Pressespiegel 25.07.2026
Institutionelle Kulturorte
Museen, Theater und historische Gebäude sind Kern der städtischen Infrastruktur und unterliegen ständigen Diskussionen über ihre Gestaltung, Finanzierung und Nutzung. Diese Meldungen zeigen aktuelle Entwicklungen an bedeutenden Kulturorten in Deutschland und Südamerika.
Der Weilheimer Stadtrat hat Bebauungsplan-Änderungen für zwei Innenstadtbereiche bekräftigt. Damit wäre das geplante AfD-Zentrum im früheren Starlight-Kino rechtlich nicht möglich.
Der Bamberger Finanzsenat tagt am 28. Juli 2026 zu Haushaltslage und Sanierungsprojekten; einen Tag später hält der Stadtrat seine letzte Vollsitzung vor der Sommerpause ab, u. a. zu Klimaanpassung und Beiratswahlen.
Ecuador hat den Siegerentwurf für das Nationalmuseum in Quito nach öffentlichem Protest ausgetauscht: Statt des Betonbaus von Estudio Campo Baeza erhielt das japanische Büro Sanaa mit dem Entwurf „Living Strata" den Zuschlag.
Erinnerungskultur
Welterbe und Gedenkstätten werden neu bewertet und neu genutzt – von der Anerkennung bedrohter Kulturstätten über die Ehrung ermordeter Missionare bis zur Umwidmung belasteter historischer Orte.
Das Unesco-Welterbe-Komitee hat das palästinensische Dorf Sebastia im Westjordanland im Eilverfahren als Weltkulturerbe und gleichzeitig als bedrohtes Welterbe eingestuft, da Israel Enteignungen und eine Umgestaltung der archäologischen Stätte plant.
Eine Delegation aus dem brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso, darunter sechs Bororo-Angehörige, besuchte erstmals den fränkischen Geburtsort des 1976 ermordeten Salesianerpaters Rudolf Lunkenbein in Döringstadt, um dessen 50. Todestag zu gedenken.
Lange war der Geburtsort von Adolf Hitler ein Wallfahrtsort für Neonazis. Nun wurde das Gebäude neu besetzt – die Hoffnung ist groß, den Mythos endgültig zu begraben.
Medienwandel & Kulturjournalismus
Von geplanter Joint Venture zu Sparmaßnahmen bei öffentlich-rechtlichen Sendern.
Bavaria Media hat beim Bundeskartellamt den Erwerb von Anteilen an der ARD Plus GmbH angemeldet und plant gemeinsam mit der WDR Mediagroup ein Joint Venture für Content-Distribution und Lizenzierung audiovisueller Inhalte.
ARD und ZDF haben ihre Silvesterprogramme 2026 noch nicht bestätigt; angesichts des Spardrucks wird intern über ein Modell diskutiert, bei dem künftig nur noch ein Sender jährlich eine Live-Silvestershow überträgt.
Bildende Kunst
Künstlerische Verfahren und Ausstellungen stehen im Fokus: von Installationen mit surrealen Elementen bis hin zu kunsthistorischen Perspektiven auf künstlerische Strömungen.
Die Gruppenausstellung „In der Luft" im Heidelberger Kunstverein untersucht anhand von Arbeiten u. a. von Louise Lawler, Yalda Afsah und Joshua Bonnetta das vielschichtige Verhältnis zwischen Mensch und Vogel – von Machtgefälle über Fürsorge bis zur Naturentfremdung.
Beim Immling Festival zeigen Lilli Hartmann und Mikhail Edisherashvilli die Installation „Axis Mundi": eine begehbare Ausstellung mit Figuren, Texten und Symbolen der vier Elemente, die Besucher an Festivaltagen erkunden können.
Der anhaltende Erfolg impressionistischer Ausstellungen erklärt sich laut Expertinnen durch hohen Wiedererkennungswert, Naturmotive und die Sehnsucht nach Problemlosigkeit – im Jubiläumsjahr von Claude Monets Tod widmen sich mehrere deutsche Museen der Epoche.
Film & Fotografie
Dokumentationen, Kinoadaptionen und Streaming-Highlights prägen diese Woche: Vom kritischen Blick auf Vergangenheit über die spektakuläre Homer-Verfilmung bis zu den neuesten Serien und der Porträtfotografie des Pirelli Kalenders.
Synchronsprecher Joachim Kerzel, bekannt als deutsche Stimme von Jack Nicholson, Anthony Hopkins und Dustin Hoffman, ist im Alter von 84 Jahren gestorben.
Das Olympiastadion Berlin zeigt vom 27. Juli bis 9. August 2026 in der Ehrenhalle ausgewählte Frontalporträts aus Martin Schoellers Serie „Close Up", präsentiert von CAMERA WORK, darunter Aufnahmen von Cate Blanchett, Bruce Springsteen und Dennis Hopper.
Der Pirelli Kalender 2027 widmet sich erstmals vollständig Indien und entsteht aus dem Dialog zweier Fotografen: Sølve Sundsbø und – nach Raghu Rais Tod – dessen Tochter Avani Rai, die das gemeinsame Konzept weiterführt.
Literatur
Vom Science-Fiction-Alptraum über biografisches Schreiben bis hin zu Kinderbuchen und klassischen Werken: Die aktuelle Literaturlandschaft zeigt vielfältige Perspektiven und Debatten. Neue Prosa, Auszeichnungen und Lesungen prägen das literarische Geschehen.
Jona Manow erhält den mit 2.500 Euro dotierten Paul-Maar-Preis für sein Kinderbuch-Debüt „Spion Nr. 9 und die Kunst, nicht aufzufallen", das laut Akademiepräsidentin Claudia Maria Pecher sensibel und humorvoll von Neurodiversität erzählt.
Der Göttinger Steidl Verlag hat das vorläufige Insolvenzverfahren verlassen, nachdem alle offenen Forderungen beglichen wurden. Ausgelöst hatte es unbezahlte Mahnbescheide zweier Krankenversicherungen; die Günter und Ute Grass Stiftung beendete die Zusammenarbeit wegen wiederholter Zahlungsrückstände.
T.C. Boyle ist der Meister des Beiläufigen. Doch in „Das Ende ist nur ein Anfang“, seinem neuen Band mit Kurzgeschichten, lotet er Maximalkonflikte aus.
Der Erfolgsautor legt eine erweiterte Biografie über Michel Foucault vor. Darin zeigt er, dass die tunesische Studentenbewegung den Denker prägte – nicht die Pariser Szene.
Die tägliche Bücherschau bündelt Kritiken aus FAZ, FR, SZ, taz, DLF und DLF Kultur, darunter Besprechungen zu Julia Decks Roman „Die Wahrheit über Ann", T.C. Boyles Storys sowie Thomas Grevens Sachbuch über internationale Netzwerke der radikalen Rechten.
Die Museen der Stadt Bamberg präsentieren am 30. Juli 2026 im Historischen Museum eine konzertante Lesung von E.T.A. Hoffmanns Briefnovelle „Haimatochare" mit den Schauspielern Stephan Bach und Andreas Ulich sowie musikalischer Begleitung von Maximilian Blumenfelder.
Musik
Von politische Debatten in der Klassik über Operninszenierungen und Festivaljubiläen bis zu Neuerscheinungen: Die aktuelle Musikberichterstattung bewegt sich zwischen kommerziellen Erfolgen, künstlerischen Positionen und geschichtlichen Deutungen.
Am Beispiel Gustavo Dudamels Auftritt bei der WM-Halbzeitshow analysiert der Text, wie klassische Musik zwischen humanistischem Anspruch und politischer Vereinnahmung gerät, wenn Reichweite und Macht untrennbar verknüpft sind.
Zum 150. Jubiläum der Bayreuther Festspiele wird Wagners Frühwerk «Rienzi» erstmals auf dem Grünen Hügel aufgeführt – ein Werk, das als Inspirationsquelle Hitlers gilt und dessen historische Belastung die Inszenierung bewusst thematisiert.
Die Bayreuther Festspiele beugen sich dem veränderten Publikumsverhalten und zeigen ab 2027 zwei Neuproduktionen pro Sommer. Besonders der „Lohengrin“ verspricht, aufregend zu werden.
Yuval Sharon inszeniert Janáčeks Oper „Die Ausflüge des Herrn Brouček" bei den Bregenzer Festspielen als fantasievoll-humorvolles Gesamtkunstwerk mit Peter Hoare in der Titelrolle und den Wiener Symphonikern unter Robert Jindra.
Erst Phil Collins, dann Rod Stewart und nun Jon Bon Jovi, der seine Show in New York abbricht: Warum gehen wir auf die letzten Konzerte der Großen, auch wenn sie längst nicht mehr klingen wie einst?
Danger Dans Song „Keine Angst", den das ZDF kurz zuvor aus der Satiresendung „Die Anstalt" gestrichen hatte, steigt auf Platz sieben der Offiziellen Deutschen Single-Charts ein.
150 evangelische Posaunenchöre aus der Metropolregion Nürnberg wagen vom 30. Juli bis 2. August in der Nürnberger St. Jakobskirche einen Weltrekordversuch: 72 Stunden Blasmusik ohne Pause.
Ganz Pähl war auf den Beinen, um das einmalige Klangerlebnis zum 30-jährigen Bestehen des Trommlerzugs zu erleben: einen „Massenchor“ mit über 300 Trommlern und Musikanten aus der Region.
Der Windsbacher Knabenchor feiert am 17. Oktober sein 80-jähriges Bestehen mit einem Festkonzert in der Nürnberger Lorenzkirche, bei dem Knabenchor, Mädchenchor und der Ehemaligenchor Monte Soprano gemeinsam auftreten, gefolgt von einem Staatsempfang.
Charli xcx veröffentlicht mit „Music, Fashion, Film" ihr siebtes Studioalbum, das bewusst keinen „Brat"-Nachfolger darstellt, sondern mit Gitarren, Indie-Sleaze-Ästhetik und Kapitalismuskritik neue Richtungen einschlägt.
The Strokes veröffentlichen „In Transit: Part II", eine zehnminütige Mini-Dokumentation über die sechswöchigen Aufnahmen ihres siebten Albums „Reality Awaits" in Costa Rica mit Produzent Rick Rubin, unter der Regie von Johann Rashid.
Theater & Darstellende Kunst
Von klassischen Stoffen auf internationalen Bühnen bis zu experimentellen Performances in urbanen Räumen: Die aktuelle Theaterszene erweist sich als vielfältig und grenzüberschreitend. Schauplätze und Konstellationen changieren zwischen Klassik und Gegenwart.
In „Faust“ bei den Salzburger Festspielen stehen Anna Drexler und Steven Scharf gemeinsam auf der Bühne – im echten Leben sind sie ein Paar. Ein Gespräch über Familienorganisation und die Frage, ob Gretchen eine „starke Frau“ ist.
Das Kopenhagener Kollektiv Fix+Foxy präsentiert beim Asphalt Festival Düsseldorf eine immersive Taxifahrt zu düsteren Stadtorten, bei der Fahrer Chris vier Zuschauer mit Gewaltszenarien, Waffenanfassen und Schießübungen konfrontiert.
Die Kulturrundschau bündelt Kritiken zu Damiano Michielettos „La Traviata" bei den Bregenzer Festspielen mit Sopranistin Marjukka Tepponen, zur Insolvenz des Steidl Verlags und den verlorenen Grass-Rechten sowie zur C/O-Berlin-Ausstellung über digitale Bildmanipulation.
Sonstiges
Bayerns Wissenschafts- und Kunstminister Markus Blume hat beim Festakt im Staatstheater am Gärtnerplatz sechs Persönlichkeiten das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen, darunter Prof. Dr. Bernd Goldmann, Gründungsdirektor der Villa Concordia in Bamberg.
Der Deutsche Preis für Audiostories wird 2024 nicht vergeben, weil die Film- und Medienstiftung NRW nach 30 Jahren ausgestiegen ist und der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband den Preis allein nicht finanzieren und organisieren kann.
Das Wallfahrtsmuseum Gößweinstein zeigt bis Januar 2027 eine Sonderausstellung über Wallfahrt und Tourismus in der NS-Zeit von 1933 bis 1945, konzipiert von der Uni-Bayreuth-Masterstudentin Lea Mahn.
Rund 70 Architekturstudierende der TH Nürnberg entwickeln im Seminar „Transform: Kirchen in Nürnberg" Umnutzungskonzepte für zwei evangelische Kirchen – von Ateliers über Co-Working bis zu flexiblen Gottesdiensträumen –, um deren langfristigen Erhalt zu sichern.
Roland Korn war der letzte Chefarchitekt von Ost-Berlin. Er prägte die DDR-Hauptstadt mit dem Staatsratsgebäude und dem Haus des Reisens. Jetzt ist er mit 96 Jahren gestorben.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer verteidigt im Interview die Erhöhung des Bundeszuschusses für die Bayreuther Festspiele um eine Million Euro und begründet gleichzeitig die Kürzungen bei der Popförderung.