Pressespiegel 15.07.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Kulturförderung, internationale Beziehungen und Großveranstaltungen: Diese Beiträge verhandeln aktuelle Konflikte und Widersprüche in der Kulturpolitik – von der Finanzierung prestigeträchtiger Festivals über BDS-Forderungen an Hochschulen bis zur wirtschaftlichen Bilanz von Megaevents.
Mega-Events wie Adele-Konzerte oder BTS spülen zwar Millionen in Münchens Hotellerie, belasten aber Infrastruktur und lokale Kultur, während die Stadt mangels erlaubter Bettensteuer kaum profitiert.
BackstageClassical kritisiert Podcaster Micky Beisenherz dafür, in seiner Sendung sachliche Fehler über Wagner und die Bayreuther Festspiele verbreitet zu haben und damit unbewusst Kulturstaatsminister Wolfram Weimers Strategie zu bedienen, Popkultur- gegen Hochkulturförderung auszuspielen.
Das Studierendenparlament der Humboldt-Universität Berlin fordert in einem Beschluss den Abbruch aller Kooperationen mit israelischen Hochschulen und orientiert sich dabei an den PACBI-Richtlinien der vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall geführten BDS-Bewegung.
Erinnerungskultur
Die Auseinandersetzung mit NS-Vergangenheit, jüdischer Geschichte und Widerstand prägt diese Woche die Erinnerungskultur – von persönlichen Schicksalen über Gedenkstättenarbeit bis zu Diskussionen um Denkmäler und ihre Darstellung.
Dreimal versucht Franz Fellner davonzulaufen. Zweimal wird er verraten. Und so wird der 19-jährige Bäcker aus München, der eigentlich die Weltmeere erkunden wollte, 1941 hingerichtet.
Mit 488 Fotografien von Herbert Baumgärtner erzählt „WAA NIE! “ die Geschichte des Widerstands gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf.
Kulturelle Teilhabe
Volksfeste und ihre Kosten: Wie zugänglich sind traditionelle Feiermeilen noch für alle?
Ein historischer Wirte-Krug zeigt das Nachkriegs-Oktoberfest mit Steinkrügen und wird zum Symbol einer Debatte über Kommerzialisierung der Wiesn, während eine Petition „Rettet die Wiesn" bereits 5.000 Unterschriften gesammelt hat und die Bierpreise erneut steigen.
Zivilgesellschaft & Ehrenamt
Städtische Gemeinschaften organisieren sich: Von Jubiläumsfesten über freiwilliges Engagement bis zur Förderung von Jugendarbeit zeigen sich vielfältige Formen des bürgerschaftlichen Zusammenhalts. Diese Beispiele verdeutlichen, wie Bürger und Institutionen vor Ort Verantwortung übernehmen.
Stadtsteinach feiert sein 875-jähriges Bestehen mit Bobby-Car-Rennen, Open-Air-Konzert und Festzug. Tausende Besucher feiern gemeinsam ein Jubiläumswochenende mit Musik und Familienaktionen.
Die inklusive Freizeitgruppe "Brügg'nbauer" der Evangelischen Jugend Nürnberg erhält den Bürgerpreis des Bayerischen Landtags in der Kategorie "Inklusion" und damit 9.000 Euro; die Preisverleihung findet am 29. Oktober in München statt.
Feierwerk e.V. ist ein gemeinnütziger Verein für junge Kunst, Musik und Kultur in München, der sich über Zuschüsse, Spenden und Veranstaltungseinnahmen finanziert und Unterstützer zur Mitgliedschaft oder Spende einlädt.
KI & Kultur
Künstliche Intelligenz verändert die Kulturindustrie: Während Start-ups Filme automatisieren wollen, kaufen KI-Konzerne massenhaft Bücher zum Trainieren ihrer Modelle – und bringen dabei Verlage und Urheber in Bedrängnis.
Cecilia Shen will mit ihrem Milliarden-Start-up Utopai Filme und Serien per KI erzeugen. Chancen sieht sie besonders auf dem deutschen Markt – wo die öffentlich-rechtlichen Sender unter Spardruck stehen. Ein Gespräch.
KI-Firmen kaufen massenhaft Literatur, um ihre Sprachmodelle damit zu trainieren. Auch in München. Buchhändler und Verlage fürchten Urheberrechtsverletzungen. Und Schlimmeres.
Medienwandel & Kulturjournalismus
Spannungen zwischen Medien und Kulturakteuren bestimmen die aktuelle Debatte: Während Musikjournalisten ihre Kritikfunktion verteidigen, diskutieren öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten ihren gesellschaftlichen Auftrag neu.
Der BackstageClassical-Newsletter thematisiert Spannungen zwischen Medien und Kulturschaffenden, darunter die Pressekarten-Debatte, den Strukturwandel im Klassik-Agenturmarkt sowie aktuelle Personalien aus Boston, Leipzig und Graz.
ARD und ZDF präsentieren auf der re:publica 2026 in Berlin eine gemeinsame Media Stage mit über zwanzig Sessions, darunter ein Panel von ZDF-Intendant Himmler und ARD-Vorsitzendem Hager zum Stellenwert öffentlich-rechtlicher Medien im digitalen Wandel.
Das MEDIEN360G-Dossier erklärt, was Memes sind, wie sie funktionieren und warum sie zunehmend politisch eingesetzt werden – mit Experteninterviews aus Medienwissenschaft und Netzpolitik.
Partizipation & Community-Projekte
Kulturelle Aktivitäten bieten Raum für Gemeinschaft und Austausch. Ein Ferienprogramm für Jugendliche verbindet künstlerische Formate wie DJ-Sets und Poetry Slams.
Die Jugendredaktion Salon5 bietet Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren an fünf Terminen im Juli und August kostenlose Ferienworkshops zu DJ, Graffiti, Gaming, Poetry Slam und kreativem Gestalten in Bottrop, Dortmund und weiteren Städten an.
Film & Fotografie
Film und Fotografie zeigen sich von ihren vielfältigsten Seiten: ein Nachruf auf Sam Neill, neue Serien und Dokumentationen sowie Preisvergaben in der Fotokunst.
Der Schauspieler Sam Neill, der mit Steven Spielbergs Dinosaurier-Film, aber auch durch „Das Piano“ und Serien wie „Peaky Blinders“ berühmt wurde, ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Ein Nachruf.
Der Netflix-Film „23.000 Leben" von Regisseur Markus Goller erzählt die Geschichte des Vereins „Jugend Rettet", der ab 2015 mit dem Schiff Iuventa Geflüchtete im Mittelmeer rettete, bis das Schiff beschlagnahmt und die Besatzung angeklagt wurde.
Die ARD-Dokumentation „Kafka und ich" beleuchtet Leben und Werk Franz Kafkas zu seinem 100. Todestag aus der ungewöhnlichen Perspektive seiner Hündin, gesprochen von Anna Thalbach, mit Beiträgen von Daniel Kehlmann und Rüdiger Safranski.
Eine neue Krimireihe aus Thüringen sollte 2023 den ARD-Donnerstagabend „bereichern“ - und das könnte tatsächlich etwas werden. Der nun wiederholte Auftaktfilm „Tod am Rennsteig - Auge um Auge“ startet zwar etwas zu „groß“ mit Ritual- und Serienmorden, baut jedoch auf ein interessantes Team und durchaus starke Zwischentöne.
Leyla Bouzids Film „Mit leiser Stimme" begleitet die lesbische Tuneserin Lilia, die anlässlich einer Beerdigung in die Heimat zurückkehrt und dort ihr Doppelleben zwischen Familie und queerer Identität in einer homophoben Gesellschaft navigieren muss.
Das Michael-Jackson-Biopic „Michael" hat als erstes Biopic überhaupt die Milliarden-Marke an den Kinokassen geknackt und spielt weltweit 1,1 Milliarden US-Dollar ein.
Daniela Duckwitz und Zexuan Zeng erhalten als erste gemeinsame Preisträger den 9. Marta-Hoepffner-Preis für zeitgenössische Schwarz-Weiß-Fotografie; ihre Arbeiten sind bis 30. August 2026 im Stadtmuseum Hofheim in der Ausstellung „Hinter dem Spiegel" zu sehen.
Am 18. und 19. September 2026 eröffnet in der Alten Münze Berlin-Mitte erstmals die Messe Vintage Paper Berlin, die historische Fotografie, Vintage Prints und antiquarische Papierkunst mit 50 bis 70 internationalen Ausstellern vereint.
Literatur
Die hier gesammelten Rezensionen spiegeln vielfältige Neuerscheinungen wider.
Eine Familie, die zerfällt, in einer Welt, die aus dem Leim geht: Trotzdem heißt Angelika Klüssendorfs großes Gegenwartspanorama „Trost“. Warum? Das hat viel mit ihrem unvergleichlichen Stil zu tun.
Die Bücherschau bündelt Kritiken zu Neuerscheinungen, darunter Szczepan Twardochs Roman „Sehnsucht", Hans-Ulrich Treichels „Das Karussell" sowie Axel Spilckers Auseinandersetzung mit seinem Großvater, dem NS-Kriegsverbrecher Robert Ley.
Musik
Von Klassik-Galas mit internationalen Solisten über Jazz-Abende bis zu Musik-Festivals – die Woche zeigt die ganze Bandbreite des Konzertsaals: Orchester, Ensembles und Chöre auf der Bühne.
Die 13. Trinationale Masterclass KLANG UND GESTE – GESTE ET SON von CHŒUR3 e.V. findet vom 20. bis 22. November 2026 im Conservatoire de Mulhouse statt und richtet sich an Dirigierende aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz; Bewerbungen sind bis 15. Oktober 2026 möglich.
Beim Konzert „Klassik am Odeonsplatz" verteidigte Oberbürgermeister Dominik Krause Dirigent Lahav Shani gegen Versuche, seine Auftritte zu verhindern. Geigerin María Dueñas erhielt mit den Münchner Philharmonikern begeisterten Applaus.
Die Bamberger Symphoniker mit Dirigent Jakub Hrůša und Geigerin María Dueñas beim Rheingau Musik Festival im Kurhaus Wiesbaden.
Karthäuserkantorei Köln und Philharmonischer Chor Bonn führten unter Paul Krämer selten gespielte Chorwerke von Liszt und Mendelssohn auf, darunter als Hauptwerk Mendelssohns „Die erste Walpurgisnacht", und wurden vom Publikum begeistert gefeiert.
Die BR-Klassik-Reihe „Sounds of Babylon" präsentiert mit Dirigentin Erina Yashima und Solisten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks eine musikalische Zeitreise durch die 1920er-Jahre, mit Werken von Gershwin, Strawinsky, Bartók, Milhaud und Varèse.
Das Tom Jahn Hammond Trio mit Sängerinnen Ute Legner und Elke Kottmair gibt am 17. Juli ab 19 Uhr ein Jazzkonzert im Haidhäusl in Haidmühle mit Standards, Eigenkompositionen und Stücken aus dem Bühnenstück „Opa Engel".
Das Waldstock-Festival in Pegnitz erreicht am Samstagabend seinen Höhepunkt, nachdem Besucher und Musiker bereits am Freitag in Stimmung kamen. Trotz kurzfristiger Absage einer Sängerin meisterten die Veranstalter das vollbesetzte Programm-Wochenende.
Das Bergbaumuseum Maffeischächte in Auerbach verwandelte sich an einem Wochenende in eine Open-Air-Bühne mit Austro-Pop und Dixie-Jazz-Konzerten, die Musikfans aus der gesamten Region anzog.
Theater & Darstellende Kunst
Schauspieler und Regisseur Harald Schmidt kehrt an die Orte seiner Anfänge zurück, während drei unterschiedliche Produktionen von Kindertheater bis zu tanzender Literaturadaption zeigen, wie vielfältig die deutschsprachige Bühne ist.
Judith Geibels Tanz- und Theaterstück „Man kann die Wahrheit nicht erzählen" über die traumatische Beziehung zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch wurde zum 100. Geburtstag der Dichterin im ausverkauften Werkstatttheater Konstanz erneut aufgeführt.
Das türkischsprachige Theaterstück „Günahkâr" von EM Tiyatro Münih zeigt zwei im Erdbebentrümmer einer psychiatrischen Klinik eingeschlossene Frauen, deren psychologische Konfrontation die innere Zerrissenheit einer einzigen Persönlichkeit zwischen Trauma und Schuld enthüllt.
Harald Schmidt besucht seine schwäbische Heimat Nürtingen und Stuttgart und erinnert sich an Schulzeit, erste Bühnenerfahrungen und prägende Erlebnisse seiner Jugend.
Volkskultur & Brauchtum
Volkstümliche Traditionen prägen die Region: Von Sagenschätzen und Trachtenbräuchen bis hin zu festlichen Kurkonzerten und Volksfesten zeigt sich die gelebte Kultur in vielfältigen Formen.
Über Generationen hinweg erzählt man sich im Bayerwald Gruselgeschichten weiter. Sepp Probst kennt sie fast alle.
Gefrees feiert das 370-jährige Jubiläum seines Wiesenfests mit Jubiläumsbier und Jubiläumskrug. Den Auftakt bildete der Bieranstich mit Festbier der Kulmbacher Brauerei und Maisel's Weisse, eröffnet per Bierfilzwurf durch Pfarrerin Johanna Thein.
Am Paulaner-Turm auf dem Oktoberfestgelände sind die Gesichter der vom Künstler Emil Kneiß gestalteten Kellnerinnen-Figuren mit schwarzer Folie verhüllt; hinter der Aktion wird ein Urheberrechtsstreit vermutet, den Paulaner offiziell nicht kommentiert.
Sonstiges
2012 erschuf David Schalko („Kafka“) die österreichische Provinz-Serie „Braunschlag“, die als einflussreiches Machwerk österreichischer Humorkunst gilt. 14 Jahre später kehrt das Ensemble um Nicholas Ofczarek, Robert Palfrader und vielen anderen Stars mit der HBO Max-Serie „Braunschlag 1986“ zurück.
Veröffentlicht bei
Campino kritisierte bei der Abschiedsgala der Toten Hosen im Berliner Olympiastadion die Pläne für ein zentrales Abschiebezentrum; Polizeigewerkschafter Manuel Ostermann widersprach ihm öffentlich auf X und löste damit eine polarisierte Netzdebatte aus.
Wegen der Hitzeperiode und des gesunkenen Donaupegels wird der traditionelle Bootsumzug „Nabada" beim Ulmer Schwörmontag am 20. Juli langsamer verlaufen und mehrere Stunden dauern.
Die Mainzer Künstlerin Lore Bert zeigt in der Renaissancekirche San Fantin in Venedig ihre dritte Biennale-Installation: Tausende zerknautschter Papierstücke, Neonelemente und Symbole aus Weltreligionen erkunden das Thema Licht als Zeichen von Hoffnung.
Beim Immling Festival feiert Verdis Oper „Un ballo in maschera" am 18. Juli Premiere mit einem Ascot-Dresscode: Damen mit Hut und Herren mit Gehstock erhalten ein Glas Sekt.
Am Kloster Benediktbeuern weisen besondere Verkehrsschilder auf wichtige Botschaften für ein gutes gesellschaftliches Miteinander hin.
Die Gruppenausstellung „Mémoires Voyageuses" im Kunsthaus Baselland vereint acht Künstlerinnen und Künstler, die kollektive und persönliche Erinnerungen zu postkolonialer Geschichte, Krieg und Sklaverei in alternativen, nicht schriftbasierten Erzählformen aufarbeiten.
Der Pfarrer der äthiopisch-orthodoxen Gemeinde St. Gabriel München bezeichnet den politischen Widerstand gegen den geplanten Kauf der evangelischen Nazarethkirche als „Schock" und betont, seine Gemeinde wolle das Gotteshaus als Kirche erhalten.
Das 9. Sechsstädtebundfestival „Kommen und Gehen" findet vom 12. bis 23. August 2025 unter dem Motto „Mittelpunkt" in der Oberlausitz statt und umfasst 11 Veranstaltungen in Löbau, Zittau, Görlitz, Kamenz, Königshain und Radeberg.
Fotos: Heino und Almklausi in Bruckmühl am Sonntag (12. Juli), erster Teil
Die Festung Marienberg in Würzburg wird ab dem 13. Juli 2026 mit LED-Strahlern beleuchtet, die den Energieverbrauch gegenüber den bisherigen Natriumdampfscheinwerfern um rund 86 Prozent senken.