Pressespiegel 04.09.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Die Kulturbeziehungen zwischen Deutschland und Russland erleben einen massiven Bruch, während deutsche Kulturinstitutionen in Moskau geschlossen werden und fragwürdige Aktivitäten nach Sachsen verlagert werden. Parallel dazu stellen Finanzkrisen die Existenz etablierter Kultureinrichtungen wie der Oper Bonn in Frage.
Russland schließt alle drei verbliebenen Goethe-Institut-Standorte in Moskau, Sankt Petersburg und Nowosibirsk als Reaktion auf die Schließung des Russischen Hauses in Berlin, was Bundesaußenminister Wadephul und das Goethe-Institut als Ende des deutsch-russischen Kulturaustauschs kritisieren.
Nach dem angekündigten Ende des Russischen Hauses in Berlin rückt ein Dresdner Ableger der sanktionierten Betreiberorganisation Rossotrudnitschestwo in den Fokus. Grünen-Politiker Valentin Lippmann fordert Maßnahmen, um eine Verlagerung russischer Propagandaaktivitäten nach Sachsen zu verhindern.
Bonns Finanzkrise mit 2,5 Milliarden Euro Schulden und einem Haushaltsdefizit von bis zu 170 Millionen Euro bringt die städtische Oper in existenzielle Bedrängnis: Der Stadtrat diskutiert neben dem 426-Millionen-Neubau nun auch eine mögliche Schließung.
Kulturorte & Räume
Kulturelle Räume zwischen Bewahrung, Neueröffnung und Zwischennutzung: Aktuelle Beiträge zeigen, wie historische Orte erhalten, neue Kulturstätten geschaffen und ehemalige Gewerberäume für kulturelle Nutzungen erschlossen werden.
In einer ehemaligen Zeitungsdruckerei in München-Moosach eröffnet am 5. September 2026 das PRINTHOUSE, ein neuer Kultur- und Musikort für elektronische Musik, Jazz, Oper und Konzerte. Das Projekt von Christoph Pankowski, Henrik Szilit und Robert Benke startet als Zwischennutzung.
Der geplante Abriss einer Scheune und eines Holzlagers in der Kulmbacher Straße in Thurnau (Kreis Kulmbach) ist vorerst abgesagt, was Denkmalschützer als Etappensieg werten. Die damit verbundene Vollsperrung der Staatsstraße entfällt ebenfalls.
Mit der Kulturraffinerie K714 wurde in der kleinen Stadt Monheim am Rhein jetzt ein spektakulärer neuer Veranstaltungsort eröffnet. Er ist Symbol für eine beispiellose kommunale Kulturpolitik.
Toni Huber hält am 20. September 2026 im Theaterhaus Flintsbach einen Vortrag über die Geschichte des Petersbergs, eine der ältesten Kulturstätten Oberbayerns, mit Zeitzeugenberichten und historischen Bildaufnahmen. Der Eintritt ist frei.
KI & Kultur
Künstliche Intelligenz greift tiefer in etablierte Kulturformate ein: RTL nutzt KI, um Klassiker wie "Das Strafgericht" neu zu interpretieren, während gleichzeitig Urheberrechtsstreitigkeiten um KI-Trainingsmaterial vor Gericht landen.
RTL zeigt ab 7. September KI-bearbeitete Folgen von „Das Strafgericht", in denen alte Episoden mit neuen Charakteren, Handlungsverläufen und Urteilen versehen wurden – umgesetzt gemeinsam mit Constantin Entertainment mithilfe von Bildbearbeitung, Sprachsynthese und Lipsync-Technologie.
Der BGH verhandelt den Urheberrechtsstreit zwischen Fotograf Robert Kneschke und dem KI-Datensatz-Anbieter LAION und erwägt, zentrale Fragen zur Text-und-Data-Mining-Ausnahme dem EuGH vorzulegen, was eine europaweit gültige Grundsatzentscheidung bedeuten könnte.
Der Verband Deutscher Sprecher:innen (VDS) hat beim Bundeskartellamt Beschwerde gegen Netflix eingereicht, weil der Streamingdienst Synchronsprecher per Vertragsklausel zur KI-Trainings-Nutzung ihrer Stimmen verpflichtet, ohne Vergütung.
Bildende Kunst
Künstlerische Projekte zum dokumentarischen Schauen: Ein Fotograf porträtiert Kapellen im Holzland, während die Kunstmesse Positions in Berlin Debatten über Präsentation und Ortswechsel führt.
Der Künstler und Fotograf Ludwig Limbrunner aus Haarbach dokumentiert Kapellen im Holzland (Landkreis Passau) auf einer eigenen Website mit Fotos, historischen Hintergründen und Radtourenvorschlägen, um deren Geschichte vor dem Vergessen zu bewahren.
Die Positions Berlin kehrt 2025 mit 86 Galerien in die Hangars des Flughafens Tempelhof zurück, nachdem Sanierungsarbeiten die Messe im Vorjahr eingeschränkt hatten, und findet als Teil der Berlin Art Week mit neuem Design-Segment statt.
George Lucas eröffnet am 22. September in Los Angeles das „Lucas Museum of Narrative Art", das über 40.000 Werke narrativer Kunst zeigt – von Gemälden über Comics bis zu Requisiten aus „Star Wars"-Filmen.
Film & Fotografie
Von Festivals über Produktionen bis zur Filmförderung: aktuelle Debatten und Highlights aus Kino und Serie. Mit Premieren, Comebacks und Streitfragen zur Zukunft des deutschen Films.
Matthias Helwig, Gründer der Breitwand-Kinos und des Fünf-Seen-Filmfestivals, spricht über 40 Jahre Kinogeschichte im Münchner Umland und fordert eine grundlegende Reform der deutschen Filmförderung, die seiner Ansicht nach künstlerische Qualität zugunsten marktorientierter Produktionen vernachlässigt.
Beim Filmfestival Venedig gilt Martin McDonaghs „Wild Horse Nine" mit John Malkovich und Sam Rockwell als früher Favorit auf den Goldenen Löwen, während Werner Herzogs Wettbewerbsbeitrag „Bucking Fastard" bei Kritikern durchfällt.
Ein Typ ohne Behinderung spielt, dass er eine habe – in einem Feriencamp für wirklich Beeinträchtigte. „Das gewisse Etwas“ ist das deutsche Remake eines französischen Kinohits. Kommt es an die Vorlage heran?
Matthias Brandt und Barbara Auer kehren als frühere „Polizeiruf 110"-Ermittler in der neuen Folge „Hotel Bogota" zurück und ermitteln gemeinsam mit dem aktuellen Duo Johanna Wokalek und Stephan Zinner; Regie führt erneut Christian Petzold.
Stephan Lamby, neuer Juryvorsitzender des Deutschen Fernsehpreises, sieht die Branche trotz wirtschaftlichen Drucks inhaltlich stark, besonders im Dokumentationsbereich, während das Fernsehprogramm gesellschaftliche Veränderungen und politische Spannungen zunehmend widerspiegelt.
Die DGPh und Fotografiska Berlin veranstalten am 19. September 2026 den Abend „Photography Today — Tomorrow?" mit einem Panel über Fotografie zwischen KI und Markt sowie einem Photo Slam, für den eine Jury aus 200 internationalen Einreichungen auswählte.
Literatur
Fünf neue literarische Werke stehen im Fokus: Von Sven Regeners witzig-rührdendem Lehmann-Roman über historische Geschichtserzählungen bis hin zu persönlichen Erinnerungen und Debütromanen.
Der Meister der großen Herzen: Sven Regeners neuer Lehmann-Roman „Frankie und Freddie“ ist eklatant witzig – und sehr rührend.
Shida Bazyar beleuchtet in ihrem Roman „Die Lücken" ein Jahrhundert deutscher Geschichte anhand der Ereignisse in einem kleinen Ort im Hunsrück.
Edgar Selge verbindet in seinem neuen Buch „Juras letzter Winter" das Tagebuch des 16-jährigen Jura Rjabinkin, der die Leningrader Blockade nicht überlebte, mit eigenen Erinnerungen und Reflexionen zu einem autofiktionalen Werk.
Der Coburger Schriftsteller Manfred Kern verarbeitet in seinen Büchern Kindheitserinnerungen aus dem Hohenlohischen und seine Beziehung zum Dialekt, den er als Kind nicht sprechen durfte.
Die Journalistin und Mutter Marie Therese Binder aus Ostermünchen hat ihren ersten Roman „Zitronenbitter – Flucht nach Positano" veröffentlicht, der von einem Neuanfang einer Frau im italienischen Positano handelt.
Musik
Von internationalen Orchesterfestivals bis zu neuen Album-Veröffentlichungen: Aktuelle Nachrichten und Porträts aus der Musikszene zwischen Klassik, Pop und Rock.
Das Lucerne Festival öffnet sich unter neuem Intendant Sebastian Nordmann mit kostenlosen Straßenkonzerten und interaktiven Formaten für breiteres Publikum, während im KKL die Berliner Philharmoniker und das Royal Concertgebouw Orchestra als gleichwertige Spitzenorchester gegeneinander antraten.
Die Berliner HipHop-Eventreihe Unreleased hat ihre „Support Real Artist Tour" als Reaktion auf den wachsenden KI-Einfluss in der Musikbranche gestartet und in der Kölner Live Music Hall mit 17 Acts, darunter Joy Denalane und Badchieff, eröffnet.
Alphaville lehnen die Wiedereinladung zum „Glücksgefühle"-Festival ab, obwohl sich Veranstalter Markus Krampe für die Ausladung entschuldigt hatte. Die Band um Marian Gold begründet dies mit einer entstandenen Atmosphäre, die freie Meinungsäußerung einschränke, und spendet die Gage.
Das Rockfestival «Jamel rockt den Förster» findet nach einem beigelegten Pachtstreit erneut im mecklenburgischen Dorf Jamel statt und erwartet täglich 2.500 Besucher. Das 2007 gegründete Festival setzt seit 20 Jahren ein Zeichen gegen Rechtsextremismus.
Das Liveprogramm zur Bayerischen Landesausstellung „Musik in Bayern" bietet im September 2026 auf Schloss Wolfstein und in Freyung ein vielfältiges Spektrum von historischem Schlossfest über Jazz, Blues und Wirtshausmusik bis zu Acoustic-Pop und Rock.
Der BGH hat im jahrzehntelangen Sampling-Streit zwischen Kraftwerk und Produzent Moses Pelham entschieden, dass die Übernahme einer Rhythmussequenz aus „Metall auf Metall" ab Juni 2021 als erlaubnisfreier Pastiche nach §51a UrhG zulässig ist.
Mine (Jasmin Stocker) veröffentlicht mit KILLER ein experimentelles Polit-Pop-Album, das Themen wie soziale Ungleichheit, Rechtsruck und Beziehungskrisen mit Soundexperimenten und Stimmverfremdung verbindet – ehrgeizig, aber zu kalkuliert für echte Aggression.
Volkskultur & Brauchtum
Volksfeste und regionale Bräuche prägen das kulturelle Jahr: vom Gillamoos in Abensberg über die Mitwitzer Kerwa bis zur Zeulenreuther Zeltkerwa zeigen sich Tradition und Gegenwart in voller Vielfalt.
Der Gillamoos 2026 in Abensberg findet vom 4. bis 7. September statt und umfasst neben Trachtenumzug, Holzsägewettbewerb und Kocherlball erstmals die Queenie & Kini Show sowie den politischen Stammtisch mit Söder, Aiwanger und weiteren Parteivertretern.
Die Mitwitzer Kirchweih hat mit einem neuen dezentralen Konzept, bei dem der gesamte Ort als Festplatz dient, wieder mehr Zulauf gewonnen und die einwöchige Festwoche Ende August als Erfolg beendet.
Die Zeulenreuther Zeltkerwa findet vier Tage lang statt und verbindet traditionelles Brauchtum wie Aus- und Eingraben mit Blasmusik, Party und Metal-Musik, wobei der Samstag einen besonderen programmatischen Akzent setzt.
Sonstiges
Tanja Keller, seit März Präsidentin der bayerischen Landessynode, will die evangelische Kirche durch Stellenabbau und Gebäudereduzierung modernisieren und setzt dabei auf mehr Frauen in Führungspositionen sowie klare Haltungen zu Demokratie und Klimaschutz.
Die Hamburger Wissenschaftlerin Sophia Dege-Müller erhält vom Europäischen Forschungsrat 2,5 Millionen Euro, um bislang kaum untersuchte religiöse Handschriften der äthiopischen Juden (Beta Israel) wissenschaftlich zu erforschen.
Pfarrer Ulrich Schindler verabschiedet sich nach 14 Jahren in Heilsbronn mit dem Kulturprojekt „Tanzen über den Gräbern" im Münster-Mortuarium, das Totentanz-Motive mit christlicher Auferstehungshoffnung verbindet und Ausstellung, Tanzperformance sowie Liederabend umfasst.
Der Fränkische Theatersommer gastiert am 12. September auf Maffei in Auerbach mit der Komödie „Die Geliebte meines Mannes", in der eine Ehefrau ihren Mann loswerden will und dabei in turbulente Verwicklungen gerät.
Die Museumsdampfbahn in der Fränkischen Schweiz verbindet auf der rund 45-minütigen Strecke zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle historische Zugfahrten mit Wanderungen durch Felsenlandschaften und Höhlenbesuchen.