Pressespiegel 20.07.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Kulturelle und künstlerische Positionen stoßen in der Öffentlichkeit zunehmend auf politische Debatten: Ein ZDF-Skandal um einen Musiker spaltet die Kulturtöpfe, die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird verhandelt, und historische Lasten von Künstlern werfen Fragen zur Gegenwart auf.
Die Friedrich-Naumann-Stiftung lädt am 21. Juli in die Kulmbacher Akademie für Neue Medien zur öffentlichen Diskussion über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, mit Medienmanager Bernt von zur Mühlen und Thomas Hacker als Talkgäste.
Institutionelle Kulturorte
Kulturhäuser, Theater und Spielstätten sind ständig in Bewegung: Sie feiern Erfolge, stehen vor organisatorischen Herausforderungen oder werden umgestaltet. Geschichten von den Orten, an denen Kultur entsteht und erlebt wird.
Die Grünen-Stadtratsfraktion Kulmbach beantragt den Rückkauf des denkmalgeschützten Gebäudes Waaggasse 2 vor Ablauf der Rückkaufsfrist. Anschließend soll geprüft werden, ob dort ein Café und Wohnungen für Studierende entstehen können.
Die Rentei in Stockheim hat nach 22 Monaten die Marke von 10.000 Besuchern überschritten. Den Jubiläumsbesucher begrüßten Bürgermeister Daniel Weißerth und Veranstaltungsmanagerin Wiebke Greßmann während einer Open-Air-Theateraufführung.
Die Kölner Bühnen kehren nach 14 Jahren im Interim ab September an den Offenbachplatz zurück. Die Technischen Direktoren Nadine Bolz und Volker Rhein beschreiben den laufenden Umzug als logistischen Kraftakt unter Anspannung, da Bau- und Theaterbetrieb parallel laufen.
Bühnenmeister Sami Kyllönen sorgt seit über zehn Jahren unsichtbar im Hintergrund der Bregenzer Seebühne dafür, dass Technik und Sicherheit reibungslos funktionieren – die größte Herausforderung dabei ist nicht die Technik, sondern Wind, Regen und Gewitter.
Erinnerungskultur
Wie lässt sich mit NS-Vergangenheit und Täterschaft umgehen – ob in wissenschaftlicher Aufarbeitung, literarischer Verarbeitung oder kultureller Rezeption? Drei unterschiedliche Perspektiven auf Geschichte, Erinnerung und ihre moralischen Implikationen.
Die 1964 in Bukarest geborene Lyrikerin verarbeitet den frühen Tod der Mutter, einen prügelnden Vater und eine Herzoperation im Kindesalter. Die Gedichte beginnen in der Nazi-Zeit und führen über Flucht und Ceaușescu-Diktatur bis zum Erdbeben 1977 in Rumänien.
H. G. Adlers soziologisches Standardwerk über die bürokratische Organisation der Judendeportation im Nationalsozialismus, erstmals 1974 erschienen, wird 2026 mit einem neuen Vorwort von Götz Aly im S. Fischer Verlag neu aufgelegt.
Kulturelle Teilhabe
Kulturelle Angebote, Inklusionsprojekte und Teilhabeprogramme prägen das aktuelle gesellschaftliche Leben – von der Vermittlung von Geschichte über gemeinschaftliche Aktionen bis hin zu Fragen der praktischen Umsetzung von Unterstützungsleistungen.
Bedürftige Kinder in Bayern erhalten staatliche Teilhabe-Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket seltener als im Bundesschnitt, weil bürokratische Hürden, komplexe Anträge und mangelnde Aufklärung den Zugang erschweren.
Veröffentlicht bei
Rund 100 Akteure demonstrierten bei der „Zeitreise" auf der Veste Coburg mit Vorderladern und Geschützen mittelalterliche Waffen und deren Handhabung; die Kunstsammlungen luden dabei in die Epochen des 15. und 17. Jahrhunderts ein.
Das UNESCO-Welterbekomitee tagt in Busan und berät über 33 Nominierungen, darunter Deutschlands Antrag zur Berliner Waldsiedlung Zehlendorf als Erweiterung der Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne".
KI & Kultur
Künstler und Nutzer setzen sich zunehmend mit den Auswirkungen von KI-Anwendungen auseinander. Ob in der Kommunikation zwischen Menschen und Maschinen oder in der künstlerischen Werkstatt – es entstehen neue Fragen zu Vertrauen, Manipulation und kreativer Kontrolle.
Kulturstaatsminister Weimer fordert rechtlich durchsetzbare Urheberrechte für KI-generierte Inhalte, da Large-Language-Modelle Werke ohne Erlaubnis verarbeitet hätten. Täglich erschienen 75.000 KI-generierte Songs auf Musikplattformen, was den Markt grundlegend verändere.
Digitaltrainer Daniel Wolff hat mit Tausenden Kindern darüber gesprochen, wie sie mit Chatbots interagieren. Im Interview erklärt er, was die Kinder dabei erleben, mit welchen Tricks die Bots arbeiten, und was er besorgten Eltern rät.
Sängerin Lorde kritisiert Spotifys KI-Funktion „About the Song", die ihrem Track „Current Affairs" eine falsche Beschreibung zuordnete. Spotify entfernte den Text; die Funktion befindet sich noch in der Testphase.
Film & Fotografie
Hollywoods Nostalgie trifft auf zeitgenössisches Drama: Während eine lange geplante Fortsetzung eines Klassiker-Komödien-Films neue Aufmerksamkeit erhält, setzt eine ambitionierte Serie die geopolitischen Umbrüche in Afghanistan in Szene.
Am Beispiel von Einzelpersonen aus der afghanischen Bevölkerung, europäischen Botschaften und NATO-Truppen veranschaulicht die europäische Serienproduktion die dramatischen Ereignisse in Afghanistan im August 2021. Zu den Darstellern zählen Jeanne Goursaud und Eric Dane in einer seiner letzten Rollen.
Die Schauspielerin Elisabeth Wicki-Endriss ist im Alter von 82 Jahren in München gestorben. Nach dem Tod ihres Mannes, Regisseur Bernhard Wicki, gründete sie den Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds und etablierte den jährlichen Friedenspreis des Deutschen Films.
Luke Wilson bestätigt die Fortsetzung von „Die Familie Stone – Verloben verboten!" und lobt das Drehbuch von Regisseur Thomas Bezucha als „wirklich lustig". Nach dem Tod von Diane Keaton gewinne das Projekt für ihn besondere Bedeutung.
Literatur
Zwei Bücher erkunden unterschiedliche Formen von Erinnerung und Vermittlung: Dana Rangas Gedichtband „Genesis 51-52" verdichtet Familiengeschichte zu Lyrik, während ein theologischer Text nach der Funktion von Gleichnissen als Kommunikationsmittel fragt.
Die tägliche Bücherschau bündelt Buchkritiken vom 18. Juli 2026 aus führenden deutschsprachigen Medien, darunter Besprechungen zu Werken von Ann Cotten, Joseph Roth, Angelika Klüssendorf und Damien Ober.
Musik
Von Bad Bunny bis zu Paul Gerhardt: Ein vielfältiger Streifzug durch aktuelle Konzerte und Musikveröffentlichungen, bei dem Live-Performances und Debütalben gleichermaßen im Fokus stehen.
Bariton Christian Gerhaher gestaltete gemeinsam mit Studierenden der Hochschule für Musik und Theater München Claudio Monteverdis „L'Orfeo" konzertant im Großen Konzertsaal der Arcisstraße; die von Kristin von der Goltz geleitete Aufführung war bis auf den letzten Platz besetzt.
Wincent Weiss lieferte beim Tollwood-Festival München eine zweistündige, energiegeladene Pop-Show, bei der er bereits beim vierten Song einen Stage-Dive wagte und mit Fans, Bühnenwechseln und einem Kopfstand für besondere Momente sorgte.
Die Wolfgang-Sawallisch-Stiftung eröffnet ihr Jazz-Halbjahresprogramm am 24. Juli 2026 in der Villa Sawallisch mit dem Duo Mafalda Minnozzi und Paul Ricci, die ihr Programm „Meu Rio" mit Bossa Nova, Samba, Jazz und mediterranen Melodien präsentieren.
Zum 350. Todestag von Kirchenlieddichter Paul Gerhardt gestalteten Kantorei, Posaunenchor und Kinderchor der Gemeinde St. Georg in Neustadt ein Sommerkonzert, das Leben und Werk des Dichters würdigte.
Der politisch umstrittene Dirigent Teodor Currentzis gibt das erste Konzert der Salzburger Festspiele mit Liedern der Schwermut und der Trauer in der Reihe „Ouverture spirituelle“.
Viele verbinden Peter Schillings Welthit „Major Tom“ mit Euphorie und Torjubel. Doch laut dem Sänger thematisiert das Lied eigentlich den Tod.
Bad Bunny spielt am Ende seiner Welttournee ein unvergessliches Konzert in Mailand. Dazu gehört auch, dass er sich traut, was andere Superstars live unbedingt vermeiden wollen: Stille.
Die britische Band Pigeon mischt Afro-Disco mit New Wave auf ihrem Debütalbum. Sänger Falle Nioke singt „I am the black James Dean" – eine trotzige Selbstbehauptung in restriktivem Umfeld.
Sting hat im Amsterdamer Rijksmuseum sein Live-Album „The Night Watch" aufgenommen und spricht im Interview über Verbindungen zwischen seinem Werk und der Malerei des Goldenen Zeitalters, darunter Rembrandt und Judith Leyster.
Tanz
Von Undergroundkunst bis Volksfest: Die aktuelle Berichterstattung dokumentiert kontroverse historische Fragen zur DDR-Tanzkultur und das Phänomen eines großen traditionellen Tanzanlasses in München.
Rund 12.000 Menschen haben beim traditionellen Kocherlball im Münchner Englischen Garten getanzt. Der seit über 140 Jahren bestehende Ball soll laut dem Verein zur Erhaltung der Biergartentradition bis 2029 als Weltkulturerbe nominiert werden.
War die Untergrundkunst der DDR letztlich ein Produkt des MfS? Eine Retrospektive und ein Buch von Gabriele Stötzer werfen eine Frage neu auf, die auch von Punks heute noch debattiert wird.
Theater & Darstellende Kunst
Klassische Stoffe werden neu inszeniert, Festspiele locken tausende Zuschauer an und experimentelle Musiktheater prägt die aktuelle Szene. Hier sind die wichtigsten Premieren und Aufführungen der Woche.
Wie es Kriemhild bei König Etzel ergeht: „Die Hunnenkönigin“ bei den Nibelungen-Festspielen in Worms.
„Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen 2026: Philipp Hochmair entwickelt seine Figur konsequent weiter. Roxane Duran debütiert als Buhlschaft.
Der Sommernachtstraum im Münchner Olympiapark zieht 24.000 Besucher mit Pyrotechnik und Drohnen-Show an, doch die Kritik an der Böller-Veranstaltung wächst – unter anderem wegen der Belastung für Haustiere und Wildtiere.
Sonstiges
Die Gruppe Freie Künstler Prien zeigt vom 18. Juli bis 13. September 2026 ihre erste Ausstellung mit Werken von Christa Biere, Christa Bock-Köhler und Brigitte Mücke in der petite galerie in Prien.
Das Priener Heimatmuseum zeigt ab 26. Juli bis 25. Oktober die Sonderausstellung „DER ANDERE Rudolf Sieck" mit unbekannten Frühwerken des Künstlers sowie die Studioausstellung „Ingrid Sieck"; die Eröffnung findet am 25. Juli ab 16 Uhr statt.
Belauschte Gespräche in Theaterpausen, erkannt werden in Straßencafés – warum man einfach mitschreiben muss, was da passiert. Und besonders in Bayreuth bei den Festspielen.
Der Heimatverein Pfarrweisach begeht sein 30-jähriges Bestehen in Lichtenstein, wo Vorsitzender Hermann Weidner die neu erstellte Vereinschronik vorstellt.
ProSiebenSat.1 startet Anfang 2026 den Spartensender Sat.2 für Zuschauerinnen ab 50 – ein Muster, das den wachsenden Bedeutungsverlust einstiger TV-Flaggschiffe zugunsten fokussierter Spartensender widerspiegelt.