Pressespiegel
Kuratierte Kulturberichterstattung aus Bayern und darüber hinaus.
Thema: Theater – Formen & Rollen
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„For The Drama" ist eine dreiteilige ARD-Kultur-Serie aus dem Jahr 2024, die als „Real-Life-Fiction" ein fiktionales Beziehungsdrama mit dokumentarischen Aufnahmen aus dem Opernbetrieb verbindet. Im Mittelpunkt stehen Rosa (Marie Nasemann) und Gabriel (Eidin Jalali), die als Zweitbesetzung der „Fledermaus"-Operette an der Bayerischen Staatsoper arbeiten und sich mitten in den Proben trennen – während Rosa feststellt, dass sie schwanger ist. Gedreht wurde die Serie während Barrie Koskys Neuinszenierung der „Fledermaus" in München; Kosky sowie Opernstars wie Diana Damrau und Georg Nigl treten in Cameo-Rollen auf. Die Serie greift inhaltlich die Motive der Strauß-Operette auf – Verrat, Rache und enttäuschte Liebe – und entstand durch eine Mischung aus Skript und Improvisation. Beim Film Fest International London wurde „For The Drama" mit zwei Preisen ausgezeichnet, für den besten Schnitt und den herausragenden Schauspieler jeweils in der Kategorie fremdsprachiger Film.
„Die HipHopHelden – Romeo feat. Julia" ist eine 20-teilige Dokumentationsreihe des SWR aus dem Jahr 2012, produziert für den KiKA. Acht jugendliche Hip-Hopper aus ganz Deutschland werden in dem Projekt darauf vorbereitet, Shakespeares „Romeo und Julia" als Rap-Performance auf der Bühne zu präsentieren – begleitet von einem Sinfonieorchester und mehr als 100 Tänzerinnen und Tänzern. Die Serie begleitet die Jugendlichen durch Workshops, Proben und Herausforderungen, unterstützt von Rap-Coach Robin, Musikproduzent Beatzarre, Schauspieler Constantin von Jascheroff und Dirigent François Xavier Roth. Die Folgen zeigen neben dem künstlerischen Trainingsfortschritt auch den Gruppenalltag der Teilnehmer bis hin zur ausverkauften Premiere in Freiburg.
Das Junge Ensemble Dresden unter Leitung von Robert Schad gibt am 23. Mai 2026 um 19 Uhr ein Konzert in der Erlöserkirche Bamberg. Das Programm „An den Wassern" vereint Vokalmusik rund um das Thema Wasser, von klassischer Chorliteratur über geistliche Motetten bis zu Spirituals und folkloristischen Sätzen. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
Im Münchner Lustspielhaus präsentiert ein Kabarett-Kollektiv rund um Jochen Malmsheimer, Sven Kemmler, Nessi Tausendschön, Moses Wolff und weitere Künstler vom 12. bis 15. Mai 2026 das Stück „Die Odyssee – Durst ist schlimmer als Heimweh". Das Ensemble, das zuvor bereits Stoffe wie König Artus, die Musketiere und den Wilden Westen bearbeitet hat, wendet sich diesmal dem antiken Epos Homers zu. Die Produktion entsteht nach einem kollektiven Prinzip: Jeder Beteiligte bringt eigene Nummern mit, Sven Kemmler führt Regie, und das endgültige Programm wird erst am Vorabend der Premiere zusammengestellt. Im Interview mit der AZ spricht Malmsheimer über seine Rolle als blinder Seher Teiresias, die offene Besetzung der übrigen Figuren sowie die zufällige zeitliche Koinzidenz mit Christopher Nolans kommendem Hollywood-Blockbuster über denselben Stoff mit Matt Damon in der Hauptrolle.
Am Theater Konstanz inszeniert Regisseur Milan Gather das Stück „Haus blaues Wunder" der Autorin Ingeborg von Zadow, das 2015 im Jungen Nationaltheater Mannheim uraufgeführt wurde. Die absurde Komödie handelt von zwei Männern – Herrn Pfefferkorn und Herrn Goldbeutel –, die unwissentlich dasselbe Haus am Meer kaufen und nun den Raum miteinander teilen müssen. Die beiden Rollen werden von Sylvana Schneider und Jana Alexia Rödiger gespielt, die zwischen Slapstick und hochdramatischen Szenen agieren. Bühnenbild und Kostüme von Phin Mindner setzen die gegensätzlichen Figuren farblich in Blau- und Orangetönen in Szene, begleitet von der Musik Jonas Bolles.
Das ungarische Regieduo Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka hat am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken Wagners „Götterdämmerung" als Abschluss eines naturwissenschaftlich-technologisch gedeuteten „Ring"-Zyklus inszeniert, in dem KI und Gentechnik als dramaturgische Leitkonzepte fungieren. Dirigent Sébastien Rouland führt das Orchester durch einen Wagner, der zwischen feiner Kammermusik und überwältigenden Klangmassen wechselt, wobei die Blechbläser gelegentlich das Gleichgewicht stören. Sängerisch überzeugen vor allem Aile Asszonyi als Brünnhilde, Tilmann Unger als Siegfried und Markus Jaursch als Hagen. Die Inszenierung wird jedoch keine Fortsetzung als Gesamtzyklus erleben, da weder der scheidende Intendant Bodo Busse noch sein Nachfolger Michael Schulz die Produktion weiterführen wollen.
Das Theater Freiburg zeigt eine Theaterfassung von Lars von Triers Film „Europa" (1991) in der Inszenierung des niederländischen Regisseurs Mart van Berckel. Die spartenübergreifende Produktion erzählt von dem deutschstämmigen Amerikaner Leopold Kessler, der 1945 nach Deutschland kommt und schrittweise von nationalsozialistischen Widerstandsgruppen instrumentalisiert wird. Das Ensemble aus Schauspiel und Musiktheater – darunter Jakob Kunath, Anja Jung und Roberto Gionfriddo – trägt die lose strukturierte, rund zweistündige „musikdramatische Selbstbetrachtung" mit Musik von Wagner bis Ligeti, gespielt vom Philharmonischen Orchester Freiburg. Auf konkrete aktuelle Bezüge verzichtet van Berckel, lässt aber durch die Darstellung von Schuldverdrängung und Empathielosigkeit Gegenwartsbezüge implizit durchscheinen.
Peter Turrinis neues Stück „Was für ein schönes Ende" hatte am Wiener Theater in der Josefstadt unter der Regie von Janusz Kica Uraufführung. Das Werk bildet den Abschluss der 20-jährigen Intendanz von Herbert Föttinger, der selbst die Hauptrolle des vergessenen Mozart-Librettisten Lorenzo da Ponte spielt. Das Stück ist eine überarbeitete Fassung von Turrinis früherer Tragikomödie „Da Ponte in Santa Fe" (2002) und thematisiert das Schattendasein von Librettisten sowie die Kommerzialisierung der Kunst. Laut Kritikerin Christina Kaindl-Hönig bleibt die Inszenierung jedoch zu brav, entfaltet weder ausreichend Tempo noch überzeugende Metaphern für Turrinis Gesellschaftskritik, und Föttingers Darstellung des Da Ponte erschöpft sich in dargestellter Altersschwäche statt existentiellem Ringen.
„Gelbes Gold" von Fabienne Dür ist eine Uraufführung am Schauspiel Stuttgart im Foyer des Kammertheaters, inszeniert von Johanna Rödder-Mikow in ihrem Regiedebüt. Das Stück zeigt eine Plattenbausiedlung im Abriss, in die die Studentin Ana zurückkehrt und dabei die verborgenen Konflikte ihres Umfelds – Vater, Nachbarin Mimi und Freundin Juli – aufdeckt. Autorin Fabienne Dür verwendet das naturalistische Mittel der Rückkehrerfigur, um soziale Hoffnungslosigkeit und das Scheitern in einem strukturschwachen Milieu darzustellen. Rödder-Mikow erarbeitet mit dem Ensemble präzise Charakterzeichnungen, wobei die zentrale Figur Ana dramaturgisch wenig Handlungsspielraum erhält, was den Abend stellenweise gedehnt wirken lässt.
Das ETA Hoffmann Theater Bamberg hat Robert Seethalers erstes abendfüllendes Theaterstück „Vernissage" uraufgeführt – ein Werk, das der österreichische Romanautor nach Jahren als Schauspieler und langer Bühnendistanz erstmals für das Theater verfasste. Das Stück schildert über drei Tage die zwischenmenschlichen Konflikte rund um eine erfolglose Vernissage in einer heruntergekommenen Kunstgalerie, wobei acht gleichberechtigte Figuren das Ensemble-Stück tragen. Regisseurin Jana Vetten inszenierte das Stück, das mit seiner melancholischen Atmosphäre und dem morbiden Kunstmilieu an Tschechow erinnert; die Bühne von Genia Leis wird dabei besonders hervorgehoben. Seethaler selbst war bei der Premiere nicht anwesend – teils aus seiner bekannten Scheu vor Zuschauerräumen, teils wegen der gleichzeitigen Veröffentlichung seines neuen Romans „Die Straße". Die Aufführung habe laut Kritik Anlaufzeit gebraucht, hinterlasse aber bleibende Bilder und Momente.
Am Schauspiel Stuttgart hat Regisseur Viktor Bodó Bertolt Brechts „Dreigroschenoper" mit der Musik von Kurt Weill inszeniert, inspiriert vom „Dreigroschenroman" und ausgestattet mit einem multifunktionalen Bühnenbild von Zita Schnábel. Im Zentrum der Inszenierung stehen Korruption und kapitalistische Strukturen, die Bodó auf allen gesellschaftlichen Ebenen verortet und durch einen Gerichtsrahmen sowie Szenen im Publikumsraum unterstreicht. Marcel Heuperman gastiert als Mackie Messer, flankiert von einem starken Ensemble mit Josephine Köhler, Klaus Rodewald, Marietta Meguid und anderen. Musikalischer Leiter Klaus von Heydenaber dirigiert eine siebenköpfige Kombo und sorgt dafür, dass Weills Songs schwungvoll zur Geltung kommen. Laut Kritiker Manfred Jahnke überlagert die mitreißende Musik und die spürbare Spielfreude des Ensembles die gesellschaftskritische Intention der Inszenierung – ein Widerspruch, der bereits der Uraufführung von 1928 eigen war.
US-Rapperin Megan Thee Stallion verlässt das Broadway-Musical „Moulin Rouge" vorzeitig: Ihre letzte Vorstellung als Zidler im Al Hirschfeld Theatre in New York wird der 1. Mai sein, obwohl ihr Engagement ursprünglich bis zum 17. Mai geplant war. Die 31-Jährige hatte am 24. März ihr Broadway-Debüt gegeben und dabei als erste Frau die Rolle des Zidler übernommen. Während des Engagements kämpfte sie nach eigenen Angaben mit gesundheitlichen Problemen – ein Krankenhausaufenthalt zwang sie Ende März zu einer kurzen Pause. Einen konkreten Grund für das vorzeitige Ende nennt sie nicht; privat machte sie zuletzt mit ihrer Trennung von NBA-Profi Klay Thompson Schlagzeilen. Wer die Rolle vom 2. bis 17. Mai übernimmt, wurde noch nicht bekanntgegeben.
Anna Smolar und ihr Team schicken "Eurydike und Orpheus" in flüssigen Stickstoff. Doch auf die Fragen nach Leben und Liebe gibt es nur oberflächliche Antworten.
Der britische Autor und Regisseur Robert Icke hat seine Neufassung des Sophokles-Dramas „Ödipus" am Münchner Residenztheater inszeniert – als deutschsprachige Erstaufführung nach Stationen am Londoner Westend und am New Yorker Broadway. Icke verlegt die antike Tragödie in die Gegenwart: Ödipus ist ein aufstrebender Politiker, der Transparenz verspricht und Licht ins Dunkel bringen will, ohne zu ahnen, dass er einst seinen Vater Laios bei einem vertuschten Autounfall getötet hat und nun mit seiner leiblichen Mutter Iokaste verheiratet ist. Florian von Manteuffel spielt die Titelrolle, Barbara Horvath die Iokaste; besonders die Zweierszene, in der Iokaste von jahrzehntelangem verdrängtem Missbrauch durch Laios erzählt, wird von der Rezensentin als stärkster Moment des Abends hervorgehoben. Die sterile weiße Bühne von Hildegard Bechtler und ein Countdown bis zur Wahlnacht rahmen das Geschehen als modernen Polit-Thriller. Weitere Aufführungen sind für Mai und Juni 2026 geplant.
Die Schauspielerin steht als Eurydike in der Überschreibung des antiken Mythos durch die Regisseurin Anna Smolar und ihr Team (Komposition: Jan Duszynski, Libretto: Robert Bolesto) auf der Bühne der Kammerspiele