Pressespiegel 15.07.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Kulturförderung, staatliche Regulierung und die Zukunft öffentlich finanzierter Institutionen sind Thema in den aktuellen Debatten. Von Bürokratieabbau bis zur Neuausrichtung von Preisen und Theatern zeigt sich ein System unter Druck zwischen Sparzielen und kulturellem Auftrag.
Kunstminister Markus Blume zieht zur Halbzeit der Legislaturperiode eine positive Bilanz: Bayern halte die Kulturförderung auf hohem Niveau, investiere in Infrastruktur sowie Digitalisierung und stelle mit einer Museumsoffensive und reformierter Provenienzforschung die Weichen für die Zukunft.
Der Deutsche Kulturrat legt dem Entlastungskabinett der Bundesregierung konkrete Vorschläge zur Modernisierung des Zuwendungsrechts vor, um durch Bürokratieabbau finanzielle und personelle Ressourcen für die inhaltliche Kulturarbeit freizusetzen.
März-Verleger Richard Stoiber kritisiert die neuen Richtlinien für den Deutschen Verlagspreis, die Kulturstaatsminister Weimer nach dem Eklat um den Buchhandlungspreis festgelegt hat, und warnt vor wachsendem Einfluss rechter Meinungsmacher.
Der Dramaturg Björn Bicker analysiert die 25-jährige Entwicklung der Münchner Kammerspiele von Frank Baumbauer bis Barbara Mundel und fordert, dass die Nachfolge-Intendanz den eingeschlagenen Weg zu Inklusion, Vielfalt und gesellschaftlichem Engagement konsequent fortsetzt.
Institutionelle Kulturorte
Deutsche Museen und Kulturinstitutionen nutzen ihre Räume zunehmend auch für Events und Veranstaltungen jenseits klassischer Ausstellungen. Von Jubiläumsfeiern auf dem Dach bis zu vielfältigen Sommerprogrammen zeigen sich die Häuser als lebendige Orte.
DAZN feierte sein 10-jähriges Jubiläum mit einer Party auf der Rooftop-Bar des Deutschen Museums in München, wo Generaldirektor Michael Decker eine Parallele zwischen dem Museumsgründer und dem Sport-Streamer zog.
Erinnerungskultur
Bayern beschäftigt sich mit seinen historischen Lasten: Während die Staatsgemäldesammlungen ihre NS-Raubkunst-Forschung neu aufstellen, werden Zeugnisse wie Timofejs Einsiedelei unter Denkmalschutz gestellt. Beides wirft Fragen auf, wie Gesellschaften ihre Vergangenheit bewahren und aufarbeiten.
Bayern will die Erforschung seiner NS-Raubkunst in die Hände unabhängiger Experten legen – als Konsequenz des Skandals im vergangenen Jahr. Wie ernst ist es Kunstminister Blume mit seinen neuen Plänen?
Elon Musk und Peter Thiel vertreten eine Ideologie mit historischem Vorläufer. Der Futurist Filippo Tommaso Marinetti forderte schon 1909 Geschwindigkeit, Männlichkeit und die Zerstörung aller Museen.
Die selbstgebaute Einsiedelei von Timofej Prochorow im Münchner Olympiapark, entstanden ab 1953 aus Kriegsschutt, ist als Baudenkmal in die bayerische Denkmalliste aufgenommen worden.
KI & Kultur
Künstliche Intelligenz prägt zunehmend die Kulturproduktion, von der Filmbranche bis zum Schreiben. Die Frage nach ihrer Rolle stellt sich nicht nur technisch, sondern auch ökonomisch und kreativ.
Roland Emmerich sieht KI als Mittel zur Kostensenkung in Hollywood und plant gemeinsam mit Scanline-Gründer Stephan Trojansky einen 15-tägigen Praxistest, um zu prüfen, ob ein kompletter Film mit KI-Unterstützung realisierbar ist.
Frauke Rostalski diskutiert, warum das Schreiben mit KI-Sprachmodellen trotz enormem Zeitgewinn problematisch sein könnte, da dabei persönliches Interesse und authentische Resonanz verloren gehen.
Medienwandel & Kulturjournalismus
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk behauptet sich im Quotenwettbewerb, während die Bedeutung professioneller Kommunikation zwischen Medien und Wirtschaft neu diskutiert wird.
Das ARD-Sommerkino startete mit "Wochenendrebellen" erfolgreich: 2,63 Millionen Zuschauer sahen den Film, bei den 14- bis 49-Jährigen erzielte Das Erste mit 16,8 Prozent Marktanteil den Primetime-Sieg in dieser Altersgruppe.
Das BF/M Bayreuth veranstaltete einen interaktiven Vortrag zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den Mittelstand, bei dem Revocit-PR-Leiterin Anja Heidmann und Nordbayerische-Kurier-Redakteur Otto Lapp die Bedeutung strategischer PR aus Unternehmens- und Redaktionsperspektive beleuchteten.
Bildende Kunst
Künstlerische Positionen in unterschiedlichen Medien und Kontexten: von Malerei und Fotografie über Ausstellungsprojekte bis zu digitalen Räumen, die queere Sichtbarkeit und künstlerische Vielfalt verhandeln.
Die Hamburger Künstlerin Swaantje Güntzel untersucht in ihrer Arbeit das Verhältnis von Mensch und Natur, indem sie Fotografie, Skulptur und Found-Footage-Material nutzt, um ökologische Themen wie Mikroplastik und Meerespolitik zu thematisieren.
Die Schauspielerin übernimmt die Schirmherrschaft für ein internationales Ausstellungsprojekt über zwölf vergessene Künstlerinnen. Die Wanderausstellung startet am 23. Oktober in Wiesbaden und läuft bis Sommer 2028.
Der Kölner Künstler Nikolas Müller zeigt in der Kölner Artothek großformatige Aquarelle, die biografische Erlebnisse, kindlich-naive Motive und Fragen nach dem Anderssein in leuchtenden Farbverläufen verbinden.
Ein Live-Panel-Talk mit Künstlerin Agatha Kosobucki, Influencer Maximilian Pichlmeier und Autor Felix Kosok diskutiert queere Sichtbarkeit in digitalen Räumen zwischen Selbstausdruck und Hasskampagnen – als Teil der Ausstellungsreihe „EXISTENCE – Part 1" der The ___Gallery in Hamburg.
Marina Abramović und Anselm Kiefer werden als neue Mitglieder in den Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste aufgenommen, gemeinsam mit Ernst Fehr und Angelika Nußberger.
Die Ausstellung „Politik am Küchentisch – Ernährung in der Gegenwartskunst" verbindet Werke internationaler Künstlerinnen und Künstler zu Themen wie Krieg, Hunger, Kolonialismus und industrieller Landwirtschaft sowie deren gesellschaftspolitischen Folgen.
Film & Fotografie
Neue Filme und Produktionen zwischen Menschengeschichten und Klassikern: Kino-Neuigkeiten von Reboots bekannter Horrorfilme bis zu berührenden Dramen über Familie und gesellschaftliche Themen.
Produzent Michael Kalb gründet mit Kalb Media eine eigene Produktionsfirma mit Sitz in Dinkelscherben, um gezielt ausgewählte Projekte zu begleiten. Erstes Vorhaben ist der Spielfilm „The Inverted Wall" von Regisseurin Narges Kalhor, geplant für Ende des Jahres in den Bavaria Film Studios.
Bettina Böttinger spricht zu ihrem 70. Geburtstag über persönliche Schicksalsschläge, ihren Podcast und den Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht", der Sexismus gegenüber Frauen in der Fernsehunterhaltung thematisiert.
Paramount Pictures plant ein Reboot von Wes Cravens Horrorklassiker „A Nightmare on Elm Street" von 1984, produziert vom Genre-Label Paramount Primal. Die Erben Cravens sind als Produzenten beteiligt; Details zu Besetzung und Handlung stehen noch aus.
Fotografiska und die Estée Lauder Companies starten den globalen Open Call „One in Eight", der Fotografen einlädt, persönliche Perspektiven auf Brustkrebs einzureichen. Zehn ausgewählte Werke werden im Oktober 2026 in Berlin und Stockholm ausgestellt; Einreichungen sind bis 12. August 2026 möglich.
BenQ bringt mit dem MA320UG einen 31,5-Zoll-4K-Monitor für Mac-Workflows auf den Markt, der Thunderbolt-4-Konnektivität, 120 Hz und werkseitige Farbkalibrierung bietet und für 849 Euro erhältlich ist.
Literatur
Zwischen historischen Kochbüchern und Mundartlyrik: ein Blick auf literarische Raritäten und das Schaffen einer großen Dichterin.
Margret Hölle hat sich einen Ehrenplatz im Olymp der deutschen Mundartliteratur erworben.
Musik
Zwischen Skandal und Soul, Klassik und Jazz: Diese Woche beschäftigen sich die Musik-Artikel mit Künstlern, die traditionelle Grenzen verschieben, und mit der Frage, wie etablierte Institutionen ihr Publikum erreichen.
Die Bayerische Staatsoper zeigt Händels „Alcina" in einer Inszenierung von Johanna Wehner, die trotz rätselhafter Regieidee durch Jeanine De Bique in der Titelrolle und Stefano Montanaris musikalische Leitung überzeugt.
Die Möchtegern-Madonna erzürnt damit den Regensburger Pfarrer von Sankt Emmeram. Über einen Skandal wie aus den 1980er-Jahren.
Joss Stone gab im ausverkauften Tollwood-Zelt eine energiegeladene Soul-Show mit einem Medley und mitreißenden Soli; Emeli Sandé trat als Entdeckung des Abends auf.
Steven Walter, Intendant des Beethovenfestes Bonn, antwortet auf eine Kritik an publikumsorientierten Konzertformaten und plädiert dafür, den Narzissmus der Klassikszene zu überwinden und Konzerte als soziale Ereignisse zu verstehen – ohne dabei künstlerische Substanz aufzugeben.
Die in Minsk geborene Jazzmusikerin Anna Margolina verbindet auf ihrem Album „Song of a Girl" amerikanischen Jazz mit jiddischer Sprache und vertont Gedichte der Lyrikerin Anna Margolin, um ihre jüdisch-kulturelle Identität zu erkunden.
Seeblick ohne Spätromantik: Heiner Goebbels’ großangelegte Orchesterkomposition „Walden“ nach dem Buch von Henry David Thoreau.
Die Kammerkonzert-Reihe „Auf da Oim" in Frasdorf zog am 5. Juli über 450 Besucher auf die Niederalmen, wo Musiker der Münchner Philharmoniker bei vier ausverkauften Konzerten auf drei Almen auftraten.
Die Stadt Bamberg hat sieben junge Musikerinnen und Musiker für ihre Erfolge beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert" geehrt, darunter das Horn-Duo Müller/Stark mit einem 2. Preis und Pianistin Lea Hugel mit einem 3. Preis.
Tanz
Die plötzliche Kündigung eines Tänzers des Bayerischen Staatsballetts sorgt für Aufsehen. Die widersprüchlichen Darstellungen der Gründe werfen Fragen auf.
Das Bayerische Staatsballett hat Erstem Solisten Julian MacKay fristlos gekündigt. MacKay führt die Entlassung auf geäußerte Kritik an Fehlverhalten im Ensemble zurück; das Haus widerspricht seiner Darstellung und nennt juristische Gründe für sein Schweigen.
Theater & Darstellende Kunst
Vier Geschichten aus der Theater- und Performancewelt: von etablierten Künstlern, die neue Wege gehen, bis zu ambitionierten Produktionen abseits der großen Bühnen. Die Darstellende Kunst zeigt sich vielfältig und lebendig.
Der Bamberger Schriftsteller Stefan Schenkl hat sein 159. Theaterstück fertiggestellt: Das absurde Drama „Anmeldung eines Selbstmords" thematisiert Bürokratie und Zeitgeist anhand eines Protagonisten, der seinen Suizid behördlich anmelden will.
Die Komikerin Gaby Köster berichtet von finanziellen Sorgen und unzureichender Pflegeversorgung nach ihrem Schlaganfall 2008 und fordert bessere Bedingungen für Pflegekräfte. Zugleich ist sie in dem Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht" über das Frauenbild im deutschen TV der 1990er zu sehen.
Die Salzburger Festspiele 2026 starten unter neuer Leitung: Nach dem erzwungenen Abgang von Intendant Markus Hinterhäuser übernimmt Karin Bergmann erstmals als Frau die Festspielleitung und präsentiert ein Programm mit Uraufführungen von Nobelpreisträgern Handke und Jelinek sowie Bizets „Carmen".
Das Bühnenbauteam der Theatergesellschaft Bad Endorf gestaltet ehrenamtlich die Kulisse für die schwarze Komödie „Boandlgeheimnis", die ab 24. Juli im Volkstheater Bad Endorf aufgeführt wird.
Sonstiges
Die Peter Jacobi Stiftung schreibt ein mit 30.000 Euro dotiertes Stipendium „Design und Inklusion" für 2027/2028 aus, das sich an erfahrene Designer richtet und einen Lehrauftrag an der Hochschule Pforzheim einschließt. Bewerbungsschluss ist der 15. Oktober 2026.
Das Bündnis ZukunftsKlima verwandelt am 18. Juli den Würzburger Paradeplatz mit der ZukunftsAllee in einen autofreien Begegnungsort und zeigt mit Musik, Mitmachaktionen und einer Langen Tafel alternative Nutzungsmöglichkeiten des innerstädtischen Parkplatzes.
Das Feld-Labyrinth Ex Ornamentis in Utting am Ammersee zeigt vom 22. Juli bis 27. September 2026 auf 18.000 Quadratmetern das Motiv des alten Roms mit Kolosseum, Aquädukt und thematischen Suchspielen.
Heiner Lauterbach verrät ein kurioses Ritual: Zum Einschlafen schaut er „Die Rosenheim-Cops“ mit Timer. Warum die ZDF-Serie so beruhigt.
Der Jugendkreistag des Landkreises Bamberg feierte sein fünfjähriges Bestehen mit einer Jubiläumsveranstaltung in Baunach. Das Gremium wuchs von 15 auf 50 Mitglieder und setzte Projekte wie die Bücherkiste „Vielfalt Lesen" und Menstruationsartikelspender an Schulen um.
Royal Republic eröffneten die ausverkauften Plassenburg Open Airs mit einem mitreißenden Punk-, Pop- und Rock'n'Roll-Konzert vor rund 1000 Besuchern, das wegen einer Orkanwarnung unterbrochen wurde und die Gäste in die Museen der Burg brachte.
RBB-Chefredakteur Georg Heil spricht in einem dpa-Interview über seinen Führungsstil, die neuen Ländermagazine, den KI-Einsatz im Journalismus und die Schlagzeilen rund um seinen Bruder, SPD-Politiker Hubertus Heil.