Pressespiegel 18.07.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Ein Lied, mehrere Debatten: Nachdem das ZDF den geplanten Auftritt von Danger Dan und Igor Levit in "Die Anstalt" kurzfristig absagte, entbrannte eine heftige Diskussion über Kunstfreiheit, Grenzen des Widerstands und die Verantwortung öffentlich-rechtlicher Sender. Die Kontroversen reichen dabei von der Songinterpretation bis zu grundsätzlichen Fragen der Meinungsfreiheit.
Stauffenberg und der 20. Juli sind keine Chiffren für den Wunsch, einen gewählten Politiker loszuwerden: Gedanken zur Wortwahl des Schauspielers und Kabarettisten Uwe Steimle bei der AfD in Dessau.
Das ZDF hat den geplanten Auftritt von Danger Dan und Igor Levit in der Sendung „Die Anstalt" abgesagt – trotz juristischer Unbedenklichkeit ihres Songs „Keine Angst" laut den Künstlern.
Christian Kuhnt, Intendant des Schleswig-Holstein Musikfestivals, kritisiert den Song „Keine Angst" von Igor Levit und Danger Dan als demokratisch problematisch, mahnt jedoch zu sachlicher Debatte und widerspricht der Einschätzung, die ZDF-Absage sei ein „autoritärer Akt".
Das ZDF plant eine Sonderausgabe von „Aspekte" zur kurzfristigen Ausladung von Danger Dan und Igor Levit aus der „Anstalt", in der auch das Redaktionsteam die Entscheidung kritisch kommentieren darf.
Das ZDF lud Rapper Danger Dan kurz vor der Aufzeichnung aus der Jubiläumsfolge der Satiresendung „Die Anstalt" aus, weil sein Lied „Keine Angst" als Gewaltaufruf gewertet werden könnte. Das Sendungsteam kritisierte die Entscheidung öffentlich als mutlos.
Igor Levit und Danger Dan durften beim ZDF einen gemeinsamen Song nicht aufführen und stilisieren sich seitdem als Opfer, obwohl der Song laut Kritik staatliche Institutionen delegitimiert und primär der Albumpromotion dient.
Städte wie München und Berlin führen ein gefährliches Schauspiel auf: Wie beschädigen wir die Kultur durch Arroganz und Ahnungslosigkeit? Es ist eine Revue mit gewissem Ausgang.
Institutionelle Kulturorte
Kulturelle Orte und Bauten werden saniert, umgestaltet oder ihre Pläne verworfen. Die Nachrichten zeigen aktuelle Entwicklungen bei Opernhäusern, Klöstern und Kirchen im deutschsprachigen Raum.
Fünf Jahre Bauarbeiten haben sich gelohnt. Aus dem alten Ursulinenkloster in Landshut wird ein Bildungs- und Kulturzentrum. Jetzt ist der erste Bauabschnitt fertig – das wird heute (17. Juli) groß gefeiert. Künftig teilen sich die Ursulinenrealschule, das Christliche Bildungwerk und das neue Klostermuseum die Räume. 62 Millionen Euro investiert das Erzbistum München und Freising in […]
In der Bamberger Klosterkirche St. Michael werden bis Ende 2026 die Epitaphe der Nordseite sowie die Westempore restauriert. Die Kirche bleibt freitags bis sonntags und an Feiertagen von 11 bis 16 Uhr geöffnet.
Der Düsseldorfer Stadtrat hat die Pläne für ein milliardenschweres neues Opernhaus endgültig aufgehoben. Das bestehende Nachkriegs-Opernhaus soll stattdessen saniert werden.
Erinnerungskultur
Geschichte wird bewahrt und neu bewertet: von der Aufarbeitung versteckter NS-Vergangenheiten über Weltkulturerbestätten bis hin zu Gedenkstätten für Opfer von Gewalt. Die folgenden Artikel zeigen, wie Gesellschaften ihre Vergangenheit erinnern und daraus lernen.
Der Hinweis eines Lesers führt zur Spruchkammerakte des Heimatautors und langjährigen SZ-Mitarbeiters Ludwig „Wugg“ Retzer. Die Unterlagen dokumentieren seine bisher unbekannte NSDAP-Mitgliedschaft und seine Propagandatexte.
Niklashausen erinnert an Hans Beheim, den „Pfeiferhannes", der 1476 hingerichtet wurde, weil er 40 Jahre vor Luther soziale Gleichheit und Kirchenkritik predigte und damit Zehntausende Anhänger mobilisierte.
Am Münchner Rathaus wurde zum bevorstehenden zehnten Jahrestag eine Gedenktafel für die neun Opfer des rechtsterroristischen OEZ-Anschlags von 2016 enthüllt, die auch das rassistische Tatmotiv benennt.
Der Kaiserdom ist seit 1981 Weltkulturerbe und gilt als größte erhaltene romanische Kirche der Welt. Seit 2021 trägt auch der mittelalterliche Judenhof mit einer Mikwe von 1128 den UNESCO-Titel.
Wirkung & gesellschaftlicher Nutzen
Kultur wirkt weit über ästhetische Grenzen hinaus: Eine Ausstellung verbindet Fürsorge im Mittelalter mit modernen Sozialsystemen, Freilichtmuseen in Niederbayern erfreuen sich wachsender Beliebtheit, und Kunstschaffende erreichen durch ihre Arbeit Menschen und Orte, die sonst marginalisiert bleiben.
Das Museum Kirche in Franken in Bad Windsheim zeigt bis 11. Oktober die Sonderschau „Care – Fürsorge im Mittelalterlichen Spital und Heute", die die Entwicklung mittelalterlicher Spitäler zum heutigen spezialisierten Fürsorgesystem nachzeichnet.
Tradition ist im Trend. Merken wir auch an unseren Freilichtmuseen in Niederbayern. Im ersten Halbjahr schauen in Finsterau über 18.000 Menschen vorbei – über 2,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Auch beim Museum in Massing wachsen die Besucherzahlen um mehr als 4,5 Prozent auf über 15.000. Besonders beliebt sind Kurse und Events.
Ruth Ur, britische Kuratorin und Kunsthistorikerin, ist seit Frühsommer 2025 Direktorin der Stiftung Exilmuseum Berlin und blickt auf über 25 Jahre internationale Kulturarbeit zurück, darunter zwei Jahrzehnte beim British Council.
Der Bayern-Park bei Reisbach startet mit Schlagerrapper Tream eine Charity-Kampagne und verlost 10.000 Freikarten an benachteiligte Kinder. Soziale Einrichtungen und Vereine können sich per E-Mail bewerben.
Bildende Kunst
Von Ausstellungen über Popkultur bis zu studentischen Werkschauen: Ein Streifzug durch aktuelle Schausammlungen und Ausstellungseröffnungen in Deutschland und der Schweiz.
Alles ist vernetzt: Der Künstler Tomás Saraceno lädt im Münchner Haus der Kunst Menschen und Tiere zu einem Ritt durch Forschung, Imagination und Aktivismus.
Die 76. Bayreuther Kunstausstellung des Bayreuther Kunstvereins eröffnet am Sonntag in der Schlossgalerie und zeigt eine Rekordzahl an Werken – die jurierte Ausstellung läuft traditionell parallel zur Festspielzeit bis zum 23. August.
Die Fakultät für Gestaltung der Technischen Hochschule Augsburg präsentiert am 24. und 25. Juli 2026 auf dem Campus am Roten Tor studentische Semesterarbeiten und Abschlussarbeiten aus sechs Studiengängen; der Eintritt ist frei.
Das Kölner Kollwitz-Museum zeigt in der Ausstellung „Kollwitz – Ausgewählt" die 24 Lichtdrucke der „Richter-Mappe" von 1920, die Käthe Kollwitz zum eigenen 50. Geburtstag als Querschnitt ihres Werks herausgab.
Das Kunstfestival Art Môtiers 2026 im Schweizer Val-de-Travers präsentiert 40 eingeladene Künstler:innen an ortsspezifischen Orten, darunter Olaf Breuning und Pipilotti Rist; der Artikel stellt zudem mehrere weitere Kunstprojekte in der Schweiz und Südwestdeutschland vor.
Musikclubs, die nur noch als Erinnerung existieren, Handtaschen mit Gesichtern und die schlechtesten Plattencover der Welt: Eine Abenteuerreise ins Herz der britischen Museums- und Popkultur, samt Scheitern am Türsteher.
Die Fakultät für Gestaltung der Technischen Hochschule Augsburg präsentiert am 24. und 25. Juli 2026 auf dem Campus am Roten Tor studentische Semesterarbeiten und Abschlussarbeiten verschiedener Designstudiengänge; der Eintritt ist frei.
Film & Fotografie
Filmische Porträts und Fotografische Blicke: von der Retrospektive einer Kriegsfotografin über aktuelle Kinostarts bis hin zu Ausstellungen und Karrierehöhepunkten etablierter Filmemacher.
Der Regisseur Pedro Almodóvar hasst Anzugschuhe und sorgt sich wegen des Pornokonsums junger Menschen. Ein Gespräch über Madrider Partynächte, die gefährliche Gier nach Inspiration und seinen neuen Film „Bitteres Fest“.
Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zeigt bis September 2026 eine Retrospektive der 2014 in Afghanistan ermordeten Pulitzer-Preisträgerin Anja Niedringhaus mit über 250 Fotografien aus Kriegsgebieten, Sport und Porträts.
Der Fotosommer Stuttgart 2026 eröffnet am 17. Juli seine Hauptausstellung „Unordnung" in der Staatsgalerie Stuttgart und zeigt bis zum 26. Juli an über 30 Orten im Stadtgebiet fotografische Positionen zu gesellschaftlichen Krisen und Umbrüchen.
Die Leica Galerie Stuttgart zeigt vom 18. Juli bis 10. Oktober 2026 Fotografien von Valentin Goppel, der in den Serien „False Prophet Radio" und „Zwischen den Jahren" familiäre Verluste, Identitätssuche und das Lebensgefühl junger Menschen thematisiert.
Was folgt, wenn stolze Französinnen und Franzosen erfahren, dass sie gar nicht so französisch sind, wie sie dachten? Ein chaotischer Schlagabtausch aufgewärmter Klischees über fremde Nationen und Ethnien. 1,9 Millionen Menschen sahen die Komödie 2024 in Frankreich im Kino, Teil zwei folgt im August.
Literatur
Sommerliche Lektüre für verschiedene Ansprüche: Von unterhaltsamen Kinderbüchern über Kriminalromane bis hin zu theologischen Reflexionen zeigt dieser Monat die Vielfalt der Literatur.
Mit diesen Büchern werden es die besten Sommerferien für Kinder mit Sinn für kleine Unterschiede und detektivische Aufgaben: 10 Tipps für Kleine und Mittelgroße.
Eine attraktive Joseph-Roth-Edition gibt Gelegenheit, dem großen Schriftsteller und seiner Habsburg-Nostalgie wiederzubegegnen.
Musik
Klassische Konzerte und Opernfestspiele prägen diese Woche das kulturelle Geschehen, während unerwartete Neuigkeiten aus Rock, Jazz und der Musik-Industrie aufhorchen lassen. Von Verdis Requiem bis zu William Shatners Metal-Debüt reicht die Bandbreite der Meldungen.
Die dritte Kölner AI Music Conference beleuchtete mit wissenschaftlichen Daten die Marktmacht digitaler Plattformen, urheberrechtliche Konflikte um KI-generierte Musik sowie Fragen zur Rolle von KI in Musikpädagogik und künstlerischer Autonomie.
Gerade hat Mezzosopranistin Irene Roberts in Münchens neuer „Walküre“ begeistert. Jetzt singt sie gemeinsam mit anderen Solisten von Weltrang in der Kelheimer Dreifachturnhalle.
William Shatner tritt im September 2026 beim Riot Fest in Chicago erstmals live mit seiner neu gegründeten Heavy-Metal-Band The *uckers auf und kündigt zugleich sein Metal-Album „What the F Is Heavy Metal" an.
Die Opernfestspiele Heidenheim zeigen Verdis „Macbeth" in einer Inszenierung von Andreas Baesler, die Machtkämpfe in eine Theaterwelt verlegt und mit dem Tschechischen Philharmonischen Chor Brünn sowie dem Ensemble Standing Ovations erhält.
CD-Verkäufe in den USA sind laut Luminate seit Jahresbeginn um 16 Prozent gestiegen, angetrieben vor allem durch K-Pop-Alben und den Wunsch jüngerer Generationen nach Sammlerstücken – obwohl rund die Hälfte der Käufer keinen CD-Player besitzt.
Dongin Kim, Content Creator und Host des ARD-Podcasts „Kennst du BTS", spricht über BTS-Konzerte in München und London, die Bedeutung koreanischer Kultur im Pop und kritisiert den eurozentristischen Blick westlicher Medien auf K-Pop.
Das Festival „Musiksommer Schloss Seehof" findet vom 30. Juli bis 13. September 2026 im Innenhof und der Orangerie von Schloss Seehof in Memmelsdorf statt und bietet Konzerte mit Klassik, Weltmusik und Crossover.
Theater & Darstellende Kunst
Klassische Stoffe in neuer Inszenierung: Von Sophokles bis Hofmannsthal werden zeitgenössische Regisseure mit überlieferten Werken kreativ. Dazu Einblicke in die laufenden Sommer-Festspiele und das Theaterleben in der Provinz.
Alex Novak inszenierte „Antigone“ beim Sommertheater im Innenhof der Glyptothek München mit Hanna Gandor und Roland Schreglmann.
Holger Schultze beendet nach 15 Jahren seine Intendanz am Theater und Orchester Heidelberg und spricht über die Besonderheiten von Mehrspartentheatern in mittleren Städten, Publikumsarbeit, Festivalentwicklung und das Selbstverständnis kommunaler Theaterleitung.
Die Salzburger Festspiele eröffnen mit dem „Jedermann", wobei Roxane Duran als Buhlschaft an der Seite von Philipp Hochmair debütiert. Bis Ende August umfasst das Programm 208 Aufführungen, darunter Uraufführungen von Peter Handke und Elfriede Jelinek.
Sonstiges
Der langjährige Organisator Marco Wanke wirft nach einem Bruch mit der Marktgemeinde das Handtuch. Jetzt wollen die Partenkirchner Vereine das traditionsreiche Brunnenfest ab 2027 selbst stemmen.
Das Dossier #ichsehewas widmet sich der Darstellung von Natur in Kinder- und Jugendfilmen, in denen sie als Abenteuerraum, Sehnsuchtsort und Gegenentwurf zur Erwachsenenwelt fungiert – von „Ronja Räubertochter" bis zu Öko-Krimis und animistischen Naturvorstellungen.
Die Italo-Pop-Band „I Dolci Signori" begeisterte beim ausverkauften vierten Konzert der Salzach-Festspiele im Schlossgarten Triebenbach das Publikum mit San-Remo-Klassikern und Hits von Eros Ramazzotti, Al Bano und Adriano Celentano.
Jazz im Palmengarten mit Brother & Sisterhood
Studierende der Bachelorstudiengänge Interaktive Medien und Creative Engineering der Technischen Hochschule Augsburg präsentieren am 23. Juli 2026 ihre Teamprojekte zu Themen wie Augmented Reality, Künstliche Intelligenz und Digitale Zwillinge.