Pressespiegel 16.07.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Kultureinrichtungen unter Druck: Die Salzburger Festspiele suchen nach einer neuen Leitung, Bayern reformiert seine Museumslandschaft, und Kabarettisten geraten ins Visier der Justiz. Ein Überblick über aktuelle Konflikte und Umbrüche im Kulturbetrieb.
Beim Kultur-Sommerfest im Haus der Kunst erntete Ministerpräsident Markus Söder neben Applaus auch einen Buh-Ruf; seine Rede ähnelte inhaltlich einer Ansprache von Grünen-Stadtrat Dominik Krause bei einem vergleichbaren Anlass.
Die Suche nach einer neuen Intendanz und Präsidentschaft der Salzburger Festspiele gilt als zu passiv und ideenlos: Das Bewerberfeld ist dünn, Sarah Wedl-Wilson zieht sich zurück, und strukturelle Reformen bleiben aus.
Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau ermittelt gegen Kabarettist Uwe Steimle wegen Störung des öffentlichen Friedens, nachdem er bei einer AfD-Wahlveranstaltung Aussagen über Angela Merkel und Friedrich Merz gemacht hatte, die Gewaltandrohungen implizierten.
Kulturverwaltung & Behörden
Bayern reformiert seine Staatsmuseen ab 2029 grundlegend: Die 18 Häuser werden in zehn Verbünden zusammengefasst und erhalten mehr Autonomie sowie wirtschaftliche Eigenverantwortung. Der Freistaat bleibt Eigentümer, räumt den Museen aber deutlich größere Gestaltungsspielräume ein.
Die 18 Häuser sollen sich von 2029 an zu Verbünden zusammenschließen. Dann haben sie auch mehr wirtschaftliche Verantwortung.
Kunstminister Markus Blume plant ab 2029 eine umfassende Strukturreform der bayerischen Staatsmuseen: 18 Häuser werden zu zehn Verbünden zusammengefasst, in einer neuen Rechtsform mit mehr Eigenverantwortung und einem gemeinsamen Vorstand geführt.
Erinnerungskultur
Gedenkstätten und Museen setzen sich gegen politische Einflussnahme zur Wehr. Sie fordern Unabhängigkeit bei der Erforschung und Vermittlung von NS-Verbrechen und warnen vor der Instrumentalisierung von Erinnerungsorten.
Bayern richtet am Institut für Zeitgeschichte ein wissenschaftliches Zentrum für Provenienzforschung ein und schafft eine unabhängige Kommission für NS-Raubkunst-Restitutionen. Gleichzeitig gibt der Freistaat eine Picasso-Büste an die Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim zurück.
32 europäische KZ-Gedenkstätten, darunter Auschwitz, Dachau und Buchenwald, fordern in einer gemeinsamen Erklärung den Schutz ihrer Autonomie vor politischem und finanziellem Druck sowie vor Instrumentalisierung durch autoritäre Bewegungen.
Bildende Kunst
Aktuelle Ausstellungen und künstlerische Positionen stehen im Fokus: Von feministischen Fotografien über Akademie-Jahresschauen bis zur ersten deutschen Einzelausstellung der US-amerikanischen Künstlerin Alexandra Grant.
Behandelt in 2 Quellen
Die US-amerikanische Künstlerin Alexandra Grant zeigt erstmals in Deutschland eine umfassende Einzelausstellung im Neuen Museum Nürnberg. Zu sehen sind großformatige Gemälde, die auf literarischen Texten von Autorinnen basieren.
- US-Künstlerin Grant eröffnet erste deutsche Einzelschauansehen ↗Antenne Bayern16.07.2026
Die US-Künstlerin Alexandra Grant, Partnerin von Keanu Reeves, eröffnet ihre erste deutsche Einzelausstellung im Neuen Museum Nürnberg mit acht großformatigen Gemälden, die Frauen in der deutschen Literatur vom 14. Jahrhundert bis heute thematisieren.
- Alexandra Grant erstmals mit Einzelausstellung im Neuen Museum Nürnbergansehen ↗DieBayern.de16.07.2026
Alexandra Grant zeigt im Neuen Museum Nürnberg ihre erste Einzelausstellung in einem deutschen Museum: acht großformatige Gemälde, die literarische Texte von Autorinnen vom 14. Jahrhundert bis heute in Bilder übersetzen.
Bayern vergibt zum zweiten Mal die Bayerischen Atelierpreise: Kunstminister Markus Blume zeichnet 30 Bildende Künstlerinnen und Künstler mit je 8.000 Euro aus, insgesamt 240.000 Euro, zur Förderung der freien Kunstszene im Freistaat.
Die Akademie der Bildenden Künste München zeigt vom 18. bis 26. Juli 2026 ihre Jahresausstellung mit aktuellen Arbeiten aus zahlreichen Klassen, darunter die von Gregor Hildebrandt, Susi Gelb und Hito Steyerl.
Die Internationale Photoszene Köln startet die fünfte Ausgabe von Artist Meets Archive: Vier Künstlerinnen forschen 2026 in Kölner Archiven und präsentieren ihre Ergebnisse beim Photoszene-Festival im Mai 2027.
Film & Fotografie
Christopher Nolans Neuverfilmung von Homers „Die Odyssee" dominiert die filmischen Highlights des gestrigen Tages.
Christopher Nolans Historienfilm "Die Odyssee" mit Matt Damon als Odysseus überzeugt mit visueller Bildgewalt und epischer Actioninszenierung, zeigt aber Schwächen in der zwischenmenschlichen Chemie einiger Hauptdarsteller.
Musik
Klassische Musik dominierte gestern mit Berichten über Festivals und Opernaufführungen, während auch Pop und Jazz ihre Plätze finden. Dazu kommen aktuelle Meldungen aus der Musikbranche und Veranstaltungstipps.
Traditionsgemäß eröffnen die Herrenchiemsee Festspiele mit Bach auf Frauenchiemsee. Schade nur, dass der Solist abgesagt hat, und das Orchester ziemlich ins Schwimmen gerät.
Die Schweizer Sängerin Milune drehte ihr Musikvideo „You believe in Jesus, I believe in Pussy" ohne Genehmigung in der Basilika St. Emmeram in Regensburg und löste damit Kritik aus – auch aus der queeren Community.
Die Bayreuther Festspiele feiern ihr 150-jähriges Jubiläum am 2. August mit einer Party für bis zu 1.000 Gäste, bei der DJ Alle Farben elektronische Musik mit Wagner-Motiven verbindet.
Oboist Albrecht Mayer hat gemeinsam mit Komponist Gotthard Odermatt ein 70-taktiges Mozart-Fragment zu einem vollständigen Oboenkonzert in F-Dur ergänzt, das im März mit den Bamberger Symphonikern aufgenommen wurde und 2027 erscheint.
Der Artikel listet kulturelle Veranstaltungen zu jüdischem Leben auf, darunter Jazz-Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und TV-Sendungen – mit Terminen in Berlin, Chemnitz, Nürnberg, Würzburg und weiteren Städten.
Der SWR sucht ab sofort den deutschen Act für den Eurovision Song Contest 2027 in Bulgarien. Bewerbungen sind bis zum 21. September möglich; ein Vorentscheid soll Anfang 2027 im Ersten stattfinden.
Alphaville präsentierten beim Finale des Classic Open Air auf dem Berliner Gendarmenmarkt ihre Synthie-Hits der 1980er-Jahre gemeinsam mit der Neuen Philharmonie Frankfurt in symphonischen Fassungen, arrangiert von Produzent Max Knoth.
Tanz
Machtverhältnisse und gesellschaftliche Zustände: Die aktuelle Tanzberichterstattung widmet sich sowohl internen Hierarchien der Branche als auch ihrem kritischen Blick auf die Welt von heute.
Das Bayerische Staatsballett wirft seinen Startänzer raus – und der behauptet auf Instagram, über den Vorgang nur via Social Media erfahren zu haben. Was der Fall Julian MacKay über eine immer noch streng hierarchisch organisierte Branche erzählt.
Beim Festival ImPulsTanz reagieren zwei Produktionen auf den Zustand der Welt: Christos Papadopoulos' Gruppenwerk „My Fierce Ignorant Step" erkundet Kollektivität und Individualität, während Boris Charmatz im Solo „Muette" nackt und stumm menschliche Verletzlichkeit verkörpert.
Theater & Darstellende Kunst
Recherchetheater, Operetten und körperliche Performance: Diese Woche steht die darstellende Kunst im Zeichen experimenteller Formate und neuer Spielweisen. Von der Vermischung von Journalismus und Fiktion bis zum jungen Festival-Publikum zeigen sich vielfältige Zugänge zur Bühne.
Das Stück „Geheimplan gegen Deutschland" am Berliner Ensemble erprobt als Recherchetheater die Grenzen zwischen Journalismus und Fiktion und fragt, ob inszenierte Fakten in der öffentlich geförderten Theaterform mehr Wirkung entfalten können als die Realität.
Das M94.5-Kulturmagazin SektMate bespricht die Künstlerin Ikkimel sowie die Operette „Die Csárdásfürstin", in der eine ungarische Varietésängerin Karriere in Amerika anstrebt, und erklärt den Unterschied zwischen Operette und Oper.
Léonard Engels Tanzstück „Muffensausen" feierte beim Think Big!-Festival für junges Publikum Uraufführung und erkundet mit drei Performer*innen, Wischmopp-Kostümen und körperbetonter Bewegungssprache die Welt menschlicher Gefühle.
Sonstiges
Bayern verleiht die Auszeichnung PRO MERITIS SCIENTIAE ET LITTERARUM an Kunstsammlerin Eva Felten, Staatsintendant Josef E. Köpplinger sowie posthum an Schauspieler Günther Maria Halmer für ihre Verdienste um die bayerische Kulturlandschaft.
Dm-drogerie markt sucht Musikpädagoginnen und Musikpädagogen für das Weiterbildungsprogramm „Singende Kindergärten" im Jahr 2027, das Erzieherinnen und Erzieher neun Monate lang beim Integrieren von Singen und Bewegen in den Kita-Alltag begleitet.
Die Coburger Museumsnacht findet am 12. September 2026 statt und bietet laut Landesstiftung Lichtinstallationen, Musik und Kulturerlebnisse an Orten wie der Veste, Schloss Ehrenburg und der Reithalle.
Ikkimels provokanter ZDF-Auftritt spaltet die Gemüter: Während Studiogäste verhalten reagieren, feiern Fans die Performance online.
Beim Rundgang 2026 der Kölner Kunsthochschule für Medien präsentieren Studierende rund 30 Abschlussarbeiten, darunter Video-, Sound- und Rauminstallationen sowie Filme, die neue Erzählformen erproben und Künstliche Intelligenz kritisch reflektieren.
Das Gäubodenvolksfest Straubing 2026 verzichtet auf eine zentrale Liedverbotsliste – die Musikauswahl obliegt den Festwirten und Bands, solange gesetzliche Bestimmungen eingehalten werden.