Pressespiegel 11.09.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Kunstfreiheit unter Druck, Cancel Culture und kulturpolitische Kontroversen: Die Beiträge dokumentieren gegenwärtige Debatten über Verantwortung, Einschränkung und Widerstand in der Kulturbranche.
Dramatiker Lars Werner analysiert den AfD-Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt als Ergebnis einer seit den Nullerjahren bewusst betriebenen rechten Graswurzelstrategie, bei der Neonazis Vereine und Kommunalstrukturen unterwanderten, und ruft kulturelle Akteure zur klaren antifaschistischen Haltung auf.
Künstlermanager Alexander Elbertzhagen fordert mehr gesellschaftliche Verantwortung von der Unterhaltungsbranche und warnt vor einem von der AfD betriebenen Kulturkampf, der gesellschaftliche Errungenschaften der letzten zwanzig Jahre zurückdränge.
Pianist Justus Frantz, vom Schleswig Holstein Musikfestival wegen seines Russland-Engagements ausgeladen, gibt am 12. September ein Konzert in der Gepäckausgabe des Flughafens Lübeck, der AfD-Großspender Winfried Stöcker gehört.
Der emeritierte Zoologe Werner Kunz berichtet, dass die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf seinen Vortrag weniger als 24 Stunden vorher abgesagt hat – auf Druck einer Gleichstellungsorganisation, die ihm falsch wiedergegebene Aussagen über Geschlechterunterschiede anlastet.
Charlotte Knobloch, mehrere Antisemitismusbeauftragte und jüdische Gemeinden fordern den Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf, Maha El Hissy aus der Jury des Deutschen Buchpreises 2026 zu entfernen, da sie israelfeindliche Stereotype und antisemitische Inhalte verbreite.
Das BKM widerspricht Berichten, wonach EU-Kritik am geplanten Mediendienste-Investitionsverpflichtungs-Gesetz den Zeitplan gefährde: Eine Zustimmung der EU-Kommission sei nicht erforderlich, die übermittelten Bemerkungen seien ein üblicher Vorgang.
Erinnerungskultur
Wie Gesellschaften ihre Vergangenheit bewahren und vermitteln: Von der Digitalisierung historischer Archive bis zum öffentlichen Zugang zu Denkmälern. Unterschiedliche Formen, Geschichte erforsch- und erlebbar zu machen.
Die digitalisierte NSDAP-Mitgliederkartei ist seit Frühjahr 2026 frei online zugänglich; die Zeitung Politik & Kultur nimmt dies zum Anlass, personelle und institutionelle Kontinuitäten zwischen NS-Zeit und Nachkriegs-Kulturbetrieb zu beleuchten.
Anlässlich des Tags des offenen Denkmals am 13. September in Bamberg kritisiert Kunsthistorikerin Ursula Schirmer die neue Kategorisierung bayerischer Denkmäler, die kleinere Objekte wie Dorfkirchen bei der Förderung benachteiligen könnte.
Bamberg ist am 13. September 2026 Austragungsort der bundesweiten Eröffnung des Tags des offenen Denkmals; rund 56 historische Gebäude öffnen unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale und Infrastruktur" ihre Türen für Führungen, Aktionen und Ausstellungen.
Bildende Kunst
Transformation von alltäglichen Materialien zu Kunstwerken steht im Fokus: Von der konzeptuellen Verhandlung von Objekten über Installation und Video bis zur unkonventionellen Stahlbildhauerei mit Frost als gestaltendes Element.
Bildhauer Clemens Hutter öffnet beim „Tag der offenen Kühlkammer" sein Atelier in Habnith und gewährt Kunstinteressierten Einblicke in seine Arbeit, bei der er Frost einsetzt, um Stahl zu verformen.
Die Ausstellung mit Michael Volkmers Installationen und Videos zeigt die Verwandlung von Alltagsobjekten in Kunst und hinterfragt Wahrnehmung und Gewohnheiten – noch bis 4. Oktober in Kaiserslautern.
Film & Fotografie
Spielfilme prägen unseren Blick auf die Welt. Die aktuelle Filmberichterstattung reicht von digitalen Kriminalgeschichten über prominente Besetzungen bis hin zu historischen Dramen – immer im Fokus: was Kino heute erzählt und wie es das tut.
Der neue Kinofilm „The Uprising“ mit Andrew Garfield spielt in England. Gedreht wurde er aber komplett in Bayern – auch wenn man es nicht so genau erkennt.
Dirigent Teodor Currentzis ist in dem Film „Dau" als russischer Atomphysiker zu sehen; der italienische Beitrag bei den Filmfestspielen Venedig thematisiert Perversionen des Zeitgeists.
Der Kriegsfilm „Pressure" von Regisseur Anthony Maras erzählt die wahre Geschichte des britischen Meteorologen James Stagg, dessen Wetterprognose die Verschiebung des D-Days um 24 Stunden bewirkte – mit Andrew Scott und Brendan Fraser in den Hauptrollen.
Ben Blaskovic dreht mit seiner Münchner Produktionsfirma Victus Films die 60-teilige Hochkant-Serie „Yes!" am Schliersee – mit Cathy Hummels und Markenpartnern wie Taittinger. Die Episoden sollen im vierten Quartal auf der Plattform „EiLiN" erscheinen.
Die Dokumentation „100 Tage Autark", basierend auf einer YouTube-Serie, übt Konsumkritik, entlarvt dabei aber laut Rezensent unbeabsichtigt die Sehnsucht nach einem authentischen Leben als Selbstbetrug.
Das ZDF dreht die Miniserie „Chaos im Kopf" über eine junge Frau (Emma Bading), die ihre ADHS-Diagnose erhält. Die Produktion von Studio Zentral verbindet Aufklärung mit Humor und behandelt Themen wie Identität und Berufseinstieg.
Musik
Von klassischen Meisterwerken über Volksmusik bis zu Rock: Die vielfältige Musiklandschaft dieser Woche reicht von intimen Kammerkonzerten bis zu großen Festivalbühnen.
Jedes Jahr vergibt das bayerische Kunstministerium den Kunstförderpreis. In der Kategorie Musik kann sich jetzt auch eine gebürtige Niederbayerin über eine Auszeichnung freuen. Laura Detterbeck ist Komponistin und Jazz Musikerin. Die 26-jährige überzeugt mit ihrer klaren Künstlerischen Vision und musikalischer Reife. Sie darf sich jetzt über 7.000€ Preisgeld freuen.
VUT und PRO MUSIK haben erstmals gemeinsame Vergütungsregeln nach §36 UrhG für das Musikstreaming vereinbart, die Mindesthonorare, Tagessätze und Erfolgsbeteiligungen für Studiomusiker*innen gegenüber Labels und Vertrieben verbindlich festlegen.
Die Münchner musica viva und die Lucerne Festival Academy führten unter Jörg Widmann Wolfgang Rihms monumentales Werk „Tutuguri" nach Texten von Antonin Artaud im Gasteig HP8 auf – ein brillantes, jedoch eher akademisch-rationalisiertes als rituell überwältigendes Großereignis.
Der 19-jährige südkoreanische Pianist Young Ho Shin gibt am 19. September im Riesensaal der Coburger Ehrenburg sein Debüt mit Werken von Couperin, Schubert, Debussy und Rachmaninow – auf Einladung der HIMS Academy.
Der niederländische Cellist Pieter Wispelwey imponiert mit den drei Solosuiten, die Benjamin Britten für Mstislaw Rostropowitsch schrieb. Das sollte man sich unbedingt anhören.
Die Bayerische Landesausstellung „Musik in Bayern" in Freyung präsentiert vom 11. bis 17. September ein vielfältiges Konzertprogramm – von Akustik-Pop und Volksmusik über irisch-bayerischen Jazz bis zu Hardrock, teils kostenfrei.
Der International Piano Competition Taunus e.V. veranstaltet vom 2. bis 4. April 2027 im Casals Forum Kronberg einen Klavierwettbewerb für Pianistinnen und Pianisten zwischen 6 und 19 Jahren, mit Preisgeldern von über 40.000 €.
Theater & Darstellende Kunst
Theatergruppen punkten mit Komödien und Klassikern. Das ETA Hoffmann Theater verbucht unterdessen einen Publikumsrekord unter neuer künstlerischer Leitung.
Das ETA Hoffmann Theater Bamberg zählt mit fünf Nennungen zu den Saisongewinnern der Kritiker:innenumfrage der Deutschen Bühne 2025/26 und verzeichnete unter Leitung von John von Düffel einen Besucherzuwachs von über 50 Prozent.
Die Theatergruppe des Trachtenvereins Hittenkirchen zeigt im November an zehn Aufführungsterminen die Komödie „A narrisches Durcheinand", eine Fassung von Jürgen Hörners „Nichts als Kuddelmuddel", im Trachtenheim Hittenkirchen.
Sonstiges
Großostheim hat gut 16 000 Einwohner, viel Fachwerk – und einen besonderen Freund: das antike Olympia. Dahinter steckt eine rührende Geschichte.
Daniel Pain, Bruno Tenschert und Paul Katoe verbinden im S-Planetarium Augsburg Lesung, sphärische Livemusik und Zeichnungen zu einem multimedialen Abend rund um die maritime Geschichte „Walgesang".
Der Schriftsteller Irvine Welsh hat eine Fortsetzung seines Subkultur-Klassikers „Trainspotting“ geschrieben. Ein Gespräch über schlechte Vorbilder, Drogen und Dosierungsfragen im Alter.
Die Künstlerinitiative „Raum13" hat in der ehemaligen KHD-Hauptverwaltung in Köln-Mülheim das Stück „Sichtbarmachung eines Weltortes" uraufgeführt, das für den Erhalt des Geländes als Kulturort wirbt und die Untätigkeit der Stadt Köln gegenüber Investoren kritisiert.