Pressespiegel 26.06.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Medienfreiheit und Kulturpolitik prägen aktuelle Diskurse: Ob Debatten um unabhängige Berichterstattung, aktuelle Positionen des Kulturrates oder lokale Festival-Kontroversen – die Schnittstellen zwischen Kultur und Politik bleiben vielfältig.
ARD Kultur unterzeichnet den vom MDR initiierten „Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien" und bekennt sich damit zur Medienfreiheit als Grundlage demokratischer Gesellschaften.
Im Bayreuther Stadtrat fällt die Entscheidung, dass Projektkoordinator Florian André Unterburger trotz der Debatte um die 150-Jahr-Festspiele im Amt bleibt, während Kulturreferentin Eva Bär beurlaubt bleibt.
Die Juli/August-Ausgabe 2026 von Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, erscheint ab 1. Juli und widmet ihren Schwerpunkt dem Thema Live-Konzerte, Festivals und Shows.
KI & Kultur
Kulturschaffende weltweit wehren sich gegen den Einsatz von generativer KI: Von kollektiven Forderungen nach einem KI-Verbot an Schulen bis zu Künstlern, die gegen gefälschte Werke in ihrem Namen protestieren.
Rund 500 Kulturschaffende, darunter Nan Goldin und Molly Crabapple, fordern in einem offenen Brief Bürgermeister Mamdani auf, generative KI an New Yorker Schulen für zwei Jahre zu verbieten, da sie Kreativität und kritisches Denken gefährde.
Doja Cat hat klargestellt, dass auf X kursierende angebliche Leak-Songs nicht von ihr stammen, sondern KI-Imitationen sind. Kurz zuvor hatten auch SZA und Producer Kenny Beats öffentlich ihren Ärger über den Missbrauch von Musikerarbeiten zum KI-Training geäußert.
Kulturvermittlung
Vermittlung von Kulturwissen in unterschiedlichen Kontexten: von der akademischen Weiterbildung in der Medienpraxis bis zur kuratorischen Entdeckung von Kulturstätten und Welterbe vor Ort.
Bad Kissingen bietet als UNESCO-Welterbestätte ein breites Kulturprogramm mit Festivals, Stadtführungen und dem Museum Obere Saline sowie Pauschalen für Kurztrips oder mehrtägige Kultururlaube.
ARD-Kultur-Redakteurin Ineke Hagedorn vermittelte Studierenden der TU Chemnitz in einem Workshop anhand der Doku-Serie „Beyond Fashion" die Phasen audiovisueller Formatentwicklung – von der Idee bis zur Distribution im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Bildende Kunst
Zeitgenössische Künstler zwischen Videokunst und Stadtgestaltung: Diese Woche zeigen wir Cao Feis immersive Werke, die Karriere des berüchtigten Graffiti-Sprayers OZ und sehenswerte Ausstellungen des Sommers.
Herford zeigt Gehry und die Cool School, in Karlsruhe wird eine Basler Künstlerin entdeckt und Aarhus spürt der Body in Pink nach: sehenswerte Ausstellungen im Juli.
Cao Fei verwandelt das Kunstmuseum Basel mit immersiven Installationen, VR, Skulpturen und Hip-Hop-Szenen in eine begehbare Videostadt über Chinas digitale Zukunftsvision – bis 11. Oktober 2026.
Der Graffiti-Sprayer OZ (bürgerlich Walter Fischer) besprühte über zwei Jahrzehnte nächtlich Hamburgs Stadtbild, wurde wiederholt verurteilt und verprügelt, und starb 2014 im Alter von 64 Jahren, als ihn eine S-Bahn erfasste.
Film & Fotografie
Filmische Porträts und neue Kinoformate prägen die aktuelle Filmlandschaft. Von Dokumentation bis Superhelden-Action – das Kino bietet vielfältige Perspektiven auf bekannte und unbekannte Geschichten.
Die Locarno Filmfestspiele verleihen der belgischen Schauspielerin Virginie Efira bei ihrer 79. Ausgabe den Leopard Club Award, den sie am 7. August anlässlich der Vorführung ihres Films „All of a Sudden" entgegennimmt.
Beim Filmfest München feiert „Zwischenwelten" Premiere – der erste Münchner „Tatort" mit Carlo Ljubek und Ferdinand Hofer als neuem Ermittlerduo, nachdem Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec als Batic und Leitmayr in den Ruhestand gegangen sind.
ZDF und BBC setzen die Dreharbeiten zur Beatles-Serie "Hamburg Days" fort, nachdem Schauspielerin Luna Jordan verstorben war. Die Rolle der Astrid Kirchherr übernimmt nun Lea Drinda; die Dreharbeiten laufen bis Ende August.
Craig Gillespies "Supergirl" (ab 25.06.2026 im Kino) mit Milly Alcock als Kara Zor-El überzeugt mit actionreichen Szenen und vielschichtiger Hauptfigur, bleibt aber trotz feministischer Ambitionen in einigen Klischees verhaftet.
Literatur
Preise, Podcasts und Lesungen prägen die aktuelle Literaturlandschaft. Von Bachmanns Jubiläum über den Friedenspreis bis zu Brechts Vermächtnis zeigt sich die Vielfalt des literarischen Schaffens und seiner Würdigung.
Der Münchner Verlag C. H. Beck übernimmt zum 1. Juli die Mehrheit an dtv, nachdem das Bundeskartellamt die Übernahme der Ganske-Anteile genehmigt hat und C. H. Beck künftig rund 60 Prozent der Anteile hält.
Der Menschenrechtsanwalt und Autor Philippe Sands erhält 2026 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für seinen Einsatz für Gerechtigkeit und Völkerrecht; die Auszeichnung wird traditionell zur Frankfurter Buchmesse verliehen.
Helga Schubert, Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin von 2020, hielt zum 50. Jubiläum des Lesewettbewerbs in Klagenfurt die Eröffnungsrede und spricht im Interview über den renommierten Wettbewerb.
Mona Ameziane und Christine Westermann diskutieren im Literaturpodcast „Zwei Seiten" alle zwei Wochen Alltagsthemen wie Langeweile, Hingabe oder Kraft und empfehlen dabei passende Bücher.
Zum 70. Todestag Bertolt Brechts liest der Theaterregisseur und Brecht-Kenner Stefan Schön am 14. August 2026 im Brechthaus Augsburg Lyrik aus allen Lebensphasen des Dichters.
Musik
Haydn und Wagner, Chor und Pop, München und Freyung: Die Musikwoche verbindet Klassik und moderne Sounds, große Opernpremieren und lokale Chorjubiläen aus Bayern und über die Grenzen hinaus.
Barbara Hannigan dirigierte, sang und tanzte bei den Münchner Philharmonikern in der Isarphilharmonie mit Werken von Haydn, Offenbach, Copland und Weill – laut Rezension mit überzogenem Konzertwitz.
Tobias Kratzer inszeniert Richard Wagners „Walküre" zur Eröffnung der Münchner Opernfestspiele mit einem viralen Filmeinspielung, die Walküren durch den Englischen Garten reiten lässt; Kunstminister Markus Blume bezeichnete die Premiere als die beste seiner Amtszeit.
Theater & Darstellende Kunst
Von der Neuinterpretation Kehlmanns am Passionstheater über die Bühnengestaltung für die Bregenzer Festspiele bis zum Münchner Residenztheater: Aktuelle Projekte und Entwicklungen aus der deutschsprachigen Theaterlandschaft.
Christian Stückl inszeniert Daniel Kehlmanns Roman „Tyll" im Passionstheater Oberammergau und spricht über die Bedeutung des Andersdenkens im Dorfkontext.
Was, wenn auf der ganzen Welt plötzlich Babygeschrei zu hören ist? Neun Autorinnen und Autoren schreiben darüber gemeinsam ein Stück. Am Münchner Residenztheater hatte „The Crying Child“ jetzt Premiere.
Die Bregenzer Festspiele verpflichten Star-Bühnenbildnerin Es Devlin für Richard Wagners „Der fliegende Holländer", der 2028 und 2029 auf der Seebühne aufgeführt wird. Devlin hatte bereits 2017/18 das Bühnenbild für „Carmen" am Bodensee gestaltet.
Sonstiges
Die Capella dell'halla eröffnete das Zeitklang-Festival in Bad Reichenhall mit zwei Konzerten in der Spitalkirche St. Johannes und der Ägidikirche, bei denen Ensemble-Leiter Robert Schlegl Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts im Rahmen der 525-Jahr-Feierlichkeiten des Klosterhofs präsentierte.
Der Traunsteiner Kultsommer bietet Ende Juni/Anfang Juli auf dem Stadtplatz ein kostenloses Open-Air-Programm mit Konzerten der Stadtmusik Traunstein, der Austropop-Band Leiwaund und der Red Button Big Band sowie einem Tag der Vereine.
Vikarin Franka Böhm aus Selb erhält den Philoxenia-Preis für eine Vertonung des 1.700 Jahre alten Glaubensbekenntnisses von Nizäa-Konstantinopel, die musikalische Elemente aus orthodoxer, lutherischer, katholischer und anglikanischer Tradition verbindet.
Jouanna Hassoun und Shai Hoffmann stellen am 6. August 2026 im Moritzsaal Augsburg ihr Buch zum Projekt „Trialog" vor, bei dem eine Deutsch-Palästinenserin und ein deutsch-israelischer Jude seit 2023 den Dialog über den Nahostkonflikt fördern.
Die britische Organistin Anna Lapwood erhält im Oktober den Opus Klassik für die beste Live-Performance, gewürdigt für ihre Konzerte im Kölner Dom, zu denen rund 10.000 bis 13.000 Besucher strömten.
Die Eventagentur WIR-MOMENTUM veranstaltet bewusst analog gehaltene Salonabende mit maximal 60 Gästen, die Musik, Kunst und Kultur als unmittelbare Präsenzerfahrung abseits digitaler Vermittlung erlebbar machen.
Das Festival Jazz Baltica findet zum 35. Mal in Timmendorfer Strand statt, eröffnet von Festivalleiter Nils Landgren; Bundespräsident Steinmeier und Ministerpräsident Günther nehmen am offiziellen Auftakt teil.
Die Internationalen Schostakowitsch-Tage in Gohrisch widmen sich in diesem Jahr dem jüdischen Einfluss auf das Werk des Komponisten, mit Auftritten von Gidon Kremer, Elisabeth Leonskaja und Isabelle Faust sowie europäischen Erstaufführungen von Lew Abeliotwitsch.
Der japanische Pianist Hayato Sumino spielt ein Live-Konzert in Wehrheim, das per Steinway-Spirio-Technologie zeitgleich auf einem Flügel im Mainzer Kalkhof-Rose-Saal übertragen wird – die Tasten bewegen sich dort synchron zum Original-Anschlag.
Exakt 199 öffentliche Gebäude wie Schulen oder Behörden, aber auch private Häuser, öffnen Ende Juni bayernweit ihre Türen.
Kreisarchivpflegerin Teresa Lengl hat im Landratsamt Rosenheim ein erstes Netzwerktreffen für Archive, Museen und Geschichtsvereine des Landkreises organisiert, bei dem 26 Vertreter über digitale Archivierung und Vernetzung diskutierten.
Fonds-Darstellende-Künste-Geschäftsführer Holger Bergmann erklärt, wie der Fonds trotz Mittelkürzungen und rechten Narrativen die Freie Szene stärken will – durch Allianzen, Resilienz und eine Rückbesinnung auf künstlerische Eigenständigkeit.
Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur sind in Klagenfurt eröffnet worden; 14 Autorinnen und Autoren lesen vor einer Jury, die am Sonntag den mit 30.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis vergibt.
Veronica Ferres gehört zu den 529 Filmschaffenden, die die Academy of Motion Picture Arts and Sciences als neue Mitglieder einlädt und damit künftig bei der Oscar-Vergabe abstimmen dürfen.
Anne Will erhält den Stuttgarter Moderationspreis in der neuen Kategorie „Vorbild Moderation" und spricht über journalistisches Handwerk, die Gefahren der Reichweitenfixierung bei Moderationscastings sowie Unterschiede zwischen Fernseh- und Podcast-Moderation.
Der Podcast hr INFO Kultur behandelt aktuelle Kulturthemen, darunter die Geschichte der Disco-Musik, eine Ausstellung zu klimagerechtem Städtebau im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt sowie eine KI-Ausstellung in der Kunsthalle Schirn.