Pressespiegel 06.08.2026
Erinnerungskultur
Erinnerungskultur zwischen Forschung und archäologischer Spurensuche: Aktuelle Beiträge zeigen, wie wissenschaftliche Projekte und Ausgrabungen neue Erkenntnisse über die Geschichte des Nationalsozialismus und jüdischen Lebens in Deutschland erschließen.
Das NS-Dokumentationszentrum und das Lenbachhaus untersuchen in einem gemeinsamen Forschungsprojekt, wie völkische Ideologien im Münchner Kulturmilieu zwischen 1880 und 1913 den Nationalsozialismus vorbereiteten; ein Auftaktsymposium stellte das bis 2027 laufende Projekt vor.
Am Rathausparkplatz in Erfurt haben archäologische Grabungen begonnen, um das mittelalterliche Zentrum der zweiten jüdischen Gemeinde mit Tanzhaus und Synagoge freizulegen. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für ein geplantes Besucherzentrum mit jüdischem Gemeindezentrum dienen.
Film & Fotografie
Aktuelle Beiträge reichen von internationalen Filmfestspielen und Kinoproduktionen über kreative Standortkommunikation bis hin zu Fotografie, die mit künstlerischem Schaffen zugleich soziale Projekte unterstützt.
Das Internationale Filmfestival Locarno ist gestartet: 17 Filme konkurrieren um den Goldenen Leoparden, darunter mehrere deutsche Produktionen wie Ann Orens "Objet A" und die deutsch-ukrainische Koproduktion "I Rarely Wake Up Dreaming" von Isabelle Stever.
Im französischen Film «Der Klang der Stradivari» von Grégory Magnes kämpfen vier Spitzenmusiker mit je einer Stradivari gegen Eitelkeiten und Konflikte, um ein selten gespieltes Werk des Komponisten Charlie Beaumont gemeinsam aufzuführen.
Memmingen lädt Marvel per Instagram-Video ein, die Deutschland-Premiere von „Avengers: Doomsday" in der Stadt auszurichten, nachdem Marvel-Studios den Memminger Marktplatz als fiktive „Doomstadt" in einem Clip gezeigt hatte.
Beim CEWE Photo Award 2027 spendet CEWE für jedes eingereichte Foto zehn Cent an UNICEF; die Mittel fließen in das Programm „Skills4Girls" in Liberia, das Mädchen und junge Frauen in Bildung und Beruf fördert.
Literatur
Elfriede Jelineks "Unter Tieren" wird bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt und bietet eine allegorische Abrechnung. Derweil verstirbt mit Didier Decoin einer der wichtigsten französischen Schriftsteller der Gegenwart.
Bald feiert Elfriede Jelineks „Unter Tieren“ bei den Salzburger Festspielen Premiere. Damit das Bestiarium vollständig ist, lohnt es sich, ihren Wutausbruch vorab als Buch zu lesen.
Der französische Schriftsteller Didier Decoin ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Der mit dem Prix Goncourt ausgezeichnete Autor veröffentlichte über 30 Romane und schrieb das Drehbuch zur Hollywood-Verfilmung von Jurek Beckers „Jakob der Lügner".
Musik
Olivier Messiaens monumentale Oper „Saint François d'Assise" dominiert die aktuelle Berichterstattung, während daneben Festivals und Klangexperimente das breite Spektrum zeitgenössischer und tradierter Musik ausloten.
Romeo Castellucci inszeniert Messiaens Oper „Saint François d'Assise" bei den Salzburger Festspielen in der Felsenreitschule, mit Philippe Sly in der Titelrolle und den Wiener Philharmonikern unter Maxime Pascal, als sechsstündiges Gesamterlebnis aus Körperlichkeit und Bildästhetik.
In der St.-Burchardi-Kirche Halberstadt wechselte die seit 2001 laufende 639-jährige Aufführung von John Cages Orgelstück auf einen Acht-Ton-Klang, nachdem ein gestrichenes „a'" hinzugefügt wurde.
Der Verband evangelischer Posaunenchöre Bayerns hält offiziell den Weltrekord für das längste Bläserkonzert: Das Rekord-Institut für Deutschland anerkannte ein 72-stündiges Dauerkonzert in der Nürnberger Jakobskirche als Weltrekord.
Die Bayerische Landesausstellung „Musik in Bayern" in Freyung bietet in der Woche vom 7. bis 13. August 2025 ein vielfältiges Liveprogramm mit Mundart, Blasmusik, Irish Folk und Rock an verschiedenen Spielorten.
Der Musiksommer zwischen Inn und Salzach führt am 15. August 2026 in der Pfarrkirche Mülln in Salzburg seit über 250 Jahren verschollene Kompositionen aus aufgelösten Chiemgauer Klöstern erstmals wieder auf, gemeinsam mit der Salzburger Bachgesellschaft.
Das Klangtherapie-Festival findet erneut auf einem Hochplateau oberhalb von Plankenfels in der Fränkischen Schweiz statt und startet am Donnerstagabend um 18 Uhr; 2026 gibt es dabei auch Neuerungen.
Tanz
Tanz zwischen künstlerischer Reife und musikalischer Hommage: Aktuelle Beiträge zeigen, wie erfahrene Tänzerinnen und Tänzer neue Bühnenräume erobern und Choreografien große musikalische Werke in ausdrucksstarke Bewegung übersetzen.
Altmeister John Neumeier choreografiert in Venedig ein Stück über die Seufzerbrücke – für ein neu gegründetes 40-plus-Ensemble. Die Zeiten, in denen ältere Tänzer aufs Abstellgleis kamen, sind vorbei.
Les Ballets Jazz de Montréal zeigt mit „Dance Me" eine Hommage an Leonard Cohen in der Kölner Philharmonie, bei der drei Choreografen 15 Songs des Dichters in tänzerische Pas de deux verwandeln.
Theater & Darstellende Kunst
Skandale, Spektakel und Statements: Die Bühne bleibt der Ort, wo künstlerischer Ehrgeiz auf Publikumserwartung trifft und wo auch abseits der Inszenierung Drama entsteht.
Das Lustspielhaus feiert sein 30-jähriges Bestehen mit der Eigenproduktion „Das Jubiläum – Mord, Moral und Mortadella", einer absurden Mafia-Komödie mit Slapstick, Musik und wechselnden Überraschungsgästen, die noch bis 15. August läuft.
Gloria von Thurn und Taxis verspottete in einem Instagram-Reel das demokratische Statement von Peter Maffay bei den Schlossfestspielen Regensburg, während sie dessen Kritik an rechtsradikalen Haltungen öffentlich imitierte und ins Lächerliche zog.
Gerhard Polt tritt mit den Wellbrüdern beim Rösler-Open-Air-Finale in Eyrichshof vor 2.000 Zuschauern auf und präsentiert einen musikalisch-satirischen „Bayerischen Abend", der bayerische Befindlichkeiten und gesellschaftliche Abgründe karikiert.
Regisseur Ersan Mondtag bezeichnete das Salzburger Publikum nach massiven Buhrufen bei der Premiere seiner „Ariadne auf Naxos" als provinziell; ein Kommentar kritisiert diesen Umgang mit Publikumskritik als überheblich und warnt vor seinem geplanten „Ring"-Zyklus in Wien.
Die Ruhrfestspiele 2026 eröffneten ihr 80. Jubiläumsjahr im Festzelt mit Politikprominenz und dem Tanzstück „Huang Yi & Kuka"; das stärkste Zeichen des Abends setzte die bewusst unbesetzte Lücke der kriegsbedingt abgesagten iranischen Produktion „Das Kind".
Sonstiges
Maria Franck-Marc wurde lange unterschätzt. Eine Ausstellung in Kochel zeigt die wahre Bedeutung der Künstlerin, die im Schatten ihres Ehemanns Franz Marc stand.
Die Kunststiftung Baden-Württemberg vergibt erstmals ihr mit 12.000 Euro dotiertes Digital Arts Stipendium an die Medienkünstlerin Eunseong Park, die mit robotischen Technologien das Verhältnis von Mensch, Maschine und Raum untersucht.
Beim Wacken Open Air 2026 wurden Besuchern Regenbogenflaggen und politische Patches am Einlass verboten, obwohl die Festivalleitung Weltoffenheit betont. Der Vorfall löst eine breitere Debatte über den Umgang europäischer Festivals mit politischen Symbolen aus.
Das Internationale Sommerfestival auf Kampnagel findet bis zum 23. August unter dem Motto „hope!" statt und vereint Tanz, Theater, Musik und Debatten – darunter einen Auftritt von Julija Nawalnaja. Anschließend beginnt eine 168-Millionen-Euro-Sanierung der Hamburgkampnagel-Hallen.
Der Faschingsverein Kempten plant auch 2027 keinen Gaudiwurm durch die Innenstadt, stattdessen soll es Veranstaltungen rund um das Rathaus geben. Als Gründe nennt Vereinspräsident Richard W. Brunner hohe Kosten, Sicherheitsauflagen und fehlende Ehrenamtliche.