Pressespiegel 23.07.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Kultureinrichtungen und Medienformate geraten vermehrt in politische Spannungsfelder. Die Bayreuther Festspiele ringen mit ihrer NS-Geschichte, während eine Künstlerausladung bei der ZDF-Satireshow Debatte über Meinungsfreiheit auslöst.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer kündigt an, sein Amt nur für eine Legislaturperiode auszuüben, da er nach vier Jahren wieder mehr Zeit für seine Familie haben möchte.
Die jüngste Gegenwart hat wieder gezeigt, wie schwierig es für die Bayreuther Festspiele ist, sich den dunklen Seiten ihrer Geschichte zu stellen. Manche tun sich bis heute schwer damit.
Die Ausladung von Danger Dan und Igor Levit durch die ZDF-Führung bescherte der Jubiläumsausgabe der „Anstalt" 1,79 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 13,9 Prozent – der bisherige Jahresbestwert der Satiresendung.
Kulturwirtschaft & Geschäftsmodelle
Ticketing-Praktiken und Geschäftsmodelle unter Druck: Während Künstler gegen Bot-gesteuerte Massenaufkäufe und Wucherpreise ankämpfen, steht etablierte Kulturunternehmen wie der renommierte Verlag Steidl vor existenziellen Herausforderungen bei der Sicherung ihrer Zukunft.
Bots kaufen Konzerttickets in Sekunden auf und verkaufen sie auf Zweitmarktplattformen wie Viagogo zu massiven Aufschlägen weiter. Rund 200 Künstler, darunter Die Toten Hosen und Kraftklub, fordern von der Bundesregierung gesetzliche Regelungen gegen diesen nicht autorisierten Tickethandel.
Der Steidl Verlag kämpft in einem vorläufigen Insolvenzverfahren um seine Zukunft, wobei Experten betonen, dass Kapital allein nicht reicht: Das stark auf Gründer Gerhard Steidl zugeschnittene Verlagsmodell erfordert strukturelle Reformen und eine geregelte Nachfolge.
Institutionelle Kulturorte
Museen, Schlösser und Klöster öffnen ihre Türen mit speziellen Programmen. Geschichtsträchtigen Orten werden dabei neue Leben eingehaucht.
Benediktinermönche aus der Abtei Münsterschwarzach beleben ab 5. August für einige Tage das Museum Kloster Memleben in Sachsen-Anhalt mit Andachten, Führungen und gemeinsamen Mahlzeiten.
Erinnerungskultur
Wie Gesellschaften mit ihrer Vergangenheit umgehen, zeigt sich in Denkmälern, Gedenkorten und stadtischen Umgang mit unbequemen Kapiteln. Diese Artikel dokumentieren verschiedene Formen der Erinnerungskultur vom Umgang mit historischen Belastungen bis zu lokalen Traditionen und Legenden.
Bayreuth ist dank Richard Wagner international bekannt. Das Problem: Der Komponist war Antisemit. Darauf weist die Stadt jetzt hin.
Beim Gedenkakt zum zehnten Jahrestag des OEZ-Anschlags in München forderte Bundespräsident Steinmeier mehr Entschlossenheit gegen Rassismus; Angehörige der neun Opfer verlangten einen Untersuchungsausschuss zur vollständigen Aufklärung der rechtsterroristischen Tat.
Am 13. August 2026 finden in Groß Thurow und Schlagsdorf Veranstaltungen zum 65. Jahrestag des Mauerbaus statt: eine Gedenkstele-Einweihung für Harry Krause sowie eine Podiumsdiskussion zum Grünen Band mit App-Präsentation des berlinHistory e.V.
Die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn feiert am 26. August 2026 ihr 30-jähriges Bestehen mit einem Sommerfest, das Zeitzeugengespräche, Projektpräsentationen und Konzerte – u. a. mit Stephan Krawczyk und KEIMZEIT – umfasst.
Autorin Kristina Schilke schildert im Essay zum 650. Stadtjubiläum ihre Kindheit in Grafenau, wohin sie 1993 als Russlanddeutsche aus Tscheljabinsk einwanderte, und beschreibt ihre gewandelte Wahrnehmung der Kleinstadt im Bayerischen Wald.
Bildende Kunst
Von Ausstellungen mit etablierten Meistern bis zu zeitgenössischen künstlerischen Positionen: Die aktuelle Kunstlandschaft verbindet klassische und experimentelle Ansätze. Durchgehend zeigen sich persönliche Perspektiven und gesellschaftliche Fragen als zentrale Antriebe künstlerischen Schaffens.
Die Ausstellung „Tempesta" in der Fondation Fernet-Branca zeigt Installationen und Videos internationaler Künstler, die Klassenzugehörigkeit, körperlichen Verfall und gesellschaftliche Leerstellen durch Abwesenheit und Fehlstellen sichtbar machen.
Künstler Vic B. zeigt am 30. August 2026 im Drunken Monkey Augsburg eine Einzelausstellung mit Werken aus 25 Jahren künstlerischem Schaffen, darunter Buchillustrationen, Marionetten, Tattoos und Plakate.
Würzburger erinnern sich an Marcel (Dietmar Herbert Artur Heinzelmann), den bekannten Straßenmaler der Innenstadt, der im November 2023 starb und für viele ein fester Bestandteil des Stadtbilds war.
Film & Fotografie
Filmische Neuerscheinungen und Comebacks prägen die aktuelle Kinolandschaft. Von Drama über Komödie bis Animations-Blockbuster — eine Übersicht der bemerkenswertesten Produktionen.
Eine Mäzenin hat eine Affäre mit einem jungen mexikanischen Tänzer. Der Film „Dreams“ mit Jessica Chastain dokumentiert die Kälte des Umgangs mit Kunst und Migration in den USA.
Sacha Baron Cohen kündigt für den 23. Oktober einen neuen Kinofilm mit seiner Kultfigur Ali G an: „Ali G: Who Iz I?" wurde im Geheimen gedreht und ist bei Amazon MGM Studios erschienen – Baron Cohen führt erstmals auch selbst Regie.
Die von UFA Fiction produzierte achtteilige Prime-Video-Erotik-Dramedy heißt nun „Friends Sex and Games" statt „Game of Keys" und erscheint am 16. Oktober.
Til Schweiger dreht als „Axel" die Fortsetzung von „Der bewegte Mann", 30 Jahre nach dem Original. Regie führt Hermine Huntgeburth, das Drehbuch basiert auf Comics von Ralf König; Jan Josef Liefers, Marie Bäumer und Rufus Beck gehören zum Cast.
Claire Foy spielt in der Verfilmung von Helen Macdonalds autobiografischem Bestseller eine Dozentin, die den Tod ihres Vaters verarbeitet, indem sie einen Habicht zähmt. Der Film von Philippa Lowthorpe läuft ab 23. Juli in deutschen Kinos.
Die M94.5-Sendung Filmfabrik bespricht aktuelle Kinostarts, darunter „Toy Story 5", das Musikdrama „Tuner" und Christopher Nolans Blockbuster „The Odyssey".
Das Fotojournalismus-Festival Visa pour l'Image findet vom 29. August bis 13. September 2026 in Perpignan statt und widmet seine 38. Ausgabe mit 27 Ausstellungen der Verteidigung authentischer Bildberichterstattung gegenüber KI-generierten Inhalten und Desinformation.
Fotografiska Berlin zeigt ab 14. August 2026 die Ausstellung „Tell Me What To See" von Carola Lampe, die klassische Fotografie, digitale Manipulation und KI-generierte Bilder verbindet, um Fragen nach Wahrnehmung, Kontrolle und Vertrauen in Bilder zu untersuchen.
Literatur
Von Paul Gerhardt im Barock bis Dana von Suffrin in der Gegenwart: Diese Besprechungen spannen einen literarischen Bogen über Jahrhunderte und zeigen die Vielfalt poetischer Ausdrucksformen.
Dana von Suffrin erzählt in „Toxibaby“ nicht nur von einem Beziehungsdrama. Jetzt stellt die Autorin ihren neuen Roman im Literaturhaus München vor.
Paul Gerhardt sind populärste Barocklyriker. Vor 350 Jahren starb er und seine Texte berühren bis heute.
Musik
Klassik und Songwriting, Festivals und Charts, Opera und Rap – die Musiklandschaft bietet von historischen Institutionen bis zu zeitgenössischen Künstlern ein breites Spektrum. Hier kommen sowohl etablierte Namen als auch neue Positionen zu Wort.
Die Bayreuther Festspiele waren schon immer brennend an der Zukunft des Theaters interessiert. Wie passt es da, dass im Jubiläumsjahr „Der Ring des Nibelungen“ von einer KI bebildert wird?
Die Bayreuther Festspiele planen, ihre Opernproduktionen nach der Bayreuther Laufzeit auszuleihen oder weiterzuverkaufen. Festspielchefin Katharina Wagner will Inszenierungen künftig nachhaltiger konzipieren.
Zum ersten Mal wird „Rienzi“ im Festspielhaus gezeigt. Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka wagen sich an die Inszenierung von Richard Wagners problematischem Jugendwerk. Begegnung mit zwei furchtlosen Regisseurinnen.
Alexander Neef bleibt bis 2032 Generaldirektor der Pariser Nationaloper – Frankreichs Staatspräsident bestätigte den Deutschen auf Vorschlag von Kulturministerin Catherine Pégard für eine zweite sechsjährige Amtszeit.
Wolfgang Ratherts neue Karajan-Biografie belegt anhand von Archivfunden, dass der Dirigent seine Aachener Jahre als Generalmusikdirektor (1935–1942) gezielt nutzte, um durch Anpassung an die NS-Kulturpolitik seine Karriere voranzutreiben.
Die Münchner Rapperin Zora eröffnet am 31. Juli das Theatron Musikfestival am Olympiasee und spricht im Interview über FLINTA-Rap, die DIY-Kulturszene Münchens und persönliche Texte zu Drogenverlusten im Freundeskreis.
Shania Twain spricht über ihr neues autobiografisches Album „Little Miss Twain", das ihre Kindheit in Timmins, Ontario, und das Leben vor ihrer Plattenkarriere beleuchtet, sowie über ihre queere Fanbase und die Zusammenarbeit mit Harry Styles.
Das Rösler Open Air Schloss Eyrichshof findet 2026 vom 30. Juli bis 4. August statt und präsentiert Konzerte mit Nena, In Extremo, Schmidbauer/Kälberer/Ringlstetter, Nino de Angelo, Martin Frank sowie Gerhard Polt & die Well-Brüder.
Die 81. Sommerlichen Musiktage Hitzacker widmen sich neun Tage lang in 23 Konzerten dem Werk Joseph Haydns, mit Beiträgen von Katharina Thalbach, Trompeter Till Brönner und erstmals Debüt-Marathons für Nachwuchstalente.
Die Augsburger Domsingknaben gehen im Herbst 2026 zum 50-jährigen Bestehen mit Heinrich Ignaz Franz Bibers „Missa Salisburgensis à 53 voci" auf Jubiläumstournee, gemeinsam mit dem Barockensemble des Bayerischen Staatsorchesters und Les Cornets Noirs, mit Stationen in München, Augsburg, Hamburg und Dresden.
Wenn Schlager-Fans wissen, was sie mögen, dann bleiben sie auch dabei. Helene Fischer ist mal wieder in den Top 10 der Schlager-Charts – mehrmals!
Theater & Darstellende Kunst
Open-Air-Spektakel und Festival-Experimente zeigen das Theater in seinen verschiedenen Facetten: vom volkstümlichen Sommertheater über radikale Kürzungen klassischer Stücke bis zur Würdigung einer Bühnengröße des deutschen Unterhaltungstheaters.
Das Wandertheater Schwalbe führt das Grimm-Märchen „Der Frieder und das Katerlieschen" als Open-Air-Theater im Freilandmuseum Lehde auf, mit Vorstellungen am 25. Juli und 1. August 2026 für Kinder ab fünf Jahren.
Beim 80. Festival d'Avignon stehen mehrere experimentelle „Hamlet"-Adaptionen im Mittelpunkt, während 28 französische Theaterhäuser wegen erneuter Subventionskürzungen von bis zu zwölf Prozent ihren Spielbetrieb der kommenden Saison gefährdet sehen.
Graue Haare, dickes Brillengestell, eine Stimme, die schon vor der Pointe zum Lachen bringt. So ist Willy Millowitsch (†90) immer noch in Erinnerung.
Volkskultur & Brauchtum
Volksfeste und Bräuche prägen das kulturelle Leben in der Region.
Dießen am Ammersee feiert vom 30. Juli bis 3. August sein 700-jähriges Marktrecht-Jubiläum mit den „Festtagen am See", deren Höhepunkt ein historischer Festzug mit über 1.200 Teilnehmern und 31 Pferdegespannen am 2. August ist.
Sonstiges
Beim „Kulturerbe Bayern“ gibt es interne Streitereien. Kritiker befürchten, dass das Stiftungsvermögen bald aufgebraucht ist.
Die Kulturstiftung Schloss Agathenburg übernimmt 2026 die Organisation des Jugendkunstpreises „kunsttalente" für 15- bis 21-Jährige aus dem Landkreis Stade; die Bewerbungsphase läuft vom 5. September bis 4. Oktober 2026.
Empörungswellen auf Social Media entstehen durch polarisierende Schlüsselmomente, die binnen 24 Stunden von Meinungsaccounts, journalistischen Profilen und Nischenkanälen aufgegriffen werden und nach drei bis sieben Tagen wieder abflauen.