Pressespiegel 06.09.2026
Erinnerungskultur
Zwei Beiträge zur Wahrung kulturellen Gedächtnisses: Ein argentinisches Gericht ordnet die Rückgabe von NS-Raubkunst an, während im Frankenwald eine historische Kirche ihr 90-jähriges Bestehen feiert und dabei ein Kapitel lokaler Gemeinschaftsgeschichte bewahrt.
Ein argentinisches Bundesgericht hat die Rückgabe von Giacomo Antonio Melchiorre Cerutis „Porträt einer Dame" an die Erbin des jüdischen Galeristen Jacques Goudstikker angeordnet, nachdem das Gemälde im Haus der Tochter eines NS-Funktionärs in Mar del Plata entdeckt worden war.
Die Kreuzerhöhungskirche in Traindorf im Landkreis Kulmbach feiert am 6. September ihr 90. Kirchweihfest – ein Zeugnis des einstigen Dorfzusammenhalts, der den Kirchenbau in den 1930er-Jahren erst möglich machte.
Film & Fotografie
Filmfestivals, Auszeichnungen und Ausstellungen prägen die Filmkunst und Fotografie: Vom Tod eines bedeutenden französischen Künstlers über prominente Premieren bis hin zu Retrospektiven und Dokumentarfotografien.
Der französische Regisseur und Komponist Tony Gatlif ist mit 77 Jahren gestorben. Er wurde bekannt durch sozialkritische Filme über das Leben von Sinti und Roma und gewann zweimal den César für den besten Soundtrack.
Liam und Noel Gallagher sind bei den 83. Filmfestspielen Venedig eingetroffen, wo ihre Doku „Oasis: Don't Look Back In Anger" zur Reunion-Tour „Oasis Live '25" Weltpremiere feiert und ab 9. September in deutschen Kinos läuft.
Die Emmy-Gala findet am 14. September statt, doch 102 von 121 Preisen werden bereits am Wochenende davor vergeben. „Heated Rivalry" fehlt unter den Nominierten, weil es eine rein kanadische Produktion ohne US-amerikanische Beteiligung ist.
Zum 100. Geburtstag von Fotograf F.C. Gundlach gibt Sebastian Lux, Leiter der Stiftung F.C. Gundlach Hamburg, am 22. September 2026 im LVR-Landesmuseum Bonn Einblicke in Gundlachs Werk, darunter seine ikonischen Aufnahmen für das Magazin „Film und Frau".
Das Ruhr Museum in Essen zeigt die Ausstellung „Wie man lebt – wo man lebt" mit rund 200 Dokumentarfotografien von Brigitte Kraemer, die über vier Jahrzehnte das Alltagsleben im Ruhrgebiet zu Themen wie Migration, Arbeit und sozialem Wandel festhält; die Schau wurde bis April 2027 verlängert.
Musik
Zwischen Medienwandel, neuen Hörgewohnheiten und Festivalbühne: Aktuelle Beiträge reichen vom Ende traditionsreicher TV-Formate über das Comeback der CD bis zu elektronischer Clubkultur und der anhaltenden Wirkung großer Pop-Hymnen.
Nach rund 30 Jahren wird die ARD-Schlagersendung „Immer wieder sonntags" aus dem Europa-Park Rust abgesetzt. SWR und ARD begründen das Ende mit Sparmaßnahmen; Moderator Stefan Mross plant eine Fortführung bei einem anderen Sender.
Laut Luminate-Daten stiegen CD-Verkäufe im ersten Halbjahr 2026 um 16 Prozent, angetrieben von Gen Z und Millennials, die vor allem K-Pop und Musik der Neunziger auf dem physischen Tonträger bevorzugen – mehr als Vinyl.
Beim ersten Kreuzer-Open-Air im Bayreuther Kreuzsteinbad tritt DJ-Legende Sven Väth als Headliner auf; fünf weitere DJs eröffnen das von Ahmad Kordbacheh und dem Team der Fabrik organisierte Techno- und House-Event.
Alphaville-Frontmann Marian Gold dankt in einem Instagram-Statement für die Solidaritätswelle nach der Ausladung vom Glücksgefühle-Festival, bei dem das Lied „Forever Young" trotz Bandabsenz zur inoffiziellen Hymne wurde.
Rapperin Nura griff beim Glücksgefühle-Festival auf dem Hockenheimring Andreas Gabalier verbal an und kritisierte die Festivalveranstalter, nachdem die Band Alphaville zuvor ausgeladen worden war. Gabalier reagierte öffentlich nicht auf die Attacke.
Theater & Darstellende Kunst
Vier Blicke auf das Theater: ein Nachruf auf die österreichische Schauspiellegende Erni Mangold, eine Uraufführung über Goethe und Schiller am Schiller Theater Rudolstadt, die Eröffnung der neuen Intendantin Çağla Ilk am Maxim Gorki Theater Berlin und die Inszenierung „Die Jugend von Orleans" an der Bürgerbühne des Staatsschauspiels Dresden.
Unkonventionell, aufsässig, selbstbestimmt: Die österreichische Schauspiellegende Erni Mangold ist im Alter von 99 Jahren gestorben.
Am Schiller Theater Rudolstadt feiert Michael Klieferts Zweipersonenstück „Das Stück vom Glück" Uraufführung, das Goethe und Schiller ab ihrem „Rudolstädter Handschlag" 1794 in lebhaftem intellektuellem Austausch zeigt.
Çağla Ilk eröffnet ihre Intendanz am Maxim Gorki Theater Berlin mit der raumgreifenden Installation „Fuge" des Künstlers Sarkis, die Originalobjekte des Theaterkünstlers Tadeusz Kantor einbezieht, jedoch laut Kritik eher einem Museumsbesuch als einem Theatererlebnis gleicht.
Regisseur Felix Krakau inszeniert an der Bürgerbühne des Staatsschauspiels Dresden mit zwölf Jugendlichen „Die Jugend von Orleans" nach Schiller und verbindet Johannas Geschichte mit den Ängsten und Hoffnungen einer Generation, die mit Kriegsnachrichten und Krisenfolgen aufwächst.
Volkskultur & Brauchtum
Trachten und Feste prägen die alpländische Kultur bis heute und überlieferte Bräuche erleben regelmäßig ihre Renaissance.
Zur Wiesn 2026 dominieren lange, traditionelle Dirndl in Rot-, Grün- und Erdtönen, hochwertige Materialien wie Samt und Leinen sowie der Ton-in-Ton-Look. Turnschuhe und Billig-Tracht gelten als No-Go.
Der Dirndl-Schleifen-Code, der den Beziehungsstatus der Trägerin anzeigen soll, ist entgegen verbreiteter Annahmen keine alte Tradition, sondern entstand erst in den 1980er Jahren und wurde durch Tourismus und Volksfeste populär.
Sonstiges
Die denkmalgeschützte Auferstehungskirche im Münchner Westend hat eine 65-Kilowatt-Photovoltaikanlage mit zwei Batteriespeichern in Betrieb genommen und erfüllt damit Auflagen des Denkmalschutzes sowie Vorgaben des bayerischen Klimaschutzgesetzes.
Potsdam hat in seiner historischen Mitte ein neues Kultur-Quartier mit sieben Gebäuden eröffnet, das Ateliers, Studios, Probenräume und Veranstaltungsflächen beherbergt und laut Kulturministerin Manja Schüle ein Signal für die kulturelle Infrastruktur Brandenburgs setzen soll.
Die Bücherschau hebt Maxim Billers „Schwarze Samstage" als eines der Bücher des Jahres hervor, das den 7. Oktober und seine Folgen für jüdische Seelen verarbeitet. Weitere besprochene Werke sind Monika Marons „Vier Minuten" und Dana Vowinckels „Anton und Alma".
Das Weiße Haus hat fünf Browser-Games auf seiner Website veröffentlicht, die bekannte Arcade-Spiele wie Tetris und Flappy Bird kopieren und politische Botschaften der Trump-Administration transportieren. Die Tetris Company droht mit rechtlichen Schritten wegen Copyright-Verletzung.