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Die Deutsche Bühne
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All systems fail oder In den Gängen stehen Leute

· gecrawlt 13.05.2026, 07:23

Der Mainzer Schauspieldramaturg Boris C. Motzki legt in seinem Essay dar, wie unterschiedlich Kunst und Journalismus mit Zeit umgehen: Während der Journalismus tagesaktuelle Reaktion erfordert, braucht das Theater Distanz und Reifeprozesse, um Themen künstlerisch zu transformieren. Anhand historischer Beispiele – von Ionescos Darmstädter Skandalinszenierung (1957) über Peter Zadeks Kölner Arbeit (1958) bis zu Marina Abramovićs Performance „The Artist Is Present" (2010) – zeigt er, wie Zeit im Theater gedehnt, verdichtet und als Provokationsmittel eingesetzt werden kann. Motzki argumentiert, dass das Alleinstellungsmerkmal des Theaters in der Vergänglichkeit des Live-Erlebnisses liegt, das auch nach der Pandemie wieder an Bedeutung gewonnen hat. Er kritisiert sowohl überhastete Debatten als auch selbstauferlegte Denkverbote in der gegenwärtigen Wokeness-Diskussion und plädiert dafür, dass Theater statt Dystopien vermehrt Utopien und Anderswelten entwerfen solle. Abschließend fordert er mehr Raum für Ambiguität und Dialog, damit Kunst ihrer Aufgabe gerecht werden kann, dem Alltag eine poetische Dimension zu verleihen.
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