Pressespiegel 22.07.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Die Ausladung von Danger Dan und Igor Levit aus der ZDF-Sendung "Die Anstalt" hat eine grundsätzliche Debatte über Kunstfreiheit, Cancel Culture und die Verantwortung öffentlicher Sender ausgelöst. Der ZDF-Intendant räumt Fehler ein, während die Diskussion über künstlerische Grenzen und politische Neutralität weitergehen.
Der Präsident von PEN America wirft hin – weil er Kritik an seinem Kulturboykott nicht erträgt. Meine Mutter hätte das nicht verstanden: Sie spielte in ihrer israelischen Küche auch Musik, die von Antisemiten komponiert wurde.
ZDF-Intendant Norbert Himmler verteidigt die Ausladung von Danger Dan und Igor Levit aus der Jubiläumssendung der „Anstalt", räumt jedoch ein, dass die Kurzfristigkeit der Entscheidung ein Fehler war.
CDU und SPD ziehen Bilanz des Berliner Untersuchungsausschusses zur Fördermittelaffäre: Sie sehen rechtswidriges Verwaltungshandeln bei der Vergabe von 2,6 Millionen Euro für Antisemitismusprojekte belegt, weisen aber den Vorwurf unzulässiger Einflussnahme durch CDU-Abgeordnete zurück.
Die EU-Kommission beendet offiziell einen Zwei-Millionen-Euro-Zuschuss an die Biennale-Stiftung in Venedig, weil Russland erstmals seit dem Angriff auf die Ukraine wieder an der Kunstbiennale teilnimmt.
Kulturverwaltung & Behörden
Personalwechsel beim Bayerischen Rundfunk: Im Rundfunkrat bröckelt die Unterstützung für die geplante Vertragsverlängerung von Kultur-Programmdirektor Björn Wilhelm, woraufhin die Intendantin das Gespräch mit den Gremien suchen will.
Der BR-Rundfunkrat hat dem Vorschlag von Intendantin Katja Wildermuth, Kultur-Programmdirektor Björn Wilhelm zu verlängern, die nötige Mehrheit verweigert; eine erneute Abstimmung ist für Oktober geplant.
Institutionelle Kulturorte
Museen, Kirchen und Kunsträume stehen vor neuen Herausforderungen: Der Louvre öffnet nach einem Einbruch wieder, fränkische Kirchen intensivieren ihre ökumenische Zusammenarbeit, und ein bedeutendes Kunstmuseum in Köln verabschiedet seine langjährige Leitung. Derweil setzt eine Institution die Auseinandersetzung mit Nahrungssystemen in der Gegenwartskunst fort.
Die Ausstellung „Convivium – Nahrungssysteme am Limit" in der Münchner Pinakothek der Moderne zeigt in zwölf Kapiteln, wie globale Nahrungsproduktion Mensch, Tier und Umwelt an ihre Grenzen bringt.
Die Apollo-Galerie im Louvre öffnet neun Monate nach einem Einbruch wieder, bei dem Diebe acht Kronjuwelen im Wert von rund 88 Millionen Euro stahlen. Schmuckstücke und Vitrinen sind vorerst nicht zu sehen.
Das Bistum Würzburg und der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Ansbach-Würzburg haben eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Nutzung kirchlicher Gebäude unterzeichnet und ermutigen Gemeinden, Immobilien und Räume gegenseitig zur Verfügung zu stellen.
Gabriele Conrath-Scholl verlässt nach knapp 20 Jahren die Leitung der Photographischen Sammlung in Köln, die sie zu einem international beachteten Zentrum für sachlich-dokumentarische Fotografie mit über 40.000 Werken ausgebaut hat.
Erinnerungskultur
Denkmäler, Gedenkveranstaltungen und umgenutzte historische Orte prägen unseren Umgang mit NS-Vergangenheit und Gewalttaten. Diese Beispiele zeigen unterschiedliche Wege, wie Gesellschaften an Opfer erinnern und mit belasteten Stätten umgehen.
Hitlers Geburtshaus in Braunau am Inn ist nach einem rund 20 Millionen Euro teuren Umbau offiziell als Polizeizentrum in Betrieb gegangen, um den Ort für Neonazis unattraktiv zu machen.
Veröffentlicht bei
Sinntal-Sterbfritz plant eine gemeinsame Gedenkstätte für 90 im Zweiten Weltkrieg gefallene Soldaten und 32 im Holocaust ermordete jüdische Mitbürger, da bisher kein Denkmal an sie erinnert. Der Dorfverein muss die Kosten von 135.000 Euro durch Spenden finanzieren.
München gedenkt mit einem zentralen Festakt des zehnten Jahrestags des OEZ-Anschlags, bei dem ein 18-Jähriger 2016 aus rassistischen Motiven neun Menschen erschoss. Bundespräsident Steinmeier, Landtagspräsidentin Aigner und OB Krause sprechen bei der Veranstaltung.
KI & Kultur
KI transformiert Kulturproduktion und -vermittlung, doch die Technologie wirft auch rechtliche und ethische Fragen auf. Zwischen illegalen Trainingsdaten, betrügerischen NFT-Praktiken und innovativer Festspielgestaltung zeigen sich Chancen und Risiken dieser Entwicklung.
Anthropic muss 1,5 Milliarden Dollar an Autoren zahlen, weil es deren Bücher illegal heruntergeladen hat. Aber das KI-Unternehmen hat schon eine neue, ziemlich rabiate Methode gefunden, um sein Supergehirn zu füttern.
Betrüger kontaktieren Fotografen und Künstler mit gefälschten NFT-Ausstellungsangeboten, bei denen sie sich als bekannte Künstler wie Isa Genzken und renommierte Galerien ausgeben, um hohe Vorauszahlungen in Kryptowährung zu erschleichen.
Die Bayreuther Festspiele setzen in ihrem Jubiläumsjahr beim neuen „Ring des Nibelungen" auf eine eigens entwickelte KI, die Wagners Musik in wechselnde Bildwelten übersetzt. Kurator Marcus Lobbes trainierte das System mit Libretto, Musikmaterial und Zeitgeschichte.
Kulturvermittlung
Kulturelle Angebote sprechen nicht alle an – und nicht alle auf dieselbe Weise. Die Artikel thematisieren aktuelle Strategien, wie Kultureinrichtungen und Jugendarbeit ihre Zielgruppen erreichen, ohne dabei Vielfalt zu nivellieren.
Klassikaffine Jugendliche werden von Vermittlungsformaten der Konzerthäuser oft übersehen, weil diese sich vorrangig an klassikfernes Publikum richten. Die Debatte um neue Formate wie Techno-Events ignoriert, dass junge Menschen keine homogene Zielgruppe sind.
Der Stadtjugendring Bayreuth sieht klassische Jugendarbeit mit festen Terminen und Standardangeboten vor neuen Herausforderungen: Junge Menschen benötigen heute laut Geschäftsführer Stefan Greißinger echte Beteiligung, flexible Formate und geschützte Räume ohne Leistungsdruck.
Die Stadtbücherei Starnberg bietet passend zur Urlaubszeit „Urlaubstüten" an, die jeweils einen Roman, ein Regionalsachbuch und ein Ausflugstipps-Magazin enthalten – die Aktion läuft bis Mitte September.
Acht Jahre ist es her, dass der Projektzirkus Hein aus Jessen in Sachsen-Anhalt das erste Mal bei der Grundschule in Steingaden zu Gast war. Nun durften beim dritten Gastspiel erneut 200 Kinder ihr Talent in der Manege beweisen.
Bildende Kunst
Ausstellungen, Künstlerporträts und spektakuläre Kunstmomente von Köln bis Venedig. Diese Woche zeigt sich die bildende Kunst von Malerei über Fotografie bis zur ephemeren Kunst in ihrer ganzen Vielfalt.
Die Amerikaner lieben die Malerei des Kölners Andreas Schulze, seine Galerie spendiert ihm jetzt eine Einzelausstellung in New York. Das Thema, das er sich dafür ausgesucht hat: Kuchen.
Jana Euler zeigt im Museum Ludwig Köln ein ortsspezifisches Triptychon im Treppenhaus, das mit einem springenden Collie, einer abstrakten Liegenden und einem vermenschlichten Treppenhaus Fragen zur Betrachterposition und musealen Präsentation aufwirft.
Eine Bronzefigur steht seit 60 Jahren in Geretsried. Engelbert Schönbach stand dafür als Kind Modell – und musste seinen Freunden verschweigen, warum er beim Versteckspielen nicht mehr auffindbar war.
Im Hans-Eisenmann-Haus eröffneten der Passauer Fotograf Klaus Ditté und der tschechische Schriftsteller Martin Sichinger ihre Ausstellung „Verlassene Wunder" mit Schwarz-weiß-Fotografien und Texten über Lost Places der deutsch-tschechischen Grenzregion; die Schau ist bis 14. Februar zu sehen.
Die Wanderausstellung „Wasser – Quelle des Lebens" von ausstellung leihen eröffnet am 28. Juli 2026 im Evangelischen Forum Annahof in Augsburg und beleuchtet Wasser aus naturwissenschaftlicher, gesellschaftlicher und spiritueller Perspektive mit Fotografien und Reportagen.
Die 61. Venedig-Biennale unter dem kuratorischen Konzept der verstorbenen Koyo Kouoh fokussiert auf Kunst Afrikas und des Globalen Südens, zeigt aber ein inhaltlich uneinheitliches Bild zwischen politischer Kraft und spiritueller Diffusität. Geopolitische Konflikte um Russland und Israel belasten die Ausgabe zusätzlich.
Film & Fotografie
Personalwechsel, Kulthorror-Sequels stehen neben persönlichen Porträts der Filmkunst. Dazu ein Blick in die Geschichte der Fotografie.
Stefan Hoff legt zum 31. Juli nach zwölf Jahren den Vorsitz des VTFF nieder und begründet dies mit seinem Wechsel in eine Beraterrolle. Bis zu den Neuwahlen im Mai 2027 übernimmt Andrea Brüggemann die Koordination der Vorstandsarbeit.
„Taxi Driver“, „American Gigolo“ und „Wie ein wilder Stier“: Als Autor und Regisseur verbindet Paul Schrader Gewalt und Intellekt, Hollywood und Arthouse-Kino. Eine Würdigung zum 80. Geburtstag.
„Rosenheim-Cops“-Liebling Karin Thaler spricht offen über die Verfilmung ihrer Autobiografie. Mehrere Persönlichkeiten aus der Filmbranche zeigen bereits Interesse.
Wenn es draußen mal wieder etwas heißer ist, geht man noch viel lieber ins Kino: Die 74. Filmkunstwochen bieten ein buntes Programm aus Festivalhits, Filmerfolgen und Fundstücken.
Megan Fox soll laut „Dread Central" in einer Fortsetzung von „Jennifer's Body" erneut die Hauptrolle übernehmen; die Dreharbeiten sind angeblich für Oktober 2026 in Vancouver geplant, auch Regisseurin Karyn Kusama und Drehbuchautorin Diablo Cody kehren zurück.
Ist ein selbstgebauter Dildo die Lösung? Die charmante französische Komödie „Chéri, ich komme“ ist inspiriert von einer Heimwerker-Erfolgsgeschichte aus Niederbayern.
Die Leica Welt im Leitz-Park Wetzlar vereint das Ernst Leitz Museum mit interaktiven Fotostationen, wechselnde Ausstellungen in der Leica Galerie sowie Einblicke in die Leica Manufaktur an einem Standort.
Literatur
Nachlässe, Klassiker und ihre Entstehungsgeschichten: Diese Woche geht es um Autoren und ihre Werke, von bedeutenden Archiverwerbungen bis zu persönlichen Rückblicken auf Literaturgeschichte.
Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat den Nachlass von Friedrich Christian Delius übernommen, nachdem seine Witwe Ursula Bongaerts den zweiten Teil seiner Papiere übergeben hat. Der Nachlass umfasst Gedichte, Theaterstücke, Tagebücher und Korrespondenz.
Anne Goscinny veröffentlicht zum 100. Geburtstag ihres Vaters René Goscinny das Buch «Das Klimpern der Schlüssel», in dem sie in Briefform über den Verlust des «Asterix»-Schöpfers verarbeitet, der 1977 starb, als sie neun Jahre alt war.
J. D. Salingers Roman „The Catcher in the Rye" erschien vor 75 Jahren und hat inzwischen rund 80 Millionen Exemplare verkauft. Salinger schrieb daran während des Zweiten Weltkriegs, geprägt von Kriegstrauma und dem Holocaust, und schuf mit Holden Caulfield den Prototyp des Nachkriegsteenagers.
Der Münchner IT-Anbieter SpaceNet hat zum siebten Mal seinen Kreativwettbewerb verliehen: Aus über 1.400 Einsendungen zum Thema „Lösung" wurden die besten Kurzgeschichten und Fotos in einer Gala im Schlachthof prämiert.
Das Kinderbuch „Züge kommen nicht vom Weg ab“
Die tägliche Bücherschau bündelt Buchkritiken vom 21. Juli 2026 aus mehreren Medien, darunter Besprechungen zu Werken über Richard Wagner, die Bayreuther Festspiele, Stanislaw Vincenz' Karpaten-Geschichten sowie Maria Revas Ukraine-Roman.
Musik
Die Festspiele in Bayreuth stehen im Fokus – ihre Geschichte, ihre Aktualität und die Ambivalenz, die sie auslösen. Daneben klassische Sommerkomposition, Festivals und musikalische Reiseerfahrungen.
Für die „New York Times“ ist Bayreuth in diesem Jahr ein angesagtes Reiseziel. Wegen Wagner natürlich. Und sonst? Was erwartet das illustre Publikum aus aller Welt in der oberfränkischen Provinz?
150 Jahre Bayreuth (Teil 1) – 1876–1882: Wie es begann, warum es fast zum Fiasko wurde und wie es trotzdem weiterging.
Ein Essay über die anhaltende Ambivalenz der Bayreuther Festspiele beleuchtet Wagners Antisemitismus, die NS-Verstrickungen des Festivals und das neue Sachbuch von Anno Mungen, das Verbindungen zwischen Bayreuth und Auschwitz dokumentiert.
Vivaldi, Beethoven, Haydn und Debussy vertonten den Sommer nicht als idyllische Ferienzeit, sondern als Jahreszeit voller Hitze, Arbeit und Gewitter – mit gezielten Instrumentierungstechniken, die Naturphänomene klanglich erfahrbar machen.
„Song Trip“ ist eine Art Reisemagazin und musikalischer Selbsterfahrungstrip deutscher Musikpromis: In Staffel zwei reist unter anderem Rea Garvey nach Lappland zum Volk der Sami. In „Song Trip: Rea Garvey x Sápmi“ arbeitet er - unter anderem in Schnee und Eis - an einer Version seines Songs „Halo“.
Beim traditionsreichen Kultabend O sole mio auf Gut Immling in Halfing faszinierten internationale Opernsänger das Publikum mit bekannten Arien.
Bariton Ludovic Tézier sang beim Liederabend im Prinzregententheater mit Pianist Julius Drake Lieder von Liszt, Duparc und Wagner, darunter die Wesendonck-Lieder. Seine opulente Stimme überzeugte in großen Kantilenen, wirkte für das Kunstlied jedoch stilistisch zu opernhaft.
Das Rosenheimer Sommerfestival 2026 endete mit über 50.000 Besuchern auf dem Mangfallpark-Gelände erfolgreich und ohne größere Zwischenfälle. Das nächste Festival findet vom 8. bis 18. Juli 2027 statt; der Auftritt der Fantastischen Vier ist bereits ausverkauft.
Das Augsburger Gitarrenorchester „El Polifemo" gibt am 26. Juli 2026 ein Abschiedskonzert in der Kirche St. Anna in Augsburg mit Werken von Bizet, Kurt Weill, Karl Jenkins und Arvo Pärt.
Theater & Darstellende Kunst
Trauer um einen Theaterpionier, Konflikte in der Kabarettszene und ein Theaterkollektiv auf historischer Spurensuche:
Der Schauspieler und Theatermacher Gunnar Petersen ist im Alter von 86 Jahren auf Kreta gestorben.
Helmut Schleich beendet die langjährige Zusammenarbeit mit Uwe Steimle, nachdem dieser bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung aufgetreten war und deshalb Kritik sowie Ermittlungen wegen Störung des öffentlichen Friedens auf sich gezogen hatte.
Das Theaterkollektiv Pièrre.Vers inszeniert Dorothee Krings' Roman „Tage aus Glas" als performativen Parcours durch Düsseldorf-Gerresheim, der den Arbeiterstreik von 1901 in der historischen Glashütte mit aktuellen Fragen zur Disruption der Arbeitswelt verknüpft.
Sonstiges
Sie ist eine Legende des französischen Chansons: Mireille Mathieu feiert am 22. Juli ihren 80. Geburtstag. Seit mehr als sechs Jahrzehnten begeistert der „Spatz von Avignon“ Millionen Fans weltweit. Mit ihrer letzten Tournee verabschiedet sie sich nun von der großen Bühne.
Veröffentlicht bei
Die Musikschule der Stadt Bocholt-Isselburg sucht ab dem 01.09.2026 eine Lehrkraft für Saxophon mit abgeschlossenem Musikhochschulstudium für Einzel-, Partner- und Gruppenunterricht sowie Ensemble- und Orchesterarbeit.
Im Wintersemester 2025/26 stieg die Zahl der Gasthörer an bayerischen Hochschulen auf 3.833, ein Plus von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Knapp drei Viertel der Gasthörer sind mindestens 60 Jahre alt.
Das KulturWERK Freising Süd hat sein erstes Weinfest in der Pullinger Dorfmitte veranstaltet. Wegen des großen Erfolgs soll es eine zweite Auflage geben.
Der TikTok-Trend „Everything Hallelujah" basiert auf einem Song Justin Biebers und animiert Nutzer, per Video ihre Dankbarkeit auszudrücken – wobei das ursprünglich religiöse Wort „Hallelujah" meist losgelöst von seiner biblischen Bedeutung als allgemeiner Freudensausdruck verwendet wird.