Pressespiegel 20.08.2026
Institutionelle Kulturorte
Schlösser und historische Stätten bleiben Magnete für Millionen von Besuchern. Ihre Bedeutung als kulturelle Institutionen wächst kontinuierlich, wie aktuelle Rekorde zeigen.
Schloss Neuschwanstein hat mit Jana Ramunno aus Ötisheim seinen 75-millionsten Besucher seit der Eröffnung 1886 empfangen. Das UNESCO-Welterbe zieht jährlich rund 1,1 Millionen Menschen an, über 70 Prozent davon aus dem Ausland.
György Mészáros, bisher Erster Kapellmeister am Landestheater Detmold, wird neuer 1. Kapellmeister des Theaters Erfurt und löst Clemens Fieguth ab. Sein Debüt gibt er am 19. September 2026 mit Prokofjews Romeo und Julia.
Erinnerungskultur
Sammlungen, Denkmäler und persönliche Archive bewahren Geschichte — sie zeigen, was eine Gesellschaft als erinnernswert erachtet und wie sie mit schwierigen Aspekten ihrer Vergangenheit umgeht. Die folgenden Beiträge porträtieren unterschiedliche Formen dieses Gedächtnisses.
Der Kulmbacher Spinnerei-Chef Fritz Hornschuch baute ab den 1920er Jahren eine Kunstsammlung mit 224 Werken auf, darunter Gemälde von Franz von Stuck und Carl Spitzweg. Historiker Martin Pöhner untersucht deren Geschichte und den Vermerk „geraubt!".
Das restaurierte Wilhelmine-von-Hillern-Denkmal in Aschau wurde im August 2026 ökumenisch gesegnet. Es erinnert an die Schriftstellerin und Schauspielerin, die durch „Die Geier-Wally" bekannt wurde und ihre letzten Lebensjahre in Hohenaschau verbrachte.
Der 92-jährige Helmut Rauch hat ein umfangreiches digitales Privatarchiv zur Geschichte des Kronacher Freischießens aufgebaut, das alte Fotos, Zeitungsberichte und Listen über Jahrzehnte umfasst – darunter auch Dokumente aus der NS-Zeit.
Bildende Kunst
Grundsätzliche Fragen zur Bewertung von Kunstwerken stehen im Fokus dieser Sektion. Daneben widmen wir uns Tieren und ihrer Darstellung in der zeitgenössischen Kunst.
Magix bringt die Software „Fastcut" auf den Markt, die Videoaufnahmen von Action-Kameras wie GoPro automatisch bearbeitet, Bildkorrekturen vornimmt und fertige Filme im Takt von Musik zusammenstellt.
Die Ausstellung „das TIER. und wir" in Millstatt/Kärnten zeigt bis 2. Oktober zeitgenössische Werke, die die Beziehung zwischen Mensch und Tier als Spiegel gesellschaftlicher Fragen beleuchten.
Film & Fotografie
Film und Fotografie zwischen Festivalerfolg, kreativer Zusammenarbeit und technologischem Wandel: Aktuelle Beiträge reichen von internationalen und regionalen Kinoereignissen über das Fotobuch bis zur Debatte um die Abgrenzung von Fotografie und KI-generierten Bildern.
Fatih Akins neuer Film "Geister" eröffnet das 74. Filmfestival von San Sebastián am 18. September 2026 und tritt erstmals im Wettbewerb um die Goldene Muschel an; der Kinostart in Deutschland ist für den 5. November 2026 geplant.
Charly Hübner spielt im DDR-Flucht-Film „Spaziergang nach Syrakus" (Kinostart: 20. August) an der Seite seiner Ehefrau Lina Beckmann und berichtet von der gemeinsamen Arbeit, die beide nach bewusster Pause wieder vereint.
Saša Vajdas Debütfilm „The Lights, They Fall" begleitet den 16-jährigen Ilay durch einen zähen Berliner Sommer am Stadtrand und setzt dabei auf ruhige, tableauartige Bilder im Stil des Slow Cinema, bleibt dabei jedoch emotional verschlossen.
Der Fränkische Kinosommer zog an vier Abenden im Freizeitpark Villeneuve-sur-Lot in Neustadt 1.359 Besucher an – rund 200 mehr als im Vorjahr – und bestätigte damit seinen festen Platz im Stadtprogramm.
Im deutschen Privatfernsehen sind Comedy-Formate stark zurückgegangen, während ARD und ZDF das Genre übernommen haben. Sieben Faktoren treiben diesen Wandel: Social Media, hohe Produktionskosten, veränderte Talent-Prioritäten und geringe Wiederholbarkeit aktueller Formate.
Die Deutsche Gesellschaft für Photographie veranstaltet am 19. September 2026 in der Staatsbibliothek zu Berlin das Symposium „Photobook 2026" mit Gerhard Steidl, Markus Schaden, Helmut Völter und Nikita Teryoshin zur Lage des Fotobuchs.
Ein Kommentar von Thomas Gerwers beleuchtet den Unterschied zwischen Fotografie und KI-generierten Bildern: Während Fotografie stets auf einer realen Lichtaufnahme basiert, errechnet generative KI nur Wahrscheinlichkeiten – und ist damit kein Foto.
Literatur
Samuel Becketts «German Diaries» aus den 1930er Jahren bilden den Auftakt zu einer Sammlung von Tagebüchern, Lesungen und Essays, in denen Schriftsteller ihre persönlichen und literarischen Positionen vermessen – zwischen historischer Betrachtung, zeitgenössischem Leben und poetischer Reflexion.
Der Autor Samuel Beckett, Meister des Absurden, bereist Hitlerdeutschland. Die nun erstmals publizierten „German Diaries“ sind die grimmigen, oft auch amüsanten Protokolle dieser „Grand Tour“.
Jonas Theresias Debütroman "Toyboy" folgt zwei Brüdern – einem Escort und einem Digital-Einsiedler – und erzählt hinter einer provokativen Oberfläche von Einsamkeit, Selbstinszenierung und dem Wert des Menschen in einer verwertungsorientierten Gesellschaft.
Florian Birnmeyer liest am 27. September 2026 im Brechthaus Augsburg aus seinem neuen Gedichtband „Im Dickicht lebt es sich leichter", der Naturbeobachtungen, Digitalität und gesellschaftliche Fragen verbindet.
Die tägliche Buchkritiken-Rundschau bespricht u.a. Dorothea Grünzweigs Gedichtband, Emma Clines Roman über Sterbehilfe, Clemens J. Setz' Erzählungen sowie Marieke Reimanns Verteidigung Ostdeutschlands aus FAZ, NZZ, SZ und Deutschlandfunk.
Musik
Musikalische Vielfalt von Klassik bis Rock: Heute blicken wir auf aktuelle Künstler und Kulturveranstaltungen.
Bei den Inselkonzerten auf Herrenchiemsee feierte das interdisziplinäre Bühnenwerk „Einsamkeit – nach Schubert und Mayrhofer" Uraufführung: Tenor Julian Prégardien, Pianist Daniel Arkadij Gerzenberg und die Tänzer Nicholas Isaiah King Rose und Leslie Heylmann verbanden Musik, Tanz und Poesie.
Das Musikprogramm der Bayerischen Landesausstellung 2026 „Musik in Bayern" präsentiert vom 21. bis 27. August in Freyung und Umgebung sieben Konzertabende mit Genres von Gypsy-Jazz über Klassik bis Singer-Songwriter, teils kostenfrei an besonderen Spielorten.
Der Traunsteiner KulTSommer präsentiert vom 25. bis 27. August 2026 drei kostenlose Open-Air-Konzerte auf dem Stadtplatz: die Blaskapelle Traunwalchen, das Mundartpop-Duo Brimborium Bavaria und die Jazzband Jazzmanouche.
Wuchtiger rechter Fuß und in den Händen die perfekte Mischung aus Nonchalance und Barbecue-Schwere: Nachruf auf den enorm kompromisslosen „ZZ Top“-Schlagzeuger Frank Beard.
Theater & Darstellende Kunst
Junges Theater zwischen kreativer Vermittlung und eigener Bühnenerfahrung: Aktuelle Beiträge zeigen, wie Kinder Literatur spielerisch entdecken und selbst zu Darstellenden werden.
Schauspielerin Karla Andrä und Videokünstlerin Barbara Weigel präsentieren am 27. September 2026 im Brechthaus Augsburg ein Stationentheater für Kinder ab 8, das Brechts Kindergedichte mit animierten Videoskulpturen verbindet.
Wo einst schüchterne Kinder über sich hinauswachsen: Im Jungen Theater im Landkreis Würzburg spielen Kinder vor bis zu 800 Zuschauern
Sonstiges
Der Deutsche Kulturrat nimmt am 27. August 2026 mit drei Panels am gamescom congress teil; Themen sind Games und Demokratie, KI als Innovationstreiber sowie politische Kampagnen mit Spielen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält erstmals die Eröffnungsrede der gamescom.
Wie interessiert man Kinder und Jugendliche in Zeiten von Social Media weiter für die Angebote einer Bücherei? Die Stadtbibliothek in Nördlingen hat da eine zeitgenössische Idee ausprobiert.
Rosenheim hat an zwei Fußgängerampeln nahe dem Herbstfestgelände die klassischen Ampelmännchen durch Wiesntrommler-Motive ersetzt. Die neuen Symbole sollen dauerhaft installiert bleiben.
Der Kutscher ist ein scharfer Schnaps mit geheimem Rezept aus der Würzburger Musikkneipe Tscharlie, der als Mutprobe und inoffizielles Initiationsritual für Würzburg-Neulinge gilt.