Pressespiegel 22.08.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Kultur wird zum Kampffeld politischer Debatten: Während progressive Initiativen Kultur als Grundlage für Nachhaltigkeit und offene Gesellschaft einfordern, setzen rechte Positionen auf nationale Identitätsnarrative und traditionelle Gedenkpraxis. Im Zentrum stehen Fragen nach den Werten, die Kulturpolitik vermitteln soll.
Die deutschen Bundesfilmfördermittel (DFFF und GMPF) sind bereits im August aufgebraucht, sodass die FFA keine neuen Anträge mehr annimmt. Kulturstaatsminister Weimer wertet dies als Erfolg, während die Produktionsbranche die fehlende Planbarkeit und drohende Mittelkürzungen für 2026 kritisiert.
Die AfD in Sachsen-Anhalt will dem Land Stolz einflößen – mit weniger Bauhaus und mehr Pflege von Kriegerdenkmälern. Ausgedacht hat sich die Identitätsfolklore Hans-Thomas Tillschneider, ein in Rumänien geborener Islamwissenschaftler.
Kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt ruft Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mit dem „Bauhaus-Manifest 2026" Kultureinrichtungen, Kirchen und Handwerk dazu auf, Kunstfreiheit und eine offene Gesellschaft gegen politische Einflussnahme zu verteidigen.
Institutionelle Kulturorte
Das Haus der Kunst experimentiert mit Hundeerlebnissen zwischen Kunstrezeption und Alltagsnormalität. Das Richard-Wagner-Museum blickt auf seine fünfzigjährige Geschichte zurück – und die Rolle, die es als Institution von nationaler Bedeutung spielt.
Das Haus der Kunst öffnet einen Raum für Vierbeiner. Ein Besuch mit einem Bayerischen Gebirgsschweißhund – und der Frage: Kann im Tier ein Kunstverständnis reifen, das das des Menschen übertrifft?
Das Richard-Wagner-Museum in Bayreuth feiert sein 50-jähriges Bestehen: 1976, genau 100 Jahre nach der Uraufführung des „Ring des Nibelungen", wurde es im Haus „Wahnfried" eröffnet. Der damalige Kulturreferent Erwin Pflaum erinnert sich an diese Zeit.
Kulturvermittlung
Museen, Ausstellungen und Kulturveranstaltungen laden Familien und Interessierte zu vielfältigen Entdeckungen ein. Von speziellen Programmen für Kinder bis zu jüdischer Geschichte – die Kultur vermittelt sich beim Erleben vor Ort.
Das Stadtmagazin IN München stellt sieben Museen und Ausstellungen in München und Umgebung vor, die sich besonders für Kinder eignen, darunter das Kinderreich im Deutschen Museum, das Paläontologische Museum und das ESO Supernova Planetarium in Garching.
Zum Europäischen Tag der jüdischen Kultur am 6. September bietet das Jüdische Museum Franken an seinen drei Standorten Fürth, Schwabach und Schnaittach kostenfreie Führungen zu jüdischer Geschichte und Kultur an.
Bildende Kunst
Kunstschaffende und Kulturförderung in der Region: Ein Bildhauer vollendete einen monumentalen Sandstein-Nachbau, während in Prien aktuelle Kunstpreise vergeben wurden.
Der Priener Kulturförderverein hat im Rahmen der KunstZeit 2026 drei Preise vergeben: Theresa Springl erhielt den Förderpreis „Junge Kunst", Clemens Büntig den Rotary-Club-Kunstpreis und Sylvia Roubaud den Ehrenpreis für ihr künstlerisches Lebenswerk.
Bildhauer Thomas Doneis aus Wendeburg hat nach zehn Jahren und über 30.000 Arbeitsstunden einen detailgetreuen Sandstein-Nachbau von Schloss Neuschwanstein im Maßstab 1:62 fertiggestellt und bietet ihn für elf Millionen Euro zum Kauf an.
Film & Fotografie
Film und Fotografie zwischen gesellschaftlicher Realität und globalen Perspektiven: Aktuelle Beiträge richten den Blick auf Rassismus, Klimaforschung und Lebenswelten abseits vertrauter Bilder – im Kino ebenso wie in dokumentarischer Fotografie.
Regisseur Faraz Shariat stellt seinen Kinofilm „Staatsschutz" vor, einen Justiz-Thriller über institutionellen Rassismus und rechte Netzwerke, der ab 27. August 2026 in deutschen Kinos läuft und auf der Berlinale den Panorama Publikumspreis gewann.
Die Dokumentation „Salz und Wasser" begleitet den Forschungs-Eisbrecher „Polarstern" auf einer Antarktis-Expedition und verbindet Naturaufnahmen mit Einblicken in die Klimaforschung – seit 20. August in deutschen Kinos.
Die 7. Fototage Freinsheim finden vom 20. bis 22. November 2026 im Von-Busch-Hof statt und widmen sich unter dem Motto „AFRIKA!" dem Kontinent mit Multivisionsshows, Vorträgen, Workshops und drei Ausstellungen.
Eine Ausstellung in Ulm zeigt bis 20. September Schwarz-Weiß-Fotografien von Richard Sharum, die Lebensrealitäten jenseits des „American Dream" dokumentieren.
Literatur
Literatur zwischen sozialen Fragen und aktuellen Neuerscheinungen: Beiträge beleuchten Klassenunterschiede in Beziehungen und führen durch neue Romane, Essays und Sachbücher zu Politik, Gesellschaft und Künstlicher Intelligenz.
Er hat Geld, sie muss jeden Cent zählen. Ruth-Maria Thomas fragt in ihrem Roman „Die zweitgrößte Liebe“, ob eine Liebe mit Klassenunterschied gutgehen kann.
Die tägliche Bücherschau bündelt Buchkritiken vom 21.08.2026: FAZ bespricht Anne Webers Essays und Mirko Bonnés Roman zur Bonner Republik, FR empfiehlt Elspeth Barker und Banu Mushtaq, Dlf Gerd Hankels Essay über „Völkermord", Dlf Kultur Antonio Damasios Werk über Bewusstsein und KI.
Musik
Diese Woche verbinden sich unterschiedlichste Musikgenres: von Indie-Rock bis zu klassischen Konzertmusikwettbewerben. Ein Überblick über aktuelle Veranstaltungen, Neuerscheinungen und Rückblicke aus der bayerischen und überregionalen Musiklandschaft.
Zur Halbzeit der Bayerischen Landesausstellung „Musik in Bayern" in Freyung ziehen Projektleiter Peter Wolf und Herbert Unnasch eine positive Zwischenbilanz: Rund 40.000 Gäste besuchten bisher Ausstellung und Liveprogramm, darunter 165 Schulklassen.
Der Internationale Musikwettbewerb der ARD feiert sein 75-jähriges Bestehen: 184 Nachwuchsmusiker aus 32 Ländern treten in München in den Disziplinen Fagott, Orgel, Schlagzeug und Streichquartett an – die Orgel kehrt nach 15 Jahren Pause zurück.
Das Freilichtmuseum Glentleiten und der Verein Zither in Bayern e. V. veranstalten am 30. August einen Zithersonntag mit 16 Gruppen und Solisten sowie am Vorabend ein Solokonzert von Christoph Schwarzer; der Eintritt ist frei.
Das Festival «Schulen musizieren» des Bundesverbands Musikunterricht findet im Juni 2027 in Trier statt: Rund 460 Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland musizieren gemeinsam mit lokalen Ensembles an verschiedenen Stadtorten.
Barry Mitchell, zweiter Bassist von Queen in der Frühphase 1970/71, ist am 17. August 2026 im Alter von 76 Jahren gestorben. Er wirkte an 13 Konzerten mit und prägte frühe Basslinien für Songs wie „Liar".
Die Eifel-Band Jupiter Jones veröffentlicht ihr achtes Album, das Indie-Rock mit Texten über Melancholie, Neuanfang und Hoffnung verbindet; im Herbst folgt eine Deutschlandtour.
Theater & Darstellende Kunst
Ivo van Hoves letzte Eröffnungsinszenierung für die Ruhrtriennale nutzt David Bowies Songkatalog als Ausgangspunkt für ein ambitioniertes Musiktheater-Projekt. Daneben zeigen sich Bühnen wie die Studiobühne Bayreuth in starker Form.
Ivo Van Hove eröffnet die Ruhrtriennale 2026 mit „Rebel Rebel", einem Musiktheaterabend mit David-Bowie-Songs über ein junges Paar, das sich in einer dystopischen Gesellschaft gegen das Verbot menschlicher Nähe auflehnt.
Die Studiobühne Bayreuth beendet ihre Sommersaison 2026 mit einem neuen Aufführungsrekord: 84 Vorstellungen wurden seit Mai gespielt, darunter 18 ausverkaufte Schulvorstellungen.
Sonstiges
Das Kunstfest Weimar startet unter seinem neuen Leitungsduo Juliane Hahn und Katharina Germo mit rund 100 Veranstaltungen, darunter Tanz, Theater und Musik – eröffnet wird unter anderem mit einem Konzert für getunte Autos in Apolda.
Die Künstlerin Alexandra Daisy Ginsberg erschafft mit KI insektenfreundliche Gärten. Ein Gespräch über die Fragen, warum Bienen van Gogh lieben und wir die Natur schön finden.
Kuratierte Streams reduzieren Auswahlstress und schaffen einen gleichmäßigen Hörfluss, während algorithmische Playlists auf Personalisierung durch Nutzerdaten setzen. Klassik Radio Plus bietet über 180 redaktionell zusammengestellte Musiksender für verschiedene Stimmungen und Alltagssituationen.
Fünf wenig bekannte Episoden aus Briefen und Erinnerungen beleuchten Claude Debussys eigenwillige Persönlichkeit: seine Langeweile in Rom, Streitereien mit Freund Pierre Louÿs und seine verspielte Seite als Vater von Tochter Chouchou.
Eine Berliner Gedenktafel erinnert an Dora Richter, die als erste Transgender-Frau der Welt gilt und nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu ihrem Tod 1966 in Allersberg lebte.