Pressespiegel 11.09.2026
Kulturpolitik & politische Debatten
Kulturpolitische Positionen und Kontroversen stehen im Fokus: Vom Umgang mit KI-Strategien über Stellungnahmen zum Bundeshaushalt 2027 bis zur Ökonomisierung von Kulturinstitutionen.
Der Deutsche Kulturrat nimmt Stellung zur geplanten EU-KI-Strategie für Kultur- und Kreativbranchen und fordert dabei stärkeren Urheberrechtsschutz, europäische digitale Souveränität sowie Schutz der kulturellen Vielfalt vor den disruptiven Wirkungen generativer KI.
DKV, DEGEM und GNM fordern in einem offenen Brief an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, die Förderung des Musikfonds e.V. im Bundeshaushalt 2027 verlässlich zu sichern und angesichts gestiegener Kosten sowie fairer Honorare bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.
Der Deutsche Kulturrat fordert in seiner Stellungnahme zur Open-Data-Konsultation des Bundesministeriums für Digitales, Kulturdaten klar von Verwaltungsdaten zu trennen und Urheber- sowie Leistungsschutzrechte bei der Weiterentwicklung der Open-Data-Strategie 2027 zu wahren.
Die Berliner Philharmoniker haben ihren wirtschaftlichen Wert von einer Unternehmensberatung auf zwei bis drei Milliarden Euro beziffern lassen. Der Kommentar warnt, dass eine ökonomische Rechtfertigung von Kultur deren Schutz durch die Kunstfreiheit untergräbt und politisch zum Bumerang werden kann.
Erinnerungskultur
Gedenkstätten, Synagogen und historische Bauwerke öffnen ihre Türen und laden zur Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ein. Von Restaurierungen über Jubiläen bis zum Tag des offenen Denkmals – verschiedene Formate ermöglichen neue Zugänge zu Erinnerung und Erhalt.
Behandelt in 2 Quellen
Beim Tag des offenen Denkmals sind bundesweit über 6.000 Bauwerke zugänglich, in Bayern fast 1.000. Die zentrale Eröffnungsveranstaltung findet in Bamberg statt.
- Von Rathaus bis Bierkeller öffnen historische Orteansehen ↗Antenne Bayern11.09.2026
Beim Tag des offenen Denkmals öffnen bayernweit fast 1.000 historische Orte, darunter Bamberg als Austragungsort der bundesweiten Eröffnungsveranstaltung mit über 50 zugänglichen Denkmälern sowie weitere Highlights wie der Lindauer Leuchtturm und historische Keller in Kitzingen.
- Tag des offenen Denkmals: Eröffnung in Bamberg, in Bayern fast 1.000 Angeboteansehen ↗DieBayern.de11.09.2026
Beim Tag des offenen Denkmals öffnen bundesweit über 6.000 historische Bauwerke, darunter knapp 1.000 in Bayern. Die zentrale Eröffnungsveranstaltung findet erstmals seit zehn Jahren wieder in Bayern statt – in Bamberg.
Am Tag des offenen Denkmals (13. September) öffnen neun Würzburger Denkmäler unter dem Motto „NetzWERKE" ihre Türen, darunter der Alte Kranen, der Hauptbahnhof und der Hochbehälter Karolinenruhe, teils mit sonst nicht öffentlich zugänglichen Bereichen.
Hollfeld feiert vier Tage Kerwa und begeht gleichzeitig das 200-jährige Weihejubiläum der Stadtpfarrkirche, wobei die Veranstaltungen auch die Sorge um den Zustand des Kirchendachs verdeutlichen.
Der Wiener Stadttempel hat nach zehneinhalb Monaten Restaurierung und Sanierung wiedereröffnet – pünktlich zum 200-Jahr-Jubiläum und kurz vor Rosch Haschana. Die Gesamtkosten von 10,5 Millionen Euro tragen Bund, Stadt Wien und private Spender gemeinsam.
Mit einer Klangwand soll in Bern an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden – an einem sehr schönen und beliebten Ort. Ein nicht ganz risikofreies Projekt.
Der Sammelband „63 Orte der deutsch-französischen Geschichte" von Tobias Bütow, Corine Defrance und Ulrich Pfeil beleuchtet mehr als 150 Jahre deutsch-französischer Beziehungen anhand bekannter und fast vergessener historischer Schauplätze.
Bildende Kunst
Malerei, Installationen und Street Art zeigen, wie zeitgenössische Künstler Geschichten erzählen und Räume verwandeln. Von interaktiven Skulpturen bis zu grafischen Narrativen erkunden die Werke gesellschaftliche Fragen und schaffen neue Erlebnisräume.
Die Erzdiözese München und Freising hat im Neubaugebiet Freiham eine 32 Meter hohe, begehbare Metallskulptur „Sichtung V" errichtet, deren Treppenstufen beim Begehen Klänge erzeugen. Ab Oktober soll das Werk ein Jahr lang öffentlich zugänglich sein.
Sabrina Catowiez zeigt ab dem 16. September 2026 in der Galerie im Jazzkeller Bamberg Acrylmalerei, Tuschezeichnungen und Ölkreidemalerei, die von auftretenden Jazzmusikern inspiriert wurden.
Olaf Breuning zeigt im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen die Einzelausstellung „Humans", in der er mit Zeichnungen, Skulpturen, Videos und KI-Elementen die Menschheitsgeschichte vom Faustkeil bis zur Gegenwart als ökologische Warnung inszeniert.
Die Ausstellung „Plomer plajer culer" im Val Müstair verbindet zeitgenössische Kunst mit Kultur, Geschichte und Natur und beleuchtet die Beziehung des Menschen zur Umwelt – noch bis 17. Oktober in Tschierv/Graubünden.
Maurizio Cattelan zeigt seine erste große Einzelausstellung in Deutschland in der Neuen Nationalgalerie Berlin: „Night" umfasst über ein Dutzend Werke, darunter einen Nachbau des Brandenburger Tors und eine Hitler-Skulptur, und läuft bis März 2027.
Heiter unter Maurizio Cattelans toten Tauben, Baustellentour in der Kulturscheune – und das Essen nicht vergessen: Bei der Berlin Art Week kehrt der Kunstbetrieb aus den Ferien zurück. Die Stimmung ist aufgekratzt.
Der neunteilige Podcast von rbbKultur erzählt die Geschichte des anonymen Street-Art-Künstlers Banksy, von seinen Anfängen in Bristol über spektakuläre Aktionen weltweit bis zu Werken im ukrainischen Kriegsgebiet.
Film & Fotografie
Zwischen politischer Zeugenschaft, ökologischer Verantwortung und künstlerischem Wandel: Aktuelle Beiträge reichen von dokumentarischen Perspektiven auf Krieg und Umwelt bis zur Auseinandersetzung mit fotografischer Haltung und der Zukunft des Mediums.
Im Yuval Abrahams Dokumentarfilm „Naza“ sprechen 24 israelische Soldaten und Geheimdienstleute über den Krieg in Gaza. Sie beschreiben Kriegsverbrechen aus der Ferne, als Bürojob, der manchen sogar Spaß macht.
Der Earth Partner Prize richtet sich an junge Kreative zwischen 14 und 30 Jahren und prämiert Arbeiten zu ökologischen Themen in allen Medienformen. Einsendeschluss ist der 7. Oktober 2026; acht Finalisten erhalten Geldpreise bis zu 10.000 US-Dollar.
fotoMAGAZIN kürt gemeinsam mit einer sechsköpfigen Fachjury 50 lebende Fotografinnen und Fotografen, die die deutsche Fotografie nachhaltig prägen – darunter Wolfgang Tillmans und Andreas Gursky –, alphabetisch geordnet ohne Rangliste.
Das Ernst Leitz Museum in Wetzlar zeigt bis 20. September Fotografien von Donata und Wim Wenders im Dialog; beim Artist Talk sprachen beide über ihre gegensätzlichen Herangehensweisen ans Sehen, Haltung als fotografisches Grundprinzip und den Unterschied zwischen Film und Einzelbild.
Im Schaezlerpalais Augsburg zeigt Fotograf Daniel Biskup Porträts von Kunstschaffenden – darunter Augsburger Künstler wie Martin Eder sowie internationale Größen wie Ai Weiwei und Georg Baselitz. Am 10. Oktober 2026 findet eine öffentliche Führung ohne Anmeldung statt.
APHEUM und die Alfred Ehrhardt Stiftung veröffentlichen 31 Schwarzweißfotografien aus Ehrhardts Werkgruppe „Nautilus – Muscheln und Schnecken" (1938–1941) als digitale Kollektion, die dauerhaft auf einem APHEUM Frame M in der Berliner Stiftung gezeigt wird.
Paris Photo findet vom 12. bis 15. November 2026 im Grand Palais statt und widmet ihre 29. Ausgabe dem 200-jährigen Jubiläum der Fotografie. Mit 246 Ausstellern aus 38 Ländern beleuchtet die Messe den Wandel des Mediums von der Daguerreotypie bis zur KI.
Literatur
Ein Nachruf auf den Literaturkritiker Karl Corino, ein Kriminalroman des Autors Karsten Dusse und Nele Jongelings Comic zeigen unterschiedliche Facetten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und ihrer Vermittler.
Der Literaturkritiker Karl Corino förderte DDR-Schriftsteller und wurde von der Stasi überwacht. Seine größte Liebe aber gehörte dem österreichischen Autor Robert Musil.
Karsten Dusses Roman „Filmriss auf Immenhof" folgt Kriminalpsychologin Sophia, die nach einem alkoholreichen Abend auf dem Immenhof mit einem Filmriss und einer abgetrennten Hand auf ihrem Kopfkissen aufwacht und die Ereignisse rekonstruieren muss.
Nele Jongelings Comic „Ich will nicht arbeiten“ erzählt von einer TV-Show, in der die Bewerber um einen Traumjob konkurrieren. In Wahrheit aber geht es um etwas ganz anderes.
Musik
Musik zwischen Festivalerfolg, Neuinterpretation und persönlichen Klangreisen: Aktuelle Beiträge reichen von erfolgreichen Konzertreihen und neuen Perspektiven auf Wagner bis zu musikalischen Grenzgängen und Begegnungen mit biografischen Wurzeln.
Die 46. Traunsteiner Sommerkonzerte verzeichneten mit 1.700 Besuchern ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr und gelten damit als erfolgreichste Ausgabe seit der Gründung des Festivals.
Die Dresdner Musikfestspiele präsentieren ihre historisch informierte Aufführung von Wagners „Ring des Nibelungen" in europäischen Musikzentren, darunter Luzern und Paris; der gesamte Zyklus ist im Mai 2027 in Wien zu erleben.
Haruomi Hosono, Gründer des Yellow Magic Orchestra, veröffentlicht mit YOURS SINCERELY sein 23. Studioalbum, das Folk, Synth-Pop und Ambient-Texturen zu einem zeitlosen, zurückhaltenden Klangwerk verbindet.
Geiger Daniel Hope reist mit seinem Vater durch Südafrika, das Geburtsland der Familie, und trifft dabei Musiker wie Sopranistin Golda Schultz und Freiheitskämpfer-Ikone Vusi Mahlasela.
Tanz
Im Ballett dreht sich diese Woche alles um Erfahrung und Würdigung: Ein Journalist testet das Leben von Profitänzern hautnah, während eine neue Auszeichnung des Ballett Dortmund vergeben wird.
Lena Zieker und Ralph Baudach verbringen sieben Tage im Bayerischen Staatsballett und erleben den Alltag von Profi-Tänzerinnen und Tänzern mit kaum Freizeit, stundenlangem Training und hoher Disziplin.
Das Ballett Dortmund verleiht erstmals seinen neu geschaffenen, mit 5.000 Euro dotierten Tanzpreis: Die japanische Tänzerin Sae Tamura wird als „Tänzerin des Jahres" für ihre über zehnjährige Zugehörigkeit zum Ensemble ausgezeichnet.
Theater & Darstellende Kunst
Theaterszenen zwischen Festival und Klassikern: Vom feministischen Austausch über Neuaufstellungen bekannter Häuser bis zur Erkundung gesellschaftlicher Stimmen auf der Bühne. Künstlerische Positionen, die Fragen stellen und zum Dialog einladen.
Das Münchner Volkstheater präsentiert unter Intendant Christian Stückl ein neues Spielplanprogramm und benennt sein hauseigenes Restaurant um, das künftig italienisch kocht.
Das 10. Internationale Frauen*Theaterfestival findet vom 14. bis 20. September in Frankfurt a.M. statt und vereint unter dem Motto „Feminist Democracy" Theater, Tanz, Performances, Workshops und Musik.
Mark Schröppel inszeniert am inklusiven Theater Thikwa Berlin mit dem Ensemble und dem Kollektiv SKART „Früchtchen des Zorns", eine energiegeladene Performance über gesellschaftlich stigmatisierte Wut – mit Live-Musik von Brezel Göring, Obstkisten und anarchistischem Chaos.
Sonstiges
Das Kulturgut Horsch in Schwetzendorf bei Regensburg lädt neben etablierten Kulturveranstaltungen wiederholt Personen wie Ken Jebsen ein, dem antisemitische Aussagen und Verschwörungsideologien vorgeworfen werden; auch der vom Betreiber Thomas Horsch gestiftete „Brave Reporter Preis" ging an Preisträger aus dem rechtspopulistischen und russlandnahen Propagandaumfeld.
Die Stadtbücherei Bamberg erhält einen Sonderzuschuss von 11.500 Euro aus einer Initiative der Regierungsfraktionen im Bayerischen Landtag und modernisiert nach 28 Jahren ihre Bibliotheksmanagement-Software durch eine neue Cloud-Lösung.
Die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden schreibt eine W2-Professur Music Production (50%) zum 01.04.2027 aus, die den neuen Masterstudiengang Innovative Music Production konzeptionell entwickeln und leiten soll. Bewerbungsschluss ist der 11.10.2026.
Die Akademie der Künste Berlin hat auf ihrer 66. Mitgliederversammlung 18 neue Mitglieder in fünf Sektionen gewählt und zählt damit aktuell 426 Mitglieder.
Benjamin Burkard aus Kandel verbindet in seinem Projekt „Hybride Malerei" klassische Malerei mit Videospiel-Ebenen, bei dem Betrachter zu Gamern werden. Rapper Alligatoah komponiert den Soundtrack; das Spiel soll kostenlos verfügbar sein.
Der Kölner Unternehmer Frank Blase übernimmt ab 2027/28 den Mietvertrag für die Kulturstätten Depot 1 und 2 in Mülheim und spendet der freien Kulturszene Kölns zehn Millionen Euro über zehn Jahre, nachdem die Stadt die Finanzierung nicht mehr stemmen kann.