Pressespiegel 03.09.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Kulturelle Institutionen und zivilgesellschaftliche Akteure geraten zunehmend zwischen geopolitische Spannungen und innenpolitische Konflikte. Die Schließung des Russischen Hauses und neue Forderungen nach politischen Loyalitätsbekenntnissen für Kulturförderung zeigen die Gefährdung von Kulturfreiheit.
Die Bundesregierung hat den Mietvertrag des Russischen Hauses in Berlin gekündigt und damit die Institution geschlossen, die jahrzehntelang als Ort deutsch-russischen Kulturaustauschs diente – als Reaktion auf Spionageverdacht und den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle.
Die AfD Sachsen-Anhalt plant eine „Patriotismusklausel", die Vereine und zivilgesellschaftliche Organisationen zur Bedingung für staatliche Förderung verpflichten würde; Experten warnen vor Finanzierungsentzug und zeitweisen Vereinsverboten als Druckmittel.
Kulturwirtschaft & Geschäftsmodelle
Klassische Musik verzeichnet Besucherrekorde und volle Häuser, während die Musikindustrie durch Großfusionen umgekrempelt wird. Zwei Beispiele für die wirtschaftliche Dynamik im Kultursektor.
Klassik-Institutionen wie die Bayerische Staatsoper und die Salzburger Festspiele feiern Auslastungsrekorde von bis zu 99 Prozent, doch der Kommentar hinterfragt, ob solche Zahlen durch Freikarten, weniger Aufführungen oder statistische Tricks entstehen und tatsächlich künstlerische Qualität belegen.
Bertelsmann schließt die Fusion seiner Musiktochter BMG mit dem US-Unternehmen Concord ab; das neue, unter dem Namen BMG firmierende Unternehmen mit Hauptsitz in Nashville erzielt 2026 einen Pro-forma-Jahresumsatz von 2,2 Milliarden US-Dollar.
Bildende Kunst
Ausstellungen in Bayern und darüber hinaus zeigen Werke von etablierten und zeitgenössischen Künstlern. Von regionalen Schauen bis zu internationalen Klassikern reicht das aktuelle Angebot der Galerien und Museen.
Eine KI stuft das Gemälde „Der Mann mit dem Goldhelm" mit 96-prozentiger Wahrscheinlichkeit als echten Rembrandt ein – entgegen dem kunsthistorischen Konsens seit 1986, der das Werk Rembrandts Umfeld zuschreibt.
Dagmar Sorgner-Thienel zeigt vom 4. bis 29. September 2026 in der Rathausgalerie Burghausen naturinspirierte Werke unter dem Titel „Farbenspiel", ergänzt durch drei Künstlerführungen im September.
Erlangen feiert den Punk, Nürnberg zeigt Köpfchen, Würzburg wird visionär und Bayreuth huldigt Afrika.
In Basel sind bis 15. November Originalzeichnungen und Comicseiten der US-amerikanischen Künstlerin Emil Ferris zu sehen, in denen Fantasie, Erinnerung und Geschichte zu komplexen Bildwelten verbunden werden.
Film & Fotografie
Die Filmfestspiele in Venedig zeigen, wie Kino und politische Verantwortung zusammenhängen. Dazu kommen Ehrungen für Medienschaffende und Filmtipps aus dem Kino-Programm.
George Clooney erhält bei den 83. Filmfestspielen Venedig den Goldenen Löwen und kritisiert die US-Regierung unter Trump als „Kakistokratie". Eröffnungsfilm ist Danny Boyles „Ink" über den Aufstieg von Rupert Murdochs Boulevardblatt „The Sun".
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zeichnet Moderator Johannes B. Kerner mit dem Ehrenpreis des Medienpreises „Blauer Panther" aus. Die offizielle Verleihung findet am 21. Oktober in der BMW Welt in München statt.
Paweł Pawlikowski spricht im Interview über seinen Film „Vaterland", der Thomas Manns Deutschlandreise 1949 zum Thema hat und in Cannes den Preis für die Beste Regie gewann, sowie über seine Arbeit mit Sandra Hüller und Hanns Zischler.
Die Dokumentation "Same Sun" begleitet Wiebke Lühmann auf einer 430-tägigen Radreise durch 22 afrikanische Länder und zeigt ihre persönliche Entwicklung; ab Herbst läuft der Film in deutschen und Schweizer Kinos.
Das CITY 46 Bremen zeigt vom 3. bis 9. September neue Spielfilme wie Ferzan Özpeteks „Diamanti" und den Dokumentarfilm „Noga", außerdem eine Vorpremiere über Holocaust-Überlebenden Albrecht Weinberg sowie Kinderfilm „Jazzy – Chaos im Regenwald".
Valerie Niehaus, Jurymitglied beim Deutschen Fernsehpreis, sieht die deutsche Fiction 2024 durch psychologisch vielschichtige Figuren geprägt, bei der Gut-Böse-Zuschreibungen verschwimmen, und beobachtet in der Comedy einen Wandel hin zu empathischem Humor auf eigene Kosten.
Literatur
Drei deutschsprachige Romane in unterschiedlichen Tonlagen: Maxim Biller verhandelt die Gegenwart von Juden in Deutschland nach dem 7. Oktober, Sven Regener erzählt eine Berliner Brüdergeschichte, und Jakob Hein schreibt eine absurde Dystopie über Weltpolitik.
Maxim Biller reflektiert in seinem aufrüttelnden Roman „Schwarze Samstage“ die Folgen des 7. Oktober für das Leben als Jude in Deutschland. Seine Antwort auf den Terror: große Literatur.
Sven Regeners neuer Roman „Frankie und Freddie" folgt den Brüdern Frank und Freddie Lehmann an einem einzigen Tag – Heiligabend 1980 in West-Berlin – bei der Suche nach einer verlorenen Tasche mit Freddies Flugticket nach New York.
Schauspielerin Karoline Eichhorn liest am 24. September auf Schloss Agathenburg aus Jakob Heins Roman „Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste"; für die Veranstaltung der Reihe „Literatur & Kulinarisches" gibt es nur noch wenige Restkarten.
Die tägliche Buchkritik-Übersicht bespricht unter anderem Shida Bazyars Roman „Die Lücken" über Deportationsgeschichte und Migration, Anousch Muellers DDR-Roman „Lori" sowie Neuerscheinungen zu historischen Themen von der Antike bis 1933.
Musik
Karriere-Wendepunkte, Würdigungen und Neuentdeckungen prägen die Musikwelt: Von Abschieden großer Künstler bis zu Plädoyers für Klassiker und Ausblicke auf kommende Festivalereignisse.
Komponist Ulrich Kreppein, Stipendiat 2023/24, hält einen Vortrag zur Opern-Premiere seines Werks „Caligari" im GLOBE Coburg.
Das Salzburger Ensemble Péridot unter Peter Peinstingl gibt am 13. September 2026 in der Pfarrkirche St. Georg in Ruhpolding ein Orchesterkonzert mit Werken von Michael Haydn und Edvard Grieg.
Das Superbloom Festival feierte im Münchner Olympiapark sein fünftes Jahr in verkleinertem Format mit Acts wie Zara Larsson, Tom Odell und DJ Kygo; der Sonntag zog deutlich mehr Publikum als der schwächer besuchte Samstag.
Das Festival SHALOM-MUSIK.KOELN eröffnete im Kölner Palais der Flora mit einem Abend zu Leben und Werk der Lyrikerin Hilde Domin, bei dem Sharon Brauner moderierte und Shay Cohen vier Domin-Gedichte als Uraufführung für Männerchor, Waldhorn und Klavier vertonte.
Die zweifache Grammy-Gewinnerin und Jazzvokalistin Cassandra Wilson ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Sie war bekannt für ungewöhnliche Interpretationen populärer Songs und arbeitete unter anderem mit den Roots, Angelique Kidjo und Wynton Marsalis zusammen.
Der US-amerikanische DJ Marshmello hat den Debütsong „Zehnvonzehn" der deutschen Newcomerin franz1 in seiner Instagram-Story geteilt und schwärmt, den Track nicht mehr aufhören zu können zu hören.
Tanz
Europäische Ballettbühnen setzen Standards: tanzmainz und das Ballett am Theater Basel gehören zu den führenden Ensembles. Auch in der zeitgenössischen Choreografie dominieren europäische Produktionen die Top-Rankings.
tanzmainz gewinnt den ersten Platz als bestes Tanzensemble, gefolgt von Ballett am Theater Basel, Staatsballett Hannover und MiR Dance Company Gelsenkirchen auf dem zweiten Platz.
„Bare" von Lucas Valente für das Ballett Zürich gewinnt die Kritikerumfrage der besten Tanzproduktionen, gefolgt von „Nurejew" von Kirill Serebrennikov und Yuri Possokhov beim Staatsballett Berlin.
Theater & Darstellende Kunst
Das Theater blickt zurück und nach vorne: herausragende Spielstätten der letzten Saison und neue Spielzeiten in Schwaben.
Das Landestheater Schwaben eröffnet den Oktober mit drei Premieren: dem Jugendstück „Titus" (10.10.), dem KI-Stück „Schwarze Schwäne" (17.10.) und der Boulevardkomödie „Doppelt leben hält besser" (23.10.).
Eine Kritikerumfrage kürt Favoriten der Tanz- und Theaterszene, darunter das Europäische Zentrum der Künste Hellerau, die Hamburger Staatsoper, die TanzFaktur Köln und das Theater Gera als herausragende Spielstätten der Saison.
Das Hamburger Ernst-Deutsch-Theater rüstet für das Stück „Timmy – die Hope stirbt zuletzt“ über den gestrandeten Wal auf: Nach Hassnachrichten werden künftig Sicherheitskräfte anwesend sein.
Sonstiges
Das Festival „Wasserburg leuchtet" findet am 12. September 2025 zum 20. Mal statt und verwandelt die historische Altstadt von Wasserburg am Inn mit Lichtinstallationen, Performances, drei Bühnen und Open-Air-Kino für eine Nacht in eine Kulturveranstaltung.
Nürnberger können bis 21. September abstimmen, welches Gebäude 2027 zur neuen Projektionsfläche der Blauen Nacht wird – zur Wahl stehen Lorenzkirche, EM-eukal-Haus und St. Elisabeth. Die Großprojektion verlässt nach über 20 Jahren erstmals die Kaiserburg.
Der Zirkus Charles Knie gastiert in Kempten, Wangen, Kaufbeuren und Memmingen und bietet eine Show mit Artistik, Tanz und 100.000 Litern Wasser. Tickets sind über AllgäuHIT zum Sonderpreis von 21 statt 38 Euro erhältlich.
Das „Kirill & Friends Berlin Festival" verbindet Theater, Film, Ausstellungen und Workshops und macht Berlin zehn Tage lang zur Plattform für künstlerischen Austausch – bis 13. September 2026.
Das ZDF bietet die „heute-show" ab sofort auch mit Audiodeskription an, sodass sehbeeinträchtigte und blinde Menschen der Sendung besser folgen können – verfügbar jeweils am Samstag nach der Ausstrahlung in der ZDF-Mediathek und auf YouTube.
Die Community wünscht sich für die Würzburger Zwiebelkirchweih in der Semmelstraße mehr Gastronomie, Livemusik und Kinderangebote sowie verstärkte Werbung für das seit 1647 bestehende Fest.