Pressespiegel 04.07.2026
Erinnerungskultur
Deutsche und europäische Institutionen, Denkmäler und Traditionsräume werden zu Kampfplätzen um Deutungshoheit über Geschichte. Dabei geht es um DDR-Narrative, antisemitische Kontinuitäten und die Verantwortung von Kulturerben für ihre belastete Vergangenheit.
Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk erklärt in seinem Buch „Faschismus ist keine Meinung", wie die AfD ein verklärtes DDR-Bild und tief verwurzelte Hassprägungen aus der SED-Zeit politisch ausnutzt.
Der jüdische Künstler Alon Ishay wurde am Wiener Lueger-Denkmal nach einer Kunstaktion antisemitisch beschimpft, bespuckt und angegriffen; zugleich erstattete die Polizei Anzeigen gegen ihn wegen Störung der öffentlichen Ordnung.
Wie konnte der fatale Eindruck entstehen, die Bayreuther Festspiele wollten sich mit dem Publizisten Michel Friedman ihrer antisemitischen Geschichte stellen – und dann doch wieder nicht? Die Intendantin und Komponisten-Urenkelin Katharina Wagner erklärt sich.
Das NS-Dokumentationszentrum München zeigte ein multimediales Jazz-Konzert, bei dem die Freedom Swingers die Geschichte der Jazzmusik zwischen Duldung und Ächtung im Nationalsozialismus musikalisch und historisch aufarbeiteten, inklusive Live-Darbietungen von Titeln der Ghetto Swingers aus dem KZ Theresienstadt.
Filmproduzentin Alice Brauner kritisiert die deutsche Erinnerungskultur an die NS-Zeit als gescheitert und bezeichnet sie als bloße Symbolpolitik. Ihr neuer Film „Block 10" über medizinische Experimente in Auschwitz feiert seine Weltpremiere beim Filmfest München.
Kulturelle Teilhabe
Volksfeste und Nachbarschaftsveranstaltungen schaffen Orte der Begegnung und des gemeinsamen Erlebens. In Würzburg und Creußen zeigen aktuelle Events, wie kulturelle Teilhabe vor Ort gelebt wird.
Das Kiliani-Volksfest in Würzburg startet am 3. Juli 2026 auf der Talavera: Oberbürgermeister Heilig eröffnet es um 18 Uhr, die Maß Bier kostet 13,20 Euro, abends gibt es ein Feuerwerk.
Die Nachbarschaftshilfe Creußen veranstaltete ein multikulturelles Fest mit Länderständen aus Europa, Asien und Amerika, musikalischen Beiträgen der Gruppe „Five Seasons" und Aktionen für Kinder, um Zusammenhalt und kulturelle Vielfalt zu fördern.
Wirkung & gesellschaftlicher Nutzen
Kulturelle Institutionen und Initiativen in Bayern werden für ihren gesellschaftlichen Beitrag gewürdigt. Von persönlichem Engagement über Bildungsstandorte bis hin zur Welterbe-Verantwortung zeigt sich die Wertschätzung für kulturelle Arbeit im öffentlichen Raum.
Mehr als 200 Gäste feiern das zehnjährige Bestehen des Lucas-Cranach-Campus in Kronach; Ministerpräsident Söder gibt dem Hochschulstandort dabei ein wichtiges Versprechen für die Zukunft.
Ministerpräsident Markus Söder hat 68 Personen mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet, darunter Ex-Torwart Oliver Kahn, Wintersportlerin Denise Herrmann-Wick, Kabarettist Bruno Jonas und ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher.
Ein Jahr nach der Unesco-Welterbe-Aufnahme der vier Schlösser Ludwigs II. zieht das bayerische Finanzministerium eine positive Bilanz: Alle Forderungen der Unesco sind erfüllt, darunter Lenkungsgruppen vor Ort und begrenzte Besucherzahlen in Neuschwanstein.
Film & Fotografie
Filmproduktionen im Entstehen, Festivals und ihre Preisverleihungen, neue Serien und Dokumentationen: Die aktuelle Berichterstattung zu Film und Fotografie zeigt das breite Spektrum des Mediums zwischen Blockbuster-Entwicklung und intimer Erzählweise.
Das Filmfest München endet am Wochenende mit der Verleihung des CineMerit Award an David Duchovny und der Premiere seines Films „See You When I See You"; zudem werden weitere Preise vergeben und eine Abschlussparty gefeiert.
Der Podcast „Industry" wurde erstmals live auf der Creators Conference München aufgezeichnet: Andrea Zuska und Hanna Huge diskutieren deutsche Micro-Dramen, Marktdaten, Nutzerbedürfnisse, Produktionskosten und Erlösmodelle.
Walter Thompson-Hernández' Film „If I Go Will They Miss Me" zeigt die schwierige Beziehung zwischen dem zwölfjährigen Lil Ant und seinem aus dem Gefängnis entlassenen Vater, zwischen Fantasiewelt und sozialer Realität in einem kalifornischen Arbeiterviertel.
Der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht" von Eva Müller und Isabel Schneider beleuchtet anhand von Archivmaterial den Sexismus im deutschen TV-Humor der 1990er und 2000er Jahre und lässt Entertainerinnen wie Maren Kroymann und Hella von Sinnen zurückblicken. Ab 16. Juli im Kino.
Michael Mann inszeniert „Heat 2" mit Leonardo DiCaprio als Chris Shiherlis und Christian Bale als Vincent Hanna; das Crime-Drama spielt auf mehreren Zeitebenen und startet im November unter Amazon MGM Studios.
Musik
Opernübertragungen und Festivals prägen das kulturelle Sommerprogramm, während Musikerinnen, Künstler und Konzertveranstalter aktuelle Themen aufgreifen. Ein Überblick über Veranstaltungen und Debatten in der Musikszene.
Imogen Cooper spielt mit Simon Rattle und dem BR-Symphonieorchester Mozarts Klavierkonzert Nr. 27 im Herkulessaal; außerdem zeigen Orchestermitglieder als Solisten orchestrierte Frühwerke von Henri Dutilleux.
Das Open-Air-Festival „Lieder und Lachen auf Banz" findet vom 3. bis 5. Juli 2026 auf der Klosterwiese bei Bad Staffelstein statt und bietet Musik- sowie Humorphrogramm; Besucher sollten Barzahlung einplanen und Shuttlebusse nutzen.
Das Festival d'Aix-en-Provence eröffnet mit Clément Cogitores Neuproduktion von Mozarts „Zauberflöte", die mit einem eindrucksvollen Kriegsfilm-Auftakt überzeugt, als Gesamtkonzept jedoch nur phasenweise funktioniert und beim Premierenpublikum Buhrufe provoziert.
Die Brüder Johnny und Basti Schuhbeck treten als The Bakery Brothers am 17. September 2026 im Kultur-Stadl Wörleschwang auf und präsentieren akustischen Americana aus Folk, Bluegrass und Country mit Gitarre, Mandoline und zweistimmigem Gesang.
Madonna, Pop-Avantgardistin und Schwerstarbeiterin, feiert auf ihrem neuen Album 30 Minuten lang eine zünftige Ü40-Disco. Dann kippt das Werk und zeigt: Das Licht ist die beste Waffe.
Tanz
Hiphop, Streetdance und Sufi-Tanz treffen aufeinander: Ein Stück erkundet die Verbindungen zwischen unterschiedlichen Bewegungskulturen und kulturellen Traditionen.
Choreograf Hervé Koubi gastierte mit seiner nordafrikanischen Kompanie bei den 51. Balletttagen des Hamburg Ballett und zeigte zwei Stücke, in denen 14 Straßentänzer Hiphop, Streetdance und Sufi-Elemente mit klassischer Musik verbinden.
Beim Tanzabend 2026 der Folkwang Universität der Künste präsentierten Studierende des Instituts für Zeitgenössischen Tanz drei Choreografien von Stephanie Miracle, dem Duo Miller de Nobili und Rainer Behr.
Die cie. toula limnaios zeigt im Rahmen ihres Jubiläumsprogramms eine Wiederaufnahme des frühen Stücks „le temps d'après" mit den Tänzerinnen Amandine Lamouroux und Francesca Bedin, das beim Publikum großen Anklang findet.
Die Riva & Repele Company zeigt beim Festival DanceFirst in Fürstenfeldbruck zwei Tanztheaterstücke: „Horizons" über Beziehungsdynamiken zwischen Nähe und Distanz sowie „Dear Son" über den Verlust eines Sohnes im Krieg.
Theater & Darstellende Kunst
Die Bretter, die die Welt bedeuten: Neue Produktionen und Perspektiven aus Theater und Darstellender Kunst. Von Inszenierungen politischer Stoffe bis zu Porträts von Bühnenschaffenden.
Jochen Schölch inszeniert am Münchner Metropol Theater „Putsch" von Alistair Beaton und Dietmar Jacobs, eine politische Satire über den schleichenden Abbau der Demokratie durch Rechtspopulismus, die trotz Kasperletheater-Ästhetik nah an der politischen Realität bleibt.
Paula Carbonell Spörk, mit 23 Jahren jüngstes Ensemblemitglied des Schauspiels Köln, wechselte während der Pandemie vom Klavierstudium zur Schauspielerei und erhielt ihr Erstengagement unter Intendant Kay Voges.
Sonstiges
Behandelt in 2 Quellen
Das Karlsbader Filmfestival ehrt den US-Schauspieler Dustin Hoffman mit dem Kristallglobus für sein Lebenswerk. Im Rahmen des Festivals wird auch sein Debütfilm „Die Reifeprüfung" erneut gezeigt.
- Karlsbader Filmfestival zeichnet US-Star Dustin Hoffman ausansehen ↗Antenne Bayern03.07.2026
Dustin Hoffman erhält beim Karlsbader Filmfestival den Kristallglobus für außerordentliche Verdienste um das Weltkino und stellt dort seinen Debütfilm „Die Reifeprüfung" vor. Maggie Gyllenhaal wird mit dem Preis des Festivalpräsidenten ausgezeichnet.
- Dustin Hoffman in Karlsbad mit Kristallglobus für Lebenswerk geehrtansehen ↗DieBayern.de03.07.2026
Dustin Hoffman erhielt beim Karlsbader Filmfestival den Kristallglobus für außerordentliche Verdienste um das Weltkino und präsentiert dort sein Debüt „Die Reifeprüfung" von 1967. Auch Maggie Gyllenhaal wurde mit dem Preis des Festivalpräsidenten ausgezeichnet.
Rechtswissenschaftler Maximilian Pichl warnt vor geplanten Kürzungen beim Programm „Demokratie leben!": Die Verlagerung von Fördergeldern in Regelstrukturen wie Schulen könne gewachsene Expertise zerstören und Demokratiearbeit dort im Alltag versickern lassen.
Das Erzbistum Bamberg stellt das Erzbischöfliche Abendgymnasium für Berufstätige ein: Ab 2026/27 werden keine neuen Schüler mehr aufgenommen, da die Teilnehmerzahlen stark gesunken und die finanziellen Defizite gewachsen sind.
Die evangelische Nazarethkirche in München-Bogenhausen soll an eine äthiopisch-orthodoxe Gemeinde vermietet werden, was die CSU zu einem Anwohnergespräch veranlasst – von dem sie die evangelische Kirche zunächst ausschloss.
Vertreter aus mehr als 30 deutschen Städten haben in Riga an der Gedenkstätte Biķernieki der Deportation und Ermordung von über 25.000 Juden vor 85 Jahren gedacht. Das Deutsche Riga-Komitee vereint mehr als 80 Städte in einer kommunalen Erinnerungsgemeinschaft.
Der WDR verzichtet nach öffentlicher Kritik auf den geplanten Namen 1Live Street für den Radiosender Cosmo, da Hörer darin eine klischeehafte Reduktion migrantischer Lebensrealitäten sahen. An der inhaltlichen Neuausrichtung von Cosmo mit Fokus auf HipHop hält der Sender fest.
Radio Sol Mansi, ein 2001 gegründeter katholischer Sender in Guinea-Bissau, beschäftigt Mitarbeiter verschiedener Religionen und gilt laut einer Befragung von 2020 als meistgehörter Radiosender des Landes.
Das Kinderbuch „Alles auf Anfang" handelt von Elaia, die nach einem globalen Zusammenbruch in einer Ruinenwelt nach Hoffnung sucht, bis ein Geheimnis ihr Leben verändert.
Die Freitags-Redaktion von M94.5 hat im Rahmen einer Reportage-Woche die Münchner Ludwigsvorstadt erkundet und Beiträge über Orte wie das LeZ, den Bahnwärter Thiel, das Hotel zur deutschen Eiche sowie das Café Man Versus Machine produziert.
Die Musikkapelle Bernau spielt von 7. Juli bis 8. September jeden Dienstag um 19.30 Uhr kostenlose Kurkonzerte im Kurpark Bernau mit einem Programm aus Märschen, Walzern, Polkas und modernen Stücken.
Die Aufführung von Verdis „Macbeth" bei den Münchner Opernfestspielen im Nationaltheater mit Asmik Grigorian und Gerald Finley überzeugte laut Kritik nur teilweise.
Die 20-jährige Sienna Spiro veröffentlicht mit „Visitor" ein Debütalbum, das durch ihre ausdrucksstarke Stimme und Live-Aufnahmen im Jazz-Stil überzeugt, jedoch im Songwriting hinter ihrem stimmlichen Potenzial zurückbleibt.
Das ZDF zeigt in der Mediathek die 44-minütige Dokumentation „The True Story of Bad Bunny" über den puerto-rikanischen Sänger, seinen kulturellen Einfluss und seinen Grammy-Gewinn 2026 für das erste spanischsprachige Album in dieser Kategorie.
Der Glutkern des amerikanischen Nationalgefühls, fortschreitende Gottverlassenheit – und Paranoia als Politik: 15 Bücher zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten, die einen dieses Land besser verstehen lassen.
Der gigantische Techno von „Brutalismus 3000“ klingt, wie die Speiseröhre sich anfühlt, wenn man ihr Brennspiritus mit der Bierbong zuführt. In Amerika werden sie damit gerade sehr groß. Eine Begegnung.
Schöne Bilder und schöne Schauspieler sind leider nicht genug: Julian Schnabels Bestsellerverfilmung „In the Hand of Dante“ ist ein ziemliches Durcheinander.
Clueso nutzt sein Domplatz-Konzert in Erfurt am 4. Juli als politisches Statement gegen Rechtsextremismus, während zeitgleich ein AfD-Parteitag stattfindet – er plant, ein Gedicht zu lesen und offen Stellung zu beziehen.
Die britische Blues-, Rock- und Soul-Sängerin Deborah Bonham tritt am 22. September 2026 mit ihrer Band im Spectrum Augsburg auf und präsentiert dabei ihr aktuelles Album „Bonham-Bullick".
Ein KI-generiertes Bild zeigt Depeche-Mode-Mitglieder Dave Gahan und Martin Gore im Goth-Look beim WM-Spiel England gegen Panama und ging viral, weil viele es für authentisch hielten.
Der Artikel beleuchtet das Akkordeon als vielseitiges Duoinstrument anhand dreier Beispiele: dem Duo A&O (Akkordeon und Orgel), dem Duo Aliada (Akkordeon und Saxophon) sowie Akkordeonkonzerten mit Orchester, darunter ein neues Werk von Fazil Say für Ksenija Sidorova.
Die Deutsche Streicherphilharmonie unter Chefdirigent Wolfgang Hentrich geht im Juli 2026 auf Sommertournee mit Konzerten in Weikersheim, am Comer See, in Starnberg und Sachsen – darunter ein Festkonzert zum 40-jährigen Jubiläum der Villa Vigoni.
Die Bildhauerin Regina Marmaglio und der Maler Bernhard Paul eröffnen am 3. Juli 2026 in der Galerie am Markt Neubeuern die Ausstellung „Wiedersehen macht Freude"; Kunsthistorikerin Ulrike Gierlinger spricht zur Einführung.
Bei den Musikfreunden Coburg übernimmt Joachim Rückert den Vereinsvorsitz von Alfons Kreczy, der nach acht Jahren nicht mehr kandidiert und nach Österreich zieht. Gary O'Conell rückt als neuer 2. Vorsitzender nach.
Das 1990 in Bayreuth gegründete A-cappella-Ensemble „Six Pack" begeisterte beim Konzert in Kronach das Publikum mit stimmakrobatischen Darbietungen und Comedy – für Countertenor Bernd Esser aus Kronach ein Heimspiel.
Die ARD-Mediathek veröffentlicht im August zwei neue Serien: den israelisch-deutsch-französischen Thriller „Hooligans" ab 14. August sowie die deutsche Serie „Selling Sex" über eine junge Frau in der Escort-Branche ab 28. August.