Pressespiegel 02.09.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Kulturinstitutionen unter Druck: Vom Festivals über internationale Kulturhäuser bis hin zu öffentlich-rechtlichen Orchestern – aktuelle Fragen und Konflikte rund um Verantwortung, politische Einflussnahme und die Förderung der Künste.
Eine nmz-Umfrage zeigt, dass Länder wie Baden-Württemberg, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern Popkulturförderung durch Branchendialog und Konferenzteilnahmen strukturiert entwickeln, während Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen deutlichen Nachholbedarf aufweisen.
ARD-Rundfunkorchester stehen unter Druck, sich gegenüber Medienpolitik und eigenen Intendanzen zu rechtfertigen, und reagieren mit teils hohlen Marketingstrategien – während inhaltliche Alleinstellungsmerkmale weitgehend fehlen.
Eine ehemalige Mitarbeiterin des Leipziger Bachfests kritisiert, dass das Festival John Eliot Gardiner trotz öffentlich verurteilten Fehlverhaltens erneut für 2027 einlädt und damit strukturellen Machtmissbrauch im Musikbetrieb durch Personenkult überdeckt.
CORRECTIV hat eine Petition gestartet, die die Bundesregierung zu besserem Schutz von Medienschaffenden vor digitaler Gewalt, zur Wahrung journalistischer Schutzrechte bei der Nachrichtendienstrechtsreform und zur Rechtssicherheit für gemeinnützigen Journalismus auffordert. Rund 7.000 Personen haben bereits unterzeichnet.
Nach einem Drohnenangriff auf den Leipziger Flughafen kündigt die Bundesregierung das Kulturabkommen mit Russland von 2011 und ordnet die Schließung des Russischen Hauses in Berlin an. Eine CORRECTIV-Recherche belegt, dass die Einrichtung jahrelang für Spionage, Propaganda und Sanktionsverstöße genutzt wurde.
Die Deutsche Nationalbibliothek und der Deutsche Kulturrat stellen am 15. September in Frankfurt das Dossier „Das Magazin der Republik" vor und diskutieren mit Politikern und Experten über Digitalisierung, Finanzierung und Zukunft der Nationalbibliothek.
Erinnerungskultur
Von archäologischen Funden bis hin zur Gestaltung von Gedenkstätten: Die Sektion zeigt verschiedene Wege, wie Gesellschaften mit ihrer Geschichte und dem kulturellen Erbe umgehen.
Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg startet einen offenen Ideenwettbewerb, um Konzepte für die künftige Gestaltung und Erschließung des historischen Steinbruchs zu entwickeln, in dem Nazis zwischen 1938 und 1945 tausende Häftlinge zur Zwangsarbeit zwangen.
Güner Yasemin Balci und Jesco Denzel porträtieren in ihrem Dokumentarfilm den Holocaust-Überlebenden Albrecht Weinberg, der mehrere Konzentrationslager überstand und im hohen Alter nach Ostfriesland zurückkehrte, wo er bis zu seinem Tod im Mai 2026 lebte.
Die am Mainufer bei Aschaffenburg im Frühjahr zufällig entdeckten Eichenholzbalken aus der Eisenzeit werden konserviert.
Das Freilichtmuseum Glentleiten feiert sein 50-jähriges Jubiläum mit monatlichen FeierTagen; am 6. September steht die Zollingerhalle mit Handwerksvorführungen rund um den Werkstoff Holz im Mittelpunkt.
Bildende Kunst
Bildende Kunst zwischen Provenienz, Ausstellung und Kontroverse: Aktuelle Beiträge reichen von der Versteigerung bedeutender Werke und großen Museumsschauen bis zur Auseinandersetzung mit Antisemitismus und der Geschichte von Ausstellungsorten.
Kandinskys Gemälde „Das bunte Leben" von 1907, das nach seiner Restitution als NS-Raubkunst 2023 an die Erben der jüdischen Familie Lewenstein zurückgegeben wurde, versteigert Christie's am 14. Oktober in London.
John Galliano sagt seine geplante Ausstellung im Metropolitan Museum of Art in New York ab, nachdem Museumsförderer mit dem Entzug von Geldern und Leihgaben gedroht hatten – Hintergrund sind frühere antisemitische Äußerungen des Designers.
Die WELTKUNST stellt die bedeutendsten Ausstellungen im September vor, darunter große Einzelschauen zu Franz Marc (Kunstsammlung NRW), Niki de Saint Phalle (Düsseldorf) und Correggio (Dresden) sowie Themenausstellungen zu Maria Magdalena und jüdischen Kunstsammlern.
Die Ausstellung „Wo ich wohne" im Berliner Haus am Waldsee beleuchtet die Geschichte des Hauses anhand von Erlebnissen früherer Bewohnerinnen und Bewohner sowie vergangener Ausstellungen – zu sehen bis 27. September.
Clubs, Festivals & Subkultur
Club- und Festivalkultur zwischen Solidarität, Nachhaltigkeit und neuen Spielorten: Aktuelle Beiträge reichen von neuen Finanzierungsmodellen für Clubs über grünere Festivals bis zu Jubiläen und neuen Impulsen in der elektronischen Musikszene.
Das bundesweite Modell „Club-Euro" startet am 1. September 2026: Auf jeden Ticketkauf wird ein Euro erhoben, der kapazitätsabhängig an notleidende Clubs verteilt wird, damit größere Häuser kleinere solidarisch stützen.
Der Kölner Stadtgarten feiert im September sein 40-jähriges Bestehen: Trotz interner Machtkämpfe, Steuernachzahlungen und politischer Widerstände entwickelte er sich zur „Spielstätte des Jahres" mit über 400 Veranstaltungen jährlich.
Britische Musikfestivals steigen auf erneuerbare Energien um: Beim Forward Festival in Bristol liefen alle Bühnen mit grünem Strom, inspiriert von Massive Attacks Rekordkonzert mit 98 Prozent weniger CO2-Emissionen.
Im Bayreuther Kreuzsteinbad findet erstmals ein Open-Air-Festival statt: Am 5. September tritt Techno-DJ Sven Väth auf, organisiert von den Stadtwerken Bayreuth und der Fabrik.
Diplo bezeichnet David Guetta via Instagram als „vielleicht wichtigsten DJ aller Zeiten" und würdigt dessen Einfluss auf die Dance-Musik – obwohl er ihn 2016 noch öffentlich des Plagiat beschuldigt hatte.
Santiano beenden die Huk-Open-Airs auf dem Coburger Schlossplatz mit einem Shanty-Rock-Konzert vor 4.500 Fans und überzeugen dabei nicht nur mit Energie, sondern auch mit nachdenklichen Tönen.
Film & Fotografie
Film und Fotografie zwischen Erinnerung, Kontroverse und neuen Perspektiven: Aktuelle Beiträge reichen von historischen Stoffen und Debatten um Filmfreiheit über Entwicklungen bei internationalen Festivals bis zu neuen Chancen für fotografische Talente.
Pawel Pawlikowskis Film „Vaterland" zeigt Thomas Manns Rückkehr nach Deutschland 1949, wobei Sandra Hüller als Tochter Erika Mann die Spannungen zwischen Exil, Familientrauma und moralisch zerstörtem Nachkriegsdeutschland verkörpert.
In Großbritannien gibt es Forderungen, Sacha Baron Cohens neuen Film „Ali G. – Who Iz I?“ nicht zu zeigen, weil er sich über Schwarze lustig mache. Warum der Boykottaufruf schiefliegt.
Große Filmfestivals erzählen immer auch etwas über das Selbstbewusstsein des Kinos. Die Filmfestspiele von Venedig bieten zu ihrem Start Anlass zur Sorge – auch wegen einer abgesagten, dann doch wieder einberufenen Pressekonferenz.
Das Festival „Film ohne Grenzen" in Bad Saarow zeigt Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme zum Thema menschliches Zusammenleben, ergänzt durch Gespräche, Lesungen und Musik – noch bis 6. September.
Die Schauspielerin Cordula Trantow, bekannt durch den Antikriegsfilm „Die Brücke" und eine Golden-Globe-Nominierung für die US-Produktion „Hitler", ist im Alter von 83 Jahren gestorben.
Saal Digital schreibt gemeinsam mit Hahnemühle die European Photo Awards 2026 in sechs Kategorien aus. Profis und Hobbyfotografen können bis zum 2. November 2026 kostenlos bis zu fünf Bilder einreichen; pro Kategorie winkt ein Preis im Wert von 2.000 Euro.
Fotografiska startet mit „Emerging Global" einen weltweiten Open Call für Fotografen und Visual Artists, deren Arbeiten 2027 in einer kuratierten Gruppenausstellung in Berlin gezeigt werden. Bewerbungen sind bis 15. Oktober 2026 möglich.
Ruth Eichhorn, langjährige Director of Photography bei GEO und eine der einflussreichsten Bildredakteurinnen im deutschen Magazin-Fotojournalismus, ist gestorben. Sie prägte von 1994 bis 2015 die visuelle Gestaltung des Magazins und arbeitete mit international renommierten Fotografen zusammen.
Literatur
Literatur zwischen Auszeichnung und digitalem Wandel: Aktuelle Beiträge richten den Blick auf preiswürdige Neuerscheinungen und den wachsenden Einfluss von BookTok, der Vermarktung, Gestaltung und Erfolg von Büchern zunehmend mitprägt.
Für den mit 30.000 Euro dotierten Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2026, vergeben von Deutschlandfunk und der Stadt Braunschweig, stehen sechs Romane auf der Shortlist, darunter Werke von Shida Bazyar, Heike Geißler und Tomer Gardi.
Die TikTok-Subkultur BookTok hat sich zu einem zentralen Marketinginstrument der Buchbranche entwickelt: Verlage passen Cover an virale Trends an, Buchhandlungen richten eigene Regale ein und Bestsellerlisten werden vom Algorithmus mitgeschrieben.
Musik
Die Musikbranche in Bewegung: von Künstlerstreitigkeiten über Albumveröffentlichungen bis zum Wandel etablierter Musiktraditionen. Ein Überblick über aktuelle Entwicklungen und Diskurse.
Musiker der Bamberger Symphoniker geben ein Benefizkonzert mit Werken von Bach, Debussy, Händel, Hoffmeister, Mendelssohn Bartholdy und Chaminade.
Der Bariton Georg Nigl ist einer der prägenden Ausnahmekünstler der Salzburger Festspiele. Jetzt hat er Franz Schuberts „Schöne Müllerin“ aufgenommen. Natürlich ein Ereignis.
Die Schmölzer Bluestage sind nach 33 Jahren Geschichte: Das Blues-Festival findet nicht mehr statt, nachdem sich das Ende bereits seit zwei Jahren abgezeichnet hatte.
„Kaffkiez“ sollen einen Rosenheimer Kulturpreis bekommen, AfD-Politiker kritisieren die Entscheidung heftig. Wie die Band darauf reagiert.
Josef Menzl, Leiter der Kapelle Josef Menzl und Kulturpreisträger der Stadt Regensburg, erklärt im Interview, wie Blasmusik seit etwa 2007 durch Festivals wie das Woodstock der Blasmusik und die Brass Wiesn ein junges, wachsendes Publikum gewinnt.
Mary Austin öffnet zum 80. Geburtstag von Freddie Mercury dessen persönliches Archiv und veröffentlicht ein Buch mit unveröffentlichten Songtexten, Skizzen und unbekannten Songs, das intime Einblicke in Mercurys Arbeitsweise und Privatleben bietet.
Theater & Darstellende Kunst
Aktuelle Entwicklungen aus Theater und darstellender Kunst: Neuaufführungen und Performances laden zum Erleben ein.
Das Theaterstück „Empfänger unbekannt" feiert am 5. September 2026 im Theater im Palais Berlin-Premiere; im Anschluss diskutieren Regisseur Axel Pape, Darsteller Rainer Appel und Olaf Zimmermann vom Deutschen Kulturrat mit dem Publikum.
Marina Abramovićs Performance „Balkan Erotic Epic" verbindet in 13 Szenen Balkan-Mythen, Körper, Gesang und Spiritualität zu einem immersiven Ritual – bis 11. September in Duisburg.
Sonstiges
Das Salzburger Landestheater sucht ab der Spielzeit 2027/2028 eine:n Musikdirektor:in, der/die die Opernsparte musikalisch leitet und drei bis vier Neuproduktionen jährlich verantwortet. Bewerbungen sind bis 10. Oktober 2026 möglich.
Die VR Bank Oberfranken Mitte hat im Rahmen ihrer zweiten Spendenübergabe des Jahres insgesamt 13.250 Euro aus Mitteln des Gewinnsparens an 27 Kronacher Vereine, Verbände und Institutionen übergeben.
Das Kronacher Stadtfest findet am ersten September-Wochenende statt und bietet Livemusik, Straßenflohmarkt, Automeile und Hüpfburgen. Neu hinzu kommt eine Neuauflage des Kronacher Kino-Sommers.
Nachdem die städtische Gleichstellungs-Stelle das Traditionsgeschäft „Teufelsrad" auf dem Oktoberfest zur Neugestaltung weiblicher Figuren bewogen hat, distanzieren sich nun Wirtschaftsreferent Christian Scharpf und Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs von der Maßnahme.