Pressespiegel
Kuratierte Kulturberichterstattung aus Bayern und darüber hinaus.
Artikel: nmz
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Das bundesweite Chorfestival «chor.com» findet erstmals in Leipzig statt und bringt vom 1. bis 4. Oktober die deutsche Chorszene zusammen. Geplant sind über 150 Workshops, Masterclasses, 20 Konzerte und eine Ausstellermesse mit rund 60 Ausstellern. Ex-Bundespräsident Christian Wulff betont als Präsident des Deutschen Chorverbandes, dass Chöre Brücken zwischen Kulturen und sozialen Hintergründen bauen. Das Festival steht unter dem Motto „Building Bridges – wie Chormusik neue Verbindungen schafft".
Beim 17. Bundeswettbewerb Schulpraktisches Klavierspiel Carl Bechstein an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar wurden acht Preisträger*innen ausgezeichnet. Damian Bach (Mainz) gewann die Wertungsrunde „Liedspiel", Luis Jäckel (Freiburg) das „Partitur- und Vom-Blatt-Spiel" und Charlotte Stärk (Köln) die „Improvisation". Den Publikumspreis erhielt Michael Domaschka von der Hochschule für Musik Würzburg. Weitere Sonderpreise gingen an Jakob Maas, Simon Flock, Sebastian Munch und David Kiefer. Der Wettbewerb wurde von der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar gemeinsam mit dem Bundesverband Musikunterricht und der Carl Bechstein Stiftung ausgerichtet.
Die Dresdner Musikfestspiele starten ihre 49. Ausgabe unter dem Motto „Leichtigkeit des Seins" mit starker Nachfrage: Mehr als ein Drittel der 64 Veranstaltungen ist bereits ausverkauft. Den Auftakt bildet eine konzertante Aufführung von Wagners „Götterdämmerung" auf historischen Instrumenten, finanziert durch eine Spende von rund 1,7 Millionen Euro des Packard Humanities Institute. Das vielfältige Programm reicht von Klassik über Jazz und Weltmusik bis zu Schauspiel und umfasst Debüts von Tobias Moretti, dem Wiener Burgtheater und Youtube-Star Hayato Sumino. Zum Abschluss am 14. Juni tritt Hollywood-Legende Bill Murray gemeinsam mit Intendant Jan Vogler im Programm „New Worlds" auf.
Die Bayerische Staatsoper hat Brett Deans Oper „Of one Blood" über die Rivalität zwischen Elisabeth I. und Mary Stuart uraufgeführt. Die Komposition mit großem Orchesteraufwand und elektronischen Elementen überzeugt musikdramatisch nur bedingt, da sie kaum hörbare Unterschiede zwischen den beiden Sopranistinnen Johanni van Oostrum und Vera-Lotte Boecker schafft. GMD Vladimir Jurowski leitet souverän durch die anspruchsvollen Partien. Gerettet wird der Abend durch Claus Guths Inszenierung, die die Handlung in einem futuristischen Museum ansiedelt und die Personenregie bis ins Detail ausarbeitet. Ob sich das Werk ohne diese glänzende Inszenierung im Repertoire behaupten kann, bleibt offen.
Der Deutsche Komponist:innenverband (DKV) hat auf seiner Ordentlichen Mitgliederversammlung am 05.05.2026 einen neuen Vorstand gewählt. Alexander Strauch übernimmt das Amt des Präsidenten, Hans Lüdemann wird Vizepräsident. Rainer Fabich, Johannes K. Hildebrandt und Charlotte Seither wurden wiedergewählt, während Fabian Blum, Franz Michael Deimling, Uli Pohl und Andreas Wolff neu in den Vorstand einziehen. Der Vorstand leitet die inhaltliche Arbeit und die finanziellen Belange des DKV ehrenamtlich.
Die öffentlichen Musikschulen in Sachsen-Anhalt verzeichnen nach dem Corona-bedingten Rückgang wieder steigende Schülerzahlen: Aktuell lernen rund 15.800 Menschen an 20 Schulen ein Instrument. Rund 1.900 Kinder und Jugendliche stehen noch auf Wartelisten, wobei sich die Situation dank 45 neu eingestellter Lehrkräfte und erhöhter Landesförderung (5,1 Mio. Euro) leicht entspannt hat. Beliebteste Instrumente sind Klavier, Gitarre und Geige. Trotz ungebrochen hohem Interesse am Musiklernen beobachten Fachleute eine sinkende Bereitschaft zum Durchhalten, bedingt durch Freizeitkonkurrenz und Termindruck bei Familien.
Die Bayerische Staatsoper hat mit „Of One Blood" eine neue Oper von Komponist Brett Dean und Librettistin Heather Betts uraufgeführt, die den Machtkampf zwischen Elizabeth I. und Mary Stuart beleuchtet. Das Libretto basiert auf historischen Briefen und Gedichten und zeigt beide Königinnen als Opfer politischer Zwänge ihrer Epoche. Regisseur Claus Guth inszeniert die Geschichte als historische Sezierung, in der die Westminster Abbey zum Forschungslabor wird. Die Sopranistin Vera-Lotte Boecker als Mary Stuart und Dirigent Vladimir Jurowski erhielten besonders viel Applaus bei der umjubelten Uraufführung.
Die Münchener Biennale für neues Musiktheater eröffnet mit einem Doppelabend, der Hans Werner Henzes Liedzyklus „Voices" (1973) als Ausgangspunkt nutzt und dessen gesellschaftskritische Themen als erschreckend aktuell präsentiert. Während der erste Teil mit Sänger:innen der Theaterakademie und dem Münchner Kammerorchester überzeugt, bleibt der zweite Teil um einen humanoiden Roboter konzeptuell plakativ. Zari Alis „Codeborn" über eine KI-Versuchsanordnung enttäuscht mit unklarer Dramaturgie und klanglichem Tumult. Den stärksten Eindruck hinterlässt „Endlich" von Asia Ahmetjanova und Franziska Angerer, das mit sieben älteren Laiendarsteller:innen, drei Nornen und einer klar strukturierten Musik das Älterwerden und Sterben würdevoll in Szene setzt.
Das Theater Koblenz zeigt John Adams' jüngste Oper „Antony and Cleopatra" als erstes Haus in Deutschland, inszeniert von Intendant Markus Dietze. Die Produktion überzeugt mit einem dramatisch dichten Soundtrack des Staatsorchesters unter Enrico Delamboye sowie einem exzellenten Solistenensemble, angeführt von Danielle Rohr als Cleopatra und Andrew Finden als Antony. Dietze verdichtet das politische Liebesdrama um Macht und Emotion zu einem packenden Bühnenabend mit reduziertem, wirkungsvollem Bühnenbild.