-James-Bond-Helikopters.
Die Hamburger Triennale der Photographie 2026 zeigt neben einer thematisch breiten Gruppenausstellung vor allem die von Sabine Schnakenberg kuratierte Sammlung F. C. Gundlachs mit Fotografien zu Nacktheit und Erotik von Klassikern wie Mapplethorpe, Arbus und Newton.
Literatur
Ein neuer Popupstore im Glockenbachviertel setzt auf das Erlebnis der Buchsuche. Daneben widmet sich ein Sachbuch von Bernd Brunner der faszinierenden Kulturgeschichte des Badens.
Stephanie Wissmann zeigt bis 30. Juni 2026 im Concept Store akjumii im Münchner Gärtnerplatzviertel die „Bibliothek der Gefühle": Bücher sind farbig eingeschlagen und nicht nach Autor oder Genre, sondern nach Gefühlen sortiert.
Der Mensch planscht, schwimmt – und ertrinkt manchmal: Die Kulturgeschichte des Badens erklärt Bernd Brunner im Buch „Abtauchen und treiben lassen“ und beim Treff im Berliner „Kombibad Seestraße“.
Tanz
Der Deutsche Tanzpreis 2027 würdigt drei Positionen, die die Vielfalt der zeitgenössischen Tanzlandschaft abbilden: eine international tätige freie Kompanieleitung, einen innovativen Erneuerer des Balletts und eine Künstlerin, die kulturelle Grenzen überschreitet.
Der Deutsche Tanzpreis 2027 geht an Choreografin Rafaële Giovanola mit CocoonDance (Hauptpreis), Choreograf Martin Schläpfer (Lebenswerk) und Tänzerin Joy Alpuerto Ritter (herausragende Interpretin).
Anna Konjetzkys Tanzproduktion „beat silence beat" an den Münchner Kammerspielen lässt sechs Performer Klang, Körper und Stimme zu einem akribisch geplanten, dabei spontan wirkenden Tanz-Konzert verschmelzen.
Die aktuelle „Manon"-Serie des Wiener Staatsballetts überzeugt technisch, leidet aber unter zahlreichen Rollendebüts und offenbar zu wenig Probenzeit, was die dramatische Rolleninterpretation vieler Solist*innen beeinträchtigt.
Theater & Darstellende Kunst
Bühnen im Wandel: Von klassischen Adaptionen bis zu internationalen Experimenten zeigen die Theater-Events diesen Sommer innovative Arbeiten und etablieren neue künstlerische Perspektiven.
Die Münchner Adaption von „My Fair Lady" unter dem Titel „Die Brezn-Madame" feiert ab 3. Juli 2026 bei den Weiherspielen Premiere, in der eine Brezn-Verkäuferin zur Gesellschaftsdame aufsteigt.
„Nkoli: A Fierce & Fabulous Life" aus Johannesburg feiert beim Festival Theater der Welt in Chemnitz das Leben des südafrikanischen queeren Aktivisten Simon Nkoli als energiegeladenes Totaltheater zwischen Oper, Revue und politischer Erinnerung.
Nach 13 Jahren endet die Intendanz von Shermin Langhoff am Maxim Gorki Theater Berlin; ein Podcast-Gespräch mit Selen Kara und Hakan Savaş Mican zieht Bilanz über zwei Jahrzehnte postmigrantisches Theater.
Franzy Deutscher erklärt im Interview, wie sie als Kampfchoreografin und Intimitätskoordinatorin Gewalt- und Intimszenen auf der Bühne professionell gestaltet und warum sie 2019 den Berufsverband für Intimitätskoordination und Kampfchoreografie gründete.
Sonstiges
Wissenschaftsminister Blume fordert die Entwicklung und Anwendung von KI. Der Hochschulverband erwartet einen „strukturellen und personellen Kraftakt“.
Schülerinnen und Schüler der Von-Lerchenfeld-Schule Bamberg haben im Bauernmuseum Bamberger Land eigenständig einen Kurzfilm produziert und im Rahmen einer Weltpremiere uraufgeführt, unterstützt von der Medienwerkstatt „bildban.de" und gefördert durch die Landesmedienzentrale Bayern.
Die Trachtenkultur-Beratung und die Kunstsammlungen Augsburg veranstalten am 9. Juli im Schaezlerpalais eine Führung durch die Rokoko-Säle mit anschließendem Workshop, bei dem Teilnehmende den traditionellen Augsburger Posamentenknopf herstellen.
Am 13. Juli 2026 tritt BIENE alias Christina Ullmann gemeinsam mit Gitarrist Günther Skitschak und Multiinstrumentalist Raphael Lichius im Weinkeller des Romantik Hotels Das Lindner in Bad Aibling auf; der Eintritt ist frei.
Der Vater des langjährigen SZ-Chefreporters Herbert Riehl-Heyse wurde 1945 von der SS erschossen, nicht nur in Altötting gilt er heute vielen als Märtyrer. Dann taucht sein Name in den NSDAP-Akten auf – und seine Enkelin begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit.
Augsburg begeht das Friedensfest am 8. August mit rund 80 Veranstaltungen unter dem Motto „Un_Sicherheit", darunter Theateraufführungen, Konzerte und Ausstellungen, organisiert von etwa 60 Institutionen und Vereinen.
Das Mozartfest Würzburg bringt mit seinem Format „Stars bei uns" am 27. Juni ein internationales Streichertrio in die Matthäuskirche des 1200-Einwohner-Orts Markt Einersheim; die Einnahmen sollen ein gemeinschaftliches Musicalprojekt aller fünf Ortschöre finanzieren.
Kirchenmusikerin Julie Pinsonneault startet in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Bad Reichenhall die Konzertreihe „Orgelsommer St. Nikolaus" mit fünf Orgelkonzerten jeden Samstag vom 4. Juli bis 1. August an der Mathis-Orgel.
Mirna Funk sollte im Comedia Theater Köln über Macht und Schönheit diskutieren, die Veranstaltung wurde jedoch kurzfristig abgesagt.
Bi Gans „Resurrection", mit dem Prix Spécial in Cannes ausgezeichnet, erzählt in vier traumartigen Episoden von einem „Deliranten", der durch ein Jahrhundert chinesischer Geschichte reist und dabei die sechs buddhistischen Sinnesgrundlagen erkundet.
Baukultur NRW veröffentlicht einen Leitfaden zur Umnutzung von Kirchengebäuden, da rund 3.000 der etwa 6.000 Kirchen in NRW künftig nicht mehr für kirchliche Zwecke benötigt werden.
Seriesly Berlin findet vom 14. bis 17. September 2026 zum dritten Mal statt und ergänzt sein Programm aus Conference, Premieres und Pitches um drei neue Initiativen zu kreativer Freiheit, europäischen Koproduktionen und Creator-IP.
Das BODHI PROJECT zeigt Ann Van den Broeks Choreografie „We Solo Men" in der ARGEkultur Salzburg als präzises Tanzstück über Selbstdarstellung, Einsamkeit und Geschlechterkonstruktion, in dem sechs Performer*innen die Spannung zwischen Sichtbarkeit und echter Verbindung verkörpern.