Pressespiegel 08.08.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Die Kulturpolitik unter neuer Leitung soll sich erst noch bewähren, während gleichzeitig Fragen zur Glaubwürdigkeit etablierter Institutionen und Akteure im Kulturbereich aufgeworfen werden. Zwei Debatten über Verantwortung und Vertrauenswürdigkeit.
Viel Kulturkampf, wenig Ertrag: Der Start von Wolfram Weimer als Kulturstaatsminister verlief holprig. Nun cruist er mit einer Vespa durch Bayreuth und sucht auf roten Teppichen nach einem neuen Image. Kann das gelingen?
WDR-Journalist Georg Restle teilte auf X eine These, wonach die Flüchtlingskrise in Ceuta auf ein Komplott eines „US-israelisch-marokkanischen Netzwerks" zurückgehe. WDR-Rundfunkratsmitglied Felix Schotland reichte daraufhin eine formelle Beschwerde bei der Programmdirektion ein.
Institutionelle Kulturorte
Kultureinrichtungen setzen neue Akzente: Während die Berliner Volksbühne ihr Gelände temporär in ein Freibad verwandelt, vorangeht Würzburg mit konkreten Schritten beim Bau einer neuen Multifunktionsarena.
Der neue Volksbühnen-Intendant Matthias Lilienthal eröffnet vor dem Berliner Theater ein 25 Meter langes Schwimmbecken, das bis zum Saisonstart am 1. Oktober kostenlos nutzbar ist und rund 300.000 Euro kostet.
Würzburg kauft das Grundstück für eine geplante Multifunktionsarena nahe dem Hauptbahnhof: Oberbürgermeister Heilig hat den Notarvertrag unterzeichnet. Das 85-Millionen-Euro-Projekt soll Basketball, Konzerte und Kongresse beherbergen; bis Herbst werden weitere Fördermöglichkeiten geprüft.
Erinnerungskultur
Künstlerischer Einsatz und religiöse Traditionen verbinden Menschen in der Auseinandersetzung mit Geschichte und Glauben. Von der Auszeichnung einer Schauspielerin für ihren Kampf gegen Antisemitismus bis zu jahrhundertealten Ritualen in Kirchen zeigen sich vielfältige Formen gelebter Erinnerungs- und Glaubenskultur.
Schauspielerin Iris Berben erhält den Deutschen Kulturpolitikpreis 2026 des Deutschen Kulturrates für ihren jahrzehntelangen Einsatz gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus. Die Verleihung findet am 24. September in der Staatsbibliothek zu Berlin statt, die Laudatio hält Pianist Igor Levit.
Zum Hochfest Mariä Himmelfahrt am 15. August feiern über 100 Kirchen im Erzbistum München und Freising ihr Patrozinium mit Festgottesdiensten und Kräutersegnungen. Kardinal Reinhard Marx hält den Festgottesdienst zum 300-jährigen Jubiläum der Pfarrkirche in Schönau.
KI & Kultur
Künstliche Intelligenz stellt Kulturschaffende und Kulturpolitik vor neue Herausforderungen. Wie können Künstler ihre Rechte schützen, und welche Souveränität braucht der Kulturbereich im Zeitalter von KI-Unternehmen?
Der Newsletter des Deutschen Kulturrates thematisiert Möglichkeiten und Risiken von KI, berichtet über den Deutschen Kulturpolitikpreis 2026 für Iris Berben und kündigt Veranstaltungen zu digitaler Souveränität im Kulturbereich sowie zur gamescom an.
Wie überführt man einen Silicon-Valley-Giganten des Diebstahls? Und was bedeutet das Urteil gegen Suno für dessen Nutzer? Fragen an den Chefjustiziar der Gema, die die größten KI-Unternehmen derzeit sehr stringent in Bedrängnis bringt.
Medienwandel & Kulturjournalismus
Wie verändern sich Journalismus und Kulturkritik in einer fragmentierten Medienlandschaft? Ein Interview mit einem Newsfluencer über Transparenz und Geschäftsmodelle sowie ein kommentierter Überblick über aktuelle Feuilletondebatten.
Newsfluencer Fabian Grischkat verteidigt Werbekooperationen als notwendige Finanzierung für kostenlosen Zugang zu politischen Inhalten und fordert mehr Transparenz von Plattformen bezüglich ihrer Algorithmen sowie klarere Regeln zur Werbekennzeichnung.
Die Feuilleton-Debattenrundschau behandelt vier Themen: mutmaßlich russische Drohnenangriffe auf den Flughafen Halle-Leipzig, Jugendproteste in Südasien, fehlende palästinensische Gegenbewegung zur Hamas sowie den Rücktritt des Cambridge-Professors Jason Arday wegen massenhafter Plagiate.
Bildende Kunst
Schätze und Schauplätze prägen den Kunstdiskurs dieser Woche: vom Louvre über große Ausstellungen bis zur künstlerischen Würdigung von Klassikern wie Monet. Ein Streifzug durch Museen, Archive und aktuelle Projekte der bildenden Kunst.
Die Galerie d’Apollon ist wieder offen, neue Sicherheitsvorkehrungen sind getroffen – aber wo sind die Kronjuwelen? Ein Spaziergang durch den Louvre.
Pierre Huyghes Einzelausstellung in der Fondation Beyeler in Riehen kombiniert KI-generierte Videoarbeiten, Roboter und Ameisenkolonien zu einer düsteren Rauminszenierung, die laut Kritik trotz technischer Innovationen über aufwendige Szenografie kaum hinauskommt.
Zum 100. Todestag von Claude Monet laden seine Wirkungsorte – Le Havre, Giverny und Paris – mit Sonderausstellungen und Installationen zur Spurensuche ein und beleuchten Leben und Werk des Impressionismus-Begründers.
Der Kunstverein KUN:ST International zeigt vom 29. August bis 20. September im Bergfried der Giechburg Scheßlitz unter dem Motto „Wie schön!" Werke von 19 Künstlerinnen und Künstlern in verschiedenen Stilrichtungen; der Eintritt ist frei.
Film & Fotografie
Film und Fotografie zeigen sich in dieser Woche von ihrer ganzen Breite: Von Ehrungen für filmische Lebenswerke und Kinostarts über Fortsetzungen bekannter Blockbuster bis hin zu Fotografie-Wettbewerben und Festivals.
Werner Herzog erhält beim 74. Internationalen Filmfestival von San Sebastián den Donostia-Ehrenpreis für sein Lebenswerk; gleichzeitig eröffnet sein neuer Spielfilm „Bucking Fastard" das Festival.
Der Streit zwischen Erfinderin und Filmfirma ist beigelegt, es gibt wieder einen Niederkaltenkirchen-Krimi im Kino. Er heißt „Steckerlfischfiasko“. Bleibt eigentlich nur eine Frage: Saibling oder Makrele?
Lionsgate plant eine Fortsetzung des Michael-Jackson-Biopics „Michael", dessen Dreharbeiten Ende 2026 oder Anfang 2027 beginnen sollen. Der erste Teil spielte weltweit über eine Milliarde US-Dollar ein.
Das fotoMAGAZIN ruft zum Leserfotowettbewerb zum Thema „Musik" auf: Bis 4. Oktober 2026 können Fotos eingereicht werden, die besten zehn Einsendungen werden online und die Top Vier in der Ausgabe 12/2026 veröffentlicht.
Sandra Wollners dritter Langfilm „Everytime" zeigt anhand dreier Hinterbliebener, wie digitale Spuren eines verstorbenen Teenie-Mädchens das Trauern unter gegenwärtigen Bedingungen verändern – mit einem Höhepunkt im surrealen Teneriffa-Finale.
Die Gesellschaft für Naturfotografie veranstaltet vom 23. bis 25. Oktober 2026 in Lünen das 32. Internationale Naturfotofestival mit Seminaren, Vorträgen, Ausstellungen und der Preisverleihung „Europäischer Naturfotograf des Jahres"; Tickets sind ab 7. August erhältlich.
Literatur
Literarische Werke prägen Wahrnehmung und Gewissen. Der brasilianische Klassiker Jorge Amado wird mit einer hundertjährigen Würdigung geehrt, während die deutsche Autorin Simone Scharbert den W.-G.-Sebald-Preis für ihre Holocaust-Prosa erhält.
Jorge Amado, brasilianischer Schriftsteller und überzeugter Kommunist, setzte sich literarisch für die Benachteiligten Brasiliens ein und schuf ein kulturelles Denkmal für den Bundesstaat Bahia – sein 100. Geburtstag und 25. Todestag werden gewürdigt.
Simone Scharbert erhält den mit 10.000 Euro dotierten W.-G.-Sebald-Literaturpreis 2026 für ihre „Kammerprosa" über einen sterbenden Vater und eine KZ-Gefangene, die Holocaust-Erinnerung sprachlich erneuert.
Musik
Eine vielfältige Woche in der Musikwelt: Von Karriereabschieden etablierter Künstler über Jazz und Oper bis zu jungen Bands und historischen Klängen. Dazu Einblicke in die finanzielle Not großer Komponisten der Vergangenheit.
Glenn Hughes, ehemaliger Sänger und Bassist von Deep Purple, beendet auf ärztlichen Rat seine Bühnenkarriere. Der 74-jährige, als „The Voice Of Rock" bekannte Brite begründet den Rückzug mit seiner Gesundheit.
Der Saxofonist Marshall Allen hat ein neues Album von außerirdischer Wucht aufgenommen. Mit Stars, die ein Viertel so alt sind wie er.
Die Salzburger Festspiele zeigen Christof Loys „Così fan tutte" neu einstudiert und in voller Länge im Großen Festspielhaus – eine Neuauflage der vielbeachteten Produktion aus dem Corona-Jahr 2020.
Die Indie-Alternative-Rock-Band Dogpark tritt am 22. September 2026 in der Münchner Feierwerk Kranhalle auf; IN München verlost 3 x 2 Tickets, Einsendeschluss ist der 15. September 2026.
Die Richard-Wagner-Stätten in Graupa haben einen Brief von Wagners Mutter Johanna Rosine Wagner aus dem Jahr 1836 erhalten, der belegt, wie sie Freund Theodor Apel um 50 Thaler bat, um den nach einem Misserfolg mittellosen Komponisten zu unterstützen.
Robert Schlegl kuratiert am 15. August 2026 ein Konzert an der historischen Orgel von 1669 im Ettendorfer Kircherl in Surberg, bei dem Bassist Stefan Zenkl und Schlegl an Barockposaunen Werke von Monteverdi und Frescobaldi aufführen.
Theater & Darstellende Kunst
Von Opernballetten bis zu Jubiläen traditionsreicher Häuser: Die aktuelle Theaterlandschaft bietet Einblicke in Klassisches und Gegenwärtiges, von großen Bühnen bis zu Laienspielen.
Die Limonada Dance Company zeigt im Deutschen Theater München Enrique Gasa Valgas Tanztheater-Adaption „Carmen", die Bizets Oper mit Mérimées Novelle verbindet und laut Kritik durch ausdrucksstarke Choreografie und ein herausragendes Ensemble überzeugt.
Die Münchner Kammerspiele feiern 100 Jahre in der Maximilianstraße und blicken auf eine Geschichte von Avantgarde, NS-Zeit, Nachkriegsmoderne und prägenden Intendanzen zurück – überschattet vom auslaufenden Vertrag der aktuellen Intendantin Barbara Mundel.
Die Bernauer Volksbühne e.V. zeigt im August und September den Schwank „Oaner spinnt immer" von Martin Fischer im Gasthof „Kampenwand" in Bernau; Karten sind bei der Tourist-Info sowie unter ticketscharf.de erhältlich.
In Salzburg wird Mozarts „Così fan tutte“ aus der Corona-Zeit wiederaufgenommen, zum Glück immer noch kompakt und konzentriert.
Volkskultur & Brauchtum
In Straubing startet das Gäubodenvolksfest, Bayerns zweitgrößtes Volksfest. Mit Festzug, Musikkapellen und Trachtenvereinen lädt es bis Mitte August zum Feiern ein.
Das Gäubodenvolksfest, Bayerns zweitgrößtes Volksfest, startet in Straubing mit einem Festzug durch die Altstadt und läuft bis zum 17. August; Anreisende per Bahn müssen wegen Streckensanierung Ersatzbusse einplanen.
Die zwei evangelischen Kirchengemeinden in Straubing verknüpfen in einer vierteiligen Predigtreihe während des Gäubodenfestes Volksfest-Motive wie Maß Bier, Wahrsagerei und Freifallturm mit biblischen Themen.
Das Gäubodenvolksfest in Straubing läuft bis zum 17. August und erwartet rund 1,3 Millionen Besucher. Die Polizei setzt auf erhöhte Präsenz, Kontrollen und Betretungsverbote für Randalierer.
Sonstiges
Der Artikel analysiert, ob „Gilmore Girls" nach über 25 Jahren noch zeitgemäß ist, und stellt fest, dass die Serie trotz progressiver Ansätze durch mangelndes Klassenbewusstsein, Heteronormativität und fehlende Diversität heute kritischer betrachtet werden muss.
Zehn Jugendliche der Redaktion Salon5 erkundeten beim Klima-Sommercamp in Greifswald fünf Tage lang die Themen Wald, Klimawandel und Gesundheit und hielten ihre Erfahrungen in Podcasts sowie Social-Media-Beiträgen fest.
Der Wochen-Newsletter von M94.5 fasst die Themen der Kalenderwoche 3.–9. August zusammen, darunter Hörspiele der Radiobühne, Filmkritiken sowie das Album „Days" von The Mountain Goats, und gibt Veranstaltungstipps für München.
Bibliothekar Hartmut Fenn der Universitätsbibliothek Würzburg präsentiert seit April im Instagram-Format „Fränkisch zum Frühstück" historische Kuriositäten aus den Bibliotheksbeständen im fränkischen Dialekt und erreicht damit tausende Follower.
Vom 13. bis 16. August 2026 findet auf der Vereinswiese des RSC Concordia Oberhaid ein Open-Air-Kino mit acht Filmen statt, darunter Klassiker wie Grease, Dirty Dancing und Scream.
Dieter Hallervorden spricht in einem Interview über seine taktische Wahlkampfhilfe für die CDU in Sachsen-Anhalt. Und über seine Haltung zu Israel.
Edvard Munchs „Der Schrei" zeigt nicht einen schreienden Menschen, sondern eine von der Natur überwältigte Figur – ein Motiv, das der Autor angesichts aktueller Hitzerekorde und Waldbrände neu deutet.
Kemptens Oberbürgermeister Christian Schoch hält die Eröffnungsrede zur 75. Allgäuer Festwoche erstmals in Tracht statt im Anzug – ein Bruch mit der Tradition seiner Vorgänger Thomas Kiechle und Ulrich Netzer.
Das Fränkische Schweiz-Museum in Tüchersfeld veranstaltet am 6. September 2026 einen Familiennachmittag mit Aktionen wie Schwertkampf, Speerwerfen und Ammonitengießen sowie Führungen durch die Sonderausstellung über Ötzi.
Comedian Clemens Brock, bekannt als „Der Vadda", tritt am 15. September 2026 im Circus Krone München mit seiner Live-Show „Früher war alles besser, oder?" auf; IN München verlost 3 x 2 Tickets.
Joana Tischkau erforscht mit der kubanischen Malpaso Dance Company in „Trapicana" beim Internationalen Sommerfestival Hamburg das legendäre Havannaer Revue-Theater „Tropicana" als Tanzperformance zwischen Kolonialerbe, Exotisierung und kubanischer Identitätssuche.
Eine Studie der Berliner Senatsverwaltung zeigt: Clubs verzeichnen volle Tanzflächen, aber leere Kassen, da das Publikum kürzer bleibt und weniger konsumiert. 95 Prozent der Befragten sehen langfristig viele Clubs ohne strukturelle Verbesserungen gefährdet.
Die Bücherschau des Tages bündelt Kritiken zu Jochen Missfeldts Roman über NS-Prägungen in den späten 1950ern, Kinderlyrikliteratur, Miriam Carbes Frauenroman sowie Hans Coppi jr.s Elternbriefen und Jens Balzers Rückblick auf die Nullerjahre.
Die ZDF-Serie „München Beats" verbindet ein fiktives Aschenputtel-Märchen um eine junge Frau aus dem Kartoffelbauernmilieu mit dem realen Aufstieg Münchens zur Techno-Metropole rund um den Kunstpark Ost der 1990er-Jahre.