Pressespiegel 17.07.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Die Absage eines geplanten Auftritts von Igor Levit und Danger Dan durch das ZDF löste heftige Debatten über Programmhoheit, künstlerische Freiheit und Zensurvorwürfe aus.
Das ZDF untersagte Danger Dan und Igor Levit kurz vor der Aufzeichnung der 100. Jubiläumsfolge von „Die Anstalt" ihren geplanten Auftritt mit dem Song „Keine Angst" – was Empörung in der Musikszene auslöste.
Die Hamburger SPD und Kultursenator Carsten Brosda kritisieren geplante Kürzungen der Bundesförderung für das Reeperbahn-Festival, die die Mittel binnen zwei Jahren von 6,27 auf 3 Millionen Euro halbieren würden.
Kulturverwaltung & Behörden
Personalwechsel und strategische Neuausrichtungen prägen die aktuelle Kulturlandschaft. Nach dem überraschenden Verzicht der Intendantin Barbara Mundel auf eine Vertragsverlängerung bei den Münchner Kammerspielen bahnt sich auch in der Filmwirtschaft Bewegung an: Kay Siering übernimmt eine Geschäftsführungsrolle bei der Bavaria Film Content.
Barbara Mundel erklärt, ihren Vertrag als Intendantin der Münchner Kammerspiele nach 2028 nicht zu verlängern, nachdem die Stadt die Stelle überraschend neu ausgeschrieben hatte und das öffentliche Ringen darum eskalierte.
Kay Siering wechselt spätestens zum 1. Juli 2027 von Spiegel TV Studios zur Bavaria Film Content GmbH, wo er gemeinsam mit Julia Reuter die Geschäftsführung der Content-Einheit übernimmt.
Institutionelle Kulturorte
Museen, Kirchen und Häuser öffnen ihre Türen neu oder laden zu besonderen Veranstaltungen ein. Institutionelle Kulturorte prägen das Gesicht lokaler und regionaler Kulturlandschaften.
Das Wien Museum saniert Franz Schuberts Geburtshaus in der Nußdorfer Straße bis Anfang 2028 umfassend und erweitert die Ausstellungsfläche auf 210 Quadratmeter – rechtzeitig zum 200. Todestag des Komponisten am 19. November 2028.
Nach sieben Jahren Planung und 1,5 Millionen Euro Umbaukosten eröffnet die Erlöserkirche Tirschenreuth am 19. Juli neu als barrierefreies Gemeindezentrum, das neben Gottesdiensten auch Konzerte, Theater und weitere Veranstaltungen beherbergen soll.
Erinnerungskultur
Wie Gesellschaften mit ihrer Geschichte umgehen, prägt ihre Gegenwart: Von persönlichen Reflexionen über politische Wut und historische Lasten bis zu Anschlägen auf Erinnerungsdenkmäler.
Viele junge Iraner hassen das Regime inzwischen so sehr, dass sie Trump und auch Israel geradezu verherrlichen. Ein Gespräch mit dem iranischen Filmemacher Nader Saeivar über Wut, Verzweiflung und – Träume.
Unbekannte haben in Mailand ein Wandgemälde des Künstlers aleXsandro Palombo mit Anne Frank und Primo Levi antisemitisch beschmiert und die Holocaust-Gedenk-Botschaft durch den Schriftzug „Siedler, Zionisten, Nazis" ersetzt.
Medienwandel & Kulturjournalismus
Rundfunkanstalten optimieren ihre Produktionsstruktur.
Der SWR lagert die Rateshow „Sag die Wahrheit" nach Leipzig und Teile des „Tigerenten-Clubs" nach Köln aus, um Kosten zu sparen und Ressourcen effizienter einzusetzen. Auch der Schwarzwald-„Tatort" wird künftig extern produziert.
Bildende Kunst
Großformatige Arbeiten, raumgreifende Installationen und ikonische Positionen prägen die aktuelle Ausstellungslandschaft. Werke von Alexandra Grant über Eleanor Antin bis zu Yayoi Kusama zeigen die Bandbreite zeitgenössischer Bildender Kunst.
Im Neuen Museum Nürnberg übersetzt Alexandra Grant Texte deutscher Autorinnen in monumentale Bilder.
Streetart-Künstler JR macht mit großformatigen Plakataktionen marginalisierte Menschen weltweit sichtbar – zuletzt rollte er auf dem Münchner Odeonsplatz ein riesiges Foto eines geflüchteten ukrainischen Mädchens aus.
Das Kunstmuseum Liechtenstein zeigt eine Retrospektive der US-amerikanischen Künstlerin Eleanor Antin (1965–2017), die mit Körper, Identität und Rolleninszenierung arbeitet und archetypische Figuren wie König, Ballerina und Krankenschwester in Videos, Fotos und Tableaux vivants verkörpert.
Die Ausstellung von Yayoi Kusama im Museum Ludwig Köln verzeichnet großen Besucherandrang. Direktor Yilmaz Dziewior betont, dass neben den bekannten Spiegelräumen besonders die historischen Arbeiten ein vielschichtiges Erlebnis bieten.
Ottmar Hörl installiert rund 320 goldene Mozart-Figuren an mehreren Standorten in Salzburg, um Mozarts 270. Geburtstag zu feiern. Die Kooperation mit der Internationalen Stiftung Mozarteum ist bis Ende August 2026 zu sehen.
Das Kunstmagazin WELTKUNST stellt sechs aktuelle Ausstellungen in Salzburg vor, darunter Schauen von Curtis Talwst Santiago, Charlotte Perriand und Ryan Gander in verschiedenen Institutionen der Stadt.
Max Liebermanns Gemälde „Der zwölfjährige Jesus im Tempel" (1879) löste einen Skandal aus, weil Kritiker einem jüdischen Maler vorwarfen, sich an einem christlichen Thema zu vergehen und Jesus als „Juden-Jungen" darzustellen.
Film & Fotografie
Humor, Desire und lebendige Fantasiewelten prägen das aktuelle Film- und Fotogeschehen. Von der dokumentarischen Aufarbeitung sexistischer Machtverhältnisse bis zur animierten Komödie reichen die aktuellen Produktionen.
Der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht" von Eva Müller und Isabel Schneider beleuchtet anhand von Archivmaterial und Interviews mit Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Gaby Köster, Bettina Böttinger und Esther Schweins, wie Comediennes das sexistische Unterhaltungsfernsehen der 1980er bis 2000er Jahre herausforderten.
Viele Kinder- und Jugendfilme stellen die Natur als beseeltes, handlungsfähiges Gegenüber dar, das kindlich-animistische Wahrnehmung spiegelt und jungen Figuren bei Trauer, Einsamkeit oder persönlicher Entwicklung hilft.
Lena Karbes Dokumentarfilm „Innere Emigranten" zeigt drei ehrenamtliche Telefonseelsorger in Moskau, die anonym Patienten betreuen und stillen Widerstand gegen Putins Regime leisten, während die russische Gesellschaft den Krieg kollektiv verdrängt.
Die vierteilige Doku-Serie „F*ck Berlin" von Regisseurin Marie Villetelle begleitet neun Frauen durch Berlins sexpositive Szene und zeigt deren persönliche Auseinandersetzung mit Themen wie BDSM, Polyamorie und queerer Identität.
David Schalko setzt seine Provinzserie „Braunschlag" nach 14 Jahren mit einer zweiten Staffel fort, die im politisch turbulenten Jahr 1986 spielt und Themen wie Rechtspopulismus, Nostalgie und Verklärung verhandelt.
Bei der Opening Week der 57. Rencontres d'Arles wurden mehrere Preise vergeben, darunter der Prix de la Photo Madame Figaro an Mallory Lowe Mpoka und der Luma Rencontres Dummy Book Award an Otto Hainzl; das Festival umfasst 47 Ausstellungen mit rund 400 Künstlern.
Die Leica Galerie Stuttgart zeigt vom 18. Juli bis 10. Oktober 2026 die Ausstellung „Bless this Couch" mit Arbeiten des Regensburger Fotografen Valentin Goppel, darunter sein USA-Langzeitprojekt „False Prophet Radio" und die preisgekrönte Serie „Zwischen den Jahren".
Der Bezirk Oberfranken ruft zum Fotowettbewerb „So schön ist Oberfranken – Jetzt wird's bunt!" auf: Bis zum 23. August können Teilnehmer ab 18 Jahren bis zu fünf farbenfrohe Aufnahmen aus der Region einreichen, das Siegerfoto wird mit 1.000 Euro prämiert.
Literatur
Von absurden Krankenhaus-Kürzeln über Familiendramen bis zur regionalen Kulturgeschichte: Die aktuelle Literaturauswahl bewegt sich zwischen feuilletonistischen Beobachtungen, Roman-Rezensionen und persönlichen Zugängen zu Texten und Autoren.
Im Krankenhaus studiert Axel Hacke den Zettel am Rande seines Tabletts: Es gibt Tom Su.PP, Kä.Plat.PP und Kicheraufs. Expressionistische Lyrik – oder ein Hinweis darauf, dass das menschliche Gehirn wie KI funktioniert?
Das Literaturmagazin Fettgedruckt stellt in seiner neuen Ausgabe vier Romane vor, darunter Szczepan Twardochs Sehnsucht, Luise K. Böhms Kaskaden, Johanna Sebauers Popóm und Laura Wagners Tutto Bene – alle verbindet die Suche nach Identität und Selbstfindung.
Die tägliche Bücherschau bündelt Buchkritiken vom 16. Juli 2026 aus mehreren Medien, darunter Besprechungen zu Heinz Strunk, Margaret Laurence, Christine Koschmieder, Megan Nolan und Björn Kröger.
In der elften Folge des Perlentaucher-Podcasts diskutieren Benita Berthmann und Lukas Pazzini mit der Lyrik-Kolumnistin Marie Luise Knott über die Bedeutung von Gedichten und die Notwendigkeit einer „Repoetisierung der Welt".
Musik
Popmusik zwischen Dystopie und Hoffnung, Klassik-Feiertage, regionale Musikvielfalt und internationale Festivals: ein bunter Durchblick durch aktuelle Musikgeschichten.
Der Bayerische Musikrat hat Jürgen Schwarz nach 26-jähriger Tätigkeit mit einem Festakt und dem Silbernen Wirbel verabschiedet; Michael Pfaffenzeller übernimmt als neuer Prokurist die Nachfolge.
Zum 150-jährigen Jubiläum der Bayreuther Festspiele betont Intendantin Katharina Wagner die Notwendigkeit historischer Reflexion über die NS-Vergangenheit und warnt vor finanziellen Engpässen durch steigende Kosten und schwierige Sponsorensuche.
Sopranistin Asmik Grigorian tritt trotz Kehlkopfentzündung beim Liederabend der Opernfestspiele im Prinzregententheater auf und verkürzt das Programm gemeinsam mit Pianist Lukas Geniušas krankheitsbedingt.
Studierende des Mozarteums kritisieren die neue Dirigierprofessur von Christian Thielemann: Die Klasse nahm ausschließlich männliche Bewerber auf, und bereits eingeschriebene Studierende mussten sich neu bewerben. Rektorin Constanze Wimmer verteidigt das Vorgehen, räumt jedoch Kommunikationsfehler ein.
Die Bayerische Landesausstellung 2026 „Musik in Bayern" in Freyung präsentiert in Woche 13 ein vielfältiges Konzertprogramm mit Mundart-Pop, den Regensburger Domspatzen, Jazz, Blasmusik und Irish Folk – viele Konzerte sind kostenlos.
Eine Dystopie voll von Dürre, Brandstiftung und Einsamkeit: Kelela besingt den Untergang – und die Resilienz, die trotzdem Hoffnung spendet.
Mehrere sächsische Blasmusikensembles, darunter der Spielmannszug Oberlichtenau als Weltranglisten-Fünfter, treten beim World Music Contest in Kerkrade an, an dem rund 150 Bands aus 30 Ländern teilnehmen.
Die Blaskapelle Übersee-Feldwies unter Leitung von Lothar Beyschlag hat ein Standkonzert am CGH Lakeside Retreat am Chiemsee gegeben, das rund hundert Besucher anzog und mit Zugaben vom Steg direkt über dem Wasser endete.
Der NDR-Podcast von Journalistin Maja Bahtijarević beleuchtet die Geschichte des Wacken Open Air – vom ehrenamtlichen Dorfprojekt 1990 bis zur internationalen Marke, die seit 2024 mittelbar einem US-amerikanischen Private-Equity-Konzern gehört.
Tanz
Neubesetzungen, Arbeiten zeitgenössischer Choreografen und Sommer-Intensivkurse zeigen die vielfältigen Themen der Tanzwelt.
Kevin O'Day, bisher Resident Artist am Badischen Staatsballett Karlsruhe, wird ab der Spielzeit 2027/28 Tanzdirektor am Theater Münster im Leitungsteam des neuen Generalintendanten Neil Barry Moss.
Das CCN/Aterballetto präsentiert einen vierteiligen Ballettabend mit Choreografien von Iratxe Ansa & Igor Bacovich, Phillip Kratz, Angelin Preljocajs und Chrystal Pite, die die thematische Bandbreite des zeitgenössischen Tanzes von Gershwin-Interpretationen bis zu Vergänglichkeit und Verlust zeigen.
Tänzer Lorenzo Angelini organisiert zum zehnjährigen Jubiläum am Mannheimer Nationaltheater einen „Summer Intensive", bei dem Ensemblemitglieder 25 junge Profitänzer aus zehn Nationen in Technik und Choreografie unterrichten.
Theater & Darstellende Kunst
Von der Milieu-Satire im Fernsehen bis zum Sommertheater in Kärnten: Diese Sektion vereint verschiedene Formen der Bühnen- und Unterhaltungskunst, von zeitgenössischer Politsatire über literarische Adaptionen bis hin zu Comedy-Performances.
Cornelia Rainer inszeniert beim Kulturfestival „Bühne der Macht" im Kärntner St. Daniel Joseph Roths „Radetzkymarsch" als vielschichtige Bühnenfassung, die Fragen nach Erwartungsdruck, Familienstrukturen und Machtmechanismen mit dokumentarischen Videosequenzen verbindet.
Ja, es ist Satire - aber mit hohem journalistischem Anspruch: Die Sendung „Die Anstalt“ flimmert nach ihrem Start im Februar 2014 zum 100. Mal über den ZDF-Bildschirm. Max Uthoff, Claus von Wagner und Maike Kühl - das feste Ensemble vor der Kamera - begrüßt zum Jubiläum prominente Gäste.
Oliver Kalkofe tritt am 18. Oktober 2026 im Kulturboden Hallstadt auf und beleuchtet in seinem neuen Bühnenprogramm satirisch die Boomer-Nostalgie – mit der Frage, ob früher wirklich besser war.
Sonstiges
Mit zehn Jahren spielte sie die Hauptrolle in der Verfilmung von Michael Endes Kinderbuchklassiker: Als „Momo“ wurde Radost Bokel zum Kinderstar. Doch was macht die Schauspielerin heute?
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Die Stadtbücherei Traunstein veranstaltet am 31. Juli im Stadtpark den Abend „Projekt Mensch Sein", bei dem Andrea Hinkofer Lyrik vorträgt und Stefan Haberlander mit Gesang, Gitarre und Harp begleitet. Der Eintritt ist frei.
Fünftes Mal in Folge: Der Kreis Nordfriesland wollte das Protestcamp auf Sylt verbieten – das Gericht sah es anders. Jetzt campieren die Punks bis zum 16. August.
Peter Maffay positionierte sich bei den Regensburger Schlossfestspielen öffentlich gegen Rassismus und radikale Positionen jeder Art und bekannte sich zu Grundgesetz und demokratischen Werten – im direkten Beisein von Hausherrin Gloria Fürstin von Thurn und Taxis.
Gegen den Göttinger Steidl Verlag wurde ein Insolvenzantrag wegen rückständiger Sozialabgaben gestellt; der Verlag hat die Forderung beglichen und sucht zugleich einen Investor für die langfristige Sicherung von Verlag und Druckerei.