Kulturatlas

Pressespiegel

Kuratierte Kulturberichterstattung aus Bayern und darüber hinaus.

Artikel: Die Deutsche Bühne

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Schauspiel Stuttgart
Theater – Formen & Rollen
Veranstaltungen
Bundesweit

Vor dem Düsseldorfer Schauspielhaus hatte das Fan-Spektakel „Glaube Liebe Fußball" von Peter Jordan und Leonard Koppelmann Premiere – als theatralische Einstimmung auf die Fußball-Europameisterschaft 2024. Rund 40 Laiendarsteller verkörperten dabei Fans verschiedener EM-Teilnehmernationen, ergänzt durch sechs Theaterstudierende und eine Live-Band. Herzstück der Inszenierung ist ein fiktives EM-Endspiel, das durch historische Filmausschnitte auf einer großen Leinwand mit dem imaginierten Spielgeschehen verknüpft wird. Aus dem Off kommentiert Radio-Legende Manni Breuckmann das Geschehen, während das Düsseldorfer Schauspielhaus-Ensemble Reporteraufgaben übernimmt. Der Aufführungsort dient anschließend als Fan-Zone für das Public Viewing der Europameisterschaft.

Die Deutsche Bühne
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Zum Ende der Spielzeit 2024 haben mehrere langjährige Intendanten bedeutender deutschsprachiger Bühnen ihre Ämter niedergelegt. Betroffen sind unter anderem Matthias Schulz an der Berliner Staatsoper Unter den Linden, Peter Theiler an der Semperoper Dresden, John Neumeier beim Hamburg Ballett sowie Martin Kušej am Burgtheater Wien. Während einige Intendanzen regulär ausliefen, endete jene von Uwe Eric Laufenberg am Staatstheater Wiesbaden vorzeitig infolge eines Zerwürfnisses. Auch Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg beenden ihre gemeinsame Doppelspitze am Schauspielhaus Zürich, und Christian Firmbach verlässt das Staatstheater Oldenburg.

Die Deutsche Bühne
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Kulturverwaltung
Institutionen
Bundesweit

Die drei großen Schauspielhäuser in Nordrhein-Westfalen erhalten neue Intendanten: Der Schweizer Dramaturg Andreas Karlaganis übernimmt 2026 das Düsseldorfer Schauspielhaus von Wilfried Schulz, der Regisseur Nicolas Stemann 2027 das Schauspielhaus Bochum von Johan Simons, und Kay Voges wechselt bereits 2025 vom Wiener Volkstheater ans Schauspiel Köln. Alle drei Nachfolger stehen für eine weitgehende Kontinuität an ihren jeweiligen Häusern. Während Düsseldorf und Bochum künstlerisch gut aufgestellt sind, steht Köln vor besonderen Herausforderungen durch eine stockende und kostspielige Theatersanierung. Der Artikel vermerkt, dass bei allen drei Neubesetzungen ausschließlich mittelalte Männer berufen wurden und alternative Führungsmodelle offenbar nicht in Betracht gezogen wurden.

Die Deutsche Bühne
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Theater – Formen & Rollen
Bundesweit

Sven Schlötcke, Co-Leiter des Mülheimer Theaters an der Ruhr, schildert seinen persönlichen Weg zum Theater – vom abgebrochenen Medizinstudium in der DDR über erste Erfahrungen als Requisiteur in Stralsund bis zum Regiestudium an der Hochschule „Ernst Busch" in Berlin. Als prägendes Erlebnis beschreibt er Alexander Langs Inszenierung von „Dantons Tod" am Deutschen Theater Ostberlin, die ihm Theater als Ort der dialektischen Auflösung von Identitäten und kollektiver Verbundenheit erschloss. Ausgehend davon formuliert er eine Theaterkonzeption, die den öffentlichen Raum der Verständigung gegen identitäre Abgrenzungstendenzen setzt. Schlötcke fordert, dass Theater diese Haltung auch in seinen inneren Strukturen verwirklichen müsse – weg vom Betrieb, hin zum gesellschaftlichen Labor. Als praktische Umsetzungen nennt er die Gründung des Theaterhauses Jena in den frühen 1990er-Jahren sowie strukturelle Reformen am Theater an der Ruhr, darunter einheitliche Verträge und die Abschaffung des Repertoirebetriebs.

Die Deutsche Bühne
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Schauspiel Stuttgart
Netzwerke & Verbände
Bundesweit

Die Solidargemeinschaft Stuttgarter Theater (SST) wurde vor sechs Jahren auf Initiative von Axel Preuß, Intendant der Schauspielbühnen Stuttgart, gegründet, nachdem eine gemeinsame Menschenrechtsaktion auf dem Schillerplatz deutschlandweit Aufmerksamkeit erlangte. Der Zusammenschluss von derzeit 16 produzierenden Häusern unterschiedlicher Genres – von Schauspiel über Kabarett bis zum Figurentheater – bewährte sich besonders während der Corona-Pandemie als Austausch- und Unterstützungsnetzwerk. Die Gemeinschaft engagiert sich auch kulturpolitisch, etwa durch einen gemeinsamen Förderantrag zur Dynamisierung von Theaterbudgets, der im Stuttgarter Doppelhaushalt 2025/26 Berücksichtigung fand. Mitglieder wie Julianna Herzberg vom Theater La Lune und Ilona Schaal vom Theater Rampe heben hervor, dass die SST das frühere Konkurrenzdenken zwischen den Häusern abgebaut und ein Gefühl der gegenseitigen Absicherung geschaffen habe.

Die Deutsche Bühne
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Theater – Formen & Rollen
Veranstaltungen
Bundesweit

Das Theater Magdeburg plant für Mai 2026 die Uraufführung des Stücks „Drei Minuten", in dem Regisseur Sebastian Nübling und Autor Kevin Rittberger den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt vom Dezember 2024 künstlerisch aufarbeiten wollen. Seit November 2025 formiert sich Widerstand: Am 9. November hielten rund 100 Demonstranten eine sechsstündige „Mahnwache" vor dem Theater ab, angemeldet von Denny Zenker, der dem rechten Protestbündnis „Gemeinsam für Deutschland" nahestehen soll. Zwei Petitionen – eine mit rechter Ausrichtung, eine von der Mutter eines Anschlagsopfers – fordern die Absage der Inszenierung und werfen dem Theater vor, auf Kosten der Opfer Profit zu machen. Schauspieldirektor Bastian Lomsché und Autor Rittberger betonen, das Stück solle kein Reenactment des Anschlags sein, sondern traumasensibel die Folgen für die Stadt bearbeiten. Das Theater hat ein Statement veröffentlicht, das Kritik akzeptiert, die dahinterstehende rechte Ideologie jedoch explizit benennt.

Die Deutsche Bühne
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Teilhabe & Repräsentation
Bildung & Vermittlung

Enrico Stolzenburg, Professor für Szene im Schauspielstudiengang der Universität der Künste Berlin, erläutert im Interview mit der Fachzeitschrift „Die Deutsche Bühne", wie er und sein Kollegium die Ausbildung in den vergangenen Jahren grundlegend reformiert haben. Kernpunkte sind die bewusste Diversifizierung der Studierendenschaft unabhängig von akademischer Vorbildung, eine technikoffene Methodik ohne festgelegte Spielweise sowie die stärkere Verzahnung von Theater- und Filmausbildung. Stolzenburg betont zudem die körperliche Ausbildung als zunehmend notwendiges Gegengewicht zu einer digitalisierten Lebenswelt. Mit der Initiative „Please Call Us, We Call You!" wirbt er explizit um Bewerberinnen und Bewerber, die sich aufgrund von Herkunft, Geschlecht, sozialer Klasse oder Beeinträchtigung bisher nicht angesprochen fühlten. Als Erfolgsnachweis verweist er darauf, dass sieben von elf Absolvierenden des aktuellen Jahrgangs bereits Festengagements an renommierten Häusern erhalten haben.

Die Deutsche Bühne
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Der Kulturwissenschaftler Marc-Oliver Krampe argumentiert in einem Essay für das Themenheft „Spielraum NRW", dass Theater angesichts gesellschaftlicher Vereinzelung, Einsamkeit und des Verlusts von Gemeinschaftsorten eine neue Rolle übernehmen müsse. Statt reiner Repräsentationskunst in konventioneller Schauordnung solle das Theater zum „Dritten Ort" werden – einem Labor für Begegnung, Resonanz und demokratisches Probehandeln, in dem Publikum und Spielende gemeinsam aktiv werden. Dafür fordert Krampe einen erweiterten Kunstbegriff, der Partizipation als genuin künstlerische Technik begreift und nicht länger gegen künstlerische Exzellenz ausspielt. Auf institutioneller Ebene plädiert er für eine Reduktion konventioneller Spielplanpositionen zugunsten von Ressourcen für partizipative Formate sowie für Theaterleitungen, die sich primär als künstlerische Vermittler und Vernetzer verstehen.

Die Deutsche Bühne
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Theater – Formen & Rollen
Veranstaltungen
Bundesweit

Bei der Uraufführung von „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten" am Schauspielhaus Bochum am 14. Februar 2026 stürmten Teile des Publikums die Bühne und erzwangen den Abbruch der Vorstellung, nachdem Schauspieler Ole Lagerpusch einen rechtspopulistischen Schlussmonolog der Figur Romeu gesprochen hatte. Das Stück des portugiesischen Autors Tiago Rodrigues handelt von einer Anarchistenfamilie, die jährlich einen rechten Politiker entführt, um ihn zu töten, und thematisiert das Dilemma zwischen gerechtem Zorn und Selbstjustiz. Autor Martin Krumbholz analysiert den Vorfall zwei Wochen später und stellt strukturelle Fragen zur Rolle des Theaters als Kunstraum gegenüber einem offenen Diskursraum. Die stellvertretende Intendantin Angela Obst erklärte, der Monolog sei dramaturgisch zwingend und das Stück provoziere bewusst zur Reaktion; inzwischen wurde ein Sicherheitsdienst engagiert und nach den Vorstellungen werden Publikumsgespräche angeboten. Krumbholz wertet den Vorfall als Symptom einer zunehmenden gesellschaftlichen Verfeindlichung des Meinungsklimas und Unfähigkeit, gegenteilige Standpunkte auszuhalten.

Die Deutsche Bühne
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Staatstheater Augsburg
Digitale Transformation
Digitale & neue Kunstformen
Augsburg

Das Staatstheater Augsburg bringt Jules Vernes „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" als Mixed-Reality-Produktion auf die Bühne, bei der das Publikum MR-Brillen trägt, um reales Bühnengeschehen mit computergenerierten Elementen wie Lava, Mammuts und Champignon-Wäldern zu erleben. Regie führt Lukas Joshua Baueregger gemeinsam mit 3D-Artist und Co-Teamleiter Benjamin Seuffert; auf der Bühne stehen die Schauspieler Gerald Fiedler und Florian Mania sowie Bariton Wiard Witholt. In einem Werkstattbericht schildern die drei Beteiligten ihre jeweiligen Herausforderungen: der Regisseur den dramaturgischen Einsatz der Technologie, der 3D-Artist die komplexe technische Infrastruktur für 80 Headsets und eine eigens steiler gebaute Tribüne, der Schauspieler die Schwierigkeit, auf unsichtbare virtuelle Objekte zu reagieren, die nur das Publikum sieht. Die Produktion entstand spartenübergreifend in 21 Probentagen und versteht die Mixed Reality ausdrücklich als ergänzendes Erzählmittel, nicht als Ersatz für klassischen Bühnenzauber.

Die Deutsche Bühne
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Journalismus
Theater – Formen & Rollen
Bundesweit

Das Thalia Theater Hamburg veranstaltete am 15. April 2026 die Podiumsdiskussion „Dialog statt Echo", um die heftige Kritik an Milo Raus Inszenierung „Prozess gegen Deutschland" vom Februar 2026 aufzuarbeiten. Raus Stück hatte eine simulierte Gerichtsverhandlung über ein AfD-Verbot gezeigt und dabei auch ehemaligen AfD-Abgeordneten und ultrarechten Akteuren eine Bühne gegeben, was zu massivem internen und externen Gegenwind führte. Auf dem Podium diskutierten Hamburgs Kultursenator und Deutscher-Bühnenverein-Präsident Carsten Brosda, die Politikwissenschaftlerin Julia Reuschenbach sowie die Journalistinnen Melanie Amann und Gilda Sahebi vor einem politisch gleichgesinnten Publikum. Die Teilnehmer sprachen sich dafür aus, AfD-Sympathisanten als legitimen Teil des Diskurses anzuerkennen und ihre Meinungen kritisch zu reflektieren statt zu verbieten, auch wenn das als Zumutung empfunden werden kann. Die konkrete Frage, was eine solche Offenheit für die Theaterpraxis bedeutet, blieb laut Bericht jedoch ungeklärt.

Die Deutsche Bühne
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Teilhabe & Repräsentation
Theater – Formen & Rollen
Oberfranken

Die Musikdarstellerin AMY gilt als eine der ersten offen trans Frauen im deutschsprachigen Musicalbereich und kämpft um gleichwertige Besetzungschancen an deutschen Theatern. Anlässlich ihrer Titelrolle in „Hedwig and The Angry Inch" am Theater Hof porträtiert Autor Roland H. Dippel die 28-Jährige, die nach ihrer Transition eine zweite Karriere begann und seither unter anderem an der Musikalischen Komödie Leipzig und den Luisenburg-Festspielen Wunsiedel auftritt. AMY wird bislang vor allem für androgyneoder queere Rollen besetzt – etwa Frank N. Furter oder Herodes –, während klassische Frauenrollen in heterosexuellen Konstellationen für sie strukturell kaum zugänglich sind. Als Hindernisse benennt der Artikel konservative Theaterleitungen, restriktive Rechteinhaber von Musicals sowie heteronormative Besetzungskonventionen. AMYs erklärtes Ziel ist es, als trans Frau dieselben Besetzungsmöglichkeiten zu erhalten wie Cis-Frauen – darunter Wunschrollen wie Mrs. Danvers in „Rebecca" oder Lady Macbeth.

Die Deutsche Bühne
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Die Deutsche Bühne hat ein Interview mit der Autorin Leo Lorena Wyss geführt, die seit der Spielzeit 2024/25 Hausautor:in am Schauspiel des Nationaltheaters Mannheim ist. Wyss spricht über ihre Stücke „Blaupause" und „Apropos Schmerz", in denen persönliche Dringlichkeit bei Themen wie lesbischer Identität und dem Umgang des Gesundheitssystems mit weiblichen Körpern und Endometriose den Ausgangspunkt bildet. Zum Stück „Apropos Schmerz" wurde das Begleitprogramm „Queer Doc" entwickelt, das mit Expert:innen und Aktivist:innen medizinhistorische sowie queere Perspektiven vertiefte. Für die Internationalen Schillertage am Nationaltheater Mannheim erarbeitet Wyss gemeinsam mit dem Stadtensemble „Mannheimer Räuber*innen" als Fortschreibung statt Überschreibung des Schiller-Stoffs. Im Interview äußert sich Wyss auch zur strukturellen Situation queerer Autor:innen im Theaterbetrieb, wo mehr Sichtbarkeit zwar wachse, aber oft auf Kosten ästhetischer Diskussionen zugunsten inhaltlicher Buzzwords gehe.

Die Deutsche Bühne
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Theater – Formen & Rollen
Tanz – Stile & Formen
Bundesweit

Der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper hat den Vertrag mit Ballettintendant Demis Volpi am 10. Juni 2025 einvernehmlich und vorzeitig aufgelöst – nach kaum einer Spielzeit seit seinem Amtsantritt im August 2024. Auslöser waren massive interne Konflikte: Mehr als die Hälfte der Tänzerinnen und Tänzer beklagte in einem offenen Brief ein „toxisches Arbeitsklima", fünf Erste Solistinnen und Solisten verlängerten ihre Verträge nicht, und auch Ex-Ensemblemitglieder seiner früheren Düsseldorfer Kompanie erhoben schwere Vorwürfe gegen Volpis Führungsstil. Die geplante Premiere seiner Choreografie „Demian" bei den 50. Ballett-Tagen wurde bereits Ende Mai abgesagt. Übergangsweise soll ein Leitungstrio aus Lloyd Riggins, Nicolas Hartmann und Gigi Hyatt die Kompanie führen, während ein extern moderierter Prozess die Arbeitsbedingungen untersuchen und die Grundlage für eine neue Direktion schaffen soll.

Die Deutsche Bühne
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Oper & Musiktheater – Formen
Institutionen
Bundesweit

Das Nationaltheater Mannheim (NTM) saniert seit 2022 sein Stammhaus am Goetheplatz denkmalgerecht; die Wiedereröffnung ist zur Spielzeit 2028/29 geplant. Als Interimsspielstätte für das Musiktheater wurde die OPAL (Oper am Luisenpark) errichtet – eine rund 2.400 Quadratmeter große Leichtbauhalle mit knapp 800 Plätzen, die nach Ende der Nutzung wieder abgebaut und weiterverwendet werden kann. Die Fertigstellung übernahm das NTM in Eigenregie, nachdem der ursprünglich beauftragte Hersteller metron Vilshofen GmbH im November 2022 Insolvenz angemeldet hatte; eröffnet wurde die OPAL im Oktober 2024. An die Halle ist ein sogenanntes Containerdorf mit Maske, Kostümen, Umkleiden und weiteren Betriebsräumen angebaut. Die übrigen Sparten Schauspiel und Tanz sowie das Junge Nationaltheater sind auf weitere Interimsspielorte in Mannheim und Umgebung verteilt.

Die Deutsche Bühne
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Bau, Sanierung & Großprojekte
Bundesweit

Das seit 2021 sanierungsbedingt geschlossene Schauspielhaus Chemnitz steht vor einer Richtungsentscheidung: Die Stadtverwaltung hat nach monatelangem Schweigen und öffentlichem Druck des Fördervereins Ende Juni zwei Varianten für den Stadtrat vorgestellt. Zur Wahl stehen entweder die Sanierung des alten Hauses für rund 34 bis 59 Millionen Euro (inklusive möglichem Anbau) oder ein Neubau auf dem Gelände des bisherigen Interims im ehemaligen Spinnereimaschinenbau für etwa 33 Millionen Euro. Generalintendant Christoph Dittrich befürwortet öffentlich den Neubau am Interimsstandort, da das Areal Potenzial für eine Vollbühne, Theaterwerkstätten und perspektivisch auch ein Operninterim böte. Seit 2021 spielen Schauspiel und Figurentheater in dem Fabrikgebäude, das ursprünglich nur 18 Monate als Ausweichquartier dienen sollte. Im August oder September soll der Stadtrat über das weitere Vorgehen entscheiden.

Die Deutsche Bühne
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Tanz – Stile & Formen

Der griechische Choreograf Andonis Foniadakis hat in der vergangenen Spielzeit mit mehreren abendfüllenden Uraufführungen an deutschen Theatern auf sich aufmerksam gemacht, darunter „Ikarus" am Staatsballett Hannover und „Troja" am Gärtnerplatztheater München. Der 1972 auf Kreta geborene Künstler, der bei Maurice Béjart und Saburo Teshigawara tanzte und 2003 seine eigene Compagnie Apotosoma gründete, entwickelte einen physisch extrem fordernden Stil, der Tänzerinnen und Tänzern absolute Hingabe und Emotionalität abverlangt. Sein Probenprozess verzichtet bewusst auf schriftliche Notizen – sämtliche choreografische Arbeit bewahrt er ausschließlich im Gedächtnis. Von 2016 bis 2018 leitete Foniadakis das Griechische Nationalballett, legte die Direktion jedoch wegen struktureller Hindernisse nieder. Heute arbeitet er als freier Choreograf mit festem Team von Athen und Paris aus und plant für die kommende Spielzeit mehr als die üblichen drei bis vier Uraufführungen pro Jahr.

Die Deutsche Bühne
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Theater – Formen & Rollen

Die iranisch-deutsche Mezzosopranistin und Schauspielerin Hasti Molavian, seit 2007 in Deutschland lebend und neu im Ensemble des Schauspiels Köln, veröffentlicht ein persönliches Statement über den Zustand des europäischen Theater- und Opernbetriebs. Sie beklagt eine zunehmende Mutlosigkeit und politische Haltungslosigkeit an Kulturinstitutionen, die gesellschaftskritische Auseinandersetzungen zugunsten von Unterhaltung und Eskapismus aufgäben. Als Beispiel nennt sie die diesjährige „Meistersinger"-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen, die sie als entpolitisiert und harmlos kritisiert. Vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts und der Angriffe auf Teheran beschreibt Molavian eine kollektive Sprachlosigkeit, in der echte Diskurse durch Identitätsfallen und eindimensionale Kommunikation blockiert würden. Sie appelliert an das Theater als Ort des Widerspruchs und des gemeinsamen „Wir", den sie in der gegenwärtigen Praxis vieler Häuser vermisst.

Die Deutsche Bühne
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Journalismus
Theater – Formen & Rollen
Bundesweit

Der Mainzer Schauspieldramaturg Boris C. Motzki legt in seinem Essay dar, wie unterschiedlich Kunst und Journalismus mit Zeit umgehen: Während der Journalismus tagesaktuelle Reaktion erfordert, braucht das Theater Distanz und Reifeprozesse, um Themen künstlerisch zu transformieren. Anhand historischer Beispiele – von Ionescos Darmstädter Skandalinszenierung (1957) über Peter Zadeks Kölner Arbeit (1958) bis zu Marina Abramovićs Performance „The Artist Is Present" (2010) – zeigt er, wie Zeit im Theater gedehnt, verdichtet und als Provokationsmittel eingesetzt werden kann. Motzki argumentiert, dass das Alleinstellungsmerkmal des Theaters in der Vergänglichkeit des Live-Erlebnisses liegt, das auch nach der Pandemie wieder an Bedeutung gewonnen hat. Er kritisiert sowohl überhastete Debatten als auch selbstauferlegte Denkverbote in der gegenwärtigen Wokeness-Diskussion und plädiert dafür, dass Theater statt Dystopien vermehrt Utopien und Anderswelten entwerfen solle. Abschließend fordert er mehr Raum für Ambiguität und Dialog, damit Kunst ihrer Aufgabe gerecht werden kann, dem Alltag eine poetische Dimension zu verleihen.

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Teilhabe & Repräsentation
Theater – Formen & Rollen
Bundesweit

Die Burgtheater-Schauspielerin Safira Robens reflektiert in einem persönlichen Essay über ihre Erfahrungen mit Rassismus und struktureller Ausgrenzung im deutschsprachigen Theaterbetrieb. Anlass ist die aktuelle Blackfacing-Debatte am Schauspielhaus Hamburg, die sie an ein traumatisches Erlebnis beim Burgtheater erinnert: eine Inszenierung von Koltès' Stück mit dem N-Wort im Titel, nach der ein eskaliertes Publikumsgespräch sie körperlich krank werden ließ. Robens beschreibt zugleich bestärkende Momente ihrer Karriere, darunter Jelinek-Uraufführungen und die Produktion „Katharsis" über den Afrowienern Angelo Soliman und seine Tochter am Burgtheater, wo sich das Publikum und die Kantine sichtbar verändert hätten. Die 1994 geborene Schauspielerin, die vor Wien in Lissabon tätig war, wo ihre Hautfarbe keine Rolle gespielt habe, fordert ein Theater, das Europas koloniale Geschichte anerkennt und künstlerisch verarbeitet. Sie zeigt sich trotz aller Kritik optimistisch über einen spürbaren, wenn auch langsamen Wandel im Burgtheater und im Wiener Kulturbetrieb insgesamt.

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Deutsches Theater Göttingen
Kulturverwaltung
Institutionen
Bundesweit

Das Deutsche Theater Göttingen erhält ab der Spielzeit 2027/28 eine neue Doppelspitze: Die langjährige Geschäftsführerin Sandra Hinz und die seit 2024 amtierende künstlerische Co-Leiterin Schirin Khodadadian übernehmen gemeinsam die Intendanz. Der Wechsel folgt auf den vorzeitigen Abgang von Intendant Erich Sidler, der das Haus zwei Jahre vor Vertragsende verlässt, unter anderem wegen finanzieller Unsicherheiten durch ausbleibende Landesmittel und Kürzungen von über 600.000 Euro. Laut der Göttinger Oberbürgermeisterin hat das Land Niedersachsen nun signalisiert, einen langfristigen Fördervertrag in Aussicht zu stellen, womit der Fortbestand des Theaters gesichert scheint. Die neue Leitungsstruktur wird als interne Weiterentwicklung und Zeichen der Kontinuität gewertet, da beide Frauen dem Haus bereits gut bekannt sind. Der Vorgang gilt dem Autor als exemplarisch für einen Trend im Stadttheaterbetrieb weg von Einzelkünstlerpersönlichkeiten hin zu integrativen, stadtgesellschaftlich vernetzten Leitungsteams.

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schauspiel erlangen
Stadttheater Ingolstadt
Theater am Glacis Ingolstadt
Kulturpolitik, Governance & Förderung
Finanzierung öffentlich
Oberfranken

Die bayerischen Stadttheater in Ingolstadt und Erlangen stehen unter massivem Spardruck, nachdem Steuereinbrüche die Kommunalhaushalte drastisch geschrumpft haben. In Ingolstadt wird der denkmalwürdige Hämer-Bau des Stadttheaters ab Sommer schrittweise geschlossen, ohne dass eine Sanierung geplant ist; das als Provisorium gedachte Theater am Glacis wird auf unbestimmte Zeit zur Hauptspielstätte. Das schauspiel erlangen erlebte kurz nach dem Amtsantritt von Intendant Jonas Knecht einen Einbruch der städtischen Einnahmen von 220 auf 71 Millionen Euro, was die ursprünglichen Ausbaupläne zunichtemachte. Beide neu ernannten Intendanten – Knecht in Erlangen und Oliver Brunner in Ingolstadt – berichten von Sparrunden, fehlender Planungssicherheit und der Sorge, dass kommunale Theater grundsätzlich zur Disposition gestellt werden könnten. Sie fordern von der Politik ein klares Bekenntnis zu Aufgabe und Finanzierung städtischer Theater.

Die Deutsche Bühne
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Theater – Formen & Rollen
Bundesweit

Bernd Schmidt, Geschäftsführer des Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs, erklärt im Interview mit der Zeitschrift „Die Deutsche Bühne", wie literarische Stoffe für die Bühne erschlossen werden: über enge Zusammenarbeit mit Buchverlagen, auf Initiative von Theatern oder durch eigene Lektüre. Seine Bühnenfassung von Karsten Dusses Kriminalkomödie „Achtsam morden" entstand während der Corona-Pandemie 2020, als der Theaterbetrieb stillstand. Schmidt betont, dass die Zustimmung der Autor:innen stets am Anfang jeder Bearbeitung stehen müsse und ein frühzeitiges Exposé spätere Konflikte vermeide. Zum Erfolg von „Achtsam morden" auf der Bühne trägt laut Schmidt bei, dass der Stoff ein neues Publikum ins Theater zieht, das die Romane bereits kannte. Generell plädiert er dafür, die Suche nach neuen Stoffen für das Theater offen zu halten und Adaptionen nicht grundsätzlich abzulehnen.

Die Deutsche Bühne
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Tanz – Stile & Formen
Veranstaltungen
Bundesweit

Im Rahmen der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 und des Festivals Tanz Moderne Tanz inszenierte Ballettdirektorin Sabrina Sadowska das Großprojekt „Odyssee in C" als mehrstündigen Outdoor-Tanzparcours durch die Stadt. Von 8 bis 23 Uhr bespielten internationale Kompanien 18 Stationen im Stadtraum Chemnitz, wobei jede Gruppe ein Kapitel aus James Joyces Roman „Ulysses" tänzerisch interpretierte. Die Aufführungsorte – darunter das Stadtschwimmbad, der Wirkbau, die Markthalle und das Karl-Marx-Monument – wurden bewusst gewählt, um auf industrielle Vergangenheit, urbane Brüche und lokale Identität Chemnitz' hinzuweisen. Beteiligte Ensembles wie Company Chameleon aus Manchester, Cie Ex Nihilo aus Frankreich und die Nuepiko Dance Company aus Litauen setzten die literarischen Vorlagen in Formen zwischen Tanztheater und Breakdance um. Das Finale übernahm das Ballett Chemnitz im Opernhaus mit Edith Piafs „Je ne regrette rien".

Die Deutsche Bühne
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