Pressespiegel 29.08.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Kultureinrichtungen geraten zunehmend zwischen gesellschaftliche und politische Ansprüche: Sie müssen sich zu Russland positionieren, ihre Vermittlungsaufgabe hinterfragen und bei Vorwürfen gegen Künstler Stellung beziehen. Die aktuelle Debatte zeigt Spannungen zwischen kultureller Autonomie und politischer Verantwortung.
Goethe-Institut-Generalsekretärin Gitte Zschoch verteidigt die drei russischen Standorte des Instituts und warnt vor den Folgen eines Kontaktabbruchs für rund 500.000 Deutschlernende in Russland – im Kontext der Debatte um das Russische Haus in Berlin.
Die Gewerkschaft Verdi fordert die Ausladung von Dirigent John Eliot Gardiner beim Leipziger Bachfest 2027, nachdem er im Juni 2026 eine Festivalangestellte übergriffig berührt hatte.
Die Geschichte der Berliner Festspiele zeigt, dass Kultur immer politisch sein kann, sein muss. Doch wir müssen uns gegen ihre Instrumentalisierung wehren – sonst ist es mit der Freiheit schnell vorbei.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte erstmals die gamescom in Köln, eröffnete den gamescom congress und betonte das kulturelle, bildende und demokratiefördernde Potenzial von Computerspielen.
Institutionelle Kulturorte
Kulturorte zwischen Öffnung und Abschied: Während das Naturkundemuseum Bamberg mit Mitmachangeboten neue Zugänge schafft, endet in München eine kulturelle Zwischennutzung und damit ein Raum für Subkultur und Musik.
Das Live Evil schließt Ende September mit dem Fat Cat (ehemaliger Gasteig) und beendet damit eine Zwischennutzung als Subkultur- und Musikort in München. Betreiber Maurice Löw sucht bereits nach einer Nachfolgelocation.
Das Naturkundemuseum Bamberg veranstaltet am 30. August 2026 von 12 bis 18 Uhr sein zweites Sommerfest mit geowissenschaftlichen und biologischen Mitmachstationen, Kinderprogramm und Stadtpflanzen-Führungen; der Eintritt kostet an diesem Tag nur 1 Euro.
In Rostock ist der Grundstein für den Neubau des Volkstheaters gelegt worden. Der Bau kostet 208 Millionen Euro, das Land Mecklenburg-Vorpommern fördert das Projekt mit 51 Millionen Euro.
Erinnerungskultur
Die Auseinandersetzung mit Vergangenheit nimmt vielfältige Formen an: von Debatten um historische Kunstwerke und Gebäude bis hin zur politischen Erinnerungspolitik. Welche Verantwortung tragen wir für die Geschichte, und wie gestalten wir einen verantwortungsvollen Umgang mit ihr?
Am Tag des offenen Denkmals öffnet die Hans-Stethaimer-Schule in Burghausen am 13. September ihre Türen: Das spätgotische, kernsanierte Gebäude ist bei kostenlosen Führungen um 14 und 16 Uhr zu besichtigen.
Bamberg richtet am 13. September 2026 gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die bundesweite Eröffnung des Tags des offenen Denkmals aus, bei der über 60 Denkmale, Führungen und Schaubaustellen kostenlos zugänglich sind.
Holocaust-Forscherin Andrea Löw warnt vor der AfD als unterschätzter Bedrohung für Demokratie und Erinnerungskultur und ruft die demokratische Mehrheit der Gesellschaft auf, angesichts der bevorstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt lauter ihre Stimme zu erheben.
Kulturstaatsminister Weimer fordert eine dauerhafte Standortlösung für den Cranach-Triegel-Altar im Naumburger Dom, dessen Platzierung im Westchor wegen möglicher Beeinträchtigung der mittelalterlichen Stifterfiguren umstritten ist und der derzeit in Rom steht.
Medizinhistoriker Rainer Herrn rekonstruiert in „Der Liebe und dem Leid" die Geschichte von Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft (1919–1933), das queeres Leben und Geschlechtsidentität wissenschaftlich erforschte, bis Nationalsozialisten es 1933 zerstörten.
Bildende Kunst
Kunstwerke im Fokus: Ein Rembrandt-Porträt unter Exportschutz, eine Farbexpedition durch Kirchners Welt und ein Diebstahl in den eigenen Sammlungsmauern.
Die britische Regierung hat Rembrandts „Porträt von Catrina Hooghsaet" (71 Mio. Pfund) als nationales Kulturgut eingestuft und mit einem Ausfuhrverbot belegt; britische Institutionen haben bis 26. Dezember Zeit, das Gemälde zu erwerben.
Das Kirchner Museum Davos zeigt bis Januar 2027 die Ausstellung „Farbenrausch" mit Werken Ernst Ludwig Kirchners und interaktiven Stationen zur expressiven Farbwelt des Künstlers.
Zwei unbekannte Täter haben im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) ein Diamantcollier von Van Cleef & Arpels mit 673 Diamanten gestohlen, das zuletzt für 4,3 Millionen Dollar versteigert worden war.
Die WELTKUNST stellt mehrere Herbstausstellungen vor, darunter Schauen zu Bauhausfotografinnen in Berlin, Lee Krasner und Jackson Pollock in New York sowie Renoirs Liebesdarstellungen in London.
Film & Fotografie
Spielfilme beschäftigen sich mit Geschichte, Heimat und existenziellen Fragen, während die neue ARD-Serie ein tabuisiertes Thema neu erzählt. Daneben sucht das Rotlicht Festival Analogfotografien für seine Ausstellung.
„Wie wahnsinnig hab’n die Leute applaudiert, meine Teure!“ – schon 100 000 Menschen sind für den „Spaziergang nach Syrakus“ ins Kino gegangen. Ein Telefonat mit dem Mann, dessen Geschichte in dem Film erzählt wird.
Pawel Pawlikowskis Kinofilm „Vaterland" verdichtet Thomas Manns Deutschlandreise von 1949 zu einem europäischen Autorenkino-Highlight, in dem Hanns Zischler den Schriftsteller und Sandra Hüller dessen Tochter Erika spielt.
Im Film „Der Heimatlose" kehrt Hein nach Jahren auf seine Nordseeinsel zurück, wird jedoch von niemandem erkannt, sodass ein Dorfgericht seine Identität klären muss.
In der Komödie „Oh la la“ erschütterte ein DNA-Test eine Familiengeschichte, groß war die Verzweiflung. Der zweite Teil treibt diese knalldumme, rassistische Prämisse noch weiter.
Die ARD-Serie „Selling Sex" thematisiert Sexarbeit aus sexpositiver Perspektive, scheitert laut Kritik jedoch daran, dass sie Escort-Girls zu glattpoliert und klischeebeladen inszeniert, statt echtes feministisches Empowerment zu zeigen.
Die Tschick Galerie und die Prager Fotoschule suchen Analogfotografen für eine Ausstellung in der Tabakfabrik Linz; gesucht werden Serien oder Projekte aus bis zu fünf Bildern zum Thema „Anthropocene: Hybrid Realities", Bewerbungsschluss ist der 6. September 2026.
Literatur
Literatur zwischen Liebe, Erinnerung und politischer Selbstbefragung: Aktuelle Beiträge erzählen von Beziehungen in Zeiten gesellschaftlicher Konflikte, dem Umgang mit historischen Prägungen und persönlichen Irrtümern – und führen zugleich in die fantastischen Welten der Kinderliteratur.
Was könnte wichtiger sein als eine Geschichte über die Liebe in Zeiten des Terrors? Dana Vowinckel schreibt mit „Anton und Alma“ einen erschütternden zweiten Roman.
Bernd Stegemann spricht im Cicero-Podcast über sein Buch „Meine deutschen Dämonen", in dem er transgenerationale NS-Traumata, einseitige Erinnerungskultur und deren Folgen für die politische Reife der deutschen Gesellschaft untersucht.
Edgar Selge unterzeichnete einen offenen Brief gegen Waffenlieferungen in die Ukraine – dann merkte er: Er lag falsch. Ein Treffen mit dem Autor, dessen Roman „Juras letzter Winter“ über einen russischen Jungen auch um diesen Irrtum kreist.
Herkunft, Religion und politische Ansichten wirken in Beziehungen hinein. Die Schriftstellerin Dana Vowinckel im Gespräch über die Frage, ob Liebe Unterschiede überbrücken kann – und wann Annäherung zur Selbstaufgabe wird.
Die Ferien sollten nie enden? Dann empfiehlt sich, im verwunschenen Hotel abzusteigen, das Julia Willmann in ihrem Kinderroman „Sommer am Rande der Welt“ zum charismatischen Treffpunkt macht.
Musik
Künstler-Rückkehren und Ehrungen prägen diese Woche die Musikwelt. Von exilierten Sängern bis zu legendären Dirigenten – die Geschichten zeigen, wie Musik Grenzen überwindet und Karrieren weitergehen.
Das Goethe-Institut verleiht die Goethe-Medaille 2026 an den estnischen Komponisten Arvo Pärt, die italienische Übersetzerin Anita Raja und den griechischen Theaterregisseur Prodromos Tsinikoris.
Die Bayreuther Festspiele haben Daniel Barenboim zum ersten Ehrenmitglied in ihrer 150-jährigen Geschichte ernannt. Der 83-jährige Dirigent und Pianist nahm die Auszeichnung beim Festakt zum Abschluss der Jubiläumssaison 2026 sichtlich bewegt entgegen.
Das neue Münchner Festival „Tage der Jugendkulturen" findet vom 26. Oktober bis 1. November 2026 statt und lädt 16- bis 27-Jährige ein, bis 6. September eigene Veranstaltungsideen einzureichen – das Organisationsteam unterstützt bei der Umsetzung.
Die Weinberg Zithermusi spielt am 10. September um 19 Uhr im Brunnenhof des Kurhauses Bad Aibling alpenländische Volksmusik; der Eintritt ist frei.
Der iranische Musiker Mohsen Namjoo ist nach rund 20 Jahren im Exil in den Iran zurückgekehrt, obwohl er dort 2009 in Abwesenheit zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war. Als Grund nennt er den Wunsch nach mehr Zeit mit seiner Familie.
Die Metalband Bad Wolves veröffentlicht ihre Heavy-Metal-Version von Dolly Partons „Jolene" als Tribut, nachdem Parton vor ihrem Tod bereits einer Gastbeteiligung zugestimmt hatte. Die Einnahmen fließen an Partons Kinderlese-Förderprogramm Imagination Library.
Theater & Darstellende Kunst
Zwei Produktionen setzen sich intensiv mit menschlichen Beziehungen und existenziellen Fragen auseinander: Mark Reisigs persönliche Inszenierung von „Ziemlich letzte Freunde" am Staatstheater Mainz und Elias Perrigs Neuinterpretation von Marina Carrs „Girl on an Altar" am Ernst Deutsch Theater Hamburg.
Mark Reisig inszeniert im U17 des Staatstheater Mainz „Ziemlich letzte Freunde", eine autobiografische Produktion über seine Freundschaft mit dem ALS-erkrankten Richard und dessen selbstbestimmten Umgang mit Krankheit und Tod.
Das Ernst Deutsch Theater Hamburg eröffnet seine Saison mit der deutschsprachigen Erstaufführung von Marina Carrs „Girl on an Altar", inszeniert von Elias Perrig: Das Stück deutet den Iphigenie-Mythos psychologisch um und rückt Klytämnestra als traumatisierte Mutter ins Zentrum.
Sonstiges
Das Schleswig-Holstein Musikfestival ersetzt Blumensträuße für Künstler durch regionale Geschenke wie Lübecker Marzipan sowie Baumpflanzungen in Schleswig-Holstein und handgefertigtes Blühpapier mit Pflanzensamen.
Bamberg nimmt mit einem Foto des KulturGartens am Platz der Menschenrechte am bundesweiten Fotowettbewerb #StädtebauförderungVerbindet teil. Vom 1. bis 27. September 2026 können Bürgerinnen und Bürger per Online-Voting für den Bamberger Beitrag abstimmen.
Der Jüdische Garten in den Berliner „Gärten der Welt" in Marzahn erhält den Berlin-Brandenburgischen Landschaftsarchitektur-Preis 2026 in der Kategorie „Rückgrat" – fünf Jahre nach seiner Eröffnung im Oktober 2021.
Lokalmedien wie die „Neue Westfälische" verzichten auf Konzertfotos von Nina Chuba, weil ihre Agentur eine Vorabfreigabe der Bilder verlangt. Redaktionen und der Deutsche Journalisten-Verband sehen darin einen Eingriff in die Pressefreiheit.
Studien belegen, dass KI-Nutzung in der Schule Lernleistungen bei Prüfungen ohne KI um bis zu 24 Prozent senkt. Während Norwegen generative KI unter 14 Jahren verbannt, führen 14 deutsche Bundesländer den datenschutzkonformen Chatbot AIS ein.