Pressespiegel 21.08.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Kulturelle Institutionen geraten vermehrt in den Fokus politischer Auseinandersetzungen. Von Gegenpositionen zu nationalistischen Tendenzen bis Vorwürfen politischer Einflussnahme auf Fördermittel zeigen sich tiefe ideologische Konflikte um Kultur und Werte.
Ein breites Bündnis aus Kultur, Kirchen und Handwerk hat unter Initiative von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ein „Bauhaus-Manifest" veröffentlicht, das Kunstfreiheit und demokratische Werte verteidigt und sich gegen kulturfeindlichen Nationalismus positioniert.
Charlotte Knobloch fordert in ihrem Buch „Trotzdem weiter" ein AfD-Verbot und warnt vor wachsendem Antisemitismus in Deutschland – die bald 94-jährige Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern bleibt dabei optimistisch.
Münchens Clubszene verliert seit Jahren Institutionen wie Harry Klein, Blitz und Crux, doch eine städtische Studie von 2024 zeigt: Das Hauptproblem ist weniger das Clubsterben als die fehlenden bezahlbaren Nachfolgestandorte für Neugründungen.
Den Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses zur Berliner Fördermittel-Affäre gibt es in zwei Versionen: Die Regierungsparteien zeichnen weich, die Opposition sieht das Vertrauen in die Institutionen beschädigt.
Kulturvermittlung
Von Universitätsprofessur bis zur Musikschullehrkraft: Diese Ausschreibungen wurden in der neuen Musikzeitung veröffentlicht.
Die Universität Hildesheim schreibt eine W2-Professur für Musikpädagogik im Institut für Musik und Musikwissenschaft aus, besetzbar zum 01.10.2027, mit Schwerpunkt auf kultur- und bildungswissenschaftlichen Kontexten und Kooperation mit der TU Braunschweig.
Die Berufsfachschule für Musik des Bezirks Mittelfranken in Dinkelsbühl sucht zum Schuljahresbeginn 2026/27 Lehrkräfte für Hauptfach Gesang sowie Stimmbildung und Sprecherziehung im Umfang von 50 % und 30 %, kombinierbar in einer Stelle.
Die Stuttgarter Musikschule sucht Musikschullehrkräfte für das Kooperationsprojekt „Musik für alle" mit Ganztagsgrundschulen in Fächern wie Schlagzeug, Violine, Gitarre, Baglama, Klavier und Elementarer Musikpädagogik, in Teilzeit (45,45 %).
Die Stuttgarter Musikschule sucht ab Oktober 2026 eine Lehrkraft für Blockflöte in Teilzeit (45,45 %), unbefristet, mit pädagogischem Hochschulabschluss und Unterrichtserfahrung; Bewerbungen sind bis 17. September 2026 möglich.
Film & Fotografie
Von Dokumentation über Horrorkomödie bis zu chinesischen Animationen: Diese Woche bietet kinogehenswerte Neuzugänge und fotografische Perspektiven auf Hoffnung und Leid. Dazu ein Blick auf Leben und Werk von Helga Feddersen.
Der britische Filmregisseur John Irvin ist am 11. August im Alter von 86 Jahren gestorben. Er wurde bekannt durch die BBC-Serie „Dame, König, As, Spion" sowie Kinofilme wie „Die Hunde des Krieges".
Die Dokumentation „Hiddensee" von Regisseurin Annekatrin Hendel portraitiert die Ostseeinsel als Sehnsuchtsort der Freiheit und verwebt in schwarzweißen Filmessay-Bildern Landschaft, Geschichte und Schicksale der vergangenen 100 Jahre.
Jane Schoenbruns queere Slasher-Horrorkomödie Teenage Sex and Death at Camp Miasma startet am 20. August 2026 in deutschen Kinos und verbindet Genre-Satire mit einem Coming-of-Age-Plot um zwei Frauen, gespielt von Hannah Einbinder und Gillian Anderson.
Ein chinesischer Low-Budget-Animationsfilm über das Kalb „Niu Lai" wurde in sozialen Medien als „Katastrophe" verspottet und spielte zunächst kaum etwas ein – der Spott machte ihn zum Kinohit mit rund 3,9 Millionen Euro Einnahmen.
Eine Dokumentation beleuchtet das Leben von Helga Feddersen, die über das Klischee der „Ulknudel der Nation" hinaus als vielseitige Schauspielerin und Autorin wirkte, unter anderem mit Rainer Werner Fassbinder. Weggefährten wie Dieter Hallervorden und Sven Regener kommen zu Wort.
Für den Carl Laemmle VFF Talentpreis 2026 sind die Produktionsfirmen Milk Pictures, Jünglinge Film und LiseLotte Films mit den Filmen „Kalter Hund", „Staatsschutz" und „Babystar" nominiert; die Preisverleihung findet am 18. September in Großlaupheim statt.
Der Kongress „Not Knowing – Photography and the Unknown" der Internationalen Photoszene Köln untersucht vom 22. bis 25. Oktober 2026 im Orangerie Theater Nichtwissen, Lücken und Unsicherheit als produktive Methoden fotografischer Erkenntnis.
Das Photo Elysée Lausanne zeigt in „Inferno & Paradiso" 40 Pressefotografien in einer immersiven Installation, die zwischen Bildern von Leid und Hoffnung zum Nachdenken anregt – noch bis 1. November zu sehen.
Literatur
Vier aktuelle Romane und Debatten rund um Schrift, Erzählung und die Frage, wer in die Welt passt. Ein Überblick über neue Bücher und ihre Besprechungen.
Der neue Roman des Schweizer Schriftstellers Lukas Bärfuss trägt den Untertitel „Ein kurzes Buch über meine Mutter“. Dafür nimmt er selbst darin erstaunlich viel Raum ein.
Kiko Amats Roman „Träume aus Beton" begleitet den psychisch kranken Curro von seiner Kindheit in der Peripherie Barcelonas der 1980er-Jahre bis in die Psychiatrie und fragt dabei, wer Normalität definiert.
Mit ihrem neuen Roman „Orca“ hat es Franziska Gänsler auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Eine spannende Coming-of-Age-Story im Milieu der Klimaaktivisten.
Die tägliche Bücherschau bündelt Rezensionen aus FAZ, SZ, Welt, Zeit, Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur, darunter Besprechungen zu Samuel Becketts Deutschland-Tagebüchern, Christoph Kochs KI-Sachbuch und Gedichten von Marie Iljašenko und Mircea Cărtărescu.
Musik
Nachruf auf eine Opernsängerin, Porträts von Künstlern und ihren Projekten, Konzertankündigungen und musikhistorische Würdigungen prägen diese Woche die Berichterstattung.
Die rumänische Sopranistin Ileana Cotrubaș ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Sie galt als eine der bedeutendsten Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts und beendete ihre Karriere bereits mit 51 Jahren.
Sopranistin Lisette Oropesa begeisterte das Publikum der Salzburger Festspiele mit einem Liederabend aus spanischen und kubanischen Werken, begleitet von Pianist Rubén Fernández Aguirre.
Das Goldmund Quartett tritt am 9. Oktober 2026 im Bürgersaal Stadtbergen auf und verbindet Streichquartette von Haydn und Dvořák mit alpenländischer Volksmusik aus seinem Album „Dahoam".
Das Akkordeon-Orchester Augsburg unter Helmut Gutmann gibt am 25. Oktober 2026 im Bürgersaal Stadtbergen ein Konzert mit Werken von Verdi, Gershwin, Elton John und Simon & Garfunkel.
Der BR produziert eine neunteilige Hörbiografie über Giacomo Puccini, gesprochen von Udo Wachtveitl und Max Simonischek, die Leben und Werk des Opernkomponisten von 1858 bis zu seinem Tod 1924 beleuchtet.
Der Münchner Jazz-Keyboarder Matthias Bublath hat mit seiner Dream Band in New York eine Platte aufgenommen – eines von circa 47 sensationellen Projekten. Besuch bei einem Phänomen.
Frances Changs neues Album BEEN THINKING BOUT CONFESSION verbindet Jazz-inflektierten Chamber Pop mit intimen, widersprüchlichen Texten über das Selbst, in denen das Klavier eine zentrale Rolle spielt.
Theater & Darstellende Kunst
Theater zwischen großen Bühnen und kleinen Spielorten: Aktuelle Beiträge beleuchten gesellschaftspolitisches Musiktheater, persönliche Formen der Comedy und die Frage, wie Darstellende Künste gesellschaftliche Debatten aufgreifen und mitgestalten.
Daniel Donskoy spricht über seine Rolle in Ivo van Hoves Musiktheater „Rebel Rebel" mit David-Bowie-Musik, das die Ruhrtriennale 2026 eröffnet, und über gesellschaftliche Entfremdung, Empathieverlust und die Grenzen von Gewalt als Widerstand.
Theresa Hanich betreibt mit dem Mathilde Westend auf 15 Quadratmetern und 17 Plätzen die kleinste Bühne Münchens – ein Theaterwohnzimmer im Wohnviertel, das ohne große Förderung, aber mit viel Leidenschaft funktioniert.
Comedian Jan Philipp Zymny nutzt Humor als Mittel, um trotz Autismus und ADHS mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.
Johann König denkt, dichtet und singt in seinem Bühnenprogramm „Jubel Trubel Heiserkeit" über Klimawandel, Kindererziehung, Eheprobleme und Alltagsabsurditäten – und bringt sich dabei an körperliche Grenzen.
Der monatliche Theaterpodcast von Susanne Burkhardt und Elena Philipp diskutiert aktuelle Debatten rund ums Theater, darunter die demokratiefördernde Rolle von Kultur, die Zukunft des postmigrantischen Theaters und den Stand der Gegenwartsdramatik.
Sonstiges
Unser Leser arbeitet in einem Konzerthaus. Die Schlangen vor den Toiletten sind oft lang, deshalb weichen Gäste ohne Behinderung auf das barrierefreie WC aus. Wie soll er damit umgehen?
Charlotte Carolin Schober zeigt in der Ausstellung FemScapes Inner][Outer Werke, die weibliche Identität und innere Landschaften durch expressive Farbgestaltung und symbolische Bildelemente als offene Erfahrungsräume sichtbar machen.
Am 19. und 20. September 2026 findet im Fränkischen Schweiz-Museum in Tüchersfeld der jährliche Handwerkermarkt statt, bei dem rund 40 Gewerke handgefertigte Produkte präsentieren und live vorführen.
In unserem Jahresrückblick geben wir einen Einblick in die Vielzahl der Projekte, die 2025 in allen Förderprogrammen des Fonds realisiert wurden.
Die SWR-Dokumentation porträtiert Jason Reilly, Stuttgarter Ballett-Solist und „Tänzer des Jahres 2023", der mit 17 Jahren aus Kanada nach Stuttgart kam und dort über fast drei Jahrzehnte seine künstlerische und persönliche Heimat fand.