Pressespiegel 28.08.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Kulturpolitik zwischen Nachhaltigkeit, demokratischer Verantwortung und finanziellen Rahmenbedingungen: Aktuelle Beiträge beleuchten die Rolle der Kultur in gesellschaftlichen Debatten, den Schutz der Kunstfreiheit und die Zukunft der Filmförderung.
Der Kulturbereich leistet laut Deutschem Kulturrat einen wesentlichen Beitrag zur UN-Nachhaltigkeitsagenda, etwa durch CO₂-Reduktion bei Veranstaltungen und nachhaltige Museumspraxis, doch die Bundesregierung versäumt es, Kulturexpertise in relevante Nachhaltigkeitsgremien einzubinden.
Olaf Zimmermann wirft öffentlich-rechtlichen Talkshows vor, zum Aufstieg der AfD beigetragen zu haben, und ruft Kulturschaffende auf, gemeinsam gegen den wachsenden Einfluss der Rechtsextremen und deren Bedrohung der Kunstfreiheit vorzugehen.
48 Verbände der Filmbranche fordern die Bundesregierung auf, die geplante Kürzung der Filmförderung für 2027 von 250 auf 200 Millionen Euro zurückzunehmen, nachdem die Fördertöpfe DFFF und GMPF bereits im August ausgeschöpft waren.
Die Ausgabe 9-10/2026 von Politik & Kultur widmet ihren Schwerpunkt NS-Akten und Erinnerungslücken im Kulturbetrieb; weitere Themen sind die Deutsche Digitale Bibliothek, Klimawandel, digitale Souveränität und der Deutsche Kulturpolitikpreis für Iris Berben.
Kulturverwaltung & Behörden
Personalien und Konflikte prägen die aktuelle Entwicklung im Kulturbereich: Die ARD strukturiert ihre Verwaltung neu, während lokale Machtkämpfe um Positionen in Kulturinstitutionen aufbrechen.
Die ARD wandelt ihr Generalsekretariat zum 1. Januar 2027 in eine neue Geschäftsstelle um, die mehr Kontinuität beim turnusmäßig wechselnden ARD-Vorsitz sichern soll. Christoph Rosenthal übernimmt die Gesamtleitung, Christoph Hammerschmidt die Kommunikation und Kerstin Skiba die Medienpolitik.
DU-Stadtrat Wolfgang Gruber veröffentlicht auf Facebook Interna aus einer nichtöffentlichen Stadtratssitzung im Fall der Bayreuther Kulturreferentin Eva Bär und löst damit eine Debatte über die Zulässigkeit seines Vorgehens aus.
Kulturvermittlung
Kulturvermittlung zwischen analoger Begegnung und digitalem Zugang: Aktuelle Beiträge zeigen, wie Theater, Führungen und Workshops kulturelles Wissen und künstlerische Praxis vermitteln und digitale Angebote das Kulturerbe für ein breites Publikum erschließen.
Karla Andrä und Barbara Weigel präsentieren am 11. Oktober 2026 im Brechthaus Augsburg ein Stationentheater für Kinder ab 8, das Brechts Kindergedichte durch Schauspiel, Gesang und animierte Videoskulpturen erlebbar macht.
Die Volkshochschule Bamberg Stadt bietet im September mehrere Veranstaltungen an, darunter eine Führung zum ehemaligen Elektrizitätswerk am Tag des offenen Denkmals, Naturtage im Hain, Kirchenführungen sowie Begehungen der Stollenanlagen am Stephansberg.
Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt veranstaltet am 7. November 2026 das 16. Frankfurter Klaviersymposium im Dr. Hoch's Konservatorium zum Thema Kommunikation und Interaktion im Klavierunterricht.
Der Londoner Portraitfotograf Ivan Weiss leitet am 11. Oktober 2026 in Ibbenbüren einen ganztägigen bpp-Masters Workshop, in dem Teilnehmer lernen, eine eigene fotografische Bildsprache zu entwickeln und zu schärfen.
Die Deutsche Digitale Bibliothek vernetzt als öffentlich getragene Infrastruktur rund 65 Millionen Kulturobjekte aus über 800 deutschen Einrichtungen und sichert so die demokratisch legitimierte Zugänglichkeit des Kulturerbes im KI-Zeitalter.
Der Deutsche Kulturrat veröffentlicht ein Dossier zur Deutschen Nationalbibliothek, das Geschichte, Auftrag und Zukunft der Institution mit über 57 Millionen Werken an den Standorten Leipzig und Frankfurt am Main vorstellt.
Bildende Kunst
Ausstellungen, Preise und Reflexionen zur künstlerischen Praxis: Diese Artikel dokumentieren gegenwärtige und historische Positionen der Bildenden Kunst, von den Klassikern der Moderne bis zu zeitgenössischen Neuinterpretationen.
Die japanische Künstlerin Yayoi Kusama, bekannt für ihre gepunkteten Kürbis-Skulpturen und „Infinity Rooms", ist gestorben. Sie gilt als Pionierin der Pop Art und wurde zuletzt mit einer Retrospektive in der Fondation Beyeler, dem Museum Ludwig und dem Stedelijk Amsterdam geehrt.
Die Berliner Künstlerin Annette Kelm erhält den 50. Bremer Pauli-Preis für zeitgenössische Kunst, dotiert mit 30.000 Euro. Ausgezeichnet wird ihre Fotoserie über Cover von Büchern, die die Nationalsozialisten verboten und verbrannt hatten.
Das Schloßmuseum Murnau zeigt Paul Klee als humorvollen Poeten des „Blauen Reiter" und widmet dem Mäzen Alfred Mayer einen eigenen Raum, dessen Künstleralben Werke und Einträge von Jawlensky, Hannah Höch und Else Lasker-Schüler vereinen.
Der Mülheimer Künstler Wolfgang Kleinöder präsentierte im Nordhalbener Maxhaus zur Finissage seine Werke der „Optischen Poesie", die sprachliche Ausdrücke in gestalterischer Form neu interpretieren.
Die NDR-Doku-Serie „Inspired" zeigt junge Künstlerinnen und Künstler dabei, wie sie Werke der Kunstgeschichte – darunter Cranach, Caspar David Friedrich und Niki de Saint Phalle – in eigenen Disziplinen wie Musik, Tanz und Mode neu interpretieren.
Film & Fotografie
Vom politischen Thriller bis zu einer neuen Münchner Serie: Aktuelle Kinofilme und TV-Produktionen prägen das sommerliche Unterhaltungsangebot. Besonders erfolgreich zeigen sich etablierte Reihen und internationale Produktionen mit namhaften Besetzungen.
Der bayerische Independent-Actionfilm "Bonnie" mit zwei Frauen in den Hauptrollen feiert am 2. September Premiere im Rio Filmpalast München – finanziert per Crowdfunding und Sachleistungen, ohne klassische Filmförderung.
Faraz Shariats Film „Staatsschutz" zeigt eine Staatsanwältin mit Migrationshintergrund, die nach einem mutmaßlich rechtsextremen Anschlag auf sie selbst ermittelt und dabei an der Neutralität der Justiz zweifelt.
„Steckerlfischfiasko" lockte seit seinem Start vor zwei Wochen über eine Million Zuschauer in die Kinos und erzielt damit den besten Kinostart der gesamten Eberhofer-Reihe, wie Constantin Film bekanntgab.
Brezel Göring, verbliebenes Mitglied von Stereo Total, gibt mit „Für immer 16" sein Langfilmdebüt: ein bewusst amateurhaft auf Super8 gedrehter Indie-Film über drei zerstrittene Freunde im Urlaubstrip, unterlegt ausschließlich mit Stereo-Total-Songs.
Dietmar Holzapfel, Betreiber der Deutschen Eiche in München, hat das ZDF-Filmteam der Serie „München Beats" als Berater über das schwule Leben in München unterstützt. Sein Wirtshaus spielt in der Serie eine zentrale Rolle, wurde aber aus logistischen Gründen nicht vor Ort gedreht.
Philipp Fusseneggers Dokumentarfilm „KitKatClub – Kinks of Berlin" porträtiert die Menschen hinter dem legendären Berliner Fetisch-Club und beleuchtet deren Suche nach Freiheit, Zugehörigkeit und sexueller Selbstbestimmung. Der Film startet am 10. September im Kino.
Die Fotostiftung Schweiz hat rund 2.800 Silbergelatineabzüge aus dem Archiv des Schweizer Fotografen Balthasar Burkhard digitalisiert, inventarisiert und online zugänglich gemacht, um Forschung, Ausstellungen und Publikationen zu ermöglichen.
Fotografin und Synthografin Mareen Fischinger untersucht in einem Essay, was Autorenschaft bei KI-generierten Bildern bedeutet, und fordert verbindliche Kennzeichnungspflichten sowie Herkunftsnachweise für Fotografien.
Literatur
Neue Romane prägen die aktuelle Literaturdiskussion. Darüber hinaus bietet die tägliche Buchkritik einen Überblick über die wichtigsten Rezensionen des Tages.
Was passiert, wenn alle Ressourcen versiegen? „Missitalia“ von Claudia Durastanti ist Heimatroman und wilder Genremix, gewieft komponiert und sensationell gut geschrieben.
Doron Rabinovicis Roman „Die Einstellung" zeigt, wie ein Rechtspopulist ein enthüllendes Pressefoto für seinen eigenen Wahlkampf nutzt und damit die Ohnmacht aufklärerischer Bildpolitik in polarisierten Medienöffentlichkeiten demonstriert.
Charlotte Knobloch hat einmal geglaubt, die jüdischen Gemeinden seien im neuen Deutschland angekommen. In ihrem Buch „Trotzdem weiter“ berichtet sie, warum diese Zuversicht schwindet.
Die tägliche Bücherschau bündelt Buchkritiken vom 27.08.2026, darunter Besprechungen zu Valeria Gordevs Debütroman über ein russifiziertes Faust-Motiv, Paulus Hochgatterers neuem Roman sowie Jaroslav Rudis' Friedhofsreise durch Mitteleuropa.
Thomas Klinger liest am 25. Oktober 2026 im Brechthaus Augsburg aus seinen Prosawerken „Von den Dingen und dem Sinn" und „Von dem Sinn in den Undingen"; im Anschluss findet ein offener Austausch statt.
Musik
Musik zwischen Nachwuchsförderung, KI-Debatte und politischem Engagement: Aktuelle Beiträge reichen vom Umgang mit jungen Talenten über das Verwirrspiel um künstliche und reale Bands bis zu musikalischem Protest und der Vielfalt bayerischer Musiktraditionen.
Bassbariton Thomas Quasthoff fordert anlässlich des 75. ARD-Musikwettbewerbs in München mehr ehrliche, fachlich fundierte Kritik von Juroren gegenüber Teilnehmenden, da junge Musikerinnen und Musiker oft nicht wüssten, woran sie wirklich sind.
Der uruguayische Musiker Rubén Rada, Grammy-Preisträger und Pionier des Candombe, ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Uruguay erklärte einen Tag Staatstrauer, in Montevideo versammelten sich Hunderte, um ihn zu ehren.
Ein Comedy-Autor imitiert die KI-Fake-Band „The Velvet Sundown“ mit realen Musikern. Ziel: „die größte Tribute-Band aller Zeiten“. Über ein Verwirrspiel, das mit jedem Tag irrer wird.
Das Liveprogramm zur Bayerischen Landesausstellung „Musik in Bayern" in Freyung bietet Ende August und Anfang September 2026 ein vielfältiges Konzertprogramm – von Volksmusik und bayerischem Reggae über Orgelmusik bis hin zu Blasmusik.
Hollywood-Star Anthony Hopkins veröffentlicht mit „Life is a Dream“ sein erstes Klassik-Album. Einen Hang zum Komponieren hat der Waliser schon lange – aber kann er es auch?
Fünf Videospiel-Komponisten – Nobuo Uematsu, Jeremy Soule, Clint Bajakian, Lorien Testard und Chris Hülsbeck – werden porträtiert, die mit Soundtracks zu Final Fantasy, Skyrim, Monkey Island, Clair Obscur und Turrican Maßstäbe gesetzt haben.
Der malische Musiker Salif Keita sagt alle seine Konzerte in Südafrika ab, um gegen fremdenfeindliche Gewalt zu protestieren, bei der bislang mindestens vier Menschen ums Leben kamen.
Tanz
Zwei wegweisende Tanzprojekte stehen im Fokus: Kasia Wolińskas immersive Installation in der St. Elisabeth Kirche Berlin sowie drei Arbeiten des Festivals Tanz im August, die Bewegung mit Licht und Klang zu neuen Räumen verbinden.
Tanzfotograf Dieter Hartwig dokumentiert Kasia Wolińskas neues Stück „Phoenix.Sun" in der Berliner St. Elisabeth Kirche beim Festival Tanz im August, mit Musik des Klangkünstlers Heinali und einer ungewöhnlichen Bühnenanordnung im historischen Kirchenschiff.
Beim Festival Tanz im August in Berlin zeigen drei Produktionen – „Sounding Light" des Cloud Gate Dance Theatre, „The Choreography of Water" sowie „CLAP/SLAP" – unterschiedliche Ansätze zu Körper, Klang und kollektiver Schuld.
Theater & Darstellende Kunst
Auszeichnungen für etablierte Häuser, innovative Inszenierungen und experimentelle Formate prägen das aktuelle Theatergeschehen. Von den Münchner Kammerspielen über Robert Wilsons Vermächtnis bis zu Neuadaptationen von Klassikern zeigt sich die Vielfalt der Bühnenkunst.
Die Münchner Kammerspiele sind laut einer Kritiker-Umfrage des Fachmagazins „Theater heute" das Theater des Jahres 2024; Jan-Christoph Gockels siebenstündiger „Wallenstein" wurde zugleich als Inszenierung des Jahres ausgezeichnet.
Der US-amerikanische Theaterregisseur Robert Wilson ist am 31. Juli 2025 im Alter von 83 Jahren gestorben. Eine NDR-Dokumentation begleitet seine letzte Hamburger Inszenierung „H – 100 seconds to midnight" von 2022 am Thalia Theater.
Marcel Kohler inszeniert Shakespeares „Hamlet" beim Lausitz-Festival im ehemaligen Militärflughafen Cottbus als Staatsstreich-Tragödie mit Linn Reusse in der Titelrolle und Corinna Harfouch als Gertrud – ein ambitionierter, aber unausgegoren wirkender Abend.
Sonstiges
Das Kinder- und Jugendzentrum Wüstenahorn in Coburg feiert sein 50-jähriges Bestehen am 10. Oktober mit einem Tag der offenen Tür und einem Programm für alle Altersgruppen.
Keinem Staatsmann widmete Goethe mehr Zeilen als Charles Maurice de Talleyrand. Der Franzose faszinierte den Dichter durch Undurchschaubarkeit, Reaktionsschnelle. Und einen besonderen Blick.
Sind Videospiele Kunst oder Kommerz? Die Gamescom zeigt: beides. Lebendige Malereien, surreale Rätselwelten, mehrdimensionales Schach – fünf Kreationen, die auffallen.
Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin wird ab September für rund 44 Millionen Euro saniert, davon 17,5 Millionen aus Bundesmitteln. Erstmals soll der obere Teil der historischen Turmruine per Fahrstuhl zugänglich gemacht werden.