Pressespiegel
Kuratierte Kulturberichterstattung aus Bayern und darüber hinaus.
Thema: Teilhabe & Repräsentation
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Enrico Stolzenburg, Professor für Szene im Schauspielstudiengang der Universität der Künste Berlin, erläutert im Interview mit der Fachzeitschrift „Die Deutsche Bühne", wie er und sein Kollegium die Ausbildung in den vergangenen Jahren grundlegend reformiert haben. Kernpunkte sind die bewusste Diversifizierung der Studierendenschaft unabhängig von akademischer Vorbildung, eine technikoffene Methodik ohne festgelegte Spielweise sowie die stärkere Verzahnung von Theater- und Filmausbildung. Stolzenburg betont zudem die körperliche Ausbildung als zunehmend notwendiges Gegengewicht zu einer digitalisierten Lebenswelt. Mit der Initiative „Please Call Us, We Call You!" wirbt er explizit um Bewerberinnen und Bewerber, die sich aufgrund von Herkunft, Geschlecht, sozialer Klasse oder Beeinträchtigung bisher nicht angesprochen fühlten. Als Erfolgsnachweis verweist er darauf, dass sieben von elf Absolvierenden des aktuellen Jahrgangs bereits Festengagements an renommierten Häusern erhalten haben.
Die Musikdarstellerin AMY gilt als eine der ersten offen trans Frauen im deutschsprachigen Musicalbereich und kämpft um gleichwertige Besetzungschancen an deutschen Theatern. Anlässlich ihrer Titelrolle in „Hedwig and The Angry Inch" am Theater Hof porträtiert Autor Roland H. Dippel die 28-Jährige, die nach ihrer Transition eine zweite Karriere begann und seither unter anderem an der Musikalischen Komödie Leipzig und den Luisenburg-Festspielen Wunsiedel auftritt. AMY wird bislang vor allem für androgyneoder queere Rollen besetzt – etwa Frank N. Furter oder Herodes –, während klassische Frauenrollen in heterosexuellen Konstellationen für sie strukturell kaum zugänglich sind. Als Hindernisse benennt der Artikel konservative Theaterleitungen, restriktive Rechteinhaber von Musicals sowie heteronormative Besetzungskonventionen. AMYs erklärtes Ziel ist es, als trans Frau dieselben Besetzungsmöglichkeiten zu erhalten wie Cis-Frauen – darunter Wunschrollen wie Mrs. Danvers in „Rebecca" oder Lady Macbeth.
Die Burgtheater-Schauspielerin Safira Robens reflektiert in einem persönlichen Essay über ihre Erfahrungen mit Rassismus und struktureller Ausgrenzung im deutschsprachigen Theaterbetrieb. Anlass ist die aktuelle Blackfacing-Debatte am Schauspielhaus Hamburg, die sie an ein traumatisches Erlebnis beim Burgtheater erinnert: eine Inszenierung von Koltès' Stück mit dem N-Wort im Titel, nach der ein eskaliertes Publikumsgespräch sie körperlich krank werden ließ. Robens beschreibt zugleich bestärkende Momente ihrer Karriere, darunter Jelinek-Uraufführungen und die Produktion „Katharsis" über den Afrowienern Angelo Soliman und seine Tochter am Burgtheater, wo sich das Publikum und die Kantine sichtbar verändert hätten. Die 1994 geborene Schauspielerin, die vor Wien in Lissabon tätig war, wo ihre Hautfarbe keine Rolle gespielt habe, fordert ein Theater, das Europas koloniale Geschichte anerkennt und künstlerisch verarbeitet. Sie zeigt sich trotz aller Kritik optimistisch über einen spürbaren, wenn auch langsamen Wandel im Burgtheater und im Wiener Kulturbetrieb insgesamt.
„Call me DJ!" ist eine fünfteilige Dokumentarserie von ARD Kultur aus dem Jahr 2022, die die elektronische Musikszene aus weiblicher Perspektive beleuchtet. Regie führte Rosanna Grüter; als Protagonistinnen treten unter anderem Bebetta, Magdalena, Joyce Muniz, Rebekah und Electric Indigo auf. Die Serie beleuchtet verschiedene Aspekte des DJ-Lebens: den oft glamourös wirkenden, tatsächlich aber von Schlafmangel und Diskriminierung geprägten Toralltag, kreative Prozesse, den Gender-Pay-Gap im Musikbusiness sowie die Vereinbarkeit des Berufs mit Privatleben und Familie. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem politischen Engagement weiblicher DJs, die Netzwerke gründen, Nachwuchs fördern und gegen sexuelle Gewalt im Clubumfeld eintreten. Die Dreharbeiten fanden in Deutschland, Österreich und Frankreich statt; produziert wurde die Serie von Load Studios für ARD Kultur.