Pressespiegel 05.08.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Kulturelle Praxis unter Druck: Förderkürzungen und die erstarkte rechtsextreme Musikszene bestimmen den politischen Diskurs um Kunst und Kultur. Die Artikel dokumentieren, wie sich kulturelle und politische Kämpfe zunehmend verflechten.
Schriftstellerin Şeyda Kurt beschreibt in ihrem Roman „Zeit der Monster" die gesellschaftliche Untergangsstimmung angesichts gestrichener Fördergelder für Demokratieprojekte und der Klimakatastrophe und fragt, wie man dieser Angst begegnen kann.
Die Bundesregierung hat die Zahl rechtsextremistischer Musikveranstaltungen im ersten Halbjahr 2025 auf 174 korrigiert und meldet zudem, dass der Verfassungsschutz seit 2024 verstärkten Einsatz von KI-generierter Musik in der rechtsextremen Szene beobachtet.
Institutionelle Kulturorte
Kulturinstitutionen von Bayreuth bis Köln erleben derzeit Umbruch: Museen und Theater werden saniert oder reorganisiert, Leitungspersonen wechseln, und altehrwürdige Sammlungen richten sich auf die Anforderungen der Gegenwart aus.
Das Bayreuther Friedrichsforum ist nach langer Umbauzeit im Probebetrieb. Einmalig zu sehen war die konzertante Aufführung der neuen Oper „Brünnhilde brennt“.
Sven Schöcker, Leiter der nicht subventionierten Theaterspiele Glyptothek, warnt vor dem Ende der 36 Jahre alten Institution: Zunehmende Großveranstaltungen am Königsplatz – Konzerte, IAA und ein genehmigtes Protestcamp – gefährden den laufenden Theaterbetrieb existenziell.
Die 2024 gegründete Stiftung Rosenhang sichert das von Antje Helbig und Joachim Legner privatfinanzierte Museum für zeitgenössische Kunst in Weilburg mit einem Grundstockvermögen von 50 Millionen Euro dauerhaft als gemeinnützige Institution.
Clara Bolin übernimmt ab Oktober die Leitung der Photographischen Sammlung in Köln und tritt damit die Nachfolge von Gabriele Conrath-Scholl an. Zu ihren Aufgaben gehört, die Digitalisierung der Bestände voranzutreiben.
Film & Fotografie
Fotografie zwischen künstlerischer Position, Ausstellung und Auszeichnung: Aktuelle Beiträge richten den Blick auf internationale Persönlichkeiten der Fotokunst, bedeutende Ausstellungen und regionale Präsentationen, die die Vielfalt des fotografischen Schaffens sichtbar machen.
Die Deutsche Gesellschaft für Photographie verleiht erstmals den Gruber Award an den New Yorker Galeristen Howard Greenberg und die belgische Sammlerin Astrid Ullens de Schooten Whettnall für ihre Verdienste um den internationalen Fotokunstmarkt.
C/O Berlin zeigt vom 12. September 2026 bis 3. Februar 2027 eine umfassende Retrospektive der US-amerikanischen Künstlerin Carrie Mae Weems mit über 100 Fotografien, Videos und Installationen zu Identität, Repräsentation und gesellschaftlicher Macht.
Der Fotoclub Coburg zeigt im Naturkundemuseum seine „Bilder des Jahres" mit rund 100 Exponaten zu den Themen „Zwei – Rund und Eckig" und „In Franken unterwegs".
Literatur
Zwei neue Romane erkunden unterschiedliche Facetten menschlicher Verbundenheit: Şeyda Kurts Debüt über ein Stadtviertel im Widerstand und Fredrik Backmans neuer Roman über lebenslange Freundschaften.
„Zeit der Monster“ ist der erste Roman von Şeyda Kurt. Es geht um ein dem Untergang geweihtes Stadtviertel und dessen wehrhafte Bewohner. Ein Spaziergang mit der Autorin durch ihre Heimat Köln-Kalk.
Fredrik Backmans neuer Roman „Freunde fürs Leben" verbindet die Geschichte einer elternlosen Jugendlichen mit der Vergangenheit vier befreundeter Außenseiter, die ein berühmtes Gemälde miteinander verknüpft – ein poetisches Werk über Freundschaft, Kunst und menschliche Verbundenheit.
Musik
Konzerte und Festivals prägen das Musikleben der Region und darüber hinaus. Von Kammermusik über große sinfonische Werke bis zu Country-Festivals zeigt sich die Vielfalt der Musikszene in all ihren Facetten.
Werner Schmidbauer, Martin Kälberer und Hannes Ringlstetter begeistern beim Rösler Open Air im ausverkauften Innenhof von Schloss Eyrichshof knapp drei Stunden lang mit Musik und Geschichten – ganz ohne aufwendige Bühnenshow.
Das Immling Festival präsentierte Verdis Messa da Requiem unter Leitung von Cornelia von Kerssenbrock mit rund 130 Sängerinnen und Sängern aus Deutschland, Georgien und weiteren Ländern als gemeinsames Ensemble aus Festivalorchester, -chor und georgischen Musikerinnen und Musikern.
Das Moritzburg Festival für Kammermusik widmet seine 34. Ausgabe einer musikalischen Flussreise: 26 Musikerinnen und Musiker gestalten 20 Konzerte, deren Programme Flüssen wie Elbe, Seine, Newa und Mississippi zugeordnet sind.
Die 81. Sommerlichen Musiktage Hitzacker verzeichneten mit 8.700 Besuchern und knapp 87 Prozent Auslastung eine positive Bilanz, trotz gestiegener Kosten und angespannter Finanzlage bei einem Gesamtbudget von rund 443.000 Euro.
Das Country Festival der Mountain Lions findet in Neustadt bei Coburg zum 22. Mal statt – an den Wochenenden 7.–9. sowie 14.–16. August.
Sonstiges
Die Universität Bayreuth gründet das AI Responsibility Centre, das Expertinnen und Experten aus Informatik, Recht und Philosophie zusammenbringt, um vertrauenswürdige und regulierungskonforme KI-Systeme zu entwickeln.
Die spanische Firma Ignis plant ein 300-Megawatt-KI-Rechenzentrum auf dem historischen Abbachhof in Wenzenbach bei Regensburg, was eine Bürgerinitiative, Naturschützer und Denkmalschutzbehörden auf den Plan ruft. Denkmalschutz, Wasserschutzgebiet und fehlende Genehmigungen stellen das Vorhaben grundsätzlich in Frage.
Das Alten- und Pflegeheim St. Alfons in Neumarkt setzt drei VR-Brillen ein, mit denen Seniorinnen und Ordensschwestern virtuelle Reisen unternehmen. Besonders bei Bewohnerinnen mit Demenz zeigen die Erlebnisse laut Einrichtungsleiterin beruhigende Wirkung.
Was haben Uschi Glas, Django Asül und Severin Freund gemeinsam? Sie sind gebürtige Niederbayern und Botschafter für die Region. Insgesamt 130 solcher Niederbayern-Botschafter gibt´s. Vier kommen jetzt dazu. Das Niederbayern-Forum ernennt unter anderem das Musiker-Duo „Tom und Basti“ und den Geschäftsführer der Brennerei Penninger zu Botschaftern. Sie alle werben für unsere Region als Wirtschafts- und Lebensraum. […]
Das Wacken Open Air distanziert sich von Vorfällen, bei denen Sicherheitspersonal Fans mit Regenbogenflaggen und „FCK AFD"-Aufnähern den Einlass verweigerte, und betont seine Haltung für Weltoffenheit und gegen Rechtsextremismus.
Die Nibelungen-Festspiele Worms zeigen mit dem Stück „Die Hunnenkönigin" eine britisch-deutsche Koproduktion mit der Londoner Theatercompany Les Enfants Terribles und gewinnen damit ein internationales Profil.
Die Met Gala 2027 widmet sich unter dem Titel „John Galliano: Horizons" dem britischen Designer, der 2011 nach einem antisemitischen Vorfall von Dior entlassen wurde. Die Ausstellung soll auch sein Fehlverhalten direkt thematisieren.