Pressespiegel 07.09.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Theater braucht Unabhängigkeit von politischen Eingriffen — ein Thema, das angesichts erstarkender Rechtsextremismus-Tendenzen in Deutschland neue Brisanz gewinnt. Die drei Beiträge beleuchten, wie kulturelle Freiheit unter Druck gerät.
Julien Chavaz, Generalintendant des Theaters Magdeburg, warnt vor politischem Einfluss auf Theaterprogramme durch Finanzierungsdruck und betont, dass künstlerische Freiheit unabhängig von ideologischen Vorgaben bleiben muss.
Hans-Georg Wegner, Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters, erklärt vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern, warum sein Theater mit Vielfalt, gesellschaftlichem Engagement und künstlerischer Offenheit Haltung gegen kulturpolitische Einflussnahme durch die AfD zeigt.
Der Zentralrat der Juden reagiert entsetzt auf das starke AfD-Abschneiden bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Präsident Josef Schuster warnt vor immensen Schäden durch eine mögliche AfD-geführte Landesregierung, besonders für Bildung und den Kampf gegen Antisemitismus.
Film & Fotografie
Auszeichnungen und Nominierungen prägen die aktuelle Filmlandschaft: Bei den bevorstehenden Emmy Awards werden Rekordmengen an Preisen vergeben, während Luna Wedler beim Fünf Seen Filmfestival mit dem Hannelore-Elsner-Preis geehrt wird.
Die Schweizer Schauspielerin Luna Wedler erhält beim 20. Fünf Seen Filmfestival in Starnberg den mit 5.000 Euro dotierten Hannelore-Elsner-Preis und folgt damit auf Preisträgerinnen wie Nina Hoss und Sandra Hüller.
Bei der ersten Emmy-Nacht 2025 gewann Bad Bunnys Super-Bowl-Halftime-Show sieben Emmys, die Late Show with Stephen Colbert räumte fünf Preise ab, und die Reality-Serie The Traitors erhielt sechs Auszeichnungen.
Ab der Saison 2026/27 stellt die ARD „Tatort" und „Polizeiruf 110" registrierten Nutzerinnen und Nutzern bereits freitags in der Mediathek bereit, zwei Tage vor der linearen Ausstrahlung am Sonntagabend um 20:15 Uhr.
Für den Deutschen Fernsehpreis 2026 nominierte Kameraleute aus Dokumentar- und Fiktionsproduktionen berichten über ihr Handwerk und betonen, dass gute Kameraarbeit vor allem auf Vertrauen, Beziehungen und der Offenheit für unvorhersehbare Momente basiert.
Literatur
Neuzugänge und Veranstaltungen rund um Kinder- und Jugendbücher: Ein preisgekrönter Ratgeber für kleine Leser, ein Roman über den Klimawandel, ein Wendezeit-Jugendbuch und ein Autoren-Besuch in Coburg.
Die Stiftung Buchkunst hat das Kinderbuch „Was tun, wenn … - Kleine Hilfe bei großen Katastrophen" von Laura Momo Aufderhaar und Verena Hochleitner zum schönsten deutschen Buch des Jahres gekürt und mit 10.000 Euro prämiert.
Es ist still geworden um die Klimakrise. Wie kann das sein? „Bis der Regen Feuer fängt“, der neue Roman von Stefanie Höfler, ist ein dringlicher literarischer Weckruf.
Eine 17-Jährige schwimmt 1989 über die Ostsee in den Westen, kurz danach fällt die Mauer. „So leicht kommen wir nicht davon“ erzählt detailliert und berührend vom Ende der DDR und der Wendezeit.
Peter Maffay kommt am 23. September nach Coburg für eine Signierstunde seiner Kinderbuch-Reihe rund um die Figur Anouk – kein Konzert, sondern eine Begegnung für Fans seiner Bücher.
Musik
Deutsche Unterhaltungskultur und Musikgeschichte treffen sich in dieser Woche: Während die ARD-Schlagershow „Immer wieder sonntags" nach 31 Jahren zu Ende geht, werden Künstler wie Hape Kerkeling geehrt und Musiklegenden wie Freddie Mercury neu beleuchtet.
Kent Nagano führte mit dem WDR Sinfonieorchester beim Musikfest Berlin Yvonne Loriods 81 Jahre nach ihrer Fertigstellung uraufgeführte Komposition „La Sainte Face" auf – ein knapp 90-minütiges Orchesterwerk, das die Kriegserfahrungen der Entstehungszeit klanglich verarbeitet.
Max Emanuel Cencic eröffnet Bayreuth Baroque mit „Floridante“. Starke Stimmen, starkes Orchester – aber die Gewalt bleibt auf der Bühne oft Behauptung.
Hape Kerkeling, Felix Lobrecht, Helene Fischer und die Band Unheilig gehören zu den Gewinnern der diesjährigen „Goldenen Henne" in Leipzig; Armin Mueller-Stahl erhielt den Ehrenpreis für sein schauspielerisches Lebenswerk.
Stefan Mross verabschiedete sich mit einer 13. Sonderausgabe von „Immer wieder sonntags" aus dem Europapark Rust, die er 22 Jahre lang moderiert hatte. Unter Tränen dankte er dem Publikum, zahlreiche Schlagerstars erwiesen ihm die Ehre.
Theater & Darstellende Kunst
Der Schauspieler Michael Mendl ist gestorben. Parallel zeigen Bühnen wie das Maxim-Gorki-Theater und das Staatsschauspiel Dresden neue Produktionen, die von experimentellen Inszenierungen bis zu unkonventionellen Shakespeare-Adaptationen reichen.
Der deutsche Schauspieler Michael Mendl ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Er zählte zu den bekanntesten Charakterdarstellern des deutschen Fernsehens und war in Produktionen wie „Tatort", „Der Untergang" und „Dark" zu sehen.
Das Berliner Maxim-Gorki-Theater hat eine neue Intendantin. Die eröffnet die Saison mit Walgesängen, Holzkreuzen und Aquarellritualen. Heiliger Bimbam!
Christian Friedel inszeniert am Staatsschauspiel Dresden Shakespeares Sonette als dreiteiliges Bühnenspektakel mit über 40 Beteiligten und Live-Band, das zwischen emotionaler Intensität und formgetriebener Nummernrevue schwankt.
Sonstiges
Kareth Schaffers Uraufführung „Bat Dances" im Rahmen von Tanz im August zeigt Tänzerin Leah Katz in einer schwarzen Höhlenkulisse als energetische Fledermaus mit großen Flügeln im HAU3 Berlin.
Der Nachlass von Komiker Heinz Erhardt, darunter 19 Tagebücher, Briefe und seine Schreibmaschine, kommt als Dauerleihgabe ins Haus der Geschichte in Bonn und soll 2029 der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Ein avantgardistischer Modeladen in einem Kellergeschoss der Rosenheimerstraße in München ist nur per Klingel zugänglich und vereint traditionelle Handarbeit mit ungewöhnlichen Materialien und radikalen Schnitten.