Pressespiegel 04.08.2026
Erinnerungskultur
Geschichten von Verlust und Vermächtnis: Von Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung berichten diese Artikel.
Margarete Bihrle soll 1941 deportiert werden, doch ein Nachbar streicht ihren Namen heimlich von der Deportationsliste. Bis zum Ende des Kriegs verlässt sie ihre Münchner Wohnung nicht mehr – und überlebt als Unsichtbare.
Der lettische Holocaust-Überlebende, Historiker und Museumsgründer Marģers Vestermanis ist im Alter von 100 Jahren in Riga gestorben. Er widmete sein Leben der Erforschung der jüdischen Geschichte Lettlands und gründete das Museum „Juden in Lettland".
Zivilgesellschaft & Ehrenamt
Kulturinitiativen, Heimatveranstaltungen und Freiwilligenvereine prägen das kulturelle Leben vieler Regionen. Diese Artikel zeigen, wie Leidenschaft und Engagement lokale Projekte lebendig halten – von der Theaterszene bis zu Traditionsveranstaltungen.
Das Münchner Sommertheater im Englischen Garten hat seit 2025 mit Sebastian Bergau eine neue Leitung und führt die seit 1990 bestehende Freilufttradition fort – finanziert vor allem durch eine Stiftung, Publikumsspenden und ohne reguläre öffentliche Subventionen.
Der Wilhelmsthaler Heimatabend zog bei seiner 61. Auflage erneut die Massen an, mit Plattler- und Tanzgruppen, Musik und Feuerwehr-Darbietungen. Moderator Thomas Auer führte zum 26. und letzten Mal durch das Programm.
KI & Kultur
Künstliche Intelligenz prägt zunehmend die Kulturproduktion und Kulturvermittlung. Von der künstlerischen Praxis bis zur regulatorischen Rahmensetzung zeigen sich dabei neue Chancen und Herausforderungen.
Seit dem 2. August 2026 verpflichtet der EU AI Act zur Kennzeichnung von KI-generierten Bildmanipulationen, die Betrachter über die Echtheit täuschen könnten. Fotografen tragen dabei laut EU-Kommission die Kennzeichnungspflicht selbst; der Berufsverband FREELENS hat einen Leitfaden dazu veröffentlicht.
Die KI-Inszenierung von Wagners „Ring" bei den Bayreuther Festspielen 2026 erntet Buh-Rufe vom Publikum; Kritiker sehen darin eine Zeitdiagnose, diskutieren aber auch das ungenutzte Potenzial von KI im Musiktheater.
Eine CORRECTIV-Recherche zeigt, dass KI-Chatbots – besonders ChatGPT – täuschend echte Fake-Nachrichtenbeiträge bekannter Medien wie der Tagesschau erstellen können, während Schutzmechanismen der Anbieter nur unzuverlässig greifen.
Bildende Kunst
Aktuelle Ausstellungen und künstlerische Positionen in Deutschland und darüber hinaus zeigen die Vielfalt bildender Kunst. Die Beiträge spannen einen Bogen zwischen Kunstgeschichte und gegenwärtiger Kunstlandschaft.
Clare Goodwin baut im Art Foyer der Helvetia ein Environment aus gefundenen Möbelteilen, Keramik, Tapeten und Sammlungswerken, das Wohnraumatmosphäre mit skulpturaler Assemblage verbindet und Fragen zu sozialem Gedächtnis und Zeitgeschmack aufwirft.
Im Haus Emmaus in Auerbach zeigt Fotograf Simon Süß bis 30. September die Ausstellung „Fließende Vielfalt – die faszinierende Welt des Wassers in der Oberpfalz", initiiert von der Stadt Auerbach und dem Wasserwirtschaftsamt Weiden.
Das Kunstmagazin WELTKUNST stellt die schönsten Ausstellungen im August vor, darunter Schauen zu Freilichtmalerei um 1800 in Winterthur, Frida Kahlo in London, Paul Signac in Potsdam sowie Maria Lassnig und Edvard Munch in Hamburg.
Film & Fotografie
Film zwischen Festival, Dokumentation und digitalem Erzählen: Aktuelle Beiträge richten den Blick auf Jubiläen und neue Impulse im Kino sowie auf kreative Kurzformate, die gesellschaftliche Themen auf innovative Weise vermitteln.
Das Fünf Seen Filmfestival feiert vom 3. bis 13. September 2026 sein 20. Jubiläum mit dem Eröffnungsfilm „Lieblingsmenschen", einer Werkschau zu Christian Petzold und der neuen Reihe „Start Small. Change Everything" über kleine Erfolgsgeschichten.
Die 45-minütige BR-Dokumentation „Queer im Kino: Wild. Romantisch. Frei" beleuchtet aktuelle Trends queeren Filmschaffens 2026 und würdigt Persönlichkeiten wie Rosa von Praunheim, Pedro Almodóvar sowie Regisseure Fabian Stumm und Justina Jürgensen.
Beim Finale des ARD Kultur Creators Wettbewerbs „Make it real" in Chemnitz wurden die besten Kurzvideos zum Thema „Wandel" prämiert: Mikko Beste aus Köln gewann Platz 1, den Publikumspreis erhielt Anne-Marie Daniel aus Offenbach.
Literatur
Literatur zwischen Lebensfragen und großen Gefühlen: Aktuelle Beiträge widmen sich Geschichten über Liebe, Verlust und Selbstfindung – von einfühlsamen Kinderbüchern bis hin zu zeitgenössischen Romanen über die Suche nach dem eigenen Platz im Leben.
„Die unglaublich alte Katze“ von Lorenz Pauli und Nele Palmtag erzählt von einem Haustier, das scheinbar niemals stirbt. In Wahrheit aber geht es um die Liebe.
Lisa Roys zweiter Roman „Alles ist Gold" folgt der 30-jährigen Jana auf einem Roadtrip nach Italien, der zur inneren Sinnsuche wird. Roy schildert im Interview die Herausforderungen des Schreibens als berufstätige Mutter.
Musik
Opernaufführungen und Konzerte im Sommer brachten begeisternde Inszenierungen und kontroverse Debatten. Von Regieprojekten an ungewöhnlichen Orten bis zu Preisverleihungen spiegelt sich die ganze Bandbreite des internationalen Musikbetriebs.
Ersan Mondtag inszeniert bei seinem Salzburger Festspiele-Debüt Strauss' und Hofmannsthals „Ariadne auf Naxos" als Mars-Dystopie im Tech-Milliardär-Bunker. Dirigent Manfred Honeck leitet die Wiener Philharmoniker; das Publikum reagiert gespalten auf die Inszenierung.
Ádám Fischer dirigiert Mozarts frühe Oper „Lucio Silla" mit dem Mozarteumorchester in der Felsenreitschule und liefert laut Kritik eine rundum überzeugende Aufführung.
Die Tenöre Garrie Davislim, Han-Bo Jeon und Theodore Browne treten am 16. August 2026 erneut auf der Seebühne Bad Staffelstein auf und präsentieren Arien aus Oper und Operette sowie italienische Klassiker, begleitet von den Frankfurter Sinfonikern.
Das Bayerische Landesjugendorchester gastiert im August erneut in Lindau und führt nach Mahlers 6. Sinfonie im Vorjahr diesmal dessen 9. Sinfonie auf, sein letztes vollendetes Werk.
Der schwedische Komponist Thomas Jennefelt erhält den Preis der Europäischen Kirchenmusik, den ihm die Jury in Schwäbisch Gmünd für seine Verbindung gesellschaftspolitischer Themen mit geistlichen Texten und Genres in einer eigenen Tonsprache zuerkennt.
Der Pianist Tord Gustavsen und der Saxofonist Trygve Seim rauben dem Publikum beim „Münchner Jazz Sommer“ buchstäblich den Atem.
Hans Niedermaier und Sebastian Krause präsentierten im Reit im Winkler Pfarrsaal ihr Kammermusikprogramm „Vis-à-vis" mit Harfe, Horn, Alphorn und Naturhorn vor zahlreichem Publikum und ernteten mit Werken von Koetsier, Dvorak und Duvernoy anhaltenden Beifall.
In der Burchardi-Kirche in Halberstadt läuft seit 2001 John Cages Orgelstück „ORGAN2/ASLSP" als langsamste Aufführung der Welt – geplant über 639 Jahre bis 2640. Am 5. August findet der 17. Klangwechsel statt; die Stiftung verkauft vererbbare Final Tickets für 2.640 Euro zur Abschlussveranstaltung.
Theater & Darstellende Kunst
Ein Blick auf die Jubiläumsproduktion des Lustspielhauses und ein Nachruf auf den vielseitigen Kritiker und Autor Jürgen Berger zeigen das Theater zwischen Ausgelassenheit und Trauer.
Das Lustspielhaus München feiert sein 30-jähriges Bestehen mit der Eigenproduktion „Mord, Moral und Mortadella", einer absurden Mafia-Persiflage von Alex Liegl und Gabi Rothmüller mit Ensemble, Chor und wechselnden Stargästen.
Der international umtriebige Kritiker Jürgen Berger schrieb nicht nur über Theaterstücke, er entwickelte auch selbst welche. Nun ist er im Alter von 71 Jahren gestorben.
Sonstiges
Rothenburg ob der Tauber sagt die Bayerische Landesausstellung 2028 zum Thema „Kinder im Mittelalter" ab, weil die Kosten auf über eine Million Euro gestiegen sind und die Stadt trotz erwarteter Besucherzahlen ein Defizit befürchtet.
Die sanierte Kölner Oper am Offenbachplatz erstrahlt nach über 14 Jahren Exil wieder im Originalzustand von 1957: Restaurator Gereon Lindlar rekonstruierte unter Übermalungen 130 Farbtöne des Architekten Wilhelm Riphahn.
Die Universität Bayreuth und die Hochschule für evangelische Kirchenmusik Bayreuth haben eine neue Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, die ab Wintersemester 2026/27 Studierenden beider Einrichtungen den gebührenfreien Zugang zu Lehrveranstaltungen der jeweils anderen Hochschule ermöglicht.
Schülerinnen der Jean-Paul-Grundschule Coburg erreichen mit einem Stop-Motion-Film über einen Sägefisch den zweiten Platz beim Bundesentscheid des Wettbewerbs „jugend creativ".
Vor 25 Jahren besuchte der neue burgenländische Landeshauptmann Hans Nießl Bayreuth zum Antrittsbesuch und pflegte damit die bestehende Kulturpartnerschaft zwischen Bayreuth und dem Burgenland.
Wegen propalästinensischer Äußerungen bei einem Konzert in Singapur verbietet der Stadtstaat den Musikern auch künftige Einreisen.
Die tägliche Bücherschau bündelt Buchkritiken vom 3. August 2026 aus FAZ, FR, NZZ, SZ, DLF und DLF Kultur mit Besprechungen zu Krimis, H.G. Adlers NS-Studie „Der verwaltete Mensch" sowie Jan Eike Dunkhases Kulturgeschichte der Kältetechnik.
Beim ImPulsTanz-Festival zeigen Bill T. Jones und Raja Feather Kelly ein generationsübergreifendes Tanzstück, Elio Gervasi holt die Bewegungssprachen von Trisha Brown und Merce Cunningham ins Heute, und Tao Yes TAO Dance Theater feiert mit „18" seine Uraufführung.
Eine MDR/arte-Dokumentation beleuchtet jüdische Kunst in Europa gestern und heute, porträtiert Maler wie Moritz Daniel Oppenheim, Chaim Soutine und Lesser Ury und fragt, welche Rolle jüdische Identität für Künstler spielt.