Pressespiegel 21.07.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Berlins Kulturpolitik steht unter Druck: Kulturverantwortliche monieren fehlende strategische Visionen, während die Kulturverwaltung mit Skandalen bei der Fördermittelvergrabe und Zensurvorwürfen konfrontiert wird.
Ex-Kulturstaatssekretär André Schmitz und Ex-Opernintendant Dietmar Schwarz fordern in einem Gastbeitrag mehr politisches Bekenntnis und Investitionen für die Berliner Kultur, die sie als Identität und Wirtschaftsfaktor der Stadt bezeichnen.
Der Berliner Untersuchungsausschuss zur Fördermittelaffäre hat laut CDU und SPD rechtswidriges Verwaltungshandeln bei der Vergabe von Fördermitteln gegen Antisemitismus festgestellt. Als politisch Verantwortliche benennen die Koalitionsfraktionen die zurückgetretene Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson und ihren Vorgänger Joe Chialo.
Institutionelle Kulturorte
Kulturelle und historische Gebäude erfordern aufwendige Sanierungen und Umbauten. Diese Artikel dokumentieren die Herausforderungen bei der Instandhaltung, Modernisierung und Umnutzung von Institutionen und Baudenkmälern.
Der Landesgartenschau-Pavillon des Landkreises soll in Oberschleißheim als Ausstellungsgebäude der Ost- und Westpreußenstiftung wieder aufgebaut werden. An der Investition gibt es Kritik.
Seit Jahren steht eines der ältesten Gebäude Münchens leer – der Freistaat will es veräußern. Daran gibt es scharfe Kritik.
Die Sanierung des Nürnberger Volksbads verzögert sich erneut und wird mit 90 bis 100 Millionen Euro deutlich teurer als geplant. Als Hauptgrund gelten Denkmalschutzauflagen; die Eröffnung ist nun für die zweite Hälfte 2027 vorgesehen.
Erinnerungskultur
Die Debatten um das kulturelle Erbe und seine Deutung bleiben konfliktreich: Sie reichen von gefährdeten Gedenkstätten und umstrittenen Künstlerfiguren bis zu verdrängten Lokalgeschichten.
Die Václav-Havel-Bibliothek in Prag war ein Ort für Gespräche mit Dissidenten und Bürgerrechtlern aus aller Welt. Nun droht die Schließung. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem Havel 90 geworden wäre.
Das KZ-Außenlager Ganacker bestand von Februar bis April 1945 als Flossenbürg-Außenlager, wo über 1000 Häftlinge unter katastrophalen Bedingungen eine Startbahn bauten; mindestens 138 starben, bevor US-Truppen das Lager am 29. April 1945 befreiten.
Große deutsche Opernhäuser – darunter die Hamburgische Staatsoper und die Semperoper Dresden – haben die Gedenkplattform „Verstummte Stimmen" gestartet, die an rund 300 in der NS-Zeit verfolgte Bühnenkünstler erinnert.
Das Langzeitprojekt „NS-Verfolgung und Musikgeschichte" der Universitäten Hamburg und München rekonstruiert Biografien verfolgter Musikerinnen und Musiker der NS-Zeit und pflegt ein Online-Lexikon mit inzwischen 5.600 Einträgen, ergänzt durch geplante Konzerte und eine digitale Karte der Exil-Musikgeschichte.
Hannelore Bach aus der Münchner Goethestraße gilt den Nazis als „jüdischer Mischling 1. Grades“. Während des Kriegs versteckt die Mutter das Kind bei einem Mann, der selbst NSDAP-Mitglied ist.
Die jahrhundertelange Geschichte jüdischer Schmuckhändler in Pforzheim ist kaum erforscht, weil viele Familien ihre Beteiligung an NS-Arisierungen verschwiegen. Einzelne Forscher wie die Historikerin Sabine Herrle decken diese Geschichte nun auf.
Wirkung & gesellschaftlicher Nutzen
Kultur bringt nicht nur künstlerischen Mehrwert, sondern hat auch konkrete ökonomische Auswirkungen. Diese Sektion beleuchtet die wirtschaftliche Wertschöpfung durch kulturelle Investitionen.
Eine Studie des Instituts für Kulturelle Teilhabeforschung (IKTf) belegt, dass jeder in Berliner Kulturförderung investierte Euro 3,50 Euro Rückfluss in die Stadt erzeugt und Kulturbesuche das individuelle Wohlbefinden signifikant steigern.
Bildende Kunst
Auktionserfolge prägen die aktuelle Berichterstattung.
Constantin Brancusis vergoldete Bronze „Danaïde" (um 1913) aus der Sammlung des Verlegers S. I. Newhouse erzielte bei Christie's in New York einen Rekordpreis von 93 Millionen Dollar.
Henri Matisses Gemälde „La Chaise lorraine" (1919) erzielte bei einer Abendauktion von Sotheby's in New York 41,5 Millionen Dollar – weit mehr als die geschätzten 25 Millionen Dollar.
Das Wiener Dorotheum erzielte für Carla Accardis doppelseitiges Paravent-Gemälde „Fonda notte/Pieno giorno" (1986) 400.000 Euro – das Zehnfache der Taxe und ein Auktionshöchstpreis für die italienische Abstraktionskünstlerin.
Film & Fotografie
Kino-Blockbuster und Filmfestivals, Fernsehserien und Fotografieausstellungen: Die aktuelle Woche hält ein breites Spektrum an visuellen Künsten bereit. Von Hollywoods erfolgreichsten Produktionen bis zu analogen Kunstprojekten.
„Die Odyssee“ legt einen sensationellen Start hin und spielt am ersten Wochenende weltweit mehr als 264 Millionen Dollar ein. Warum das auch Kinogänger freuen kann, denen der Film völlig egal ist.
Patricia Freund (30), aus Freyung gebürtig, spricht im Interview über ihre Rolle als „Sophia Stadlbauer" in „Dahoam is Dahoam", ihren Weg von der Pflegekraft zur Schauspielerin und ihr Heimweh nach dem Bayerischen Wald.
Im fünften „Toy Story“ ist der Gegner der Spielzeuge klar: die Digitalisierung im Kinderzimmer. Ist das unterhaltsam?
Das Filmfest Taunale läuft von Mittwoch bis Sonntag im Taunus. Zur Eröffnungsgala stellt die Spielbank Bad Homburg Blackjack- und Roulette-Tische auf.
Die Deutsche Börse Photography Foundation zeichnet Kerstin Weiser mit dem HfG-Rundgangpreis 2026 aus. Ihre fotografische Serie „Von Sandburg zu Sandburg" untersucht Spielplätze als surreale Bildräume, indem sie Personen und Spielgeräte zu abstrakten, grafischen Kompositionen verschmelzt.
Der Verein Deutsche Sofortbild Kunst präsentiert vom 25. Juli bis 1. August 2026 im Kunsthaus Bethanien in Berlin-Kreuzberg die Werkschau „:unmittelbar" mit Sofortbildarbeiten von 50 Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland.
Das WunderWelten-Fotofestival findet vom 6. bis 8. November 2026 im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen statt und bietet zwölf Live-Reportagen, über 25 Fotokurse sowie eine Fotomesse.
Literatur
Neues aus der Literaturlandschaft: Während Stephan Thome nach seinem Debüterfolg nachzieht, gibt Rebecca Yarros einen Ausblick auf ihr nächstes Empyrean-Projekt.
Nachrichten aus dem hessischen Hinterland: Stephan Thome erzählt in „Besser als nie“, was nach seinem erfolgreichen Debütroman „Grenzgang“ geschah.
Rebecca Yarros hat Titel und Cover des Empyrean-Begleitbands „Threshing Day" enthüllt, der am 29. September erscheint und 13 Perspektivgeschichten von Charakteren und ihren Drachen enthält.
Musik
Aktuelle Entwicklungen in Pop, Klassik, Jazz und traditionellen Musikformen zeigen die Vielfalt zeitgenössischer Musikkultur.
Gracie Abrams veröffentlicht mit „Daughter from Hell" ihr drittes Album, das einen reiferen, elektronischeren Sound zeigt und Themen wie gescheiterte Liebe und Spät-Adoleszenz verarbeitet – lyrisch stark, musikalisch aber zu wenig abwechslungsreich für 16 Songs.
Beim Festival „Lieder am See" am Großen Brombachsee begeisterten Uriah Heep, The Sweet, The Wailers und weitere Bands Tausende Fans mit Rockklassikern der 60er bis 80er Jahre. Das Line-up für 2027 mit Lynyrd Skynyrd und Joe Bonamassa steht bereits fest.
Zum 25. Aufführungsjahr von John Cages ORGAN2/ASLSP in der Burchardi-Kirche Halberstadt wird am 5. August 2026 beim 17. Klangwechsel eine a′-Pfeife ergänzt, die den bisherigen Siebenklang zu einem Achtklang erweitert.
Deep Purple begeistern beim ausverkauften Tollwood-Konzert in München mit einem Auftritt, der die mehr als 50-jährige Bandgeschichte vergessen lässt – von „Highway Star" bis „Smoke on the Water" überzeugen Ian Gillan, Ian Paice und die Band mit zeitloser Klangqualität.
Geiger und Comedian Aleksey Igudesman feiert in der Dokumentation „Breaking Rachmaninoff" das Doppeljubiläum des russischen Komponisten mit humorvoller Spurensuche, bei der ihn Billy Joel, John Malkovich, Yuja Wang und Mischa Maisky begleiten.
Jean-Marc Heukemes präsentiert in seinem monatlichen Podcast „Jazz Beats" neue Alben und Künstler aus den Bereichen Jazz, Hip-Hop, Soul und R'n'B und führt Interviews mit Musikern wie Donkeychote, Titus Martinu und Perfektomat & Retrogott.
Theater & Darstellende Kunst
Von großen Inszenierungen bis zu Fragen von Sichtbarkeit und Wahrnehmung: Diese Artikel zeigen verschiedene Facetten des Theaters und der darstellenden Künste.
Das Tanzstück „Main Character: Lost" von Miller de Nobili zeigt beim Think Big!-Festival im Münchner schwere reiter Pubertätserfahrungen zwischen sozialem Druck, Selbstfindung und dem Wunsch, gesehen zu werden – mit einer Bewegungssprache, die zeitgenössischen Tanz und urbane Stile verbindet.
Das Tanztheater „Als ich in deinem Alter war" von Fang Yun Lo / Polymer DMT verbindet Großeltern-Interviews mit Kindern, selbstgebaute Figuren und Tanz zu einem generationenübergreifenden Stück über Kindheitserinnerungen, das beim Think Big!-Festival im HochX gezeigt wurde.
Das Badische Staatsballett Karlsruhe präsentiert beim Abschluss der Tanz-Fest-Woche 2026 eine dreistündige Gala mit Werken von Goecke, van Manen, Neumeier und eigenen Choreografien; Sophie Burke erhält den Karlsruher Tanzpreis.
Sonstiges
Die New York Times hat Bayreuth anlässlich des 150-jährigen Festspieljubiläums zum weltweiten Reise-Hotspot gekürt. Neben den ausverkauften Wagner-Festspielen bietet die Stadt fränkische Küche, das Markgräfliche Opernhaus als Unesco-Welterbe und die Naturlandschaften der Fränkischen Schweiz und des Fichtelgebirges.
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Der BR verzeichnet 2025 ein Minus von 44,4 Millionen Euro, das vor allem durch die ausgebliebene Rundfunkbeitragserhöhung entstand, aber teilweise durch höhere Finanzanlageerträge und Sparmaßnahmen ausgeglichen wurde. Zudem wurde Kemal Görgülü zum neuen Produktions- und Technikdirektor berufen.
Die Stadt Osnabrück sucht eine Leitung (m/w/d) für ihre Musik- und Kunstschule im Fachbereich Kultur, die rund 100 Mitarbeitende führt und etwa 7.700 Teilnehmende betreut. Bewerbungsschluss ist der 12. August 2026.
Vom großen Wohnbauprojekt bis zum Krippenmuseum: Die Stadt Weilheim ändert derzeit für drei Bereiche in der Oberen Stadt die Bebauungspläne.
Tel Aviv besitzt mit 4.000 Gebäuden den weltweit größten Bestand an Bauhaus-Architektur aus den 1930er- und 1940er-Jahren. Ein Film beleuchtet die Geschichte dieser Bauten, ihren heutigen Zustand und die deutsch-israelische Zusammenarbeit bei ihrer Renovierung.
Silke Fischer beleuchtet am 22. Juli 2026 im Historischen Museum Bamberg die Verwaltungsstrukturen des hochstiftischen Bamberg im 18. Jahrhundert und erklärt, warum der Domberg als zentrales Verwaltungszentrum diente.
Gloria von Thurn und Taxis hat sich von der exzentrischen „Punk-Prinzessin" der 1980er Jahre zur Vernetzerin zwischen katholischem Traditionalismus und internationalem Rechtskonservatismus entwickelt, mit Kontakten zu Steve Bannon, AfD-Politiker:innen und Viktor Orbán.