Pressespiegel
Kuratierte Kulturberichterstattung aus Bayern und darüber hinaus.
Region: Bundesweit
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Die Februar-Ausgabe der Literaturen stellt vier Sachbücher vor: Beckert und Richter analysieren den Kapitalismus, Mercier das menschliche Innenleben, Lepenies die Demokratie und Clark einen preußischen Skandal.
James Vanderbilts Spielfilm „Nürnberg" mit Russell Crowe als Hermann Göring zeigt den US-Militärpsychiater Douglas M. Kelley vor den Nürnberger Prozessen, scheitert laut Kritik jedoch an historischer Unschärfe, narrativem Wirrwarr und Klischees.
Autor Bernd Stegemann analysiert anhand der Fälle Collien Fernandes und des Buchhandlungspreises, wie linke Meinungsnetzwerke im Kulturbetrieb mit Doppelmaßstäben operieren und Kulturstaatsminister Weimer dabei regelmäßig unterliegt.
Ulrike Stöck übernimmt ab der Spielzeit 2017/2018 die Leitung des Schnawwl – Junges Nationaltheater am NT Mannheim und folgt damit Andrea Gronemeyer nach, die zur Schauburg München wechselt.
Ulrike Stöck bleibt bis 2032 Intendantin des Jungen Nationaltheaters Mannheim; ihre zweite Amtszeit soll Beteiligung, Inklusion und Vernetzung mit lokalen und bundesweiten Kinder- und Jugendtheatern in den Mittelpunkt stellen.
Das Stuttgarter Kammerorchester hat in der JVA Adelsheim mit inhaftierten Jugendlichen Rap und Klassik kombiniert und daraus die EP „Paradies" produziert, die soziale Reintegration durch Musik fördern soll.
Unternehmer und Komponist Lutz Schumacher startet ab 27. April 2026 eine Deutschland-Tournee mit seinem neu komponierten Bratschenkonzert, das nach erfolgreicher Uraufführung seiner ersten Sinfonie entstand und die Viola als Soloinstrument in den Mittelpunkt stellt.
Pianist Sofiane Pamart spricht über sein neues Album „Movie", seine Zusammenarbeit mit Künstlern wie Sia und Wyclef Jean sowie seine Praxis, jedes Konzert ohne feste Setlist zu spielen, um Publikum und Musik lebendig zu halten.
Die Schauspielerin Ursula Stampfli ist am 1. Mai 2026 im Alter von 74 Jahren in Frankfurt am Main gestorben. Sie wirkte u.a. an der Schaubühne Berlin unter Peter Stein und im Berliner Ensemble.
Klassik Radio verlost jeweils 2 Tickets für die Konzertreihe „Klassik Radio live in Concert 2026", bei der ein Orchester Filmmusik-Soundtracks live aufführt. Interessierte können per Fragebogen teilnehmen.
Die Süddeutsche Zeitung bespricht das Lesebuch „Berge" des Viechtacher Lichtung Verlags, in dem 25 Autoren das Thema Berg aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten – von bayerischen Gipfeln über Bergsteigen bis hin zu persönlichen Erlebnissen.
Interview über "Hinter drei Sonnenaufgängen".
Marianne Achs Roman „Dieses schmale Stück Himmel über Paris" (Lichtung Verlag) folgt Hannah, die sich nach 30-jähriger Ehe mit einem psychisch kranken Mann nach Paris zurückzieht, um über eine mögliche Trennung nachzudenken.
Vor dem Düsseldorfer Schauspielhaus hatte das Fan-Spektakel „Glaube Liebe Fußball" von Peter Jordan und Leonard Koppelmann Premiere – als theatralische Einstimmung auf die Fußball-Europameisterschaft 2024. Rund 40 Laiendarsteller verkörperten dabei Fans verschiedener EM-Teilnehmernationen, ergänzt durch sechs Theaterstudierende und eine Live-Band. Herzstück der Inszenierung ist ein fiktives EM-Endspiel, das durch historische Filmausschnitte auf einer großen Leinwand mit dem imaginierten Spielgeschehen verknüpft wird. Aus dem Off kommentiert Radio-Legende Manni Breuckmann das Geschehen, während das Düsseldorfer Schauspielhaus-Ensemble Reporteraufgaben übernimmt. Der Aufführungsort dient anschließend als Fan-Zone für das Public Viewing der Europameisterschaft.
Die drei großen Schauspielhäuser in Nordrhein-Westfalen erhalten neue Intendanten: Der Schweizer Dramaturg Andreas Karlaganis übernimmt 2026 das Düsseldorfer Schauspielhaus von Wilfried Schulz, der Regisseur Nicolas Stemann 2027 das Schauspielhaus Bochum von Johan Simons, und Kay Voges wechselt bereits 2025 vom Wiener Volkstheater ans Schauspiel Köln. Alle drei Nachfolger stehen für eine weitgehende Kontinuität an ihren jeweiligen Häusern. Während Düsseldorf und Bochum künstlerisch gut aufgestellt sind, steht Köln vor besonderen Herausforderungen durch eine stockende und kostspielige Theatersanierung. Der Artikel vermerkt, dass bei allen drei Neubesetzungen ausschließlich mittelalte Männer berufen wurden und alternative Führungsmodelle offenbar nicht in Betracht gezogen wurden.
Sven Schlötcke, Co-Leiter des Mülheimer Theaters an der Ruhr, schildert seinen persönlichen Weg zum Theater – vom abgebrochenen Medizinstudium in der DDR über erste Erfahrungen als Requisiteur in Stralsund bis zum Regiestudium an der Hochschule „Ernst Busch" in Berlin. Als prägendes Erlebnis beschreibt er Alexander Langs Inszenierung von „Dantons Tod" am Deutschen Theater Ostberlin, die ihm Theater als Ort der dialektischen Auflösung von Identitäten und kollektiver Verbundenheit erschloss. Ausgehend davon formuliert er eine Theaterkonzeption, die den öffentlichen Raum der Verständigung gegen identitäre Abgrenzungstendenzen setzt. Schlötcke fordert, dass Theater diese Haltung auch in seinen inneren Strukturen verwirklichen müsse – weg vom Betrieb, hin zum gesellschaftlichen Labor. Als praktische Umsetzungen nennt er die Gründung des Theaterhauses Jena in den frühen 1990er-Jahren sowie strukturelle Reformen am Theater an der Ruhr, darunter einheitliche Verträge und die Abschaffung des Repertoirebetriebs.
Die Solidargemeinschaft Stuttgarter Theater (SST) wurde vor sechs Jahren auf Initiative von Axel Preuß, Intendant der Schauspielbühnen Stuttgart, gegründet, nachdem eine gemeinsame Menschenrechtsaktion auf dem Schillerplatz deutschlandweit Aufmerksamkeit erlangte. Der Zusammenschluss von derzeit 16 produzierenden Häusern unterschiedlicher Genres – von Schauspiel über Kabarett bis zum Figurentheater – bewährte sich besonders während der Corona-Pandemie als Austausch- und Unterstützungsnetzwerk. Die Gemeinschaft engagiert sich auch kulturpolitisch, etwa durch einen gemeinsamen Förderantrag zur Dynamisierung von Theaterbudgets, der im Stuttgarter Doppelhaushalt 2025/26 Berücksichtigung fand. Mitglieder wie Julianna Herzberg vom Theater La Lune und Ilona Schaal vom Theater Rampe heben hervor, dass die SST das frühere Konkurrenzdenken zwischen den Häusern abgebaut und ein Gefühl der gegenseitigen Absicherung geschaffen habe.
Das Theater Magdeburg plant für Mai 2026 die Uraufführung des Stücks „Drei Minuten", in dem Regisseur Sebastian Nübling und Autor Kevin Rittberger den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt vom Dezember 2024 künstlerisch aufarbeiten wollen. Seit November 2025 formiert sich Widerstand: Am 9. November hielten rund 100 Demonstranten eine sechsstündige „Mahnwache" vor dem Theater ab, angemeldet von Denny Zenker, der dem rechten Protestbündnis „Gemeinsam für Deutschland" nahestehen soll. Zwei Petitionen – eine mit rechter Ausrichtung, eine von der Mutter eines Anschlagsopfers – fordern die Absage der Inszenierung und werfen dem Theater vor, auf Kosten der Opfer Profit zu machen. Schauspieldirektor Bastian Lomsché und Autor Rittberger betonen, das Stück solle kein Reenactment des Anschlags sein, sondern traumasensibel die Folgen für die Stadt bearbeiten. Das Theater hat ein Statement veröffentlicht, das Kritik akzeptiert, die dahinterstehende rechte Ideologie jedoch explizit benennt.
Bei der Uraufführung von „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten" am Schauspielhaus Bochum am 14. Februar 2026 stürmten Teile des Publikums die Bühne und erzwangen den Abbruch der Vorstellung, nachdem Schauspieler Ole Lagerpusch einen rechtspopulistischen Schlussmonolog der Figur Romeu gesprochen hatte. Das Stück des portugiesischen Autors Tiago Rodrigues handelt von einer Anarchistenfamilie, die jährlich einen rechten Politiker entführt, um ihn zu töten, und thematisiert das Dilemma zwischen gerechtem Zorn und Selbstjustiz. Autor Martin Krumbholz analysiert den Vorfall zwei Wochen später und stellt strukturelle Fragen zur Rolle des Theaters als Kunstraum gegenüber einem offenen Diskursraum. Die stellvertretende Intendantin Angela Obst erklärte, der Monolog sei dramaturgisch zwingend und das Stück provoziere bewusst zur Reaktion; inzwischen wurde ein Sicherheitsdienst engagiert und nach den Vorstellungen werden Publikumsgespräche angeboten. Krumbholz wertet den Vorfall als Symptom einer zunehmenden gesellschaftlichen Verfeindlichung des Meinungsklimas und Unfähigkeit, gegenteilige Standpunkte auszuhalten.
Das Thalia Theater Hamburg veranstaltete am 15. April 2026 die Podiumsdiskussion „Dialog statt Echo", um die heftige Kritik an Milo Raus Inszenierung „Prozess gegen Deutschland" vom Februar 2026 aufzuarbeiten. Raus Stück hatte eine simulierte Gerichtsverhandlung über ein AfD-Verbot gezeigt und dabei auch ehemaligen AfD-Abgeordneten und ultrarechten Akteuren eine Bühne gegeben, was zu massivem internen und externen Gegenwind führte. Auf dem Podium diskutierten Hamburgs Kultursenator und Deutscher-Bühnenverein-Präsident Carsten Brosda, die Politikwissenschaftlerin Julia Reuschenbach sowie die Journalistinnen Melanie Amann und Gilda Sahebi vor einem politisch gleichgesinnten Publikum. Die Teilnehmer sprachen sich dafür aus, AfD-Sympathisanten als legitimen Teil des Diskurses anzuerkennen und ihre Meinungen kritisch zu reflektieren statt zu verbieten, auch wenn das als Zumutung empfunden werden kann. Die konkrete Frage, was eine solche Offenheit für die Theaterpraxis bedeutet, blieb laut Bericht jedoch ungeklärt.
Der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper hat den Vertrag mit Ballettintendant Demis Volpi am 10. Juni 2025 einvernehmlich und vorzeitig aufgelöst – nach kaum einer Spielzeit seit seinem Amtsantritt im August 2024. Auslöser waren massive interne Konflikte: Mehr als die Hälfte der Tänzerinnen und Tänzer beklagte in einem offenen Brief ein „toxisches Arbeitsklima", fünf Erste Solistinnen und Solisten verlängerten ihre Verträge nicht, und auch Ex-Ensemblemitglieder seiner früheren Düsseldorfer Kompanie erhoben schwere Vorwürfe gegen Volpis Führungsstil. Die geplante Premiere seiner Choreografie „Demian" bei den 50. Ballett-Tagen wurde bereits Ende Mai abgesagt. Übergangsweise soll ein Leitungstrio aus Lloyd Riggins, Nicolas Hartmann und Gigi Hyatt die Kompanie führen, während ein extern moderierter Prozess die Arbeitsbedingungen untersuchen und die Grundlage für eine neue Direktion schaffen soll.
Das Nationaltheater Mannheim (NTM) saniert seit 2022 sein Stammhaus am Goetheplatz denkmalgerecht; die Wiedereröffnung ist zur Spielzeit 2028/29 geplant. Als Interimsspielstätte für das Musiktheater wurde die OPAL (Oper am Luisenpark) errichtet – eine rund 2.400 Quadratmeter große Leichtbauhalle mit knapp 800 Plätzen, die nach Ende der Nutzung wieder abgebaut und weiterverwendet werden kann. Die Fertigstellung übernahm das NTM in Eigenregie, nachdem der ursprünglich beauftragte Hersteller metron Vilshofen GmbH im November 2022 Insolvenz angemeldet hatte; eröffnet wurde die OPAL im Oktober 2024. An die Halle ist ein sogenanntes Containerdorf mit Maske, Kostümen, Umkleiden und weiteren Betriebsräumen angebaut. Die übrigen Sparten Schauspiel und Tanz sowie das Junge Nationaltheater sind auf weitere Interimsspielorte in Mannheim und Umgebung verteilt.
Das seit 2021 sanierungsbedingt geschlossene Schauspielhaus Chemnitz steht vor einer Richtungsentscheidung: Die Stadtverwaltung hat nach monatelangem Schweigen und öffentlichem Druck des Fördervereins Ende Juni zwei Varianten für den Stadtrat vorgestellt. Zur Wahl stehen entweder die Sanierung des alten Hauses für rund 34 bis 59 Millionen Euro (inklusive möglichem Anbau) oder ein Neubau auf dem Gelände des bisherigen Interims im ehemaligen Spinnereimaschinenbau für etwa 33 Millionen Euro. Generalintendant Christoph Dittrich befürwortet öffentlich den Neubau am Interimsstandort, da das Areal Potenzial für eine Vollbühne, Theaterwerkstätten und perspektivisch auch ein Operninterim böte. Seit 2021 spielen Schauspiel und Figurentheater in dem Fabrikgebäude, das ursprünglich nur 18 Monate als Ausweichquartier dienen sollte. Im August oder September soll der Stadtrat über das weitere Vorgehen entscheiden.
Der Mainzer Schauspieldramaturg Boris C. Motzki legt in seinem Essay dar, wie unterschiedlich Kunst und Journalismus mit Zeit umgehen: Während der Journalismus tagesaktuelle Reaktion erfordert, braucht das Theater Distanz und Reifeprozesse, um Themen künstlerisch zu transformieren. Anhand historischer Beispiele – von Ionescos Darmstädter Skandalinszenierung (1957) über Peter Zadeks Kölner Arbeit (1958) bis zu Marina Abramovićs Performance „The Artist Is Present" (2010) – zeigt er, wie Zeit im Theater gedehnt, verdichtet und als Provokationsmittel eingesetzt werden kann. Motzki argumentiert, dass das Alleinstellungsmerkmal des Theaters in der Vergänglichkeit des Live-Erlebnisses liegt, das auch nach der Pandemie wieder an Bedeutung gewonnen hat. Er kritisiert sowohl überhastete Debatten als auch selbstauferlegte Denkverbote in der gegenwärtigen Wokeness-Diskussion und plädiert dafür, dass Theater statt Dystopien vermehrt Utopien und Anderswelten entwerfen solle. Abschließend fordert er mehr Raum für Ambiguität und Dialog, damit Kunst ihrer Aufgabe gerecht werden kann, dem Alltag eine poetische Dimension zu verleihen.