Pressespiegel
Kuratierte Kulturberichterstattung aus Bayern und darüber hinaus.
Region: Bundesweit
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Die Burgtheater-Schauspielerin Safira Robens reflektiert in einem persönlichen Essay über ihre Erfahrungen mit Rassismus und struktureller Ausgrenzung im deutschsprachigen Theaterbetrieb. Anlass ist die aktuelle Blackfacing-Debatte am Schauspielhaus Hamburg, die sie an ein traumatisches Erlebnis beim Burgtheater erinnert: eine Inszenierung von Koltès' Stück mit dem N-Wort im Titel, nach der ein eskaliertes Publikumsgespräch sie körperlich krank werden ließ. Robens beschreibt zugleich bestärkende Momente ihrer Karriere, darunter Jelinek-Uraufführungen und die Produktion „Katharsis" über den Afrowienern Angelo Soliman und seine Tochter am Burgtheater, wo sich das Publikum und die Kantine sichtbar verändert hätten. Die 1994 geborene Schauspielerin, die vor Wien in Lissabon tätig war, wo ihre Hautfarbe keine Rolle gespielt habe, fordert ein Theater, das Europas koloniale Geschichte anerkennt und künstlerisch verarbeitet. Sie zeigt sich trotz aller Kritik optimistisch über einen spürbaren, wenn auch langsamen Wandel im Burgtheater und im Wiener Kulturbetrieb insgesamt.
Das Deutsche Theater Göttingen erhält ab der Spielzeit 2027/28 eine neue Doppelspitze: Die langjährige Geschäftsführerin Sandra Hinz und die seit 2024 amtierende künstlerische Co-Leiterin Schirin Khodadadian übernehmen gemeinsam die Intendanz. Der Wechsel folgt auf den vorzeitigen Abgang von Intendant Erich Sidler, der das Haus zwei Jahre vor Vertragsende verlässt, unter anderem wegen finanzieller Unsicherheiten durch ausbleibende Landesmittel und Kürzungen von über 600.000 Euro. Laut der Göttinger Oberbürgermeisterin hat das Land Niedersachsen nun signalisiert, einen langfristigen Fördervertrag in Aussicht zu stellen, womit der Fortbestand des Theaters gesichert scheint. Die neue Leitungsstruktur wird als interne Weiterentwicklung und Zeichen der Kontinuität gewertet, da beide Frauen dem Haus bereits gut bekannt sind. Der Vorgang gilt dem Autor als exemplarisch für einen Trend im Stadttheaterbetrieb weg von Einzelkünstlerpersönlichkeiten hin zu integrativen, stadtgesellschaftlich vernetzten Leitungsteams.
Bernd Schmidt, Geschäftsführer des Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs, erklärt im Interview mit der Zeitschrift „Die Deutsche Bühne", wie literarische Stoffe für die Bühne erschlossen werden: über enge Zusammenarbeit mit Buchverlagen, auf Initiative von Theatern oder durch eigene Lektüre. Seine Bühnenfassung von Karsten Dusses Kriminalkomödie „Achtsam morden" entstand während der Corona-Pandemie 2020, als der Theaterbetrieb stillstand. Schmidt betont, dass die Zustimmung der Autor:innen stets am Anfang jeder Bearbeitung stehen müsse und ein frühzeitiges Exposé spätere Konflikte vermeide. Zum Erfolg von „Achtsam morden" auf der Bühne trägt laut Schmidt bei, dass der Stoff ein neues Publikum ins Theater zieht, das die Romane bereits kannte. Generell plädiert er dafür, die Suche nach neuen Stoffen für das Theater offen zu halten und Adaptionen nicht grundsätzlich abzulehnen.
Im Rahmen der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 und des Festivals Tanz Moderne Tanz inszenierte Ballettdirektorin Sabrina Sadowska das Großprojekt „Odyssee in C" als mehrstündigen Outdoor-Tanzparcours durch die Stadt. Von 8 bis 23 Uhr bespielten internationale Kompanien 18 Stationen im Stadtraum Chemnitz, wobei jede Gruppe ein Kapitel aus James Joyces Roman „Ulysses" tänzerisch interpretierte. Die Aufführungsorte – darunter das Stadtschwimmbad, der Wirkbau, die Markthalle und das Karl-Marx-Monument – wurden bewusst gewählt, um auf industrielle Vergangenheit, urbane Brüche und lokale Identität Chemnitz' hinzuweisen. Beteiligte Ensembles wie Company Chameleon aus Manchester, Cie Ex Nihilo aus Frankreich und die Nuepiko Dance Company aus Litauen setzten die literarischen Vorlagen in Formen zwischen Tanztheater und Breakdance um. Das Finale übernahm das Ballett Chemnitz im Opernhaus mit Edith Piafs „Je ne regrette rien".
Der zeitgenössische Zirkus – eine aus der französischen Cirque-Nouveau-Bewegung der 1970er-Jahre hervorgegangene Kunstform – findet in Deutschland zunehmend Eingang in Theaterfestival-Programme, darunter die Ruhrfestspiele Recklinghausen und das Circus Dance Festival Köln. Autor Andreas Falentin beschreibt drei konkrete Produktionen: das Duo-Stück „Symbiosis" mit Jongleur Kolja Huneck und Artist Luuk Brantjes, Julian Vogels Solo „Ceramic Circus" sowie „Delusional – I Killed a Man" der brasilianischen Artistin Diana Salles. Kennzeichen der Kunstform sind artistisches Erzählen ohne Sprache oder Figurenspiel, mit Fokus auf Körper, Objekte, Rhythmus und Raum. In Deutschland fehlen spezialisierte Hochschulen; das Chamäleon Theater Berlin ist das einzige reine Spielhaus für diese Sparte, während Festivals die Lücke bei der Aufführungspraxis füllen. Den Boom der Kunstform führt der Autor auf ihre Niederschwelligkeit und unmittelbare Wirkung zurück, die kein Vorwissen voraussetze.
Beim Deutschen Theaterpreis DER FAUST diskutierten Gernot Wolfram, Malin Nagel und Viktor Schoner über Verführungsstrategien des Rechtspopulismus und die Rolle der Kultur als Gegenkraft – mit dem Appell zu mehr Mut und Selbstbewusstsein der Kulturschaffenden.
Im Theaterhaus Stuttgart wurde der 20. Deutsche Theaterpreis DER FAUST verliehen, moderiert von der Theatercompany Familie Flöz. Den Preis für das Lebenswerk erhielt die Regisseurin und Theaterleiterin Brigitte Dethier. Zu den weiteren Preisträgerinnen und Preisträgern zählen unter anderem Thomas Schmauser (Schauspiel, Münchner Kammerspiele), Bettina Ranch (Musiktheater, Aalto-Musiktheater Essen) und William Forsythe (Choreografie, Hamburg Ballett). Die Aufzeichnung der Verleihung ist ab dem 16. November 2025 in der 3sat-Mediathek verfügbar. Die nächste Preisverleihung findet am 14. November 2026 im Hessischen Staatstheater Wiesbaden statt.
Das Festival Fast Forward, eine Werkschau junger europäischer Regisseurinnen und Regisseure am Dresdner Staatsschauspiel, fand vom 13. bis 16. November 2025 voraussichtlich zum letzten Mal statt. Aufgrund von Sparmaßnahmen des Landes Sachsen und damit verbundenen Kürzungen für das Staatsschauspiel wurde das Festival vorerst eingestellt. Intendant Joachim Klement hatte das 2011 in Braunschweig gegründete Festival 2017 nach Dresden gebracht; ob eine künftige Theaterleitung es wieder aufnimmt, ist offen. Das Festival, das verschiedene Dresdner Häuser sowie internationale Studierendengruppen anzog, galt laut Beteiligten als wichtige Plattform für junge Theaterschaffende und als Gegengewicht im kulturell eher konservativen Dresden. Gezeigt wurden unter anderem die Produktionen „Unruhe" von Nolwenn Peterschmitt und „Bidibibodibiboo" von Francesco Alberici.
Die Dramaturgische Gesellschaft (dg) hielt ihre Jahreskonferenz mit rund 400 Teilnehmenden auf Kampnagel in Hamburg ab und feierte dabei ihr 70-jähriges Bestehen. Unter dem Motto „Time to Care – Strategien von Inklusion und Empowerment gegen Politiken der Härte" diskutierten Speaker:innen aus dem Theaterbereich über barrierefreien Zugang, Inklusion in der Kunstproduktion sowie die Unterrepräsentation von Menschen mit Behinderungen auf und hinter der Bühne. Die Konferenz war selbst inklusiv gestaltet: Access friends, Gebärdensprachdolmetschen, Leichte Sprache und Rückzugsorte prägten das Tagungsformat. Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für Menschen mit Behinderungen, verwies auf rund 13 Millionen betroffene Menschen in Deutschland, die ein Recht auf kulturelle Teilhabe haben. Autorin Karolin Berg konstatiert eine Diskrepanz zwischen dem diversen Podium und dem weitgehend homogenen Publikum und appelliert an Theaterschaffende in Leitungspositionen, die Konferenzimpulse in ihre Institutionen zu tragen.
Am 28. Februar 2026 wurde im Aalto-Theater Essen der Deutsche Tanzpreis vergeben. Hauptpreisträger war Christian Spuck, Intendant des Staatsballetts Berlin, den die Jury für seinen „mutigen, klaren" Neustart der Kompanie auszeichnete; zusätzlich wurden die Tanzwissenschaftlerin Gabriele Brandstetter für Pionierarbeit und Tadashi Endo posthum für sein Lebenswerk geehrt. Das Staatsballett Berlin präsentierte drei Ausschnitte aus Spucks Choreografien, darunter „Nocturne", ein Pas-de-deux aus „Romeo und Julia" sowie „Beethoven". In seiner Dankesrede betonte Spuck die gesellschaftliche Rolle des Tanzes als Begegnung und verwies auf die 26 Nationen umfassende Belegschaft seines Ensembles als schützenswertes Modell. Der nächste Deutsche Tanzpreis soll am 13. März 2027 verliehen werden.
Beim 13. Sächsischen Theatertreffen in Görlitz und Zittau (21.–26. April 2026) stand neben dem künstlerischen Programm die Zukunft des Theaters im ländlichen Raum im Mittelpunkt. Gastgeber und scheidender Intendant Daniel Morgenroth lud Ministerpräsident Michael Kretschmer und FAZ-Theaterkritiker Simon Strauß zum Podiumsgespräch „Mehr als Geld – Kultur in der Fläche im Freistaat Sachsen", bei dem Kretschmer zwar strukturelle Reformen andeutete, aber keine zusätzlichen Finanzmittel in Aussicht stellte. Im Mittelpunkt standen die finanzielle Bedrängnis sächsischer Häuser – darunter das Schauspiel Chemnitz, dem die Stadt Fördermittel für einen Neubau verweigert, sowie das Theater Plauen-Zwickau, das trotz städteübergreifendem Modell vor drohender Insolvenz steht. Den Jurypreis des Treffens erhielt das Theater Plauen-Zwickau für seine Shakespeare-Inszenierung „Richard III." unter der Regie von Dirk Löschner, die mit rein weiblicher Besetzung überzeugte.
Beim 43. Heidelberger Stückemarkt, dem letzten unter Intendant Holger Schultze, war Kanada das Gastland. Am Abschlusswochenende des Festivals präsentierten freie Kollektive und Bühnenautorinnen und -autoren aus Kanada Stücke zu Themen wie Sklaverei, Abtreibung, Queerness und Inklusion. Den Internationalen Autor:innenpreis gewann die Kanadierin Erin Shields für ihr Stück „Zum Licht" über die Einbeziehung taubstummer Menschen ins Theater. Besonders hervorgehoben wurde das Gastspiel „Surveillée et punie" aus Montreal, in dem die queere Sängerin Safia Nolin Hunderte von Hass-Botschaften aus dem Internet zu einem Anti-Oratorium verdichtete und die Namen der Täter öffentlich machte.
Die Ruhrfestspiele 2026 eröffneten am 3. Mai ihr 80. Jubiläumsjahr unter dem Motto „Erschrecken und Erstaunen" – erstmals nicht im Großen Haus des Ruhrfestspielhauses, das sich wegen Sanierung der Bühnentechnik in der Renovierung befindet, sondern in einem eigens errichteten Festzelt im Recklinghäuser Stadtgarten. Prominente Gäste wie Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher und NRW-Kulturministerin Ina Brandes nahmen an der Eröffnung teil. Das prägnanteste Zeichen des Abends war die bewusst nicht gefüllte Lücke der iranischen Produktion „Das Kind" der Shieveh Theater Company aus Teheran, die wegen des Krieges im Iran nicht anreisen konnte; Intendant Olaf Kröck las aus einer Nachricht der iranischen Künstlerin Afsaneh Mahian vor. Georg-Büchner-Preisträgerin Ursula Krechel hielt die literarische Eröffnungsrede über Kafkas Amerika-Fragment, bevor die choreografische Produktion „Huang Yi & Kuka" – ein Duett zwischen dem taiwanesischen Choreografen Huang Yi und einem Industrieroboter – den Abend künstlerisch beschloss.
Das 13. Sächsische Theatertreffen fand vom 21. bis 26. April 2026 in Görlitz und Zittau statt, ausgerichtet vom Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau. Auf sechs Bühnen wurden 21 Inszenierungen aus sächsischen Theatern gezeigt, ergänzt durch Produktionen aus Polen und Tschechien im Rahmen des trinationalen J-O-Ś-Festivals. Den Festivalpreis erhielt das Theater Plauen-Zwickau für Dirk Löschners Inszenierung „Richard III." mit einem rein weiblichen Ensemble, die die Jury durch darstellerische Genauigkeit und ästhetische Geschlossenheit überzeugte. Besondere Aufmerksamkeit erlangten außerdem „Der Girschkarten" vom Schauspiel Leipzig und „Der Nazi & der Friseur" vom Staatsschauspiel Dresden. Neben der künstlerischen Präsentation wurde beim Treffen auch die kulturpolitische Frage diskutiert, wie Theatervielfalt in ressourcenschwächeren Regionen wie der Oberlausitz langfristig gesichert werden kann.
Die Regisseurin Ruth Mensah inszeniert am Essener Grillo-Theater die Uraufführung von „Maus, Geld, Gespenst" der Berliner Autorin Sunan Gu, eine Koproduktion der Ruhrfestspiele Recklinghausen und des Schauspiel Essen. Das 2025 mit dem Volksbühnenpreis für Theaterliteratur ausgezeichnete Stück folgt fünf miteinander verwobenen Figuren, die zwischen Berlin und Beijing mit Einsamkeit, Rassismus, kultureller Identität und sozialen Zwängen kämpfen. Mensahs Inszenierung arbeitet mit einer markanten Bildsprache: Die Darstellenden tragen übergroße Masken, agieren in rosaroten Kostümen auf einer sterilen Bühne und spielen mit Requisiten wie einem Fleischberg und giftgrünem Wackelpudding. Besonders hervorgehoben wird die körperliche Ausdrucksstärke des Ensembles, das trotz unbewegter Maskengesichter intensive emotionale Wirkung erzielt. Die Inszenierung stellt Themen wie strukturellen Rassismus, Wohlstand und kulturelle Aneignung ohne didaktische Führung offen in den Raum.
Die Bühnen Halle zeigen am Neuen Theater die Uraufführung von „Die Lungenschwimmprobe", einer Bühnenfassung des gleichnamigen Romans des norwegischen Autors Tore Renberg. Der historisch verankerte Stoff schildert das Schicksal der 15-jährigen Anna Voigt, die im späten 17. Jahrhundert des Kindsmordes beschuldigt wird und trotz medizinischer Entlastungsgutachten einen jahrelangen Prozess durchleidet. Regisseurin und künstlerische Leiterin Mille Maria Dalsgaard konzentriert sich in ihrer Inszenierung auf das persönliche Martyrium der Protagonistin, während die rechtshistorische Dimension – darunter das Wirken des Juristen Christian Thomasius und die Bedeutung der Lungenschwimmprobe für die Rechtsmedizin – in den Hintergrund tritt. Die Produktion arbeitet mit minimalistischem Bühnenbild, symbolischen Bildmitteln und einer überwiegend erzählenden Spielweise; Aline Bucher trägt die Titelrolle. Tobias Prüwer bespricht die Inszenierung im Rahmen einer Kritik vom 10. Mai 2026.
Das Schauspiel Wuppertal zeigt in einer Inszenierung von Anne Mulleners „Das Tagebuch der Anne Frank" in Kooperation mit dem Figurentheaterfestival FIDENA. Die Produktion verbindet klassisches Schauspiel mit Elementen des Figurentheaters: Puppen- und Objektspielerin Sara Hasenbrink gestaltete ein Pop-up-Buch, aus dem Annes imaginäre Briefpartnerin Kitty als sichtbare Figur hervortritt, während Schattenbilder die Albträume der Versteckten darstellen. Auf einer weißen, bewusst spartanisch gehaltenen Bühne pendelt das Ensemble um Julia Meier als Anne Frank zwischen komödiantischer Leichtigkeit und emotionaler Eindringlichkeit. Die Premiere fiel bewusst in die Woche der Gedenktage rund um das Ende des Zweiten Weltkriegs, und in der Produktion wirkt auch ein Mitglied des inklusiven Schauspielstudios STUDIYOU mit.
Das Theater Koblenz präsentiert unter der Regie von Intendant Markus Dietze die deutsche Erstaufführung der Oper „Antony and Cleopatra" des amerikanischen Komponisten John Adams – als zweites Haus in Europa. Das Werk, das Liebes- und Machtdrama um Antonius, Cleopatra und Caesar basiert auf Texten von Shakespeare, Plutarch und Vergil und dauert inklusive Pause drei Stunden. Die Hauptrollen sind mit Danielle Rohr (Cleopatra), Andrew Finden (Antony) und Tobias Haaks (Caesar) besetzt; das Staatsorchester der Rheinischen Philharmonie spielt unter der Leitung von Enrico Delamboye. Das reduzierte Bühnenbild von Bodo Demelius wird durch Videos und Live-Bilder ergänzt, während Adams' Musik für ihre enge Verzahnung mit der dramatischen Spannungskurve des Librettos beschrieben wird.
Am Badischen Staatstheater Karlsruhe hat Regisseur Jan Bosse Joachim Meyerhoffs Roman „Man kann auch in die Höhe fallen" – Teil 6 der Reihe „Alle Toten fliegen hoch" – als Solo-Bühnenadaption inszeniert. Schauspielerin Anne Müller spielt darin sowohl den Sohn als auch die Mutter, deren Vitalität im Mittelpunkt des Werkes steht, das Meyerhoffs Genesungsaufenthalt bei seiner Mutter in Schleswig nach einem Schlaganfall schildert. Die Inszenierung setzt auf selbstironische Übertheatralik, Slapstick und aufwändige Bühneneffekte, ergänzt durch eigens komponierten Songs von Pianist Matthias Flake, der Erzählkomplexe des Romans in Lieder verwandelt. Der Kritiker Manfred Jahnke beschreibt das Ergebnis als eine Hommage, die nicht nur der Mutterfigur, sondern dem Theater selbst gilt.
Der ZDF-Verwaltungsrat hat Nadine Bilke in ihrem Amt als Programmdirektorin bestätigt. Bilke, die diese Position seit 2022 bekleidet, wird die Programmverantwortung beim Mainzer Sender nun bis mindestens 2032 tragen. ZDF-Intendant Norbert Himmler lobte sie als „ausgezeichnete Medien- und Programm-Managerin" und betonte die gemeinsame Ausrichtung auf eine lineare und nonlineare Zukunft des Senders. Bilke begann ihre ZDF-Karriere 2002 als Redakteurin und leitete von 2018 bis 2022 den Spartenkanal ZDFneo, bevor sie zur Programmdirektorin aufstieg.
Die Film- und Medienstiftung NRW hat in ihrer zweiten Förderrunde des Jahres insgesamt 11,8 Millionen Euro an 32 Projekte vergeben. Zu den geförderten Serienprojekten gehören die zweite Staffel der RTL-Coming-of-Age-Serie „Euphorie" (1,5 Millionen Euro, produziert von Zeitsprung Pictures) sowie der ARD/WDR-Zweiteiler „Eisige Nächte" (1,1 Millionen Euro). Die höchste Einzelförderung von 1,77 Millionen Euro erhielt der Kinofilm „Der Lappen" der Schwestern Yasemin und Nesrin Şamdereli, die erneut eine im Ruhrgebiet angesiedelte Komödie drehen. Weitere Mittel gingen unter anderem an eine WDR-Dokumentation über Schauspieler Oliver Masucci („Oliver Masucci – Acting Beyond Fear", Regie: Aljoscha Pause, 350.000 Euro) sowie an eine vierteilige Dokuserie über die deutsche Handball-Nationalmannschaft für ProSiebenSat.1 (150.000 Euro).
Die Oper Köln zeigt mit „Picture a day like this" des britischen Komponisten George Benjamin die deutsche Erstaufführung einer internationalen Koproduktion, die 2023 in Aix-en-Provence uraufgeführt wurde. Das Werk folgt einer trauernden Frau, die auf der Suche nach einem glücklichen Menschen scheitert und am Ende erkennt, dass es kein Glück gibt. Die Inszenierung von Daniel Jeanneteau und Marie-Christine Soma wirkt in Köln distanziert und emotionslos, da das Kreativteam bei der Premiere nicht anwesend war und die Sänger die Produktion lediglich einstudiert haben. Musikalisch überzeugt der Abend dennoch: Dirigent Christian Karlsen führt das Gürzenich-Orchester Köln präzise, und das Ensemble mit Adriana Bastidas-Gamboa, Emily Hindrichs und John Brancy singt auf hohem Niveau. Die szenische Kälte und fehlende Bühnenpräsenz der Darsteller verhinderten jedoch laut Kritiker Andreas Falentin, dass das Werk sein emotionales Potenzial entfalten konnte.
Der SWR-Kultur/BR-Podcast „Werner Herzog – zu groß für Deutschland" (6 Folgen, 2026) beleuchtet Leben und Werk des deutschen Filmemachers Werner Herzog, der international als Legende gilt, in seiner Heimat jedoch kaum bekannt ist. Host Max Osenstätter folgt Herzogs Spuren von den turbulenten Dreharbeiten zu „Fitzcarraldo" im peruanischen Dschungel – mit Bränden, dem Schiff über den Berg und Hauptdarsteller Klaus Kinski – bis zu Herzogs Weggang nach Los Angeles in den frühen 1990er-Jahren. Die Serie beleuchtet auch Herzogs Biografie: seine Armut, den gestohlenen Ersten Kamera, Schmuggeleien mit seiner späteren Frau Martje und seine Zeit als Rodeo-Clown in Mexiko. Im Mittelpunkt steht zudem Herzogs Konzept der „Ekstatischen Wahrheit" sowie sein ambivalentes Verhältnis zur dokumentarischen Wahrhaftigkeit. Produziert wurde die Reihe von Plotprodukt für SWR Kultur und BR.
Der Berliner Musiker Peter Fox veranstaltete im Sommer 2024 eine Reihe kostenloser Open-Air-Konzerte – die sogenannte „Block Party" – in verschiedenen Berliner Stadtteilen, darunter Neukölln, Kreuzberg, Marzahn und Schöneberg. Ziel war es, Menschen aus unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus zusammenzubringen und gesellschaftliche Trennlinien in der Stadt zu überwinden. Gleichzeitig nutzte Fox die Konzerte, um drei junge Nachwuchskünstler aus Berlin zu fördern: den Erzieher und Rapper Kevin (31) aus Neukölln, die 16-jährige Schülerin und Sängerin Cerin aus Gropiusstadt sowie den Rapper und Produzenten Nik (24) aus Marzahn. Eine Dokumentation des SWR in Zusammenarbeit mit RBB, ARD Kultur und HR begleitet das Projekt; Regie führte David Seeberg.