Pressespiegel
Kuratierte Kulturberichterstattung aus Bayern und darüber hinaus.
Thema: Tanz – Stile & Formen
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Der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper hat den Vertrag mit Ballettintendant Demis Volpi am 10. Juni 2025 einvernehmlich und vorzeitig aufgelöst – nach kaum einer Spielzeit seit seinem Amtsantritt im August 2024. Auslöser waren massive interne Konflikte: Mehr als die Hälfte der Tänzerinnen und Tänzer beklagte in einem offenen Brief ein „toxisches Arbeitsklima", fünf Erste Solistinnen und Solisten verlängerten ihre Verträge nicht, und auch Ex-Ensemblemitglieder seiner früheren Düsseldorfer Kompanie erhoben schwere Vorwürfe gegen Volpis Führungsstil. Die geplante Premiere seiner Choreografie „Demian" bei den 50. Ballett-Tagen wurde bereits Ende Mai abgesagt. Übergangsweise soll ein Leitungstrio aus Lloyd Riggins, Nicolas Hartmann und Gigi Hyatt die Kompanie führen, während ein extern moderierter Prozess die Arbeitsbedingungen untersuchen und die Grundlage für eine neue Direktion schaffen soll.
Der griechische Choreograf Andonis Foniadakis hat in der vergangenen Spielzeit mit mehreren abendfüllenden Uraufführungen an deutschen Theatern auf sich aufmerksam gemacht, darunter „Ikarus" am Staatsballett Hannover und „Troja" am Gärtnerplatztheater München. Der 1972 auf Kreta geborene Künstler, der bei Maurice Béjart und Saburo Teshigawara tanzte und 2003 seine eigene Compagnie Apotosoma gründete, entwickelte einen physisch extrem fordernden Stil, der Tänzerinnen und Tänzern absolute Hingabe und Emotionalität abverlangt. Sein Probenprozess verzichtet bewusst auf schriftliche Notizen – sämtliche choreografische Arbeit bewahrt er ausschließlich im Gedächtnis. Von 2016 bis 2018 leitete Foniadakis das Griechische Nationalballett, legte die Direktion jedoch wegen struktureller Hindernisse nieder. Heute arbeitet er als freier Choreograf mit festem Team von Athen und Paris aus und plant für die kommende Spielzeit mehr als die üblichen drei bis vier Uraufführungen pro Jahr.
Im Rahmen der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 und des Festivals Tanz Moderne Tanz inszenierte Ballettdirektorin Sabrina Sadowska das Großprojekt „Odyssee in C" als mehrstündigen Outdoor-Tanzparcours durch die Stadt. Von 8 bis 23 Uhr bespielten internationale Kompanien 18 Stationen im Stadtraum Chemnitz, wobei jede Gruppe ein Kapitel aus James Joyces Roman „Ulysses" tänzerisch interpretierte. Die Aufführungsorte – darunter das Stadtschwimmbad, der Wirkbau, die Markthalle und das Karl-Marx-Monument – wurden bewusst gewählt, um auf industrielle Vergangenheit, urbane Brüche und lokale Identität Chemnitz' hinzuweisen. Beteiligte Ensembles wie Company Chameleon aus Manchester, Cie Ex Nihilo aus Frankreich und die Nuepiko Dance Company aus Litauen setzten die literarischen Vorlagen in Formen zwischen Tanztheater und Breakdance um. Das Finale übernahm das Ballett Chemnitz im Opernhaus mit Edith Piafs „Je ne regrette rien".
Am 28. Februar 2026 wurde im Aalto-Theater Essen der Deutsche Tanzpreis vergeben. Hauptpreisträger war Christian Spuck, Intendant des Staatsballetts Berlin, den die Jury für seinen „mutigen, klaren" Neustart der Kompanie auszeichnete; zusätzlich wurden die Tanzwissenschaftlerin Gabriele Brandstetter für Pionierarbeit und Tadashi Endo posthum für sein Lebenswerk geehrt. Das Staatsballett Berlin präsentierte drei Ausschnitte aus Spucks Choreografien, darunter „Nocturne", ein Pas-de-deux aus „Romeo und Julia" sowie „Beethoven". In seiner Dankesrede betonte Spuck die gesellschaftliche Rolle des Tanzes als Begegnung und verwies auf die 26 Nationen umfassende Belegschaft seines Ensembles als schützenswertes Modell. Der nächste Deutsche Tanzpreis soll am 13. März 2027 verliehen werden.
Das BR-Magazin „puzzle" porträtiert in einem 29-minütigen Beitrag (2024) verschiedene Menschen, für die Tanz eine zentrale Rolle im Leben spielt. Zwei Balletttänzerinnen des Bayerischen Staatsballetts – Rhiannon Fairless aus Neuseeland und Zhanna Gubanova aus der Ukraine – beschreiben Tanz als gemeinsame Sprache jenseits kultureller Grenzen. Der uigurische Breakdancer Serhat Perhat thematisiert gemeinsam mit Rahät Wumaier in einem autobiografischen Stück der Münchner Kammerspiele die Unterdrückung der Uiguren in China. Trainerin Aylin Elif Özcan stärkt mit ihrem wöchentlichen Tanztraining im Münchner Stadtteil Neuperlach benachteiligte Mädchen und junge Frauen. Beim öffentlichen Format „Tanzen im Westpark" des Münchner Kulturreferats kommen zudem Menschen zusammen, die im Alltag oft allein sind, um durch gemeinsames Tanzen Einsamkeit zu überwinden.
Das Theater Basel zeigt mit „Van Manen/Kyliàn/Goecke" ein Tanzabend-Programm mit drei Choreografien, das laut Teaser alle Sinne anspricht.
Courtney May Robertson zeigt in ihrem Stück „Hunter" in Berlin einen eindringlichen Pas de deux mit sich selbst.
Das transnationale Performancekollektiv La Fleur bearbeitet Molières Klassiker auf kollektive, kritische und komische Weise und überzeugt damit laut Bericht in Frankfurt.
Ein Triple Bill des Ballet de l'Opéra National de Bordeaux hinterlässt gemischte Eindrücke beim Publikum.
Am Folkwang Tanzstudio in Essen präsentieren zwei choreografische Arbeiten eine Begegnung zwischen indigener Tanzkunst und Cello-Klängen.
Zufit Simons neue Tanzproduktion „The Fight Club" setzt sich choreografisch mit der Ästhetik des Boxkampfes auseinander und zeigt Parallelen zu ihrer preisgekrönten Arbeit „Radical Cheerleading".
Doris Uhlichs Tanzstück „Glitsch" an den Münchner Kammerspielen setzt sich auf kreative Weise mit normierten Körperbildern auseinander.
Die 4. Auflage von „Un derious Gestures" am HAU Berlin versammelt sieben Choreografen aus dem Mittleren Osten.
Die neue Stuttgarter Company WINNDance präsentiert internationales Ballett mit Tänzerinnen und Tänzern jenseits der 40 und sorgt mit ihrem Auftritt bei der Biennale di Venezia für Aufsehen.
Das Triple-Bill „Phoenix Effect" am Musiktheater im Revier zeigt laut Teaser eine spannende Körperlichkeit in einem eindrucksvollen Ensemble.
Das Tanzstück „Triple Impact" am Staatstheater Braunschweig zeigt laut Teaser selbstbewusste Tänzer mit starkem Ausdruck und ausgeglichener Energie.
Das Triple-Bill „Les Ballets Actuels" am Staatstheater Nürnberg präsentiert rebellische und explosive Choreografien, die unterschiedliche Dynamiken des Zusammenseins erkunden.
Der australische Tänzer Callum Linnane wechselt zur Spielzeit 2026/27 als Erster Solist zum Hamburg Ballett und gastiert bereits im Mai 2026 in der Titelrolle von John Neumeiers „Nijinsky".
Der Doppelabend „Get into the Groove" am Ballett Kiel zeigt Kevin O'Days abstraktes „Riffdrift" und Amilcar Moret Gonzalez' emotional-kitschiges „Perfect Scent", das Frauen von einem Engel vor suizidalen Dämonen retten lässt – beide Stücke verfehlen trotz starker Momente den titelgebenden Groove.
Die Tanzschule Güth aus Hamm gewann bei den Deutschen Meisterschaften HipHop Inklusion drei Titel, davon zwei durch Justin Gehde in den Solo-Kategorien integrativer Breakdance und integrativer Hip-Hop.
Gauthier Dance zeigt im Theaterhaus Stuttgart zwei Stücke des Choreografen Barak Marshall: „Barker" mit den Gauthier Juniors über eine Dienerrebellion und „Harry" über einen unsterblichen Liebessuchenden, beide geprägt von Slapstick, schwarzem Humor und roter Fahnen-Symbolik.
Kinsun Chans Uraufführung „Parts and Pieces" mit dem Semperoperballett verbindet Tanz, Livemusik und Elektronik unter dem Konzept des japanischen Kintsugi. Starke Gruppenszenen prägen den Abend, der dramaturgisch gegen Ende an Kraft verliert.
Choreograf Enrique Gasa Valga über seine neue Tanztrilogie, kreative Intuition und warum "Dorian Gray" perfekt in unsere Zeit passt.
Der Ballett-Doppelabend "Jeu des Cartes / Pulcinella" verbindet Igor Stravinskys Musik mit tänzerischem Witz, Maskerade und rhythmischer Präzision.