Pressespiegel 05.09.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Kulturpolitik zwischen internationaler Verständigung und gesellschaftlicher Verantwortung: Aktuelle Beiträge beleuchten die Zukunft der auswärtigen Kulturarbeit und die stärkere Förderung jüdischen Lebens als Signal gegen Antisemitismus.
Russland schließt die Goethe-Institute – als Symbol des gegenseitigen Vertrauensverlusts. Aber ist das wirklich so schlimm? Man könnte die auswärtige Kulturpolitik gleich ganz anders denken.
Bayern erhöht die staatliche Förderung für jüdische Gemeinden von 20 auf 26 Millionen Euro. Ministerpräsident Markus Söder unterzeichnete den erneuerten Staatsvertrag und nannte ihn ein Signal gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben.
Institutionelle Kulturorte
Kulturorte zwischen baulichen Herausforderungen und Fragen der Erreichbarkeit: Aktuelle Beiträge zeigen, wie statische Mängel den Spielbetrieb beeinträchtigen und neue Parkregelungen rund um Veranstaltungsstätten für Diskussionen sorgen.
Statische Mängel am Bühnenturm des Düsseldorfer Opernhauses zwingen die Deutsche Oper am Rhein, mehrere Vorstellungen zu Saisonbeginn abzusagen, darunter die Wagner-Premiere der Meistersinger von Nürnberg am 11. Oktober.
Die Coburger Wohnbau plant, am Globe-Parkplatz künftig Gebühren zu erheben, was in sozialen Medien heftige Kritik ausgelöst hat und Fragen zu möglichen Staus nach Veranstaltungen aufwirft.
Das Theater Altenburg Gera verlängert den Vertrag mit Generalmusikdirektor Ruben Gazarian um drei Jahre bis Sommer 2030; der armenische Dirigent ist seit der Spielzeit 2020/21 am Haus tätig.
Erinnerungskultur
Denkmale, Museen und historische Orte bewahren kollektive Erinnerungen und machen vergangene Ereignisse greifbar. Diese Artikel führen an Stätten und Initiativen, die Geschichte lebendig halten – von Kunstsammlungen über Gedenkstätten bis zu denkmalpflegerischen Projekten.
An der Universität Regensburg und der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg findet vom 9. bis 11. September 2026 eine internationale Tagung statt, bei der Psychologinnen und Historikerinnen gemeinsam erforschen, warum Menschen Autoritäten auch gegen ihre eigenen Wertvorstellungen gehorchen.
Der Kölner Kunstsammler Josef Haubrich rettete in der NS-Zeit zahlreiche Kunstwerke und schenkte sie seiner Heimatstadt Köln. Seine Sammlung mit Werken von Chagall, Beckmann und Dix ist heute im Museum Ludwig zu sehen.
Die Graphic Novel „Herr Werner wird zum Dieb" erzählt für Kinder die wahre Geschichte eines Hausmeisters, der in der NS-Zeit Kunstwerke vor der Zerstörung rettet.
Am Tag des offenen Denkmals (13. September) öffnet das Künstlerhaus Exter in Übersee-Feldwies von 13 bis 17 Uhr kostenlos seine Türen mit freiem Rundgang, Ciceroni-Stationen zu Restaurierungen und Gartengeschichte sowie Einblicken in Leben und Werk von Julius Exter.
In Wässerndorf verbinden sich die Geschichte der 1938 zwangsumgesiedelten Bonnländer, die Zerstörung des Schlosses 1945 und die Erinnerung an Friedrich Schillers Tochter Henriette zu einem gemeinsamen Ort des kulturellen Gedächtnisses.
Wirkung & gesellschaftlicher Nutzen
Künstler und Kultureinrichtungen positionieren sich zu gesellschaftlichen Fragen: Sie setzen sich für demokratische Werte ein, warnen vor politischen Entwicklungen und schaffen Räume für gemeinsames Handeln. Gleichzeitig öffnen sich Kulturorte wie der Yu Garden als Vermittler für internationales Verständnis und Kulturerbe.
Mecklenburg-Vorpommerns öffentliche Theater rufen vor der Landtagswahl zu gemeinsamen Sing-Aktionen an öffentlichen Orten auf, um ein Zeichen für Demokratie, Vielfalt und Kunstfreiheit zu setzen.
Udo Lindenberg ruft vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt via Instagram dazu auf, das AfD-Programm kritisch zu prüfen, und warnt: Politische Wut allein sei kein Wahlprogramm.
Zum 40. Jubiläum der Städtepartnerschaft Hamburg–Shanghai wurde im Yu Garden Hamburg das „China Intangible Cultural Heritage Overseas Experience Center" eröffnet, das chinesisches immaterielles Kulturerbe für Hamburgerinnen und Hamburger erlebbar machen soll.
Kulturvermittlung
Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz steht im Mittelpunkt dieser Sektion: Eine Workshop-Reihe zur Rolle der Medien in der Demokratie , Stadtführungen mit geflüchteten Journalisten und ein Kinderbuch über Klänge und Kommunikation zeigen verschiedene Wege, wie Menschen – unabhängig vom Alter – einen bewussteren Umgang mit Information und Wahrnehmung entwickeln.
Das Medien-Café Bamberg startet am 22. September 2026 eine vierteilige Veranstaltungsreihe zum Thema Medien und Demokratie, moderiert vom Journalisten Johannes Michel, bei der Teilnehmende über Glaubwürdigkeit, Falschmeldungen und demokratische Diskussionskultur diskutieren.
CORRECTIV und querstadtein e.V. entwickeln Berliner Stadtrundgänge, bei denen exilierte Medienschaffende an konkreten Orten ihre persönlichen Erfahrungen mit Pressefreiheit und politischer Verfolgung schildern. Das Bildungsangebot steht allen offen und wird von der Deutschen Postcode Lotterie gefördert.
Olga Fadejewas Sachbuch „Sounds" erklärt Kindern, wie Menschen und Tiere hören und kommunizieren und welche Bedeutung Geräusche für unsere Welt haben.
Bildende Kunst
Künstler arbeiten mit Archiven und Geschichte oder präsentieren ihre Positionen neu. Ein Querschnitt durch Ausstellungen, Kunsträume und Diskurse der bildenden Kunst.
Die Ausstellung „Memory Gap" im Haus der Kunst München zeigt bis 19. September 2026, wie rund 17 Künstlerinnen und Künstler mit Archivmaterial arbeiten – von Kolonialgeschichte über Familienerbstücke bis zu weggeworfenen CDs.
Am 25. Oktober 2026 zeigen elf Kunstschaffende im Augsburger Stadtteil Pfersee an neun Orten Werke aus Malerei, Fotografie, Installation und weiteren Sparten; Livekonzerte der Klezmerband Gadje und weiterer Musikerinnen begleiten das jährliche Format.
Das Museum Goch zeigt vom 6. September bis 15. November 2026 die Ausstellung „self on stage", in der 24 internationale Künstlerinnen Selbstinszenierung als künstlerische Strategie zur Untersuchung von Weiblichkeit, Körper und Identität einsetzen.
Galeristin Gisela Capitain blickt im Interview auf 40 Jahre Galeriearbeit zurück und schildert, wie ihre Freundschaft und Zusammenarbeit mit Martin Kippenberger ihren Blick auf Kunst und Künstler bis heute prägt.
Film & Fotografie
Film und Fotografie zwischen politischer Haltung, gesellschaftlicher Reflexion und Zeitzeugenschaft: Aktuelle Beiträge reichen von moralischen Fragen im Kino bis zu fotografischen Positionen, die Menschen und Lebenswelten ihrer Zeit dokumentieren.
Viele bekannte Gesichter der Filmbranche fragen sich gerade, ob es Zeit wäre, politisch „Haltung“ zu zeigen. Aber wie geht das eigentlich? Fragen an Emilia Schüle, die sich genau darum bemüht.
Bei den 83. Filmfestspielen Venedig behandeln mehrere Wettbewerbsbeiträge das Thema Vergebung: Shinya Tsukamotos Film über einen traumatisierten Vietnamveteranen und Paul Schraders „The Basics of Philosophy" über einen Philosophieprofessor mit missbrauchter Vergangenheit.
Werner Herzog präsentiert bei den 83. Filmfestspielen Venedig im Wettbewerb um den Goldenen Löwen „Bucking Fastard", eine Außenseiterfabel über Zwillingsschwestern, inspiriert vom wahren Fall der Chaplin-Zwillinge, mit Rooney und Kate Mara in den Hauptrollen.
Ferzan Özpeteks Film „Diamanti" erzählt von zwei Schwestern, die im Rom der 1970er Jahre ein Kostümatelier betreiben, und verbindet opulente Kostümgeschichte mit weiblicher Solidarität gegen patriarchale Strukturen – getragen von einem starken Ensemble.
Datacolor ruft zur zehnten Ausgabe seines Fotowettbewerbs unter dem Motto „Farbenspiel" auf. Bis zum 18. Oktober 2026 können Fotografen bis zu drei Bilder einreichen und Preise im Gesamtwert von rund 3.500 Euro gewinnen.
Der Brooklyner Fotograf Jamel Shabazz dokumentierte ab den frühen 1980er-Jahren das Straßenleben New Yorks und den Alltag im Gefängnis Rikers Island; die Deutsche Börse Photography Foundation widmet ihm nun erstmals in Deutschland eine umfassende Ausstellung.
Das LVR-Landesmuseum Bonn zeigt von Oktober 2026 bis Februar 2027 die Ausstellung „Fluchtpunkt Paris" über die Fotografinnen Gisèle Freund, Rogi André und Madame d'Ora, die im Paris der Avantgarde wirkten und Persönlichkeiten wie Picasso und Simone de Beauvoir porträtierten.
Frankreich feiert von September 2026 bis September 2027 unter dem Titel „Bicentenaire de la Photographie" den 200. Jahrestag der Fotografie mit über 1.000 Ausstellungen, Festivals, Publikationen und Bildungsprojekten in Frankreich und rund 40 weiteren Ländern.
Literatur
Drei Leseempfehlungen dieser Woche: ein für den Deutschen Buchpreis nominierter Roman über das Leben unter Diktatur, ein poetisches Bilderbuch über Eigensinn und Naturbeobachtung, sowie die tägliche Sammlung der wichtigsten Buchkritiken aus führenden Medien.
In ihrem Roman „Gulistan“ erzählt Karosh Taha das Schicksal einer Kurdin unter Saddam Hussein – mit zerklüfteter Syntax und Bildern am Rande des Wahnsinns. Und ist damit für den Deutschen Buchpreis nominiert.
Das Bilderbuch „Alfonso und die Wolken" erzählt von einem Eichhörnchen, das lieber Wolken fotografiert als Nüsse sammelt, und behandelt Themen wie Mut, Fantasie und Individualität.
Die tägliche Bücherschau bündelt Kritiken aus neun Medien, darunter Besprechungen zu Maxim Billers Roman über jüdische Geschichte, Rachel Cusks Selbstreflexion, Jutta Pilgrams Graphic Novel über religiöse Orthodoxie und Davide Giuriatos Essay über die politische Fliege.
Die Grass-Stiftung hatte im Mai die Zusammenarbeit mit dem Steidl-Verlag beendet. Die Bühnen- und Filmrechte bleiben bei einem Vertrieb in Berlin.
Musik
Vom Soloalbum über Generationenchorgesang bis zur Gedenkunterhaltung: Die aktuelle Musikberichterstattung spannt einen breiten Bogen von Künstlerportraits bis zu Konzertankündigungen.
Das Rheingau Musik Festival zieht nach seiner 39. Auflage mit 152 Konzerten eine positive Bilanz: 91 Prozent Auslastung und rund 6.000 mehr verkaufte Karten als im Vorjahr. 2027 feiert das Festival sein 40-jähriges Jubiläum.
Im 6. und letzten Bamberger Sonntagskonzert „Klassik im Kreuzgang" erklingen am 6. September im romanischen Kreuzgang des ehemaligen Karmelitenklosters ausschließlich Barocksolokonzerte von Couperin, Bach und Vivaldi.
Der Komponist Ari Benjamin Meyers leitet den „Chor der Zeitastronauten" – mutmaßlich Deutschlands ältesten Chor – als Teil der Jubiläumsausstellung „Das Gegenteil von Jetzt" im Jüdischen Museum Berlin, in der über 90-jährige Sängerinnen und Sänger ihr Verhältnis zur Zeit thematisieren.
Unter dem Projektnamen „Soundcheck Kulmain" veranstaltet René Schneider am 12. September in der Tauritzmühle bei Speichersdorf eine offene Jam Session für Musiker aller Erfahrungsstufen; der Erlös geht an das SOS-Kinderdorf.
Die Coburger Konzertreihe Huk-Sommer-Open-Air endete mit einem Abschlusskonzert von Santiano an der Ehrenburg. Veranstalterin Gaby Heyder setzte dabei bewusst auf härtere Acts wie Powerwolf und plant bereits das Folgejahr.
Farin Urlaub veröffentlicht nach zwölf Jahren sein neues Soloalbum „Ein Lächeln im Gesicht", das er auf Reisen und weitgehend im Alleingang aufnahm und das seinem typischen Sound aus Gitarrenmelodien, Experimenten und sarkastischen Texten treu bleibt.
DJ Beauty & the Beats sagt seinen Auftritt beim Glücksgefühle-Festival auf dem Hockenheimring aus Protest ab – ohne Gage –, weil der Veranstalter Alphaville zunächst politische Äußerungen auf der Bühne verboten hatte.
Theater & Darstellende Kunst
Marina Abramović provoziert mit ihrer Balkan-Performance bei der Ruhrtriennale, während andernorts Theater- und Kulturfeste ihre neuen Spielzeiten einleiten. Von künstlerischen Grenzen bis zu Familienprogrammen: aktuelle Highlights der Darstellenden Kunst.
Marina Abramović zeigt bei der Ruhrtriennale 2026 die Deutschland-Premiere von „Balkan Erotic Epic": Ein vierstündiger Performance-Parcours mit 13 parallelen Ritualszenen in der Kraftzentrale, der auf Immersion setzt, laut Kritik aber überwiegend als aufwendige Kunstinszenierung wahrgenommen wird.
Cate Blanchett und Nina Hoss spielen am National Theatre in London zwei Frauen, die sich fetzen, spiegeln, vielleicht sogar ein und dieselbe sind. So nahe wie in der atemberaubenden Inszenierung „Electra/Persona“ kommt man den Figuren selten.
Das Landestheater Schwaben lädt am 19. September zum kostenlosen Theaterfest in Memmingen ein, mit Werkstattbesichtigungen, Kinderprogramm und einer Spielzeitvorschau auf die Sternen-Spielzeit 26/27 um 19.30 Uhr.
Das Turamichele-Familienfest findet am 26. und 27. September 2026 in der Augsburger Innenstadt statt. Die Augsburger Puppenkiste bespielt die Bühne, ergänzt durch Mitmachaktionen, Märchenzelt und die parallel stattfindende Fuggerstadt Classic.
Die Bamberger Anonymen Improniker starten nach der Sommerpause am 18. September um 20 Uhr im Jazzkeller in der Oberen Sandstraße 18 in die neue Saison; Karten sind beim BVD, online oder an der Abendkasse erhältlich.
Sonstiges
Der Bundesverband Schausteller und Marktkaufleute boykottiert den traditionellen Wiesn-Rundgang, um gegen städtische Aufforderungen zur Umgestaltung von Fahrgeschäft-Figuren wegen rassistischer und sexistischer Stereotype zu protestieren. Die Stadt München bedauert die Absage.
Erstmals findet auf dem Münchner Oktoberfest am 21. September ein eigenes Event für queere Frauen und FLINTA-Personen statt: Veranstalterin Sina Scherer lädt rund 700 Gäste unter dem Motto „Bier, Boobs, Brezn" ins Festzelt Bräurosl.
Holger Sedlmayer betreibt mit seinem Laden hide [m] in einem Untergeschoss der Rosenheimerstraße in München ein Geschäft für Avantgarde-Mode.
Die Kulturzeit-Sendung vom 04.09.2026 behandelt unter anderem Robert Misiks Buch „Erziehung zur Grausamkeit" über den Aufstieg der Neuen Rechten sowie die neue Gorki-Intendantin Çağla Ilk, die das Konzept des postmigrantischen Theaters neu ausrichtet.
Dörthe Pankowski wird zum 1. Dezember neue Justitiarin des RBB und folgt auf Kerstin Skiba, die zur ARD-Geschäftsstelle wechselt. Pankowski war zuvor u.a. für MDR, Telepool und die Filmförderungsanstalt FFA tätig.